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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-22 · 47 (22.11.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
47 (22.11.1895)
Date
1895-11-22
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Hr. 47 Dr. Blmifs Wochenschrift Seite 674 Brüder Vitale, Alessandro, Jsaia, Giacomo und Achille, die alle vier dem Baterlande gedient und des Königs Ehrenrock getragen, und die sich stets durch ihre Bravour und ihren Heldenmuth ausgezeichnet haben. Der älteste dieser vier Brüder, Al e ss a nd ro, stand schon 1848 im Feuer, seine zwei anderen Brüder fochten 1859 tapfer, und der jüngste, A ch i l l e, zeichnete stch im Feldzuge von 1866 aus. Als nun der König am 21. v. M. anläßlich des 25. Jahrestages der Befreiung Roms eine Revue über die italienischen Veteranen abhielt, wurde er auf diese vier Brüder, die gleichfalls zur Revue erschienen waren, aufmerksam gemacht. Der König ritt auf sie zu, sprach jeden einzelnen von ihnen an, ließ sich von ihren kriegerischen Erlebnissen erzählen und reichte dann beim Abschiede einem jedem derselben die Hand. Corrftautinopel, 27. Oktober. Der Sultan hat unseren Glaubensgenossen LevyEffendi, welcher auf dem Gebiete agrarischer Forschung als Copacität gilt, zum Agrar-Jnspector von Syrien ernannt, nrit der Mission, über die Versuche mit Kaffee-Plantagen dort und auch in Tripolis Bericht zu erstatten. L e v y E f f e n d i ist ein besonderer Kenner der Kaffeecultur und hat sich seine diesbezüglichen Kenntnisse durch jahrelangen Aufenthalt in Arabien erworben. Unter seiner Leitung sollen später in den genannten Vilahes großartige Plantagen hergestellt werden, um für diese Gebiete neue Productionsquellen zu erschließen. Lodz (Russisch-Polen), 1. November. Hier starb Herr Z Cohnstadt. Derselbe war sehr wohlthätig. Er stiftete schon vor längerer Zeit eine Altersversorgungsanst alt, er unterstützte reichlich die Talmud-Thora- und andere Schulen, Synagogen, Bote Midrasch, und alle jüdischen wie christlichen Wohlthätigkeitsanstalten. Auch das „Rothe Kreuz" unterstützte und förderte er wesentlich. Dabei war er ein streng frommer Jude. Der Kaiser hatte ihn mit einem Orden ausgezeichnet. Sein Vermögen betrögt 2'/- Millionen Rubel. Davon hat er testamentarisch e i n e Million für jüdische und christliche Wohlthätigkeitsanstalten hinterlassen. So sind sie, diese grausamen, schlechten Juden. Man kann nur den Feinden zurufen: Seid so, wie diese Juden! London. (S terb efal l.) Im Alter von 95 Jahren ist am 6. d. M. Jakob Montefiore, einer der Geachtetsten in der Londoner israelitischen Gemeinde, mit Tod abgegangen. Er war in Jamaika geboren, genoß aber seine Erziehung in England. Lange Jahre waren er und seine Brüder Agenten des Hauses Rothschild für Australien. Der König Wilhelm IV. ehrte ihn, indem er ihn zum Commisiär für die Colonisicung der Colonie Victoria ernannte. Sein Interesse hing sein Leben lang an Australien. Jakob Montefiore hatte auch tiefes Interesse an wissenschaftlichen Dingen. Die geographische Gesellschaft nahm ihn als Mitglied auf. Für die Armen hat er viel gethan. Wie«. (Jüdische akademische Lesehalle.) Samstag den 16. November fand in der Jüdischen akademischen Lesehalle ein Vortrag Sr. Ehrw. des Herrn Predigers Dr. L ö w y: „Judaeas Fall und Wiederbelebung" statt. Der Vortragende entwickelte in anziehender Weise die Geschichte des jüdischen Volkes, wobei er es nicht unterließ, überall geistreiche Bemerkungen und Anspielungen auf die Gegenwart einzustreuen. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden, als derselbe mit der Darstellung des babylonischen Exils seine Ausführungen beschloß. Mit diesen Vorträgen will die Jüdische akademische Lesehalle einem Theile ihrer Ausgabe gerecht werden: die Bergangenhe't des Judenthums in ihrer ganzen Größe zu erfassen und in harmonischen Einklang mit der Gegenwart zu bringen. Wie«. (Trauung.) Sonntag den 24. d. M., 2 Uhr Nachmittacs, findet im israelitischen Tempel in der Leopoldstadt , Tempelgaffe. die Trauung des Herrn Hermann Schneider mit Fräulein Sofie Blatt, Tochter des Cantors der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Moriz Blatt, statt. Wie«. (Spenden.) Für die Familie Bauer, X., Quellengaffe sind uns von S. G., 1., Strauchgasse, fl. 5.— zugekommen. Wien. (Verlob un g.) Fräulein Emma Südfeld hat sich mit Herrn Julius Kleemann verlobt. Wiei». (Akademischer Verein „Gamala".) Am 16. l. M. begann die Reihe der Vorträge mit einem überaus interessanten Vorträge über „Joseph Perl", den hochverdienten Culturkämpfer in Galizien. Den Vortrag hielt der rühmlichst bekannte hebräische Dichter, Vereinsmitgli'ed I. L. Landau. Nachdem der Vortragende ein plastisches Bild von den am Ende des vorigen Jahrhunderts in Galizien obwaltenden^ Culturströmungen, der des schwärmerischen Chassidismus und rationalistischen, alle Poesie verleugnenden Rabbinismus, entfaltet hatte, schilderte er, wie einerseits der Chassidismus und die Mendelssohn'sche Schule, andrerseits die großen europäischen Ereignisse die Haskalabeweguug in Galizien gefördert. Diese Factornr weckten die in vielen jugendlichen Geistern schlummernde Energie und brachten gewissermaßen eine Sturm- und Drangperiode in dem Ansklärungsbestreben hervor. Unter den Kämpfern der si-g- und.erfolgreichste war Joseph Perl, der wie keiner die schädliche Entartung des Chassidismus durchschaute, und indem er letzterem mit schärfster Satyre entgegentrat, erwarb er sich um die Aufklärung in Galizien anerkannte Verdienste. Diese ganze Haskalabewegung ist—obwohl eine der interessantesten in der jüdischen Culturgeschichte — bis jetzt keiner geschichtlichen Behandlung würdig geworden. Um so verdienstvoller ist es, daß der Vortragende sich der Aufgabe unterzog, in einer Reihe von Vorträgen ein vollständiges Bild von dieser Bewegung zu geben. An den Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Discussion seitens der Vereinsmitglieder. Wien. (Humanitärer Geselligkeits-Verein „R u d o l s s b u n d".) Dieser Verein, zumeist aus dem Mittelstände Angehörigen bestehend, feiert am l. December d. I. in Sacher's Hötel Central, II., Taborstraße, sein diesjähriges Kinderbekleidungsfest. — Anschließend an dasselbe findet ein Tanzkränzchen statt. — Karten bei allen Mitgliedern erhältlich. — Fern allem politischen Getriebe, erfüllt dieser Verein auch heuer, seinen Statuten getreu, die Pflicht, eine möglichst große Anzahl armer, würdiger Schulkinder ohne Unterschied der Confession zu bekleiden. Im Vorjahre wurden 62 Kinder bekleidet. Um auch die Geselligkeit zu pflegen, werden an jedem 2. Samstag, angefangen vom 23. November, im Vereinslorale, H a t s ch e k's Restauration, II., Praterstraße Nr. ll, kleine Geselligkeitsabende stattfinden. Spenden zur Kinderbekleidung werden vom Obmanne des Vereines, Armenrath und Waisenvater Josef P o l l a k, II., Ferdinandsstraße 30, dankend entgegengenommen. Baden. (Silberne Hochzeit.) Die segensreiche Wirksamkeit eines Mannes ist nicht durch lärmenden Jubel und demonstrativen Beifallsrausch, sondern hauptsächlich darin zu erkennen, wenn ihm neidlos und freiwillig Anerkennung gezollt wird. Dieser Ausspruch bewährte sich im vollsten Sinne des Wortes an dem Präses der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Moriz Lei tu er und seiner Frau Julie geb Schi sch a. Dieses edelgesinnte Ehepaar feierte Donnerstag den 14. d. M. im engsten Familienkreise das fünsundzwanzigjährige Hochzeilsfest. Trotz der Absicht aber, dieses Fest still und unbeachtet im Hause zu begehen wurde cs doch in der Gemeinde bekannt und so Viele eilten herbei, die Jubilare durch zartsinnige Aufmerksamkeiten und warm ans dem Herzen fließende Worte zu erfreuen, um ihnen so für ihr ersprießliches Wirken in der Gemeinde ihre aufrichtige Anerkennung zum Ausdrucke zu bringen. Die Repräsentanzen der Cultusgemeinde und der Chewra-Kadischa erschienen, geführt vom Ortsrabbiner Sr. Ehrwürden Herrn Wilhelm Reich, bei dem Jubelpaare, um demselben zu dem schönen Familienfeste zu gratuliren, an welcher Deputation aber der Vicepräses der Gemeinde, Herr Anton Schneider, wegen des am 10. d. M. erfolgten Hinscheidens seines greisen Vaters, des Herrn Moriz Schneider s. A., nicht theilnehmen konnte. Und jedes Cultusmitglied, das von dem Feste Kunde erhielt, drückte zumindest in einem Gratulationsschreiben seine Freude und Sympathie dem Jubelpaare aus, welche dasselbe mit Recht durch wackere Gesinnung für Wohlthun und Judenthum,- für uneigennützige und gedeihliche Leistungen in allen Cultuszweigen der hiesigen israelitischen Gemeinde in vollem Maße verdient. Möge es diesem Paare vom Allgütigen gegönnt sein, glücklich und wohlgemuth alle Stufen der Hochzeitsfeste zu erreichen. I. Butschotvitz, 17. November. (Todesfall.) Anläßlich des Ablebens des Herrn David Spitzer, Zuckerfabrikanten in Ungarisch-Brod, wurde durch den Advocaten Dr. Adalbert R a b e l in Wien einen Betrag von 300 fl. an den Vorstand der hiesigen israelitischen Cultus-Gemeinde zu dem Zwecke überschickt, daß diese Spende, laut ausdrücklichem Wunsche des Erblassers, an seinem Beerdigungstage unter Arme der hiesigen Cultusgemeinde vertheilt werde. Gleichzeitig wurde der hiesigen Cultusgemeinde ein Legat von 600 fl. in Aussicht gestellt. Der Vorstand dieser Körperschaft beschloß, ein entsprechendes Condolenz-Telegramm an die Hinterbliebenen zu übersenden, in welchem auch der Dank im Namen des Vorstandes und der „Armen" ausgedrückt wurde. Am Beerdigungstage, d. i. Donnerstag den 14. November, wurde im hiesigen

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