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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-22 · 47 (22.11.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
47 (22.11.1895)
Date
1895-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 866 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 47 und wisset, daß es nicht etwa die israelitische Cultusgemeinde ist, welche der Bestattung unseres Adolph F i s ch h o f in jenem uns Allen ohne Unterschied des Glaubens gemeinsamen österreichischen Pantheon entgegengetreten wäre. Und leset hier in Stein gegraben die Worte dieses Menschenfreundes, dieses großen Patrioten und Idealisten: Friede, Vereinigung, welche er allenthalben verkündete und welche in all seinem Wirken die Leitsterne seines Lebens blieben bis ins Greisenalter, bis an sein Ende. Und leset auch den Psalmvers hier, der dem Empfinden, das uns alle hier beherrscht, Ausdruck gibt: „Ich will deines Namens gedenken von Geschlecht zu Geschlecht, dir werden Völker danken immer und ewiglich." Während der Rede des Herrn Dr. Stern wie am Schluffe derselben gaben sich Zeichen großer Rührung und lebhafter Zustimmung kund. Im Namen der akademischen Verbindung „Kadimah hielt 6aaä. weä. S ch a l i t eine Rede, in der er die Eigen schäften Fischhof's pries und feierlich aussprach, daß die „Kadimah" dort, wo um Freiheit gestritten wird, um Gleichheit und Gerechtigkeit, nicht fehlen werde. Hierauf sprach Reichsrathsabgeordneter N o s k e. welcher namens der Vereinigten Linken ebenfalls einen Kranz niederlegte als Zeichen dessen, daß die unvergänglichen Grundsätze des Fortschrittes und der bürgerlichen Gleichberechtigung in den Reihen dieser Partei bewahrt, gehegt und hochgehalten wird immerdar. Hierauf wurden von den Deputationen die Kränze an dem Sockel niedergelegt. Die Kränze kamen vom Journalisten- und Schriftstellerverein „Concordia", vom Demokratischen Verein am Neubau, von den demokratischen Vereinen des zweiten, sechsten, neunten und zehnten Bezirks, vom Demokratischen Centralverein, vom Margarethner Wählerverein vom Wiener Bürgerclub, vom Verein der Fortschrittsfreunde, vom Demokratischen Wählerverein der inneren Stadt und von der Familie Moriz und Alois F i s ch h o s. „Das Fest der Sonnenwende und die Inden " Diejenigen unter uns, welche für Assimilation schwärmen, können beim Herannahen der Weihnacht mit Befriedigung Umschau halten, weil es unter unseren Glaubensbrüdern sehr wenige geben wird, welche nicht mehr oder minder dem Feste der Sonnenwende den gebührenden (?!) Tribut leisten. Dagegen ließe sich eigentlich im Allgemeinen nichts einwenden, wenn sich die Feier nur nicht im eigenen Hause abspielen würde, feiern wir doch auch den Sonntag und die sonstigen im Kalender roth angestrichenen Tage. Mit dem Moment aber, wo wir die Feier ins eigene Haus tragen, uns zurüsten und vorbereiten gleich den Andersgläubigen, von da ab feiern wir nicht nur mit, sondern wir assimiliren uns vollständig. Darin eben liegt das Lächerliche und dagegen möchte ich mir mit diesen Zeilen erlauben, Stellung zu nehmen. Wenn die alten Germanen um die Zeit der Sonnenwende Trinkgelage veranstalteten und Freudenfeuer anzündeten, ist das doch kein Grund, daß man im jüdischen Hause das Gleiche thut. Wenn es uns Vergnügen macht, den Preis der Bäumchen zu vertheuern, so ist der Zweck vollständig erreicht, weil heutzutage in vielen jüdischen Familien der Baum nicht fehlt und e'tzsi. le ton qui 'fait la musique, mit einem gewissen Stolze aufgestellt wird. Analog der Sitte werden auch Geschenke gewechselt, Gesellschaften gegeben und nichts verabsäumt, die Feier so impo saut als möglich zu gestalten. Es ist also nichts anderes, als blödes Nachäffen einer b e i u n s niemals bestandenen Sitte. Sinn kann die Sache für uns nicht haben, weil die Bedeutung f ü^r u°n s entfällt. Wenn wir Geschenke austheilen und damit, dem allgemeinen Brauch Folge leistend, unfern Mitarbeitern oder Angestellten eine^ Aufmerksamkeit bereiten wollen, so ist das nur lobenswerth. Selbst aber Geschenke entgegennehmen oder gar sich gegenseitig zu^bescheren, ist doch wohl das Lächerlichste, was es in dieser Beziehung geben kann. Sehr oft wird die Einwendung gemacht, die Kinder freuen sich beim Anblicke des hellstrahlenden Baumes, wenn er geschmückt, mit Backwerk und allerhand Tand versehen aufgestellt ist. Das mag wohl sein, aber wir können doch nicht nur unter dem Vorwände, dem Kinde eine Freude zu bereiten, einfach etwas thun, was nichtjüdisch ist. Wir können dem Kinde auch in anderer Weise Freude bereiten. Soll durchaus angezündet werden, dann erinnere man sich an das um diese Zeit beiläufig fallende Fest der Tempelweihe, der glänzenden Heldenthaten der Maccabäer. Die Lichter, die da angezündet werden, sie bedeuten die Freiheit, das Wiedererstehen unseresVolkes, dieZusammengehörigkeit! Aber das K o k e t t i r e n mit den Gebräuchen anderer Confessionen soll und darf nicht um sich greifen. Der fromme Katholik wird niemals den gläubigen Juden anfeinden, geschweige denn verspotten. Nur wenn wir abschwenken, nicht Fisch und Fleisch sind, fordern wir mit Recht zum Spott heraus. DieseHalbjuden, wie ich sie nennen möchte, sie erzeugen die feindliche Strömung und geben unseren Gegnern vollauf Gelegenheit, diejenigen zu treffen, welche wehrlos sind und es am allerwenigsten verdienen. Schon aus Opportunitätsrücksichten sollen wir Alles vermeiden, was bei der heutigen Zeitströmung Anlaß zu Bemerkungen geben könnte. Treten wir um die Weihnachtszeit in einen mit Käufern überfüllten Laden, wird sich gewiß immer Jemand finden, der seine Glossen über den Juden oder die Jüdin machen wird.. Die Waaren werden uns gewiß sehr gerne verkauft, ist doch das Geld confessionslos, aber gefaßt kann man schon sein, stets etwas von denen, die unser Thun und Lassen beobachten, angehängt zu bekommen. Bewilligt man nicht der Gemüsefrau, dem Obstmanne, dem Fischhändler den geforderten Preis, so kann man Worte zu hören bekommen, die in keinem Lexikon zu finden sind. Welche Gefühle müssen den Armen, social Elenden beschleichen, wenn er am Weihnachtsabend die hell erleuchteten jüdischen H äuser unserer vornehmen Straßen sieht? Muß er da nicht ein begeisterter Anhänger der anti-jüdischen Partei werden? Ist das nicht die größte Reclame für die anti-jüdische Sache? Wenn wir uns das Alles vor Augen halten würden, dann möchte so Manches sich nicht ereignen, worüber man klagt und sich über das Warum keine Rechenschaft geben kann. Wir haben uns zu weit vorgewagt, weil wir glaubten, es wäre alle Gefahr vorüber und ein Rückschlag nicht möglich — bitter enttäuscht wurden wir. — Verlangen wir nicht immer Staatshilfe, wo Selbsthilfe möglich ist. Ziehen wir uns in den Kreis zurück, wo es uns n i e schlecht erging, das ist der Kreis der Familie. Draußen möge es stürmen und toben, im stillen trauten Heim sind wir geborgen. Ernste Arbeit, gepaart mit Bescheidenheit, führt zum Ziele. Das macht uns wetterfest, wenn wir auch keinen Baum anzünden. S. W. Ein Seminar für jüdische Rrligionslehrrr in Galizien. in. Als Lehrstoff enthält der Entwurf Folgendes: Hebräische Sprache. Die Grammatik der hebräischen Sprache. Syntax. Analyse. Mündliche und schriftliche Uebungen in stufenmäßiger Folge. Bibel. Die 24 Bücher der heiligen Schrift, übersetzt, grammatisch und sachlich erläutert. Biblische und jüdische Geschichte. Von der Schöpfung bis zur Rückkehr aus dem babylonischen Exil. Nachbiblische Geschichte bis zur Gegenwart, vorzüglich in Lebensbildern der hervorragendsten Männer. Geschichte der Juden in Polen. Jüdische Literatur. Die ältesten Bibelübersetzungen. Targumim, Entstehung der Mischna, des Talmuds und der von ihnen abhängigen Schriften. Die Gaonen. Spanisch-französische, Deutsch-polnische Epoche. Systematische Religio ns lehre. Maimonides. Alba. Bechaja. Piske Abot. Einleitung in die Religionsphilosophie.; Exegese. Pentateuch mit Raschi, Jbu-Esra und Nachmanides Propheten mit Kimchi und Gersonides. Homiletik. Lektüre und Erklärung wichtiger Midraschim, homiletische Uebungen für Exhorten.

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