Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 47 (22.11.1895)
- Date
- 1895-11-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Eaasass^^'isssssä»:^ SB*®®**«!«*» Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 863 welcher der Well dadurch gegeben wurde, daß die Juden, v o n, Fürsten Liechtenstein geführt, gegen D r. Bloch kämpfen, wohl zum Danke dafür, daß er durch sein unerschrockenes Auftreten R o h l i n g für immer mundtodt, daß er V e r g a n i und Türck unmöglich gemacht, daß er den Deckert und seinen würdigen Helfershelfer Paulus Mayer entlarvt, daß er unzählige Male im Reichsrathe die angegriffene Ehre des Judenthums, die in den Schmutz gezerrte jüdische Religion vertheidigt hat, während die übrigen jüdischen Abgeordneten mannhaft zu schweigen wußten. Wahrlich, für seine unermüdliche Wachsamkeit, für iein-n unerschrockenen Math gebührt dem Dr. Bloch dieser Dank. Nachdem er seine besten Mannesjahre demhartenundgefährlichenKampf gegen denAntisemitismus geweiht, nachdem er seinen Rabbinatsberuf aufgegeben hat, um ganz der Vertheidigung seines Volkes und seiner heiligsten Güter zu leben, nachdem die Zeit sein Haupt gebleicht hat — da geziemt es sich wohl, daß wir ihn im Stiche lassen, ihn zu den Todten werfen, ihn vor die Thür setzen?! Wir werden uns dadurch den Dank aller Antisemiten erwerben, welche ans so billige Weise ihren gefährlichsten Feind, ihren wachsamsten und furchtlosesten Gegner loswerden. Beugen wir unser Haupt vor dem schwarzrothen Prinzen von Margarethen, richten wir eine Adresse an ihn, daß Se. Durchlaucht geruhe, uns allergnädigst in's Antlitz zu speien, uns seinen erhabenen Fuß auf dem Nacken zu setzen! Herr Lueger hat im Reichsrathe einen „frischen, fröhlichen Kampf" angekündigt. Gegen wen dieser Kamps sich richten wird, braucht nicht erst gesagt zu werden. Da werden die verlogensten und gemeinsten Verleumdungen gegen unsere Religion ausstiegen, die gröblichsten Beschimpfungen gegen unseren Stamm einander jagen; von der Tribüne des Reichsrathes herab wnd man uns der schlimmsten Verbrechen, der schrecklichsten'Verderbtbeiten beschuldigeu. unsere Religion besudeln, unsere Vergangenheit durch die Gosse schleifen — und wenn dann Dr. Bloch nicht mehr im Hause sitzt, wird keine Stimme zu unserer Vertheidigung sich erheben. Schneider, der große „Talmudkenner", wird aus dem Talmud „nie dagi-wesene", fürchterliche Citate anfübren, Lueger bei jeder Gelegenheit die Neigung der Juden zum Betrug und zur Unredlichkeit in's Feld führen dürfen, und Seine Durchlaucht, der Fürst von und zu L i e ch t e u st e i u wird sich vergnügt die adeligen Hände reiben, denn der Dr. Bloch wird nicht mehr da sein. Dahin könnte uns der unselige Entschluß des Herrn Dr. Trackkenberq führen! Doch so schlimm ist es, gottlob, noch nicht mit uns bestellt. Die Juden von Kolomea-Sniatyn-Buczacz haben mehr als einmal bewiesen, daß sie wie ein Mann für ihre Ehre und die Freiheit ihrer Wahl eintrcten können. Und auch diesmal wird es keinem Jntriguanten gelingen, Zwietracht unter ihnen zu säen, aus der nur die Feinde Nutzen ziehen könnten. Auch die geflissentlich ausgestreuten lügenhaften Gerüchte, Bloch sei dem neuen Ministerpräsidenten nicht genehm, werden sie wohl zu würdigen wissen. Graf Badeni war über das ganze Jntriguenspiel der Liechtenstein-Zaleski auf's Aenßerste entrüstet. Dazu hat der Herr Fürst die Dummheit begangen, in offener Parlamentssitzung den Chef des Ministeriums empfindlich zu beleidigen, und nun soll Graf Badeni noch dem „rotheu Prinzen" einen Liebesdienst erweisen und ihm helfen, Bloch aus dem Wege zu räumen? Und was Herrn von Zaleski betrifft, so ist es ja bekannt genug, daß dieser Schleppträger eiurger dem Grafen Badeni feind lichen Magnaten auch gegen diesen im Geheimen intriguirt und ihm hinterrücks ein Bein zu stellen sucht. Graf Badeni bedarf des Abgeordneten Bloch, und nichts wäre ihm unerwünschter, als wenn derselbe nicht mehr im Polenclub und im Reichsrath erscheinen würde. Die hervorragendsten polnischen Parlamentarier und Staatsmänner, wie der Abgeordnete Szczepanowski, der ehrwürdige Smolka, der frühere Minister Jaworski, haben sich für die Wahl Bloch's eingesetzt. Ihn nicht wiederzuwählen, wäre nicht blos eine Gefälligkeit für Liechtenstein, sondern eine di recte Beleidigung und Herausforderung des Grafen Badeni, welche der frühere Statthalter für Galizien und gegenwärtige Ministerpräsident um uns Juden nicht verdient hat und welche ebenso unklug, wie verhängnißvoll wäre." Die „Neuzeit" schreibt in einer Correspondenz aus Kolomea: Wieder sind unsere jüdischen Landsleute in ihrem Elemente, denn es handelt sich — um Politik. Steht ja doch wieder eine Reichsrathswahl vor der Thür, und gibt es ja hierzulande leider so viele mandatssüchtige und mandatslüsterne jüdische Advocaten und Streber, die in Politik — machen, vulgo ä tout prix zur Hebung ihrer sonst unbedeutenden Persönlichkeit ein Mandat anstreben, während nur wenige Wahlkreise den Juden zugänglich sind. Principien, Verdienste, politische Parteirichtung, Fachkenntnisse, Charakterstärke, kurz alle die Eigenschaften, die sonst von Personen verlangt werden, die als Erwählte ihrer Mitbürger in den gesetzgebenden Körperschaften sitzen sollen, sind Nebensache, und mit einem Cynismus sondergleichen setzt man sich hierzulande über solche Kleinigkeiten hinweg. Jeder clientenlose Advocat, not» bene wenn er über gehörige Fonds verfügt, fühlt sich berufen, Abgeordneter zu sein. Dies sei vorausgeschickt, um alle jene mit unseren hiesigen Verhältnissen nicht vertrauten Leute zu orientiren, die so naiv sind, sich darüber zu wundern, daß sich bei der bevorstehenden Reichsrathswahl in der Städtegruppe Kolomea-Buczacz-Sniatyn ein jüdischer Advocat Namens Dr. Trachtenberg gefunden, der den traurigen Muth hatte, einem Candidaten wie Dr. Bloch entgegenzutreten, der, abgesehen von allen seinen unleugbaren Verdiensten um die Sache des Judenthums — man denke nur an den seinerzeit die Gemüther so erregenden Fall Rohling — schon deshalb aus den Schild erhoben werden müßte, weil er in schnödester Weise den antisemitischen Rädelsführern hingeopfert wurde, denen sein mannhaftes Auftreten für die Interessen des Judenthums und seine gründliche Kenntniß des jüdischen Schriftthums ein Dorn im Auge war. Konnten sie doch die alten Blutmärchen und dergleichen Quark nicht breittreten angesichts eines Mannes, der als wissenschastiiche Autorität mit den scharfen Waffen seiner unerschrockenen B.redtsamkeit die ganze Erbärmlichkeit ihres Lügengewebes nachwies und die Gegner trotz aller Hindernisse einer beengenden Clubdisciplin schonungslos zerfleischte. Wenn anderwärts einem Candidatcn ein Gegencandidat aufgestellt wird, so muß er sich doch in etwas herv'orthun und von dem andern vortheilhaft unterscheiden. Man fragt sich nun vernünftigerweise : Was hat Dr. B l o ch in seiner Aufgabe der Bertheidigungdes Judenthums unterlassen, das Herr Dr. Trachtenberg zu thun gedenkt, oder worin zeichnet sich Herr Dr. Trachten berg aus, was ist sein Programm, das ihn berechtigt -- einem Dr. Bloch entgegenzutreten? Nun, die Antwort ist kurz: zu thun gedenkt eben Herr Dr. Trachtenberg — nichts. Sein Programm ist — ein Reichsrathsmandat zu — erlangen. Was ihn aber'vor Dr. Bloch auszeichnet das ist, daß er das Glück hat ein Jude zu sein, der — man höre und staune — den Antisemitismus ohne jeden Kampf beseitigen kann. Der Beweis ist leicht zu erbringen. Ist er doch ein Jude, für dessen Can didatur die Matadore derantisemitischen B e w e g u u g: Pr i u z L i e ch t e nst ei n. Mechanike r Schneider und C o n s o r t e n, s i ch e i n s e tz e n, ein Jude, für den sogar „unsere" - „Gazeta kolomyjska“ und der so überaus „judensreundliche" .Kurier Lwowski-1 eintreten. — Welch ein Erfolg!! Doch die Sache ist zu ernst, um darüber zu scherzen. Dr. Trachtenberg ist nicht bester und nicht schlechter als die vielen anderen hierländischen Candidaten, die nach Mandaten auslugm und sich dieselben weglicitireu. Doch der Wahrheit die Ehre. Herr Dr. Trachtenberg unterschekvet sich noch vortheilhaft von anderen Dutzend-Candidaten durch seine Selbstlosigkeit; denn wir wissen, daß es ihm wohl niemals eingefallen wäre, sich um ein Mandat und noch dazu um dieses Mandat zu bewerben, wenn er nicht seinen vorläusig noch im Dunkeln agirenden Hintermännern, die es dermalen nicht für opportun und rentabel halten, dem Dr. Bloch ein Mandat und obendrein blos für ein Jahr abzunehmen, den Freundschaftsdienst erweisen wollte, ihnen für die Z u k u u s t d i e B a h n f r e i z u m a ch e n. Selbstverständlich ist jeder Dienst einen — Gegendienst werth. Do ut des. Sapienti sat. Vekennlmfle einer schönen Seele- Unvergeßlich wird Jedem, der Zeuge der beispiellos erregten Parlamentsdebatte vom vorigen Samstag war, der Eindruck bleiben, welchen die kurze, aber wie ein wuchtiger Keulenschlag wirkende Rede des Justizminifters hervorrief. Mit vornehmer Würde, mit ruhigem Ernst, mit schlichter Sachlichkeit erörtete Graf Gleispach die Auflösung des Gemeinderathes und im Verlaufe seiner kurzen Auseinandersetzung stel das Wort, welcbes Lueger und seine Bundesgenossen hart, zermalmend, vernichtend traf. Der Justizminister sprach von den Leuten mit „dem Patriotismus auf Kündigung", von den Herren mit der „bedingten dynastischen Treue". Das Wort zündele wie ein Blitz, schlug ein^wie ein Donner. Man mußte sehen, wie Lueger, der in den Künsten des Comödiantenthums erfahrene und bewanderte Mann, in die Höhe fuhr und mit dem stets bereiten Pathos in den Saal schrie: „Namen nennen! Namen nennen!" Der Justizminister konnte mit einem kurzen Hinweis auf das Protokoll, welches die Ausführungen der gemischten Gesellschaft enthält, die derzeit die Freunde Lueger» bilden, die gut assectirte Entrüstung Lueger's abwehren, aber ein Anderer hat sich die zwar überflüssige Mühe genommen, für den Minister die detaillirteste, erschöpfendste Antwort zu geben. Dieser Andere ist Herr Schönerer, dessen treue Anbeter und Vergötterer derzeit — Die stärksten und ansdauernsten Stützen des Herrn Lueger sind. Mag auch der Gutsherr von Rosenau, dessen Unfehlbarkeitsdünkel es mit