Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 868 Dr. Blvch's Wochenschrift Nr. 47 Mitleid in jedem Herzen -u erregen. Was man wahrnimmt ist krankhafte Blässe, furchtbare Hagerkeit, Hohlheit und Müdigkeit der schönen und lebhaften Augen, die aber von einem Elend, von einem Jammer ohne Ende erzählen, und ein entsetzlicher Kopfgrind! Bei diesem Anblicke übersieht man dann die schmerzliche Aermlichkeit der Kleidung in ihrer Abgerissenheit und Zerschliflenheit. den starren Schmutz an allen Ecken und Enden und die gefährliche Unbewohnbarkeit des Raumes. Das ist nun die Talmud-Thora in ihrer mißbräuchlichen Benennung. Hier bringen viele, viele arme Kinder ihre freudlosen, entbehrungsvollen Jugendjahre zu, um am Ende nichts gelernt zu haben, nichts zu wissen und zu können. Was sie ja fürs Leben mitnehmen, darüber ist gut schweigen. Genug, die Talmud-Thora in Constantinopel ist gleichbedeutend mit dem wahren Herde geistiger Verkommenheit und zumeist auch sittlicher Untugenden. Diese traurige Wahrheit ist hier ein offenes Geheimniß für jeden Aufgeklärten, und man muß es der Alliance zum Ruhme nachsagen, sie ringt mit vieler Mühe und Anstrengung gegen dieses Ungeheuer von einer Schule. Wenn es noch besteht, wenn diese Nester physischer und moralischer Verseuchung noch nicht zerstört sind, so erklärt sich diese Ohnmacht aus der Unbeztvingbarkeit des Volkes, dessen Waffen die Unwissenheit, die falsche Meinung und der hartnäckige Wille. Und doch verlangt dieses Uebel die schnellste und gründlichste Abhilfe. Man glaube nicht, daß sie gar so unmöglich sei. Im Gegentheil. dieselbe ist sehr leicht auszuführen. Nur muß man hier wie überall an die Wnrrel des Uebels heran, und das wirksamste Mittel ist das unnachsichtliche Eingreifen des Staates. Die Talmud-Thoraschulen müssen gesetzlich geschlossen werden! Mit Vernünfteln und Ueberredungs- und Aufklärungsversuchen wird bei einem verstockten Bolksverstande nichts ausgerichtet werden. So führt der Weg zur Beseitigung dieses Uebelstandes zunächst am Unterrichtsministerium vorbei. Daher muß und wird Hilfe kommen. Es müssen nur die nothigen Schritte dazu unternommen werden. Wenn die Leute einmal keine Wahl haben und die Kinder zur Schule schicken müssen, dann werden die Erfolge derselben ganz ohne Zweifel bedeutend zunehmen. Zugleich wird das Wirken der Alliance umso wohlthatiger und segensreicher werden: die Knospe, die jetzt un entfaltet bleibt, weil sie nicht die Kraft besitzt, sich zu öffnen, wird zu einer lieblich duftenden, angenehm zu schauenden Blüthe sich erschließen. O. H. Vom Jahrmarkt des Lebens. Zur Schächthetze. R u m b u r g 16. November. Die hiesige antisemitische Gemeinderathsmajorität hatte beschlossen, gleich der Grazer Gemeindevertretung das rituelle Schlachten im öffentlichen Scklachthause den israelitischen Ortsbörgern zu verbieten. Ueber Beschwerde der israelitischen Cultusgemeinde wurde dieser Beschlusi von der Bezirkshauptmannschaft aufgehoben. allein über Recnrs der Gemeindevertretung setzte die böhmische Statthalterei die Entscheidung der Bezirkshauptmann- Ichaft außer Kraft und stellte den Beschluß der Gemeinde wieder her. Dagegen ergriff die israelitische Cultusrepräsentanz die Beschwerde an das Ministerium des Innern, welches nunmehr entschied, der Beschluß der Gemeindevertretung und die gleichlautende Statthalterei-Entscheidung werden aufgehoben und die Entscheidung der Bezirkshauptmannschaft wiederhergestellt. da das rituelle Schlachten ein staatlich anerkannter Gebrauch des israelitischen Cültus sei. ein bezügliches Verbot demnach eine Verletzung des Artikel 15 der Staatsgrundgesetze wäre. Der hiesige Gemeinderath wird gegen diese Ministerial- Entscheidung die Beschwerde beim Berwaltungsgerichtshofe überreichen. Aus unserem Citatenschatz. „Die Heiden eifern, daß die Christen den Staat besetzen und daß Alles von ihnen voll ist. Und das Christenthum könne doch darum nicht für voll gelten, weil es viele zu sich hinüberzöge; denn wie viele Leute ließen sich zum Schlechten bilden! Für jedes Unheil, welches das Volk trifft, für jeden Schaden macht man die Christen verantwortlich. Wenn der Tiber überfluthet, wenn die Nilschwelle ausbleibt und wenn es nicht regnet, bei Erdbeben, Hungersnot, Pest, gleich heißt es: Mit den Christen vor die Löwen! Niemand schreit so nach der Bestrafung der Christen wie der Pöbel. Er freut sich über ihre Hinrichtung, und Statthalter, welche die Christen verfolgen, sind populär. Beim Schauspiele, im Circus erhebt sich die laute Stimme des Volkes und verlangt nach Löwen gegen die Christen. Man paßt ihnen auf, man gibt sie an, man überrascht sie bei ihren Zusammenkünften. Durch alle Ritzen dringt die Neugier der Hausgenoffen. Man steinigt die Christen und zündet ihnen "die Häuser an. Man. schont nicht Einmal die todten Christen, man reißt sie aus der Ruhe des Grabes und aus dem Asyl des Totes. Der Christ im Gefänqniß ist wenigstens vor der Volkswuth sicher." Tertullian bei Carl Johann Neumann ..Der römische Staat und die allgemeine Kirche bis auf Diokletian", Band I, Seite 140, 14l. ..Reistt Euch den Schmuck vom Leibe!" ruft das „Deutsche Volksblatt" den christlichen Frauen zu. Ja. woher haben denn die armen christlichen Frauen so viele Pretiosen? Bis jetzt hat man uns immer nur erzählt, daß alles Gold und Silber im Besitze Der „jüdischen Ausbeuter" ist! Dr. Lueger's Eidestreue Tag für Tag hören wir aus dem Munde Doctor Lu e g er's die pathetische Versicherung, er sei sich stets treu geblieben, nie habe er seine politische Gesinnung geändert. Was ist nun heute das Programm des Antisemiten Lueger? Die Entfachung des consessionellen Kampfes, der Ansturm gegen die Gleichberechtigung der Juden. Was war das Programm Lu eger's im Jahre 1885, wie er es in einer Margarethener Wählerversammlnng vom 27. April des genannten Jahres entwickelte? „Die dem okratische Partei," sagte der demokratische Candidat Dr. Lueger damals wörtlich, „muß es als eine ihrer Hauptaufgaben betrachten, das StaatsgrundgesetzüberdieallgemeinenRechte der Staatsbürger durchzuführen, das bereits Errungene f e stzu h a l t e n, das Fehlende zu ergänzen. So wollen wir denn festhatten an dem Grundsätze der Gleichberechtigung der Confessionen u. s. tv." Das war, wie gesagt, im Jahre 1885. Aber auch noch ein Jahr später hat Dr. Lueger, wie wir einer Mittheilnng der letzten Nummer der „Volksstimme", des Organs Kronawetter's entnehmen, vor dem Gemeindehause auf der Landstraße den Fingerzum Schwure erhoben und feierlich erklärt: ,,Gott ist mein Zeuge, daß ich keinen Unter* schied des Glaubens kenne, Christ oder Jude gilt mir gleich." Bis zur Stunde hat Dr. Lueger diesen feierlichen Eid nur gegenüber den Juden nicht gehalten; jetzt braucht er blos noch dieselbe Eidestreue den Christen gegenüber zu betätigen. und dann kann er erst recht den Eid leisten: Christ o d e r I u d e g i l t m i r g l e i ch. Beleidigung der Kaiserin Friedrich. Wie uns aus Berlin gemeldet wird, wurde der verantwortliche Schriftleiter des bekannten antisemitischen Witzblattes „Deutscher Michel". Herr Karl Kern, wegen Beleidigung der Kaiserin F r ied ri ch zu zwei Monaten Festungshaft verurtheilt. Den Grund zur Anklage gab der Aufsatz „Monarchendiner bei Cohn und Rosenberg", in welchem unter Anderem auf die bekannte Thatsache hingewiesen wurde, daß der Prinz von Wales und die Kaiserin Friedrich, als sie bei dem Juden Rothschild geladen waren, in dessen Garten nach alter deutscher Sitte einen Baum pflanzten. Zu Gunsten der verfolgten Juden in Rustland hat sich eine mächtige und autoritative Stimme zu Gunsten der Juden erhoben, welche die Insinuationen der Judenfeinde in unzweideutiger Weise zurückweist und gewiß nicht ohne Einfluß auf die Eindämmung der Ausfälle gegen die Juden bleiben dürfte. Es ist dies der russische Adel von Perekop, der den Muth batte, in einer durch die Ständeverwaltung dieses Gebietes dem Gouverneur von Taurien überreichten Denkschrift die ökonomische Lage der Provinz grau in grau zu schildern und für die Aufhebung der gegen die Juden verfügten Niederlaffungsbeschränkung energisch einzutreten. Zahlreiche Dorfgemeinden und Marktflecken haben ihre Zustimmung zum Inhalte der Ausführungen der Denkschrift ausgesprochen, und in einer außerordentlichen Sitzung der Bezirks-Ständeverwaltung. unter Vorsitz des im Gebiete allverehrten Generals Nicolai Karakasch, wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, die Denkschrift mit einer Befürwortung unverzüglich dem Gouverneur zu überreichen. Dies geschab. und hierbei wurde sie von dem Präsidenten der Ständeverwaltuna des Gouvernements, dem berühmten südrussischen Volkswirthe Pawel Iwan owitsch Schtschliwzew, persönlich unterstützt. Jeder Commentar, den man dieser Thatsache hinzufügen wollte, wäre überflüssig. Die Expensnote eines Maffaverwalters. Unlängst beschäftigte sich eine Gläubigerversawwlung des Concurses Maresch mit der Rechnungslegung und der Expensnote des I gewesenen Maffaverwalters dieses Concurses, Dr. Peter Gerl. Dr. Gerl war wegen der Art seiner Rechnungslegung und der ganz unerhört hohen Expensnote seiner Thätigkeit als Maffa-