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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-22 · 47 (22.11.1895) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
47 (22.11.1895)
Date
1895-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Vlvch's Wochenschrift. Seite 865 Das aus den Herren Professor S u e ß. M. M ätsch e k o Und ^Dr. Stern gebildete Comite veröffentlichte einen warmen Aufruf, und Dank der Energie, dem unermüdlichen Eifer des Herrn Dr. Alfred Stern, der sich hier neuerdings hohe Verdienste erworben, konnte dieDenkmal-Enthüllungsfeier am 15. November stattfinden. Ander linken Seite der vom Ceremoniengebäude auf das Gräberfeld führendenHauptstraßebefindetsichFischhof'sEhrengrab, über welchem sich nun das von einem Comite errichtete Monument erhebt. Ueber dem Grabbelag aus geschliffenem und polirtem Mauthausener Granit ragt dasselbe 7 4 Meter hoch. Der Granitsockel trägt an drei seiner rustical bearbeiteten, dem Beschauer zugewendeten Leiten drei Jnschrifttafeln aus schwarzem Syenit. Auf der mittleren steht die Widmung eingravirt: Doctor Adolph Fischhof, dem Vorkämpfer für Freiheit und für Recht, gewidmet von Freunden und Verehrern 1895. Auf der linken Seite stehen die Worte: „Erste Freiheitsrede beim Landhaus 1848. Präsident des Sicherheitsausschusses 1. Juni bis 17. Juli 1848. Reichsrathsabgeordneter der Stadt Wien 1848—1849." Die Tafel zur Rechten enthält die Geburts- und Sterbedaten: „Arzt und Publicist, geboren in Altofen 8. December 1816, ‘ gestorben in Emmersdorf 23. März 1893." Und darunter die Worte: Eine übelberathcne Staatskunft hat die Völker Oesterreichs bisher auseinandergehalten, sie müssen sich jetzt brüderlich zusammenfinden und ihre Kräfte durch Bereinigung erhöhen. 13. März 1848. Auf diesem Sockel ist das Kernstück des Denkmals aufgebaut, ein Würfel aus Laaser Marmor mit reichgezierten Rahmungen für die Jnschriftentafeln. Die Kanten des Würfels sind durch reichornamentirte Säulchen gedeckt im Style der deutschen Renaissance und tragen ein reich profilirtes Consolengesimse. Ueber dem Gesimse erbebt sich eine Spitzsäule, auf deren Capitäl eine stylisirte flammende Fackel aufgestellt ist. Zur Enthüllungsfeier hatten sich mehr als 400 Theilnehmer eingesunden. Man sah in der BersammlungdieReichsrathsabgeordneten Sueß, Kaizl, Wrabetz, Noske und Dr. Kronawetter, den ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Lewakowski mit demLemberger Gemeinderath Rewakowicz, eine Deputation der Gemeinde Emmersdorf unter Führung des Gutsbesitzers Theodor Wichner, ferner Hofrath Michael Rauscher, den städtischen Archivar Dr. Gloffy, Magistratssecretär Dr. v. Radler, David R. v. Gutmann, die Vertreter des Journalisten- und Schriftstellervereins „Concordia" Dr. Deutsch und Epstein. Baurath R. v. Goldschmidt, kaiserlichen Rath Leinkauf, den Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Simon, Landesschulrath Dr. G. Kohn, Secretär Dr. Lieben, Herrn Engelbert Keßler, Professor Dr. Benedikt. Professor Dr. D. H. Müller, eine Deputation der Freisinnigen Gewerbepartei n. v. A., endlich die Brüder Moriz und Alois Fischhof, die Nichte Frau Dr. Jaques Fischer, ferner als Vertreterder akademischen Legionäre vom Jahre 1848 R. v. Matscheko, Regierungsrath Morawitz, Dr. Much und Buchberger, sowie Deputationen mehrerer akademischer Studentenverbindungen, die ehemaligen Gemeinderäthe Dr. Vogler, Tagleicht, Zifferer, Dr. Goldmann, Dr. Friedjung und zahlreiche Freunde und Verehrer. Als Erster sprach Architekt Max Fleischer, der Schöpfer des Grabdenkmals, welcher u. A. sagte: Es sei ihm versagt gewesen, Symbole anzubringen, aber eins habe er doch angebracht:die flammende Fackel. Sie zeige den hohen Schwung, die idealen Gedanken Fischhof's; sie erinnere die Völker an die Zeit des Fortschrittstraumes, der Aufklärung und der Menschenliebe. Nach diesen einfachen und schönen Worten des Schöpfers des Monumentes fiel die Hülle und nahm Eduard Sueß das Wort. Er sagte u. A.: „ . . . Hier steht es nun bedeckt von vergänglichen Blumen und von unvergänglichen Erinnerunaen, ein Ehrengrab nicht über Auftrag und Beschluß aber durch den Namen, den es trägt. Hier steht es auf einem abgegrenzten Theile des großen Friedhofes der Stadt, aber wir find der Meinung, daß die Scheidewände der Confesfionen nicht bis in den Himmel reichen und daß noch über ihnen die Strömungen der Seelen zusammenfließen in jener edlen Empfindung allumfassender Menschenliebe, welche die Herzen öffnet und uns die Pfade der Pflicht lehrt. Und diese Empfindung des Herzens ist stärker, als alle Lehren des Verstandes, denn sie ist älter als alle Gesetzgebung und als alle Gelehrsamkeit, ein von jeher in jedem Menschenkinde schlummerndes Erbtheil, so alt wie die Menschenseele selbst. Diese schrankenlose, ewig ungestillte Empfindung ist es auch, welche zunächst ein erwachendes Volk durchstromt und welche fortwirken muß in die Jugend, um durch die tausend Enttäuschungen der Wirklichkeit hindurch es aufrecht zu halten und doch immer zu besseren Zuständen vorwärts zu führen. Wenn heute Adolph Fischhof vor uns stünde, er würde uns sagen, daß der Weg der Entwicklung in allen modernen Völkern der gleiche, daß das Schrittmaß der Einzelnen ein verschiedenes ist, daß aber nach rückwärts keine Straße führt. Er würde uns sagen, daß, wer sein Volk bessern will, zuerst an sich selbst zu denken und wer sein Volk wahrhaft lieben will, zuerst sich selb st zu vergessen hat. Endlich würde er, der unser Oesterreich so innig geliebt hat, uns Alle inständig beschwören, einig zu bleiben in Allem, was den Frieden und die Wohlfahrt im Baterlande zu fördern im Stande i st. Fischhof ist dahingegangen, wir selbst werden Nachfolgen und eine neue Generation rückt nach. Ihr, der Jugend, hinterlaffen wir dieses Denkmal mit dem einzigen Wunsche, daß sie die Ehrfurcht zu begreifen lerne, mit welcher wir Alten diesen Namen aussprechen, der in uns alle Poesie und alle Begeisterung des Jünglingsalters zurückruft. Die ganze politische Welt ist rings um diesen Ehrenmann in Trümmer gefallen, er ist aufrecht geblieben. So rage dieses Denkmal hervor als ein Zeichen unseres nie verlöschenden Dankes." Nun trat Reichsrathsabgeordneter Dr. Kronawetter vor und sprach von den Verdiensten Fischhof's um die Erkämpfung der Freiheit in Oesterreich, um das gleiche Recht aller Mitbürger ohne Unterschied der Confesfion. Es gehörte Stärke dazu, diesen Ideen treu zu bleiben, wie er es blieb, verkannt von seinen Freunden, verfolgt von seinen Feinden, Niemand vermochte aus seinem edlen Herzen die Ideale herauszureißen, welche in ihm loderten. Geändert hat sich die Zeit, und eine kleine Schaar ist es, die heute diesen Tag feiert, aber wer freiheitlich fühlt, dem wird Fischhof immer vorschweben als ein Vorbild, als Verkörperung des Geistes, der nach Recht, Brüderlichkeit und Freiheit des Volkes verlangt. Nun sprach Ritter von Matscheko Namens der akademischen Legionäre des Jahres 1848 einige Worte des Gedenkens und übergab das Monument namens des Comites in die Obhut der israelitischen Cultusgemeinde. indem er einen Kranz mit der Schleifeninschrift: „Die akademischen Legionäre 1848" niederlegte. Nach ihm sprach Dr. Alfred Stern, der das Denkmal mit einer warm empfundenen Rede übernahm: „Im Namen undim Aufträge des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde Wien übernehme ich hier dieses Ehrengrab und Denkmal in unsere Obhut und leiste für uns und unsere Nachfolger das Gelöbniß, daß wir es so, wie es uns hier übergeben wird, getreulich hüten und erhalten werden für alle Zeiten. Dein letzter Wunsch, mit welchem Du Deine heiße Liebe für unsere Stadt, welche Dir einst in sturmbewegten Tagen so viel zu danken hatte, bekundetest, Dein Wunsch: „Wo immer ich sterbe, wünscheich, inWienbegrabenzuw er den", wurde getreulich erfüllt von Deinen Glaubensbrüdern, welche nun Deine letzte Ruhestätte in ihre dauernde Obhut übernehmen. Du hast gekämpft und gestritten und gelitten für die Gleichheit der M e n! ch e n. Der „Weise von Emmersdorf" wurdest Du von Politikern und Staatsmännern, welche sich bei Dir Raths erholten, der „Vater der Arbeiter" wurdest Du von den zahllosen Bedürftigen, die von weit und breit bei Dir Hilfe suchten und immer fanden, genannt, lind in jenem fernen Lande, an der Stätte des Waltens Deiner letzten Jahre, da waren es — wie um die von Dir angestrebte und gepriesene Gleichheit lebendig zu veranschaulichen — die obersten Repräsentanten der staatlichen, der autonomen Landes- und der commuualen Verwaltungen, welche, vereint mit den aus weiten Gegenden herbeiströmenden Arbeiterschaaren, Dir das letzte Geleite gaben. Dankerfüllten Herzens gedenken wir ihrer Aller. Dankerfüllten . Herzens wenden wir uns zu den im öffentlichen Leben unseres Staates hervorragenden Männern, welche Dir vor 21/2 Jahren den Scheldegruß ins Grab nachriefen und heute Dein Gedächtniß priesen. Dankerfüllten Herzens wenden wir uns allen Jenen zu, welche durch ihre Kunst und Mühe, mit Wort und That dazu mitwirkten, daß Dein Name auch in Stein und Erz der Nachwelt überliefert werde. Wenn in kommenden Jahren an den Gedächtnißtagen, wenn an den uns Oesterreichern ohne Unterschied des Glaubens heiligen Frühlingserinnerungstagen, an denen du, der Erste, nicht achtend der Gefahr, das erlösende Wort gesprochen, wenn an solchen Tagen ihr zu jener Ruhmeshalle wandert und an den Grabstätten der Männer, die ihr Leben der Wisienschast, der Kunst, dem öffentlichen Wohle, dem Vaterlande, der Freiheit widmeten, Kränze niederlegt, o, jo vergeht nicht und wallet auch herüber auf dem israelitischen Friedhof

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