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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-29 · 48 (29.11.1895) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
48 (29.11.1895)
Date
1895-11-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch’s Jahrgang Xll. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. --—- Dien, 29. November 1895. -- Erscheint jeden Freitag. -2-——»-« —<■- Wan abonnirt bei allen Pvstanstalken des In- und Auslandes. m— f BejngaprEia für Sesterretch: Halbjährig 4 fl. — 3 Ar. Einzelexemplare SS kr. Für'» Ausland: halbjährig S fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „ , Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pelitzeile 12 kr.! U - - —- .■ K i| E. ft. PostspÄrftasten-Amt C learingVerkehr Nr. 810.976. - Redartion und Administration: Wien j II., Vnlrrr Diigarirnstrsstr La. j Telephon - Nr. 6535. Inhalt; Seitavtite 1: Ist kein Bloch da? — Bravo Jesaias! — Zur Reichsrathswahl in Kolomea. — Arischer Menschenhandel. — Jüdische Schulen. — Das neue Hausirgesetz. — Vom Jahrmarkt des Lebens: „Loyalität auf Kündigung." Elericale und Antisemiten. Ministerpräsident Sturdza und die'Juden. Ein katholischer Geistlicher über Dr. Lueger. Zur Assaire Munk-Rosenfeld. Nachklänge zu den letzten Wahlen. Fürst Bismarck über geistliche Politiker. Antisemitische Verrohung. Ein Priester als Mörder. Ein interessanter Fund. — Musterstatut für die israelitischen Eultusgemeindcn in Galizien.—E o r r e s p o n d e n z e n: Wien, Raab, Aus Böhmen, Tabor, Nürnberg, Kutaum. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Prag, Budapest, Monasterzyska, London. — Feuilleton: Moische Baal Milchome. — Briefkasten. — Inserate. Ist Kern Block da? E r n st Schneider, diese menschliche Verkörperung aller bestialischen Jnstincte, hat seine Zeit gut gewählt, als er am vorigen Samstag mit einer blutrünstigen Rede im Abgeordnetenhause auftrat, in welcher er alle jene Lügen i'lber jüdische Sitten und Religionsgebräuche wiederholte, die von christlichen und jüdischen Gelehrten hundertmal widerlegt worden sind. Er und sein fürstlicher Protector aus dem Kalksburger Jesuiten-Convicte haben ihre Zeit gut gewählt — denn Dr. Bloch war nicht mehr im Hause. Die Jntrigue, welche der Prinz Liechtenstein vor Monaten eingefädelt hatte, um diesen unerschrockenen Vertheidiger des Judenthums, diesen gefürchteten Feind des Antisemitismus seines Mandates und damit der Möglichkeit einer parlamentarischen Zurückweisung der gegen seine Glaubensgenossen gerichteten Angriffe zu berauben, war ja gelungen. Dr. Bloch ist ja gezwungen worden, auf seinen Parlamentssitz zu verzichten. Jahrelang hat es S ch n e i d e r nicht mehr gewagt, das Gift seiner Verleumdungen von der parlamentarischen Tribüne herab auszuspritzen; wußte er doch, daß der Abgeordnete Dr. Bloch bereitstehe, um ihn für jede Niedertracht sofort zu züchtigen, um jede seiner erlogenen Behauptungen, an der Hand eines erdrückenden wissenschaftlichen Beweismaterials als die Ausgeburt einer verbrecherischen Phantasie zu brandmarken. Nun endlich war der gefürchtete Gegner beseitigt und der Abgeordnete Schneider konnte nach Herzenslust reden, reden eine volle Stunde lang, reden von dem Blutmärchen, von den gefälschten Talmudstellen, von der Verachtung und dem Hasse der Juden gegen Andersgläubige, von ihrem macchiavellistischen Einflüsse auf das Staats- und Völkerleben, von ihrer Arbeitsscheu, vom jüdischen Börsen- und Zinswucher, kurz von Allem, was Bosheit und Aberglaube, Lüge und Haß seit Jahrhunderten gegen die Juden zusammengetragen. Von einigen platonischen Unterbrechungen des Präsidiums abgesehen, drohte Herrn S chm e i d e r nicht die mindeste Gefahr; wußte er doch, daß es seit dem Rücktritte des Dr. Bloch Niemanden im Hanse gab, der diese ungeheuerliche Rede, die Frucht eines vieljährigen, in allen Cloaken des Judenhasses wühlenden Sammelfleißes, auf der Stelle widerlegen könnte. Wohl haben sich die Abgeordneten Dr. Byk und Dr. Kronawetter mit dankenswerthem Eifer der Aufgabe unterzogen, Einzelnes aus diesem Berge von Verleumdungen herauszugreifen und unter das Licht der Wahrheit zu stellen, aber ihre Waffen sind nicht speciell für einen solchen Kampf und einen solchen Gegner zugeschliffen. Niemals ist eine wildere, aufreizendere, bluttriefendere Rede im österreichischen Parlament gehalten worden, niemals aber auch ist es unseren Glaubensgenossen so klar zum Bewußtsein gekommen, wie nothwendig noch immer die Anwesenheit des Dr. Bloch in diesem Parlamente u n d w i e unerläßliches i st, ihn wieder an jene Stelle zu entsenden, von der ihn die Feinde des Judenthums h i n w e g z u d r ä n g e n suchten. „Wie der Donner auf den Blitz", sagt die „Neue Freie Presse", „folgte sonst der Abgeordnete Tr. Bloch auf den Abgeordneten Schneider". Diesmal war es leider nicht so, und alle sittliche Entrüstung des Hauses, alle nachträglichen Erörterungen der Presse, ob der Abgeordnete Schneider in das Zuchthaus oder in das Irrenhaus gehöre, helfen über die traurige Thatsache nicht hinweg, daß diese höllische Rede in ihren wichtigsten Theilen unwidersprochen geblieben ist und wie fressendes Gift ihre verheerenden Wirkungen übt. Und d i e s e r e i n e n R e d e sind bereits andere gleicher Art gefolgt. Der Antisemitismus rüstet sich zu gewaltigen Schlägen, das Abgeordnetenhaus ist täglich der Schauplatz der schamlosesten Ausschreitungen und der wüthendsten Angriffe gegen die Juden. Unsere Glaubensgenoffen würden sich selbst preisgeben, wenn sie in einem solchen Augenblicke nicht mit aller Macht für die Wiederwahl Dr. B l o ch's eintreten und so ihren Feinden einen ganzen Mann entgegenstellen würden! Nochmals die Blullüge. Dem Herausgeber dieses Blattes blieb es versagt, durch die unmittelbar wirkende Macht der Rede die Lügen. Schneiders zu entkräften; so müssen wir uns denn auf das geschriebene Wort beschränken! Der Slam-

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