Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 864 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 47 sich bringt, an Jedem etwas zu nörgeln, Herrn Lueger von Zeit zu Zeit niit Nadelstichen tractiren, so bleibt das Entscheidende denn doch der Umstand, daß die Knappen und Lakaien Schönerer's derzeit die Schleppträger des Margarethener Volkstribunen sind. Diese wissen es eben, daß sie jetzt Lueger halten und stützen dürfen, weil Lueger jetzt auch weniger seine eigenen,als die Geschäfte ihres Herrn und Meisters besorgt! Nun wollen wir aber sehen, wie Herr Schönerer es eigentlich anstellt, die Behauptungen des Justizministers zu bestätigen, zu bekräftigen. Ein Zufall wohl war es, daß die jüngste Nummer der „U. D. W." just an dem Tage in den Druck ging, an welchem Graf Gleispach das Wort von dem „Patriotismus auf Kündigung" und der „bedingten dynastischen Treue" gesprochen. Aber wie wenn Schönerer es mit prophetischem Geiste geahnt hätte, schrieb er für diesen Tag unter Anderem buchstäblich Folgendes: „Wenn eine Partei wie die christlich-sociale jahrelang dem bekannten Aste r-Patriotismus huldigt, wenn sie keine Gelegenheit vorübergehen läßt, oft in byzantinischer Aufdringlichkeit ihre sogenannte „dynastische Gesinnung" mit Radetzky-Marsch und was d'rum und d'ran hängt, zu zeigen, dann kann man sich nicht wundern, wenn man ihr die Achtung versagt." Herr Schönerer hat aber nicht blos Vorwürfe für den nichtb-stätigten Freund seiner Knappen Pacher und Hauck, er gibt ihm auch gute Lehren. Er sagt ihm, daß er mit der österreichischen Regierung „deutsch-national" reden müsse und räth ihm, jenen „Patriotismus" und jene „Dynastietreue" zu befolgen, die nicht nur von den Schöneriaueru, sondern angeblich auch von den Czechen beliebt wird: Herr Schönerer schreibt: „Der „s o g e n a n n t e" Patriotismus aber, richtig die „dynastische Anhänglichkeit" ist bedingt und setzt bei ihnen etwas voraus : die Achtung vor dem Volkswillen auf der anderen Seite . . . doch darüber reden wir nicht weiter; man weiß warum." Gewiß, wir wissen warum. Wegen des Staatsanwaltes. Für den hat Herr Schönerer einige Rücksicht, und man weiß auch warum. Aber es scheint, daß Herr Lueger in der Schule der Schöuerianer, in der er nicht blos auf die schriftliche Belehrung angewiesen ist, treffliche Fortschritte gemacht hat, denn er, der angeblich „schwarzgelb" bis in den letztem Blutstropfen und „dynastietreu" bis zum letzten Athemzug war, hat sich schließlich auch zu der verblüffenden Kundgebung Hinreißen lassen, daß er als Aufwiegler und Empörer durch das ganze Land ziehen werde, weil der Kaiser von seinem höchst persönlichen Rechte, eine beliebige Persönlichkeit abzulehnen, Gebrauch gemacht hat! Herr Lueger wird nach dem offenen Bekenntuiß Schönercr's, dessen unbedingte Anhänger nun wohl seine bedingten Förderer und Freunde geworden sind, kaum mehr den Muth haben, sich in die Brust zu werfen und zu fragen: Welche seiner Bundesgenossen es sind, die einen „Patriotismus auf Kündigung" und eine „bedingte Dynastietreue" lehren und befolgen. Die — glücklicherweise — einmal nicht confiscirte Nummer der „U. D. W." gibt eine allzudeutliche Bestätigung der vernichtenden Worte, die Graf Gleispach gesprochen, und sie werden dem nichtbestätigten Herrn Lueger die Lust zu weiteren Fragen in dieser Richtung wohl nehmen. Dr. Lueger, der im Begriffe steht, der Oowmis des Gutsherrn von Rosenau zu werden, dürfte vielleicht schon von der Ahnung beschlichen sein, daß die Freundschaft dieses Mannes nicht blos Rosen, sondern auch Dornen trägt. Herr Schönerer speit Gift und Galle gegen den Grafen Badeni, weil^ dieser keinen stichhältigen Grund für die Ablehnung des Dr. Lueger angeführt hat. Das wird Herrn Lueger zweifellos freuen; aber minder erfreulich wird es wohl für ihn sein, zu hören, wie Schönerer, von seinem tiefen Hasse gegen — Vergani erfüllt, dem Grafen Badeni Rathschläge gibt, denen zufolge eine Ablehnung Luegers moralisch motivirt werden könnte. Das wäre ganz einfach nach Schönerer's Ansicht so zu machen: Graf Badeni erhebt sich im Parlament und sagt mit freundlichem, staatsmännischem Lächeln vor der ganzen Versammlung zu Dr. Lueger: „Sie sind der Freund des Mühldorfer Defraudanten!" Basta,. fertig! Ein Freund Vergani's, der euphemistisch von Schönerer immer nur der Mühldorfer Defraudant genannt wird, kann nichts, also auch nicht Bürgermeister von Wien werden. Schönerer gibt nämlich dem Grafen Badeni zu bedenken: „Den Du-Freund eines Defraudanten kann ich doch nicht für hoffähig erklären!" Aus den Bekenntnissen Schönerer's kann Dr. Lueger aber trotzdem so manche Lehre schöpfen. Er kann erstens daraus ersehen, welche patriotische und dynastische Anschauungen er sich dauernd aneignen muß, um sich dauernd die Freundschaft der Schöuerianer zu erhalten. Zweitens aber muß er erkennen, daß es für ihn nur ein Heil gibt, und das besteht darin, — Vergani fallen zu lassen. Das ist das Ceterum censeo Schönerer's. Welches Opfer mag wohl Lueger leichteren Herzens bringen? Lwas. Das Fischhof-Denkmal. Am 23. März 1883 einige Minuten nach 11 Uhr Vormittags hatte Adoph Fisch Hof in dem kleinen Bauerndorfe Emmersdorf nächst Klagenfurt die Augen geschlossen. — Scfort nachdem sein Tod, sowie sein letzter Wunsch, in Wien begraben zu werden, hier bekannt wurden, trat der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde zusammen und faßte einmüthig den Beschluß, die Erfüllung jenes letzten Wunsches auf sich zu nehmen. — Die Leichenfeier in Klagenfurt am 26. März, welche von der dortigen Chewra-Kadischa veranstaltet wuxde, geschah unter imposanter Betheiligung. — Der Landespräsident Baron Schmidt-Zabirow, der Landeshauptmann Dr. Erwein, dessen Stellvertreter und mehrere Landesausschüsse, der Bürgermeister von Klagenfurt Dr. Posch mit vielen Gemeinderäthen, die Gemeindevorstehungen von Emmersdorf und Umgebung, sämmtlich corporativ, nahmen theil an der Leichenfeier,. welche auf dem Platze vor dem kleinen jüdischen Bethause stattfand. Im Zuge zum Bahnhose schritten voran die Arbeitervereine mit ihren Emblemen, der Arbeitergesangverein von Klagenfurt, der einen Trauerchoral anstimmte, und die Deputationen der Gemeindevorstehungen. In ergreifender Rede wies der Arbeiterführer Preschern darauf hin, daß Dr. Fisch Hof der Vater der armen Bevölkerung, insbesondere der Arbeiter war, welchen er zu jeder Zeit mit Rath und That zur Seite stand. „Du, Vater der Arbeiter." — rief er — „verdienst, „daß man Dir hier ein Denkmal aus Erz und Stein „setze; allein Du bedarfst dessen nicht; denn in unseren „Herzen bist Du eingegraben und wir werden Dich nicht „vergessen. Wir danken Dir für Alles. Lebe wohl!". Bei der Ankunft in Wien wurde die Leiche am Südbahnhofe von den Cultusvorstehern, Baurath S t i a ß n y und Dr. S t e r n, in Empfang genommen und nach dem israelitischen Tempelgebäude in der Leopoldstadt geleitet. Die Leichenfeier in Wien am 28. März ist wohl noch in unser Aller Erinnerung. Nachdemes entschieden war, daß Adolph F i s ch h o f seine dauernde Ruhestätte am israelitischen Friedhofe finden sollte, richtete der Cultusvorstand an sein Mitglied Dr. Stern das Ersuchen, behufs eines öffentlichen Aufrufes zur Sammlung der Kosten für ein würdiges Grabdenkmal ein Comite zu bilden.