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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-29 · 48 (29.11.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 8?2 Dr Bloch's Wv^enfchrist. Nr. 48 den Fall an, daß der „Fall zu Fall" einen Fall involvirt, bei dem sich der Fall ereignet, daß die Juden unter diesem Fall leiden, so würde es sich dann Herausstellen, daß die Cooperation der Entschuldigungsgrund, mit dem der Herr Landtagscandidat Scharf jedenfalls sich sein Mandat sichern wollte, eine taktische' Cooperation gewesen ist." Und dieser Herr Scharf ist der Präsident eines B-reines. der es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Gottesdienst in den jüdischen Landgemeinden Böhmens zu czechisiren, die seit vielen Decennien daselbst bestehenden confeffionellen Schulen aufzulösen, um angeblich aus diese Weise den Antisemitismus in Böhmen unterdrücken und bekämpfen zu können. O, du beneidenswerthes czechisches Judenthum! Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß die Volksschule ein berufener Factor zur Eindämmung der unglückseligen confessionellen Zwietracht ist. verfolgt der Unterzeichnete mit Interesse die Veröffentlichungen jenes Organs des vaterländischen Lehrerbund :s, welches seit Kurzem zur sogenannten „Wiener Frage" ekfrigst Stellung nimmt und woraus ich unter dem 7. d. M. eine Aeußerung in Ihrem sehr geschätzten Blatte zu reproduciren mir gestattete. Auf diese von dem Geiste wahrer, aufrichtiger Toleranz dictirten Aeußerung erwidert nun in der vorletzten Nummer des „Deutschen Lehrerfreundes" ein Herr Dr. Kraus Folgendes: „Es ist unrichtig, daß Wiener Lehrer nach Entfernung der jüdischen Kinder aus den Schulen schreien. Das thun nicht einmal die wenigen (?) antisemitischen Lehrer, denn an Schulen, wo jüdische Kinder sind, winkt Nebenerwerb, und den verschmähen auch die antisemitischen Lehrer nicht. Non ölet. Nach Schlagworten die während des Wahlkampfes fallen, darf man eben nicht urtheilen. Der schöne Karl hat ja auch versprochen, die jüdischen Beamten aus den Amtsbureaux zu entfernen. Als Bürgermeister wird er es < ber mit den Nürnbergern halten und Niemand vertreiben oder gar hängen, den er nicht finden wird." Dunkel ist der Rede Sinn. Doch sollte dies eine Reinwaschung der „jungen Wiener Lehrerschaft" sein, so kennen wir keine traurigere Anklage gegen den erzieherischen Niedergang und Mißbrauch, als in den Worten: „wo jüdische Kinder sind, winkt Nebenerwerb und den verschmähen auch die antisemitischen Lehrer nicht." Nun weiter Herr Doctor: „Nach Schlagworten, die während des Wablkamvfes fallen" urtheilt wohl kein Redlichdenkender; dies beweist am kaltblütigsten Se. Excellenz der Herr Ministerpräsident. Allein nach Schimpfworten. die während des Unterrichtes fallen gegen zarte unschuldige Kleine, darnach darf man wohl billig urtheilen, Herr Lehrer! Keineswegs wird die Bitterniß dieses Urtheils gemildert durch den hohlen Trost, den wir übrigens in diesem Zusammenhänge gar nicht begreifen: „Als Bürgermeister wird er (Lueger) es aber mit den Nürnbergern halten und Niemand vertreiben" u. s. w. Denn an den geheiligten Stätten der Volkserziehung, wo zwar keine „jüdischen Beamten", aber doch eine erkleckliche Anzahl jüdischer Kleinen zu finden find, ist d nn doch die ausschlagaebende Majorität der Li.eger-Partei. die Lehrerschaft, der Versuchung gegenübergestellt, aus jener Nürnberger Justizmoral bittern Ernst zu machen. Und diese Erwiderung soll ..der Wahrheit die Ebre" geben! Mit Recht sieht sich der Leiter des genannten Blattes bemüssiqt, seine frühere Ansicht, namentlich dem iungen Flügel der Wiener Lehrerschaft gegenüber aufrecht zu erhalten. Die „Zahlen sprechen", erwidert er. Kostet, den 21. November 1895. Dr. S. Mandl, Rabbiner. Tabor. 17. November 1895. In Nachstehendem erlaubeich mir, Ihnen bas Gebühren eines antisemitischen Handwerkers zu schildern. Ich kam Sonntag mildem Nachmittags-Zuge von Prag in Tabor an und suchte bald darauf den Kürschnermeister Bedkich Fresel dortselbst in seiner Privatwohnung auf, um an den mir von ihm vor 14 Tagen angefertigteu Fell- Gamaschen eine Umänderung, resp. Verbesserung durchführen zu lasten. Ich zeigte ihm also jene Stellen, wo die Reparatur nöthig ist und erklärte als Ursache der eingetretenen Schadhaftigkeit die mangelhafte Ausarbeitung derselben, wovon ich ihm durch Anlegung derselben auch augenscheinliche Beweise gab, und bei dieser Gelegenheit gab ich an, inwieferne ich die Reparatur wünsche. Fresel jedoch schien für die in maßvoller Form angesuchte Reparatur kein Gehör oder kein Verständniß zu haben und wies sofort in entschiedenem, zänkischen Tone mein Verlangen als unbegründet zurück; ich machte ihn nochmals aufmerksam, es könne ihn doch die persönliche Augenscheinnahme von der Wahrheit meiner Worte überzeugen, doch seine Haltung war ohne jeden Grund eine so gereizte, daß ich frappirt war. und, um jedem Wortwechsel weiter auszuweichen, sagte ich trockenen Tones, ich wäre nicht zu ihm gekommen, um mit mir herumschreien zu lassen, sondern um an seinem Erzeugnisse eine Umänderung vorzunehmen und muß mir übrigens unter solchen Umständen dieselbe von ihm auch nicht durchführen lassen. „Und ich mach' es Dir auch nicht!" schrie er nun, und zu seinem Weib gewendet, rief er: „Da Schau Dir den Juden an!" — „Du Lausjud", schrie er mich dann wieder an, „schau daß Du hinauskommst, sonst werf ich Dich die Treppen hinunter!" Ich wollte ihn beschwichtigen, er aber packte mich am Hals und warf mich auf das im Zimmer befindliche, zerrissene Sofa hin. Da sprang jedoch sein Weib auf ihn zu und riß ihn von mir weg, da sie vermuthlich seine „gewissenhafte Leistung" in dieser „Arbeit" wohl kennt, und wiewohl auch sie selbst nachträglich die Juden apostrophirte, beschwor sie ihn, er möge bedenken, was er thue. Er aber schrie: „Last' mich los. last' mich los auf ihn" und suchte sich ihr zu entringen, um sich neuerdings auf mich zu stürzen, dock gelang es ihr, ihren Mann in die knapp neben dem Sofa befindliche Kammer hineinzudrängen und hinter ihm die Thür abzusperren. Diesen Moment benützte ich, um mich rasch anzukleiden und ohne Cravatte und Gamaschen mich zu entfernen. Nächsten Tag ging ich zum Staatsanwalt in Tabor, um Fresel zu verklagen, doch sagte mir der betreffende Protokollführer, er rathe mir von dieser Anzeige ab, nachdem ich außer seinem Weib und dem Knaben keinen Zeugen habe, diese die Berechtigung haben, sich der Zeugenschaft zu entschlagen und demnach auf eine bloße Anklage hin, ohne Zeugen, kein Wahrheitsbeweis geliefert werden könne. Nürnbergs (Ein Schwurgerichts-Urtheil) von allgemeinem Interesse wurde am Freitag. 8. d., zu Mülbausen i. E. gefällt. Der frühere katholische Pfarrer Alfons Burtz. zuletzt in Langenau bei Zürich, war des Diebstahles und des Meineides angeklagt. In seiner früheren Pfarrei Niedermagstatt i. E. war anr 16. October 1893 der hochbetagte Ackerer, Fr, Jos. Bilger. gestorben, „ein schlichter, gläubiger Mann, der seine Ergebenheit gegen die Kircke schon früher durch eine Schenkung von 15.000 Mk. bekundet batte", wie der liberale ..Mülhauser Expreg" lagt. Bilger batte keinerlei Verwandte. Es wurde e>n Testament producirt, welches zu Gunsten eines gewissen Brunner lautete; außerdem aber hatte der Pfarrer Burtz, welcher den Verstorbenen in seiner Krankheit viel besucht hatte, einen Zettel von demselben, welcher' verschiedene Legate enthielt und im Uebrigen zu Gunsten der berechtiaten Erben lautete. Unter den Legaten waren 4000 Mk. einem Pathenkinde des Verstorbenen, dem Tbeologiestudierenden Keßler und 10.000 Mk. der Kirche zu Niedermagstatt zugedacht. Der Streit der Verwandten endete mit einem Verzicht des Brunner zu ihren Gunsten, während der Pfarrer die Verwandten dringend ermahnte, das Leaat zu Gunsten der Kirche auszuzahlen,. welches ihre moralische Pflicht sei. Einer der Erben machte darauf dem Gerichte die Anzeige, es fehlten in dem Nachlasse 3 Suez-Obligationen im Werthe von 1950 Franken. Der Amtsrichter von Sierenz verhörte darüber auch den Pfarrer Burtz. der eidlich aussagte: ..er wisse nichts". Später stellte sich jedoch heraus, daß die Werthpapiere in seinem Besitze gewesen waren, und Pfarrer Burtz wurde darauf verhaftet und nach Mülhausen in's Gefängniß überführt., — Am Donnerstag, Morgens 9 Uhr, begann vor dem Schwurgerichte die Verhandlung darüber, und sie dauerte mit kurzer Unterbrechung den Tag und die Nacht hindurch bis am andern Morgen halb 4 Uhr. Der Angeklagte konnte natürlich nicht bestreiten, daß die Papierein seinem Besitz gewesen. Er erklärte jedoch, dieselben seien ihm unter dem Siegel des. B eich tg eh eimniss e s übergeben worden, und, darum könne und dürfe er nichts über den Zweck sagen, ohne das Beichtsiegel zu brechen. Etwa ein Drittel ist bereits' zu Meßstipendien verwendet worden. Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufrecht und führte ans, wir leben nickt in einem Kirchenstaat, sondern im Deutschen Reich, dessen bürgerliches Gesetzbuch solche.Principien nickt anerkenne. Er führte aus, daß die katholischen Geistlichen sich Alles erlauben und Diebstähle nach Belieben begehen könnten, ohne'daß sie zu fassen wären, da sie sich jedesmal hinter einem Beichtgebeimniß verschanzen könnten, daß mit diesen Beichtgebeimniß-Principien ein Geistlicher überhaupt nie zu einem Eid im Gerichtssaal heran gezogen werden könne und noch solle, wenn er sagen

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