Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 49 (6.12.1895)
- Date
- 1895-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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rtjgMMEXa , Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 901 Nr. 49 (Auf Schloß Rosenau): Schönerer:^ „Was schreibt Polonski?" | Iro: „Er erinnert schon wieder an Schmul Leeb! Kohn. . . ."! Schönerer (rasend:) „Schreiben Sie augenblicklich! einen Artikel über die defraudirten S u in m en der Mühldorser Gemeindecasse . . . * * Arzt: „Nun, Herr Schneider, tute denken Sie über die Leichenverbrennung?" Mechaniker Schneider: „Bei den Juden soll man's einführen.aber noch rechtzeitig, bei Lebzeiten . . . .“ Gregorig: „Sagen Sie mir, Herr Dr. Pattai! warum schwärmen Sie eigentlich so sehr für den Krieg? . . . Wir sollen doch eine Volkspartei sein . . . ." D r. P a t t a i: „Hm . . . wissen Sie . . . sehen's im Krieg . . . nun da müssen auch die Juden kämpfen und da sie ... . also . . . hm . . ." Gregorig (stra hlend): „Sie sind ein genialer Nimm, Herr Doctor! Das ist großartig. Was liegt an zehn Christen, wenn auch e i n I u d' d ab ei z u Grunde geht!../ SfC * Monsignore Scheich er: Ja, verehrter Herr, Amtsbruder, wir müssen uns — leider! — wegen des Alten Testamentes doch eine gewisse Reserve auferlegen . . Pfarrer Scherzer: „Ja, das Alte Testament ist eine große Verlegenheit für uns. Schon die Zehngebote sind so eine unangehme jüdische Erfindung!";Jc * Erster Schulbub: „Im Katechismus haben wir heute gelernt: „Du sollst Deinen Feind lieben!" Zweiter Schulbub: „Uje, und da sagt mein Vater immer: Der Jud ist der Feind!" Ach er. Vom Jahrmarkt des Lebens. Fanatisirte Weiber. Am 2. d. M. sollte jene Versammlung christlicher Frauen, welche vorige Woche in die Brigittenau einberufen war und wegen Ueberfüllung des Saales aufgelöst wurde, in Swoboda's Restauration im Prater abgehalten werden. Trotz des schlechten Wetters hatten sich über 4000 Frauen aus allen Bezirken Wiens eingefunden und auch diesmal drohte durch die Ueberfüllung solche Gefahr, daß der Regierungsvertreter neuerdings die Abhaltung der Versammlung verbot. Als Dr. L u e g er erschien, spielten sich dieselben Scenen ab, wie in der Brigittenau. Die sanatisirten Frauen stürzten auf ihn zu, küßten ihm die Hände und den Saum seines Gewandes und Einige sanken sogar vor ihm aufs Knie. Nach Auflösung der Versammlung gab es in der Leopoldstadt und Inneren Stadt eine Reihe widerlicher Scenen, über welche die „Neue Freie Presse" folgendermaßen berichtet: „Nun formirten die Frauen wie auf unsichtbares Commando einen geschlossenen Zug, und das Gros der Menge, zumeist Weiber aus dem Volke mit Kopftüchern und Umhängtüchern, doch auch viele gutgekleidete unter ihnen, marschirt, von zahlreichen Männern und Kindern begleitet, durch die Ausstellungsstraße dem Praterstern zu, wo eine schwache Abtheilung von etwa zehn Mann Wache dem Menschenstrome nicht Halt gebieten kann. Der Strom ergießt sich in die Praterstraße, und nun beginnt eine Reihe der widerlichsten Scenen. Unter dem unaufhörlichen Geheul: „Hoch Lueger! Nieder mit den Inden! Kaust nur bei Christen! Aushängen die Juden! Kaufes nix bei Juden!" wälzt sich der etwa 2000 Köpfe zählende Menschenstrom längs der linken Seite der Praterstraße der Stadt zu; jüdische Passanten, die nicht schnell genug ausweichen, werden a n g e s p u ck t, infultirt und gestoß en. Sie flüchten eilends aus dem Bereich der Menge, die ihnen die u ns l ä t h i g st e n S ch i m p s w o r t e nachbrüllt und jede einzelne dieser Rohheiten mit Gejohl und Gelächter begleitet. Beim Branntweiner L e w i t n s machte der weibliche Mob zuerst Halt: Schreie, Verwünschungen werden ausgestoßen, die Fensterscheiben an g e sp u ck t. Beim Cafe Roth wiederholt sich dasselbe widerliche Schauspiel: ein alter Jude, der des Weges kommt, wird „gestellt" und mit den Worten: „N i e d e r m i t d e n I u d e u!" angebrüllt. Dann ergießt sich ein H o h n g e l ä ch t e r über den an allen Gliedern zitternden Greis und die Menge eilt weiter. Beim (Seite Licht macht sie wieder Halt; es sitzen mehrere jüdische Gäste an den Fenstern, das reizt die Menge, und mehrere ganz besonders s a na t i s irteW e ib er reißen die T h ü r e des L o c a l s ans und dringen mit den R u feu „9tteb er mit den Jud e u in das C a f«'■ e in. Der Cafetier und eine Anzahl Gäste eilten zur Thüre und jagten die ungebetenen Gäste ebenso rasch, als sie gekommen, wieder hinaus. So geht es auch beim Bazar R i x, beim Cafe Continental, beim Cafe Fetze r, beim „Hotel de l'E u r o p e" und beim „Hotel Continental". Bei jedem Kaffeehause, bei jedem Geschäfte, das Juden gehört, wird gejohlt und gespuckt. Ueberall in den Stockwerken der Häuser öffnen sich die Fenster, aus den Läden eilen die Leute erschrocken auf die Straße. So gelangt die Menge bis zur Asperngaffe, wo eine kleine Abtheilung Wache die Menge theilt. Ein kleinerer Trupp zieht zur Aspernbrücke, wo eine elegant gekleidete, mit einem älteren Herrn im Gespräche stehende Dame angespuckt und derart infultirt wird, daß sie schreiend flüchtet. Das Gros des Zuges — etwa 600 bis 800 Personen — dringt in dichter Masse über die Ferdinandsbrücke der Stadt zu. Vor dem Cafe Edison, dessen Gäste neugierig auf die Straße eilen, beginnt wieder das Gejohle, und unter fortwährendem Toben und Schreien, Spucke n und Schimpfen vor den Gast-, Kaffee- und Geschäftslocalen nimmt die Menge ihren Weg durch die Adlergasse und Rothenthurmstraße zum Stesansplatz, die genannten Straßen derart ausfallend, daß der Verkehr stockt. Auf dem Stefansplatze tritt der Masse wieder eine kleine Abcheilung Wache entgegen, und der neunzehnjährige Uhrmach rgehilfe Michael R a m s t o r s, der fortwährend „H och Lueger!" und „Nieder mit den Juden!" schreit, wird hier verhaftet. Endlich an der Ecke der Singerstraße^ gelingt es einer weiteren Abtheilung Wache den Menschenstrom aufzuhalten und durch energisches Vorgehen in die Seitengassen abzudrängen, wo er sich zerstreute. Bei dieser Gelegenheit wurde ein zweites Individuum arretirt; es ist der 25jährige, aus Würzburg zugereiste Buchdrucker Maximilian Gustav Wacker, der auf dem ganzen Wege vom Praterstern au stets das S i g n a l z u den E x c e s s e n gegeben hatte. Der über die Aspernbrücke auf die Ringstraße gelangte Trupp zerstreute sich rasch, und damit endeten die widerlichen Straßenscenen, deren Veranstalterinnen sich, wie ruhige Beobachter constatirten, geradezu wie wüthend geberdeten. Eine Anzahl der Theilnehmerinnen an der Versammlung besetzte nach Auflösung derselben die Gasthäuser im Prater. Beim „Eisvogel" sammelten sich etwa 150 Frauen, die dort in lebhafter Weise discutirten. Dr. Lueger und P. Dittrich fanden sich dort ein und wurden stürmisch bejubelt. Auch in der Schwemme der Nordbahnhof Restauration kehrte ein Theil der Theilnehmerinnen der Versammlung ein. An beiden Drten wurde dem Wein und Bier lebhaft zugesprochen."