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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-22 · 47 (22.11.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
47 (22.11.1895)
Date
1895-11-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 47 Seite 875 Dr. Vlvch's Wochenschrift. israelitischen Tempel ein besonderer Trauergottesdicnst abgehalteu, da sich der Verblichene in seiner Muttergemeiude hohe Verdienste erworben hat. Nach Beendigung des Gottesdienstes unterzog sich der Vorstand der humanen Pflicht, die Bertheilung des Betrages per 300 fl. genau nach den Intentionen des Verstorbenen vvrzunehmen. Sterbefall. Am 1t. d. M. ist in Kuttenberg der durch sein humanitäres Wirken bekannte Herr Marcus R o b i t s ch e k im Alter von 78 Jahren verschieden. Derselbe hat mehr als fünfzig Jahre in Prag gelebt und sich nach dem Tode seiner Frau, welche eine renommirte Mädchenschule leitete, in's Privatleben zurückgezogen. Zu dem Leichenbegängniß waren die beiden Söhne des Verblichenen, Herr Dr. Siegfried Robitschek, Obercommissär bei der Polizeidirection in Wien, und Dr. Adolph Robitschek, Finanzsecretär bei der Finanz- Landesdirection in Wien, Beide gebürtige Prager, erschienen. Eisgrub. Am 25. November feiert der Industrielle und Gutspächter Herr Wilhelm Lampl, langjähriger Bürgermeister und ehemaliger Cultusvorsteher in Eisgrub, sein 70jähriges Jubiläum im Kreise seiner ihn hochehrenden Familie. Wir können Herrn Wilhelm Lampl rühmlichst nachsagen, daß er von seinem 30. Lebensjahre angesangen bis heute, nachdem unsere Cultusgemeinde leider aufgelöst und zu Kostel zugetheilt wurde, zum größten Theile die Functionäre, die Kostel noch imnier nicht bezahlt, in coulantester Weise besoldet, und so die Aermsten sammt ihren zahlreichen Familien vor dem Untergänge schützt. Wir wünschen daher, Herr Wilhelm Lampl möge noch viele Jahre im Kreise seiner Familie und zum Wohle unserer hilfsbedürftigen, israelitischen Bevölkerung in geistiger und körperlicher Rüstigkeit wirken. Feuilleton. K. Ezechiel Landau und deq erste jüdiscke Soldat der österreichischen Armer. Einer der hervorragendsten rabbinischen Koryphäen des vorigen Jahrhunderts war R. Ezechiel Landau, der berühmte Verfasser der Rechtsgutachten „Noda Byehnda". Ezechiel, der einzige Sohn des reich begüterten talmudisch gelehrten R. Juda Landau, hatte am 6. November 1713 in Opata das Licht der Welt erblickt. Frühzeitig schon wurden 'hm.demtalentvollen, geistig begabten Knaben, die Pforten der religiösen Wissenschaften erschlossen, in welchen er es zu einer solch staunenswerthen Fertigkeit gebracht, daß er in seinem zwanzigsten Lebensjahre zum Präsidenten der in Brody damals bestandenen Gerichtscollegien ernannt wurde. Ein Deci nnium später wurde er von der Gemeinde zu Jampel in Podolien zum Rabbiner ernannt. Während der Zeit, als er dieses Rabbinat bekleidete, wurde auch an ihn in der Emden-Eibenschitz'schen Fehde appellirt. Er trat als Vermittler ans und sein in ruhiger, gemessener, von großer Bescheidenheit, Charakterfestigkeit, Klugheit und Biedersinn zeugenden Sprache abgefaßtes Gutachten verfehlte nicht, die erhitzten Gemüther zu besänftigen, zu beruhigen und das Feuer der Zerklüftung, das bereits große Dimensionen angenommen, zu dämpfen. Dieses Gutachten wurde allgemein als ein diplomatisches Kunststück bewundert und hatte die Aufmerksamkeit des Prager Gemeindevorstandes, der eben daran ging, die vacante Oberrabbinerstelle zu besetzen, auf ihn, Landau nämlich, gelenkt. Landau wurde in Kolge dessen im Jahre 1754 zum Oberrabbiner der Cultusgemeinde Prag ernannt, welches hochwichtige, heilige Amt er 40 Jahre lang äußerst takt- und würdevoll bekleidet hatte. In der ersten Zeit hatte Landau in Prag viele Gegner. Es waren dies zumeist die eifrigsten Verehrer des R. Jonathan Eibenschitz, die diesen äußerst scharfsinnigen Talmudisten so gern an der Spitze des Prager Rabbinates gesehen hätten. Als Landau am Sabbath nach seiner Installation beim Bespermahl, zu, welchem die Honorationen der Gemeinde geladen wurden,'mit dem Stuhle, der unbequem stand, ein wenig gerückt hatte, rief ihm R. Salomon Kvref, eine talmudische Capacität ersten Ranges, im anzüglichen Tone zu: „Ist dem Rabbi der Stuhl zu hoch?" „Ach nein", enigegnete dieser schlagfertig, „der Tisch ist nur zu niedrig". Nach und nach ist es Landau in Folge seiner immensen Gelehrsamkeit, seines Scharfsinnes und edlen Charakters gelungen, all die Schwierigkeiten und Hindernisse, die ihm anfangs in den Weg gelegt wurden, zu überwinden und selbst die größten Gegner sich zu Freunden und Verehrern zu machen. Er erfreute sich bald eines Weltrufes. Bon allen Seiten strömten wißbegierige Jünger herbei, um mit gespanntester Aufmerksamkeit seinen Borträgen zu lauschen. Daß die altehrwürdige Gemeinde Prag schon damals das „wohlthätige Prag" genannt zu werden verdiente, ist aus folgender Aeußerung eines gelehrten Mannes, der im Anfänge des gegenwärtigen Jahrhunderts zu den hervorragendsten Mitgliedern der Prager Jeschiba gehörte, zu entnehmen: „Ich habe in verschiedenen Ländern die jüdischen Gemeinden und Jeschiboth beobachtet. Ich zweifle aber sehr, ob jemals in einer Gemeinde der Ruf „bisbaru bivne anijim" so befolgt wurde, wie dies in Prag der Fall war. Hier wurde der arme Bochur wirklich „wie das Kind im Hause" betrachtet. Er erhielt nicht wöchentlich einen Kosttag; man gab ihm gerne Kostjahre! Seine Subsistenz war gesichert, sobald er den Küchenzettel anfertigte, die Sabbathlampe in Ordnung brachte und die Kinder auf einem Spaziergang begleitete. Hatte er überdies noch Unterricht im Hause zu ertheilen, so wurde er dafür besonders honorirt." (B. CH. l. Jahrg. 491.) Landau zeichnete sich nicht nur als frommer, scharfsinniger, hochgelehrter Rabbi, sondern auch als wackerer Patriot vortheilhafl aus. Als im Jahre 1781 zum ersten Male jüdische Jünglinge assentirt wurden, hielt Landau an die Affentirten, ehe sie die Heimat verließen, eine Ansprache, in der es unter Anderem heißt: „Weichet in keinem Falle vom Glauben Euerer Väter und dienet unserem allergnädigsten Landesfm sten mit gutem Willen und rastloser Thätigkeit. Erwerbet Euch und unserer ganzen Nation Dank und Ehre, damit man sehe, daß auch unsere bisher unterdrückte Nation ihren Landesfürsten und ihre Obrigkeit liebe und im Falle der Noth ihr Leben aufzuopfern bereit sei. Ich hoffe, daß wir durch Euch, die Ihr Euch, wie es jedem Unterthan geziemt, pflichtgetreu aufführet, auch noch jener Fesseln entledigt werden, die uns zum Theile noch drucken." Von dem ersten Juden, der in der österreichischen Armee gedient, wird folgendes nicht uninteressante Histörchen erzählt: Es gab eine Zeit in Oesterreich, in der eine große Frage alle Gemüther bewegte, diese Frage war die Emancipation der Juden. Kaiser Josef II. hatte für die Protestanten Ungarns ein Toleranzpatent erlassen. Der Monarch, der eine so schwer wiegende Thatsache vollbracht, konnte, das fühlte man allgemein, die Judensrage nicht vertragen, mit jedem Tage erwartete man eine allerhöchste Entscheidung. Jeder glaubte den Gedanken des Kaisers errathen zu können, daher debattirte man allenthalben über die Angelegenheit. Am hitzigsten wurde die Frage im „Hugelmann'schen Kaffeehause" nächst der Schlagbrücke in der Leopoldstadt erörtert, woselbst viele Juden zusammenzukommen pflegten. Das „Wienerische Diarium", ein Zeitungsblatt, das dazumal zweimal in der Woche erschien, wurde daselbst vorgelesen und der Freimuth, mit welchem es die Toleranzfrage erörterte, machte dort einen angenehmen Eindruck. Es war kein Geheimniß, daß Herr von Sonnensels, ein erlauchter Staatsmann, der von jüdischen Eltern abstammle, in's „Diarium" schrieb, und man glaubte allgemein, daß dieser ausgezeichnete Rechtslehrer an der Wiener Facultät, der mit der Abfassung des Juden-Toleranzgesktzes betraut war, dem Publikum in diesem Blatte Andeutungen über den Geist des zu erwartenden Patentes machen wolle. Eines Tages befand sich in der Gesellschaft beim Hügelmann ein Herr, der sich dem Wortstreit sehr lebhaft anschloß und als wahrer Vertheidiger der Rechte der Juden sich zu erkennen gab. Dieser Herr war allen Anwesenden fremd, doch hatten diese ihn bald liebgewonnen, denn derselbe sprach mit Ueberzeugung, mit Wärme und Einfachheit und hatte ein sehr gutmüthiges edles Aeußeres. „Sie sollte der Kaiser reden hören", sagte ein Gast zu dem Fremden, „er würde eine Freude an Ihnen haben, Sie sind so gescheidt, daß Sie Minister sein könnten". Der fremde Herr lächelte und ließ sich nicht stören. Da trat ein alter Jude mit langem, schneeweißem Bart auf den Redner zu und fragte ihn, ob er ihm nicht behilflich sein könnte, beim Kaiser eine Audienz zu k erlangen. „Das ist sehr leicht, erwiderte der

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