Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 48 (29.11.1895)
- Date
- 1895-11-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 676 Nr. 48 Dr. Vloch's Wochrnschrifi. piglieufälscher hat zum tausendsten Male die Fälschungen Rohlings und seines Helfershelfers Brimanus über den Ritualmord citirt. In liefern Punkte können wir uns kurz fassen. Schon der Abgeordnete Dr. Krona wett er hat betont, daß die betreffenden Ausführungen Schneiders fast wörtlich den bekannten Büchern des Rohling und Brimanus entnommen seien, welche durch christliche Gelehrte und Sachverständige als eitel Lug und Trug erwiesen wurden. Es genügt, hier neuerdings auf die vernichtenden Urtheile der Professoren Delitzsch, Nöldeke, Mer x, Siegfried, Stade, Baum garten, Wünsche, Köhler rc. und auf die Ergebnisse des Protestes Rohling-Bloch zuververweisen, durch welchen Rohling des Meineides, der Fälschung, der Ignoranz überwiesen, ferner der Schamlosigkeit, Lügenhaftigkeit, Gemeinheit und des bösartigen Schwindels geziehen wurde. Es genügt, aus Professor Delitzsch' Schrift „Schachmatt den Blutlügnern" neuerdings folgende Stellen zu citiren: „Ich bezeuge auf die Ehre meines Namens, daß Alles hineingelogen ist. Die Wuth macht Rohling irrsinnig. Was Rohling hincinliest, ist der Wahnwitz eines Besessenen. Es ist Alles freche Lüge." — Der Stampiglienrüter bereichert nun allerdings das Märchen vom Ritualmorde durch eine neue Episode. Er erzählt von einer jüdischen Hochzeit, bei welcher ein hartes Ei auseinandergeschnitten und mit einem schwarzen Pulver, das getrocknetes Ehristenblut war, bestreut wurde. Herr Schneider hat leider vergessen, Ort und Zeit dieses Vorganges anzugeben und zu sagen, wer das Pulver chemisch analysirt hat. Diese schauerliche Pulvergeschichte kann nur in einem einzigen Lande passirt sein, nämlich dort, wo der — Pfeffer wächst, mit dem man gemeiniglich harte Eier zu bestreuen pflegt. Die Werthschätzung der Arbeit bei den Juden. Ein volles Drittheil seiner Rede widmete Schneider der Vertheidigung des von der Staatsanwaltschaft in Korneuburg beanständeten Satzes: „Die Christen stehen einem Volke gegenüber, welches die Arbeit perhorrescirt und doch überallden größten Einfluß übt". Der Stampiglienritter erklärte, unter dem Worte Arbeit sei hier die „eigentliche oder schwere Arbeit" zu verstehen, nämlich Handwerk und Ackerbau. Statt dessen hätten sich die Juden fast ausschließlich dem Handel und dem Wucher ergeben. „Und wer betreibt den schauerlichen Mädchenhandel?" fragt er nebenbei. Schließlich citirt er August Riehm's „Handwörterbuch des biblischen Alterthums", welches behauptet, daß bei den palästinensischen Juden „die mühsame Acke arbeit in wohlhabenden Familien Sache der Leibeigenen und Taglöhner war", daß aber „die meisten Sclaven und Sclavinnen der Israeliten ohne Zweifel nicht hebräischer Abkunft waren." Bezüglich der Verwendung von Sclaven hat schon der Abgeordnete Dr. Byk ausgeführt, daß die Anschauungen über körperliche Arbeit im Alterthum andere waren als heute und daß bei den Griechen und Römern die physische Arbeit noch geringschätziger behandelt wurde, als bei den Juden. Ein Vergleich zwischen den Griechen und Juden ist aber gar nicht zulässig. Bei den Juden stand — im Gegensätze zu den Griechen und Römern, welche ihre Sclaven nach Belieben tödten durften — selbst das Leben der ausländischen heidnischen Sclaven unter dem Schutze des Gesetzes; feine muthwillige Ermordung wurde mit dem Tode betraft; wurde er körperlich beschädigt, daß ihm sein Herr auch nur einen Zahn ausgestoßen hätte, so erhielt er dafür seine Freiheit (Ex. 21, 20, 26). Da,um durfte auch der muthwillig entflohene Sclave dem ehemaligen Besitzer nicht ausgeliefert werden; darum sicherte chm das Gesetz auch einen wöchmtlichen Ruhetag und die Theilnahme an Festuud Freudenmahlzeiten. „Wenn der Jude", schreibt der Professor der Theologie, Theodor Zahn, in seiner Schrift: „Sklaverei und Christenthum", (Heidelberg, 1879, pass. 18), milde Behandlung der Sclaven fordert, so hat er den Vortheil, sich auf das unsterbliche Gesetz seiner Väter berufen zu können, mit dessen Humanität gerade auch in diesem Punkte keine antike Gesetzgebung sich vergleichen ließ, und er konnte sich überdies auf eine wenigstens nach Tausenden zählende jüdische Genossenschaft berufen, auf den Orden der Essener, welche keine Sclaven unter sich duldeten, sondern alle in Arbeit und Freiheit einander dienten." Im Buch Hiob 31, 13 heißt es: „Wo habe ich je gewagt, meinem Sclaven oder meiner Sclavin das Recht zu verkürzen in ihrem Streite mit mir? Hat nicht sie gleich wie mich, mein Schöpfer in einem Mutterschoß geschaffen? Sind nicht sie, wie ich, in einem menschlichen Mutterleib gebildet worden?" — Palästina war der einzige Staat des Alterthums, der an den Wohlthaten des Armenzehents und der Armenabgaben Einheimische wie Ausländer, Heiden wie Juden theilnehmen ließ. (Gittin 61) Wenn der Ritter Stampiglius sich darüber aufhält, daß die vornehmen Israeliten die schwere Feldarbeit durch Taglöhner besorgen ließen, so frage er doch seinen fürstlichen Freund Liechtenstein, ob dieser und Seinesgleichen die Feldarbeit selbst besorgen, ob ihre Lohnsclaven, die mit kärglichen Naturalien oder einem Tagelohn von 14 kr. abgespeist werden, nicht ärgere Sclaven sind als die Sclaven des Alterthums, und wer die wüthendsten Widersacher der Aufhebung der Leibeigenschaft und des Robot gewesen find. Und er selbst, der Ritter Stampiglius, lebt er heute von seiner Hände Arbeit oder nicht vielmehr von der bezahlten Judenhetze? Er, der entartete Handwerker, spricht den Juden die Eignung und den Willen zu Handwerk und Ackerbau ab? Die „Oesterreichische Wochenschrift" veröffentlicht in jeder Nummer ein Verzeichniß von mehr als 500 jüdischen Handwerkern in Wien, in welchem alle Branchen vertreten sind. Das ist heute der Fall; aber auch im Alterthum stand das Handwerk unter den Juden in hoher Blüthe und noch höherem Ansehen. In den „Jüdische Alierthümer" des -Josephus Flavins Ä6, 9,- 7 ist zu lesen: „Um diese Zeit war der Tempel vollendet. Als das Volk nun die Bauarbeiter, mehr als 1800, müßig gehen sah, hatte es zu erwarten, daß diese nunmehr arbeitslos sein würben. Daher ersuchte man den König, die östliche Halle, deren Säulen auf Mauern von 400 Ellen Höhe aus weißem Quaderstein von 20 Ellen Länge ruhtm, swieder herzustellen." Wann haben unsere Antisemiten in solcher Weise für beschäftigungslose Arbeiter gesorgt? Aber weiter! Das Alte Testament bezeichnet die Arbeit als Mittel gegen die Sünde (Spr. 18, 19) und überhaupt gegen alle Laster (II. Mose 5, 9) der Ackerba u gilt dem Hebräer — hören Sie Herr Stampiglius! — als eigentlicher Repräsentant der Arbeit, demnach wie diese als eine göttliche Anordnung. So zu lesen im Jesaias 28, 29. Rufen sie doch „Bravo Jesaias", durchlauchtigster Prinz L i e ch t e n st e i n! „A r b e i t", heißt es dann im Midrasch rabba 74, „ist mehr a l s G e b u r t s a d e l!" Was sagen sie dazu, Herr Erbführer?„Nur Werder Erde dient, darf ihr Brot genießen!" (Sanh. 50). So dachten die alten Juden vom Ackerbau und die heutigen jüdischen Ackerbau-Colonien in Palästina und Argentinien beweisen, daß diese Anschauung sich auch unter unseren jetzigen Glaubensgenossen erhalten hat. Im Gegensätze zu dieser jüdischen Weltanschauung stand freilich jene des christlichen Mittelalters. Nicht blos das Nitterthum erachtete jede niedere Handlung als entehrend für den Adeligen — den reisenden Kaufleuten aufzulauern imd sie auszuplündern, war ritterlicher — sondern auch der Mönch hatte die Arbeit religiös niedriger taxirt und das beschauliche, müßiggängerische Leben als heiliges Ideal angesehen. Durch welche mehr als zweifelhaften Mittel die großen immobilen Vermögen erworben wurden, lehren die Plünderungen und Güter-Confiscationen während und nach dem dreißigjährigen Krieg, sowie die seltsame Goldschläger-