Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Seite"873 Vr. Vloch's WochrufchrW. Nr. 47 An die löbliche Redaction der D r. B l o ch's „O e st e r r e i ch i s ch e n W o ch e n sch r i f t" Wien. Im Sinne des § 19 des Preßgcsetzes ersuche ich Sie um Aufnahme folgender Berichtigung. In Ihrem geschätzten Blatte Nr. 45, Seite 837, befindet sich eine Notiz sub Chiffre: „Ein antisemitischer Geschäftsreisender", worauf Folgendes berichtige: Es ist nicht wahr, daß ich den Ausdruck „Das können nur Judenbuben thun" gebrauchte. Diese meine Behauptung kann Herr Alfred Schwarz aus Wien (als Mitreisender) bekräftigen. Schließlich erlaube mir noch zu bemerken, das; ich jeder antisemitischen Bewegung ferne stehe und stolz bin, daß mir meine sämmtlichen israelitischen Kunden ein solches Zeugniß jederzeit ausstellen können. B r o d a. d. S u v e, 12. November 1895. Hochachtend Carl Schmidt, Reisender der Firma von Orsbach und Tutter, Wien. Löbliche Redaction! Der jüdische Spielereiwaarenhändler Albert Fleischmann Hali seit Wochen in seinem Geschäfte 1. Franz-Josefs-Quai 27, Gummi-Ballons mit dem nicht etwa carrikirten, sondern ernstgehaktenen wohlgetroffenen Bildnisse Dr. Lueger's seil und stellt dieselben sogar im Schaufenster in recht auffälliger Weise aus. Offenbar glaubt dieser jüdische Kaufmann sich durch diese seine antisemitische Propaganda nicht zu „derkennen" zu geben und sich davor zu schützen, daß bei einer etwaigen antisemitischen Plünderung sein Laden durch das ausgestellte Heiligenbild Lueger's verschont bleiben werde. Wie ist das zu nennen: Gedankenlos oder charakterlos? Jedenfalls sollten unsere Glaubensgenossen diese seltsame Manier und Charakterfestigkeit eines jüdischen Kaufmannes nach Gebühr würdigen. Or. M. H. Correspondenzen. Ischl, 14. November. In unserem herrlichen Alpencurorte erscheint nunmehr seit 22 Jahren das „Jschler Wochenblatt", welches sich bisher mit anerkeunenswerther Objectivität lediglich auf die politische Information seiner Leser und auf die Publicistische Vertretung unserer communalen und curörtlichen Interessen beschränkte. Seit geraumer Zeit zeigt sich aber auch das „Jschler Wochenblatt" vom Gifte des Antisemitismus angesteckt. In seiner letzten Nummer druckt es mit breitem Behagen die Rede ab, welche Ahl wardt bei der Wiener Lueger-Feier gehalten, eine Rede, in welcher die Juden . mit Raubthieren verglichen werden und dazu aufgefordert wird, ihnen „das Geraubte" wieder abzunehmen und sie dann hknauszuwerfen. Des Ferneren wird in derselben Nummer über die Nichtbestätigung L u e g e r s eine Reihe von Glossen gemacht, welche sich mit der schuldigen Ehrerbietung vor den Rechten der Krone nicht sonderlich vereinbaren laffen. In Ischl hält bekanntlich der kaiserliche Hof seinen Sommer-Sejour. Der Fürsorge Sr. Majestät des Kaisers und der kaiserlichen Familie verdankt Ischl zum großen Theile seinen Aufschwung! Das hat das „Jschler Wochenblatt" offenbar vergessen, als es in solcher Weise über die kaiserliche Entschließung artikelte. Und ebenso hat dieses brave Blatt vergessen, daß die Jschler fast ausschließlich den jüdischen Curgästen ihren Wohlstand zu danken haben. Es ist dieselbe Erscheinung grellsten Undankes, die man auch schon in Baden beobachtet hat. Aber zwischen Baoen und Ischl ist doch ein wesentlicher Unterschied! Die Badener Thermen sind nicht überall zu finden und wem der Gebrauch derselben ärztlich verordnet ist, muß eben die Schwefelstadt aufsuchen, wenn sich daselbstauch neben dem Schwefelwafferstoffgas die giftigen Dämpfe des Antisemitismus entwickeln. Ischl aber ist nur ein Luft-Curort und steht trotz seiner reizenden Lage nicht concurrenzlos da. Es gibt noch zahlreiche Orte im Salzkammergute, die mit Ischl auch an Comfort wetteifern können, so Gmunden Aussee, Goisern und die entzückenden Sommerfrischen am Mond- und Attersee. Wenn die feindselige Haltung des „Jschler Wochenblatt" den Gesinnungen der Jschler Bevölkerung entspricht, so mag sich dieselbe in Acht nehmen! Die jüdischen Sommergästewerden die Consequenzen daraus zu ziehen wissen! Unsere Glaubensgenossen in der Residenz müssen nicht nach Ischl gehen und sie werden auch nicht hierher gehen, wenn die Seuche um sich greift. Es ist ein selbstmörderisches Beginnen, hier den Antisemitismus zu predigen, und im Interesse des Gedeihens unseres Curortes möchten wir wohlmeinend davor warnen und die maßgebenden Persönlichkeiten rechtzeitig auffordern, dieser Agitation energisch entgegenzutreten. Hilft dieser Mahnruf nichts, dann werden sich die Juden selber helfen, indem sie den Jschlern ihr Curhaus, ihre Esplanade, ihre Lust, ihre Berge und ihren Antisemitismus über'm Hals lassen. Prag, 19. November. Die hier studierenden C r o a t e n erklären in einem „Eingesendet" an das „Prager Tagblatt", daß sie die Ausschreitungen des kroatischen Technikers Jambrisak, welcher kürzlich unter dem Rufe: „Hoch Lueger!" einen israelitischen Studenten Nachts insultirte, entschiedenftmißbilligenund denVerkehr mit ihm für immer aufgeben. Breslau. (Syrische Melodie n.) Die vier hebräischen Lieder aus den jüdischen Cvlvnien in Palästina und Syrien mit Benützung syrischer Melodien, bearbeitet von Cantor Friedland, von deren Herausgabe ich seinerzeit in der „Oesterreichischen Wochenschrift" Nr. 38 berichtete, sind mit einer hebräisch gedruckten Beilage, enthaltend das Lied »Od lo obdo« in schöner Ausstattung erschienen, wie es die Herren, die die Lieder bereits erhalten haben, bestätigen können, und auch der Redacteur dieser Zeitung wie auch der akademische Verein „Unitas" in Wien. Ich möchte nun hier noch auf die vielen an mich ergangenen Anfragen und Bitten vor Allem erwidern, daß wir leider Freiexemplare zu versenden nicht in der Lage sind, da das Reinerträgniß dem Verein „Esra" zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina zugefühn wird. Auch bitten wir, das Geld im Vorhinein anweisen zu wollen, da das Versenden nach dem Anslande per Nachnahme zeitraubend ist und unnöthige Auslagen verursacht. Dr. E. Finke l, Breslau, Holleistraße 35, I. Dortmund, 28. October. Zum Bau einer neuen Synagoge hat die israelitische Gemeinde ein Preisausschreiben erlassen. Als Bausumme steht der Betrag von 350.060 Mark zur Verfügung. Diejenigen drei Entwürfe, welche den gestellten Anforderungen am besten entsprechen und zur Ausführung am geeignetsten befunden werden, werden prämiirt, und zwar mit einem ersten Preise von 5000 Mark, einem zweiten Preise von 3000 Mark und einem dritten Preise von 1500 Mark. Auf Vorschlag des Preisgerichts kann der Vorstand außerdem jeden der nicht preisgekrönten Entwürfe für 500 Mark erwerben. Die Synagoge soll 1200 Sitzplätze enthalten, und zwar 750 Sitz. Plätze unten und 450 ansteigend angeordnete auf der Empore. Entwürfe find bis zum 1. April 1896 einzuliefern. Paris. (Trauung.) In Paris vermählte am 7. d. M. Dr. Sigmund Sonnenfeld, Secretär des Bar. Hirsch, seine Tochter Margit dem Budapester Advocaten Herrn .Dr. Moriz Füredi. Der Civiltrauung assistirten als Zeugen: Michael MunkLcsy, der gewesene Minister Barbet, Professor Derenbourg und Mr. Leven, Bicepräsident der Alliance Universelle. Die kirchliche Einsegnung des Ehebundes fand in dem Tempel der Rue de la Bictvire statt. Rom, 7. November. Es ist sehr bemerkenswerth, daß seit einiger Zeit fast die gesammte, direct vom Batican ressortirende katholische Presse Italiens in auffallender Weise dem Antisemitismus im In- und Auslande pol-misirend entgegentritt. Als unlängst ein deutscher Mitarbeiter im „Osservatore Cattolico" über die bekannte antiantisemitische Kundgebung des deutschen Episcopats in Fulda berichtete, knüpfte das wegen seiner früheren Verbissenheit bekannte Blatt daran einige zustimmende Bemerkungen, worin es ausführte, daß der Antisemitismus in seinen verschiedenen Erscheinungsformen sich immer deutlicher von den Lehren des Christenthums entferne, daß es demnach Pflicht des katholischen Clerus sei, ganz entschieden, ohne Rücksicht auf vereinzelte Ausnahmen, dagegen Stellung zu nehmen. Auch der „Osservatore R o m a n o" hat sich in ähnlicher Weise ausgesprochen, und als später ein deutsches Antisemitenblatt mit der Behauptung hervortrat, daß der Episcopat in Fulda ganz im Gegentheile eine den Juden „sehr feindliche Entschließung" gefaßt hätte, bemerkte dieses hochosficiöse vaticanische Organ dazu lakonisch: „Unserem Wissen nach liegt hier ein grober Jrrthum vor. und war unsere ursprüngliche Information durchaus zutreffend, wonach der Episcopat im Gegentheil den antisemitischen Auswüchsen scharf tadelnd entgegengetreten ist . . . Jede andere Darstellung ist unzutreffend." Wir begrüßen diese Haltung m i t D a n k. Genua, 28. October. Unsere Gemeinde besitzt vier Mitglieder, auf die nicht nur jeder Israelit, sondern auch jeder italienische Patriot stolz sein kann. Es sind dies die vier