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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-29 · 48 (29.11.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 891 ►■«äsf .^MESaSÄiV^'^äSaRSfSiES^saa^jEiäsaissÄKSKsear^ Nr. 84 Dr. Vloch's Wochenschrift. Correspondenzen. Wien. (Trauerfeier.) Für weil, dem verstorbenen Rabbiner Leopold Wo llner fand Sonntag den24.November, 5 Uhr Nachmittags, ein Trauergottesdienst im Vereinsbethause VIII., Florianigaffe 41 statt. Der gesangliche Theil des Programmes wurde vom Obercantor Herrn Singer unter Assistenz des Herrn Cantor Schiller und dem Chore des Stadttempels in meisterhafter Weise durchgeführt. Die Trauerrede hielt Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus vom IX. Bezirk und übte dieselbe eine mächtige tiefe Bewegung auf das überaus zahlreich erschienene Auditorium aus. Außer den Leidtragenden, der Witwe und den Söhnen des Dahingeschiedenen waren anwesend: in Vertretung der Wiener Cultusgemeinde HerrBicepräses Gustav Simon, sowie die Vertreter von nahezu sämmtlichen Wiener Bethausvereinen; ferner bemerkten wir die Herren Ortsschulräthe Dr. Langfelder, S. Heit, den Präses des Vereines zur Hebung der Gewerbe S. B r o d u. v. a. hervorragende Männer der Wiener Judenschaft. Um das Zustandekommen und die äußerst exacte würdevolle Durchführung dieser solennen TrauerkuNdyebung haben sich der Vorstand des Bethausvereines im VIII. Bezirke und ganz besonders die Herren Hermann Beck, Präses, Bicepräses L. Guttmann und Tempelvorstand Max Adler den Dank der Wiener Judenschaft in hohem Maße verdient, und hat Herr Bicepräses Gustav Simon dem Borstande seine Anerkennung am Schluffe der Feier zum Ausdrucke gebracht. 6. Wien. (Z u Eh ren Don Jsak Abarbane l's). Es ist bereits mehrmals in öffentlichen Blättern, namentlich in den hebräischen Zeitschriften.Hazefira", „Hamagid" u.A. von einem gemeinnützigen Werke die Rede gewesen, welches unier GlaubenSgenoffe, der russische Arzt, Dr. Josef Chasanovicz in Bialystok, ins Leben gerufen und bis nun zu einem erfreulichen Grade des Bestandes gebracht hat. Es wird die Leser der „Öesterreichischen Wochenschrift" gewiß intrressiren, wenn wir hier auf diesen vielen derselben vielleicht noch gar nicht bekannten Gegenstand zurückkommen und sie im Interesse einer eminent edlen Sache näher damit bekannt machen. Herr Dr. C h asanovicz ist nicht nur ein hervorragender praktischer Arzt, sondern auch ein bedeutender Gelehrter, welcher dem Studium und der Pflege jüdischer Wissenschaft eifrig ergeben ist. Seit vielen Jahren unterhält er Beziehungen mit unseren jüdischen Glaubensbrüdern in Palästina und besonders sind es die verschiedenen Riten angehörigen Gemeinden in Jerusalem, für deren materielles und geistiges Wohl er seine besten Kräfte einsetzt.Der Zustand der in Jerusalem lebenden Juden ist ein viel zu bekannter, als daß wir denselben erst zu schildern brauchen. Man weiß, daß ohne die Mildthätigkeit, die ihnen von den europäischen Mitbrüdern jahraus jahrein zufließt, die armen Juden in Jerusalem in Noth und Elend ganz verkommen müßten; aber weit trauriger und erbärmlicher als es mit dem so prekären materiellen, sieht es dort mit dem g e i st i gen Zustande aus. Biele Gemeinden entbehren in ihren Schulen und Bethäusern sogar der allernothwendigsten Bücher und Hilfsmittel, woraus die Mitglieder Belehrung, Anregung, mit einem Worte das „geistige Brot" schöpfen könnten. Diesem so schmählichen Zustande, worunter die Juden in Jerusalem schon seit Jahren m leiden hatten, trachtete nun Dr. C h a s a n ov i cz nach und nach abzuhelfen, indem er fort und fort bemüht war eine Sammlung von Werken aller Art, welche die jüdische Literatur aufzuweisen hat, anzuschaffen und sie nach Jerusalem bringen zu lassen. Das größte Verdienst jedoch, welches sich Dr. C h a s a n o v i c z erworben und das ihm einen Ehrenplatz in den Annalen der zeitgenössischen Geschichte einräumt, besteht in der vor Jahresfrist begonnenen Gründung einer Bibliothek für das Bet- Hamidrasch Abarbanel in Jerusalem. Dieses berühmte altehrwürdige Institut entbehrte bis jetzt einer eigentlichen, alle Zweige der jüdischen Wissenschaft umfassenden Büchersammlung. Was an gedruckten Werken dort vorhanden war, genügte kaum den bescheidensten Anforderungen der von Tausenden besuchten Anstalt. Vieles von dem Wenigen ist überdies durch die Länge der Jahre, durch Abnützung, elementare Einwirkungen u. s. w. entweder ganz vernichtet, oder unbrauchbar geworden. Dr. Ch. setzte es sich als eine Hauptaufgabe seines Lebens diese erste und vornehmste Lehrstätte in Jerusalem mit ein-'r großen, des Namens „Abarbanel" würdigen Bibliothek auszustatten und hat zu diesem Zwecke den Erwerb einer mehr als zehnjährigen ärztlichen Praxis dazu verwendet. Diesem edlen Beispiele folgten bald noch andere edle Spender, mit deren Zuhilfenahme das Unternehmen einen festen Bestand gewonnen und heute verfügt das „Bet-Hamidrasch Abarbanel" bereits über den Grundstock einerHBibliothek, welche von allen in Jerusalem wohnenden Juden fteudig begrüßt wird. Was nun Dr. CH. aus eigener Initiative mit schweren, großen, jahrelang gebrachten Opfern geschaffen hat, soll aber auch kveiter ausgebaut, einer weiteren immer größer werdenden Entwicklung entgegengeführt werden. Hierbei handelt eS sich auch durchaus nicht um Geldmittel, sondern einzig und allein um Herbeisch affung, Einsammlung und Ergänzung des bereits vorhandenen Büchermaterials. Zu diesem gemeinsamen Werke kann und soll ein jeder von uns beitragen. Wie viele hebräische Werke liegen massenhaft unbenützt in den jüdischen Gemeinde», bei Familien und einzelnen Personen in der Rumpelkammer und sind dort zu einem sichern, langsainen Berwesungstode verurtheilt. In Gemäßheit des von Dr. CH. schon früher ergangenen Ausrufes richten auch wir diesen Appell an die löblichen Cultusvorstände und jeden einzelnen Besitzer von jüdisch-wissenschaftlichen Werken, zum Ausbau der Abarbanel-Bibliothek durch Bücherspenden beizutraoen. Für Oesterreich- Ungarn und Deutschland hat sich der gelehrte Bibliograph, Herr C h. D. Lippe, Buchhändler in Wien, Praterstraße 13, bereit erklärt, die an ihn einzusendenden Bücher nach Jerusalem zu vermitteln. Angenommen werden: 1. Alle hebräischen W:rke älterer und neuerer Zeit von talmudisch-halachischer, homiletischer philosophischer oder exegetischer Art. 2. Alle in nichthebräischer Sprache vorhandenen Bücher und Publicationen älterer und neuerer Zeit, welche jüdischwissenschaftlichen Inhaltes sind, mögen sie welcher Richtung immer angehören. 3. Artistisch-graphische Werke als Ansichten, Bilder, Illustrationen von Cultusinstituten, als Schulen, Tempel, Kranken- und Bersorgungshäuser, Friedhöfen, sowie Porträts von berühmten Rabbinern, Predigern, Lehrern, Dichtern, Schriftgelehrten Mischer Nation. Nur durch die Mitwirkung aller Kräfte können wir hoffen, daß mit der Zeit in der heiligen Stadt ein Centralinstitut entstehen wird, welches die ganze literarische und Cu l tur e n 1 w i ck l u n g des europäischen Judenthums vom Mittelalter bis auf unsere Tage zur vollen Anschauung bringen wird. Haben wir doch schon längst aufgehört, für unftre Generation die Bedeutung d-s Wortes »veen Janu sohinr ak ha thora hasoth“ in seiner ganzen Tragweite zu erfassen, — so wollen wir wenigstens die Schätze unserer Schriftdenkmäler nach dem Osten flüchten, wo sie zu neuem Leben auferstehen werden. I. Bernh. Straffer, Lehrer der deutschen, französischen und englischen Literatur in Wien. Mit Bezugnahme auf den vorstehenden Appell erkläre ich mich bereit, alle mir franco zugehendeu für das „Bet-Hamidrasch Abarbanel in Jerusalem" bestimmten Sendungen zu übernehmen und sie ihrer Bestimmung zuzusühren. Hochachtungsvoll C h. D. L i p p e, Buchhandlung, II., Praterstraße 13. Raab. Die hiesige Gemeinde feierte solenn das 25jährige Ehrenamts-Jubiläum ihres Schulpräses Herrn Adolf Weidmann. königlicher Commerzkenrath, welcher jüngst ein Lehrer- Stipendium per 2000 Kronen ereirte, ferner ihres Biceschulpräses Med. Dr. Ignatz R i e s z. Anwesend waren bei dieser Feier Bürgermeister Carl Z e ch m e i st e r, königlicher Rath, Schulinspector Georg S t a h l tz. königlicher Rath, die Tete der Cultusgemeinde und der Chewra - Kadischa, ferner Frauenvereinspräfidentin Frau Sigmund Herzl, Caffieriv Frau Dr. Emerich L e s z e n y i. Rabbinerin Frau Dr. Julius Fischer, der Lehrkörper, die Vertretung der Schuljugend, viele Verehrer der Jubilanten u. s. w. — Gemeinde-Präses Med. Dr. Philipp Pfeiffer hob die cnlturelle Bedeutung des Tages hervor und ernannte die die Jubilanten abzuholenden Deputationen. Die Jubilanten wurden sodann mit Applaus und Eljen empfangen. Der Gemeinde-Präses begrüßte sie, würdigte ihre unvergleichlichen Verdienste, die sie sich erworben, apostrophirte sie als die Helden jüdischer und nationaler Cultur und wünschte Ihnen auf diesem miffionellen Gebiete auch ferner die schönsten Erfolge. Oberrabbiner Dr. Julius Fischer würdigte sodann im Namen der Schuleommiffion in einer schwungvoll gediegenen, von brausenden Cljens begleiteten Rede die cultu- 'rellen, schritthaltenden Verdienste um die jüdische Schule. Ferner wurden die Jubilanten begrüßt vom Bürgermeister, Schulinspeetor, dem Lehrer Moritz Pfeiffer im Namen des Lehrkörpers und einem Schüler im Namen der Schuljugend. Nach Beantwortung dieser Begrüßungen von Seite der Gefeierten las Gemeinde-Secretar David B o s k o w itz die in prachtvollen Albums gebundenen Widmungen der Cultusgemeinde und andere Gratulationen vor. Mit brausendem Applaus und nicht endenwollenden Cljens schloß diese erhebende Feier. Aus Böhmen, 22. November 1895. Bei der am 12. d. M. stattgehabten Wählerversammlung in Prag. Josefstadt, wurde an den Landtagscandidaten Herrn JUC. Scharf von einem Wähler die Frage gerichtet, ob er sich für den Fall, als er gewählt werden sollte, dafür einsetzen werde, daß sich die Jungczechen mit den reaktionären Antisemiten nicht alliiren. Herr Scharf antwortete hierauf: „Was eine Allianz mit den Antisemiten anbelange, seien es nur die Umstände, welche von Fall zu Fall eine taktische Cooperation erheischen." Hiezu bemerkt Sie „Gemeindezeitung" sehr treffend: „Nimmt man nun

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