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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-29 · 48 (29.11.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 €eilv 879 Dr. Vlvch's Wochenschrift kunst einzelner Feudalherren, wie z. B. derer von Liechtenstein. Die Frau bei den Juden. Der Stampiglienritter spricht auch vom Mädchenhandel. Es soll nicht geleugnet werden, daß einzelne, sittlich verkommene Juden sich mit diesem scheußlichen Erwerbszweige befassen. Aber sie sind nur die Zwischenhändler, di e K ä uf er und Verkäufer sind fast ausschließlich Christen. Die Zuhälter, Kuppler Bordellwirthe gehören in aller Welt der arischen Race an und der Proceß Hei uze in Berlin hat in diesem Punkte sehr belehrende Aufschlüsse gegeben. Auch in der Werthschätzung des Weibes standen die Juden zu allen Zeiten hoch über den arischen Völkern. Für die dreiste Lüge Schneide r^s, daß die Juden das Weib als Waare betrachteten, fehlt in der Bibel der geringste Anhaltspunkt. Von der Werbung Eliesers um Rebekka bis zur Königin Saloma, der Gattin des Königs Alexander, Janai offenbart die jüdische Geschichte überall den Hochsinn der Frauen und die Ehrerbietung der Männer vor der Würde des Weibes. Nicht so bei den arischen Völkern! Eine Phryne und Aspasia verdunkelten die keuschen athenischen Frauen, eine Messalina und Agrippina versenkten Rom in einen Pfuhl der Laster; die alten Germanen verspielten im Methrausch ihre als Lastthiere verwendeten Frauen, und die sittliche Höhe des Mittelalters offenbart sich in dm Ehren und Huldigungen, die man den zunftmäßig organisirten Freudenmädchen darbrachte. Von den Verdiensten eines Schönerer um dieses Gewerbe wollen wir nicht weiter redm, wir meinen aber, daß seine Jünger keine Ursache haben, von jüdischem Mädchenhandel zu sprechen. Aber der Mädchenhandel ist nicht der einzige Handel mit Menschensteisch. Man weiß, wie noch im vorigen Jahrhundert deutsche Fürsten Tausende ihrer Unterthanen als Kanonenfutter an die Engländer verkauften und der "Bericht des „Globus", den wir an anderer Stelle dieses Blattes abdrucken, gibt einen Begriff von christlicher Nächstenliebe und arischer Menschenschätzung, nicht zu reden von den Leistungen englischer und deutscher Civilisatoren in Afrika! Inden und Andersgläubige. Zum Schluffe kommt natürlich wieder der Schulchan- Aruch daran und das längst als eine Fälschung erwiesme Citat aus demselben, daß die Christen keine Menschen, ihr Eigenthum kein Eigenthum, die Ehe zwischen Christen keine Ehe, sondern dem Zusammengehen der Pferde und Esel gleichzustellen sei. Wer irgendwie in der Kirchengeschichte bewandert ist, der weiß, daß diese Schimpfnamen nicht der jüdischen Auffassung, sondern dem christlich-dogmatischen Geiste des Mittelalters mtsprechen. Die angesehensten katholischen Theologen bedachten die Juden mit dm Namen „Hunde, Schweine und Esel". Wir erinnern an den ehrwürdigen Abt von Elugny, Petr. Vener, in Max. Bibi XXII, pag. 1012, 1020, bei welchem es heißt: „Warum sollte man denn nicht den Juden wildes Thier, warum nicht Bestie, warum nicht Lastthier nennen? .... Fern sei es von mir, so unverschämten Hunden und so schmutzigen Schweinen zu antworten. Die Christen untereinander waren im Mittelalter nicht zarter. Kaiser Balduin schreibt Oesta lormeent. III c 93 Muratori: „Dieses Volk (die griechischen Christen) nannten die Lateiner nicht Menschen, sondern Hunde". Im eanonischen Rechte vsereti Seennäa Bars, Causa XIII., qu. IV., Cap. XVIII. werden die ungläubischm Kinder der Kirche nicht etwa ähnlich dm Hundm, sondern thatsächlich „Hunde" genannt. Bieron^mus aäversus Joviniannm libri duo pag, 144—228, nennt die Anhänger und Verehrer seines geistlichen Amtsbruders Jovinian Säue und Hunde und Rindvieh, Schweine und Rosse, Böcke und Z i e g en. Selbst Luther nannte einmal die Bauern in Sachsen „Säue", „Vieh", „Bestien". Das ist der Geist des Mittelalters, dessen sich die besten Männer 'einer Confession erwehren konntm. Die Behauptung, daß der Talmud solche Bezeichnungen gegen die Andersgläubigm enthalte, ist von Delitzsch eine „schauderhafteVerlmmdung und eine „boshafte Unwahrheit" gmannt worden. Der Stam- : üglimfälscher kehrt sich natürlich an dieses Urtheil nicht und der blöden Menge ist es unbekannt. * * In ihrer Nummer vom 25. d. M. brachte die „Neue Freie Presse" folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Beim Anhören der letzten Judenrede Schneiders drängte sich unwillkürlich Einem die Frage auf die Lippen: „I st k e i n B l o ch da?" Auch das höhnische: ,^8ravo Jesaias!" wäre dem ftommen Prinzen Liechtenstein schwerlich so hingegangen! Komisch genug, daß nicht Monsignore Sch eich er oder ein anderer christlicher Geistlicher die Verhöhnung des alten Propheten gerügt hat. Beruft sich doch Matthäus [I, 23) zum Zeugnisse der jungfräulichen Geburt Jesu auf Jesaias (7 14), und beruht doch die jetzt, in der Adventzeit, celebrirte Rorate - Messe auf einer Weissagung desselben Propheten (45, 8)! — e — Wien, im Beginne des Advents 1895. Die Frage nach Dr. Bloch wird wohl solange wiederholt werden, bis derselbe wieder Sitz und Stimme im Parlamente hat und Verleumder und Fälscher vom Kaliber eines Schneider in seiner gründlichen und schneidigen Weise zum Schweigen bringen wird. Vrsvo Irlsiss! Die fortgeschrittene Technik in allen Fabrikations- und Erwerbszweigen hat eine unendliche Theilung der Arbeit herbeigeführt. Wie selten wird jetzt ein Jndustrieproduct von einem Menschen allein gearbeitet. Eine Nadel, ein Bleistift gehen durch zahlreiche Hände, bevor sie zum Gebrauch vollendet sind. Dieselbe Theilung und Specialifirung finden wir einerseits in den Wiffenschaften und Künsten, andererseits auch bei den unehrlichen Gewerben. Der Eine hat sich zum Bauernfänger ausgebildet, der Andere findet seinen Unterhalt als Heiratsversprecher oder Unterschlager von Cautionen; der Einbrecher gibt sich nicht mit Tafchendiebstählen ab, der Wohnungseinschleicher gebraucht keine gezeichneten Spielkarten. Auch bei den Antisemiten hat bis jetzt eine solche Theilung der Arbeit geherrscht und sie hatten ihr viele Erfolge zu verdanken. Da war vorerst die große Theilung in Deutschnationale und Christlich-Sociale. Die Einen trugen Kornblumen im Knopfloch, nannten den deutschm Kaiser Wilhelm „unfern Kaiser", thaten so stolz und chauvinistisch, als ob sie bei Metz und Sedan commandirt Hütten, obwohl sie vor fünfundzwanzig Jahren noch in den Wiegen lagen und nie in ihrem Leben Pulver gerochen hatten. Sprachen sie von Oesterreich ünd seiner regierenden Dynastie, so ließen sie allerlei' hämische Andeutungen fallen, zwinkerten einander verständnißvoll zu, und wenn sie etwas Derartiges drucken ließen, gingen sie gerade soweit, als es ihre Furcht vor dem Staatsanwalt gestattete, denn: „Wir Deutsche fürchten Gott und sonst Niemanden!". In religiöser Beziehung spielten sie die Freisinnigen, betheuerten vor städtischen Wählern, daß sie keinesfalls die Schule den Clericalen ausliefern werden und versprachen den Bauern die Reducirung der Schulpflicht, Aufhebung der liberalen Schulgesetze und dergleichen schöne Dinge. Manche von ihnen phantasirten von eurer deutschen Religion und empfahlen, die Kinder nach germanischen Göttern und Helden, aber nicht nach christlichen Heiligen zu nennen. Und da man dem Christenthum und dem Neuen Testament nicht direct entgegenzutreten wagte, schimpfte man auf die jüdische Religion und das Alte Testament, klagte über das

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