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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-15 · 46 (15.11.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
46 (15.11.1895)
Date
1895-11-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 46 Gerte 869 Dr. Vloch's Wochrnfchrift. Fabriksfirma Rudolf Stern & Co., nach langem Leiden im kräftigsten Mannesalter, tiefbetrauert von feinen gramgebeugten Verwandten und dem großen Kreise der Bekannten. E. B. Protznitz. (Todesfall — Gemeindewahlen.) Am 10. d. M. verschied hier Herr Markus Ries, Fabriksbesitzer, tief betrauert von feiner Familie und einem großen Kreise von Freunden und Bekannten, welche sich der Verewigte durch seinen jovialen und biederen Charakter zu erwerben wußte. — Bei den eben durchgesührten Wahlen in die Gemeinde - Vertretung der Christenstadt Proßnitz hat es allgemeines Befremden erregt, daß Herr Georg L a s u s, welcher drei Jahre hindurch als Gemeindeausschuß fungirte, nur als Ersatzmann im ersten Wahlkörper ausgestellt worden ist. Die Hinneigung dieses Herrn zum Czechenthum hat daher einen schlechten Lohn gefunden, der auch in gewiffen Kreisen mit Schadenfreude hingenommen wird. Wir haben für die czechische Miserabilität nur den einen Commentar: eosi kan tutti. Feuilleton. Das biblische Ophir — das südafrikanische Goldland. Ben Akiba hat Recht: Alles ist schon da gewesen. In Goldshares wurde gehandelt auf der Effectenbörse zu Jerusalem während der glorreichen Regierung des Königs David und der noch ruhmvolleren seines Sohnes Salomon. Und die fürstlichen Kaufherren in den phönikischen Handelsmetropolen zu Tyrus und Sidon verlegten sich zur Zeit des Königs Hiram mit besonderer Vorliebe ans südafrikanische Goldminen-Speculationen. Im Syndikat mit Hiram und Salomon war die Königin von Saba. All das ist kein Scherz, sondern historische Wahrheit, erwiesen durch Dokumente, an deren Lesart die gelehrten Exegeten nicht mäkeln und deuten können; durch diephönikischfabäischen und jüdischen Festungs- und Tempelruinen, die man im Zambesigebiete, im Baschonalande, nicht allzu weit von den Whitwatersrand-Goldminen der Gegenwart, gefunden hat, und durch die weiteren Entdeckungen in diesen Ruinenstätten, die Auffindung der Schmelzöfen, in denen noch Goldüberreste sich Nachweisen lassen, und des Handwerkszeuges, dessen sich die Phönikier bei ihrem Bergbau und in ihren Schmelzstätten zu bedienen pflegten. Archäologen kennen diese charakteristischen Werkzeuge von Cornwallis her, wo man sie in uralten, von den Phönikiern betriebenen Zinngruben aufgesunden hat. Das biblische Ophir, das Dorado der heiligen Schrift, hat jahrhundertelang den Gelehrten arges Kopfzerbrechen gemocht. Sie fanden keine richtige Erklärung für die Stelle im Buch der Könige: „ . . . und Hiram sandte seine Knechte mit Schiffen, die guteSchiffsleute und auf dem Meere erfahren waren, mit den Knechten Salomos und kamen gen Ophir und holten daselbst 420 Kikkar Gold und brachten es dem Salomo". Diese Stelle wird noch durch folgende aus dem Buch der Könige ergänzt: „Und sie (die Königin von Saba) gab dem Könige 120 Kikkar Gold und sehr viel Specereien und Edelsteine. Es ist nicht mehr so viel Specerei gekommen, als die Königin von Saba dem Könige Salomo gab. Und auch die Schiffe Hiram's, die Gold aus Ophir holten, brachten aus Ophir sehr viel Algumimhölzer (Ebenholz?) und Edelsteine." Mit einer kleinen Variante, laut welcher Salomo und Hiram in Ezeon-Geber ihre Schiffe zur Ophirfahrt ausrüsteten, wird im Buche der Chronik die Mtttheilung der Bücher der Könige wiederholt. Die Goldsummen von denen hier die Rede ist, gehen ins Große. Ein Kikkar wird von Soetbeer auf 42-6 Kilogramm und auf den Werth von 113.000 Mark Gold geschätzt. David hatte bereits 3000 Kikkar Gold aus Ophir dem Tempelbau gewidmet. Es sind mithin für den Tempelbau in Jerusalem mindestens 3540 Kikkar das ist 160.804 Kilogramm Gold, aus Ophir verwendet worden, was bei der heutigen Bewenhung dieses Edelmetalles einen Betrag von 400,020.000 Mark Gold gleichkommt, vorausgesetzt, daß die Berechnung von Soetbeer, des Fachgelehrten in diesen Fragen zutrifft. Da man den Gold- und Geldwerth in jener Geschichtsperiode, in welcher Salomo das Hohe Lied gesungen, als relativ viel höher veranschlagen muß wie heute, so kann man bei einer geringen Schätzung annehmen, daß die vorerwähnte Summe drei bis vier Milliarde!, des heutigen Geldwerthes gleich zu schätzen ist. Begreiflicherweise zerbrachen sich die Bibelausleger ebenso wie Geographen und Culturhistoriker vergeblich den Kopf, woher das kleine, Ackerbau und Viehzucht treibende Palästina eine so enorme Summe genommen hat, wo das Ophir gelegen, in welchem sie diese Goldschätze und andere nicht minder werthvolle Kostbarkeiten sich geholt haben und mit welchen Gegenwerthen sie dieselben bezahlt haben mögen. Für das Woher hatte man wenigstens plausibel scheinende Hypothesen. Man suchte das Goldland Ophir bald in Vorderbald in Hinterindien, wo in uralter Zeit bereits der Bergbau aus Edelmetalle und die Gewinnung des Goldes aus Wäschereien betrieben worden ist- Allerl.i philologische nnd etymologische Deutungen des Wortes Ophir und Sophora — so übersetzten die Gelehrten der Septuaginta das hebräische Wort Ophir in das Griechische — mußten diese Annahme unterstützen. Man hielt es für das Allerwahrscheinlichste, die Sch-ffe die Salomo und Hiram bei Ezeon-Geber ander Bucht am heutigen Golfvon Akaba, der mit dem Golf von Suez die Sinaihalbinsel bildet, ausgerüstet hatten, seien nachJndien gesegelt, um dort den Weisungen ihrer königlichen Auftraggeber entsprechend, Gold zu erwerben. Diese indische Hypothese kam aber niemals über die Lösung des Räthsels hinaus» mit welchem Grgenwerth David und Salomo das viele Edelmetall bezahlt haben mögen. Denn daß in Indien etwa durch ein bischen Seeraub, vor welchem bekanntlich die Phönikier, die Bundesgenossen Salomo's, bei diesen Seefahrten, niemals zurückschr ckien, so viel Schätze hätten erworben werden können, ist von vorneherein undenkbar. Die Bibelkundigen, die sich nicht blos mit dem Woher begnügen, sondern auch noch daS Wofür wiffen wollten, verfielen auf andere Hypothesen und suchten das Goldland in Afrika an der Küste südlich der Straße von Bab-el-Mandeb im heutigen Gebiete der Danakil und Somali. Dagegen sprach aber, daß weder dort, noch im abessynischen Hochlande und in den Gebirgen der Gallavölker sich Gold in größeren Mengen vorfindet. Auf Gebiete, die weiter südlich liegen, wiesen zuerst die Portugiesen hin, die während der Blütheperiode ihres afrikanischen Colonialreiches Goldwäschereien und Goldbergbau in Südafrika betrieben haben. Für sie galt es als ausgemacht, daß dort das biblische Ophir zu suchen sei. Beweise für ihre Annahme hatten sie keine, als eben das Vorhandensein von Gold, und so wurde ihre Deutung der eingangs angeführten Stelle aus dem Buche der Könige ebenso mißachtet von den Gelehrten Mittel- und Nord-Europas, wie diese Herren die geographischen Entdeckungen der Portugiesen im schwarzen Welttheil ignorirten, obwohl dieselben im Anfänge des vorigen Jahrhunderts in Kartenwerke» veröffentlicht worden waren. Der bekannte deutsche Afrikareisende Dr. Karl PeterS hat kürzlich in einer Flugschrift nachgewiesen, daß den Portugiesen im ersten Decennium des achtzehnten Jahrhunderts der größte Theil jener sensationellen Entdeckungen in Central- und Südafrika bereits bekannt war, welche L i v i u g st o n e und Stanley und so viele Andere neuerdings machen mußten, weil man die portugiesischen Angaben für Geflunker gehalten und dann vergessen hatte. Peters ist es auch, der die Ophirfrage in einer soeben erschienenen Schrift*) behandelt, welcher wir die vorstehenden Angaben entnehmen. Er hat mit seinen Untersuchungen die Ophirfrage wohl endgiltig gelöst, nachdem schon seit Längerem infolge der Entdeckungen der alten Tempel- und Festungsruinen im Zambesigebiet jeder Unbefangene sich für die portugiesische Hypothese erklären mußte. Diese Tempelruinen hat ein junger schwäbischer Reisender. Dr. K ar l Manch, am 15. September 1871 bei Zimbabye entdeckt. Schon er war überzeugt, daß er hier Ueberreste sabäischer und phönikischer Bauwerke gefunden habe, daß in diesem Goldgebiet jene chamitisch-femitischen Seefahrer und Handelsnationen, die nicht blos an der syrischen Küste, sondern auch in Südarabien und an der gegenüberliegenden afrikanischen Küste, sowie am persischen Golfe saßen, einen systematischen Bergbau während langer Zeit betrieben haben und daß man hier das biblische Ophir suchen müsse. Er brachte allerdings nur einen einzigen, aber sehr wichtigen sprachlichen Beleg für seine Annahme vor, den Namen der Hafenstadt, welche das Einfallsthor für die Goldgebiete im Zambesi-Territorium bildet, den Namen: Sofala. Die Stadt Sofala wird von den Eingebornen im Hinterland Sofara genannt. L und R wechseln in der arabischen und chamitischen Sprache sehr leicht. Nur wird in der Septuaginta Ophir mit Sophera u. Sophara übersetzt. Im Egyptischen bedeutet das Präfix Sa Land, Sa Ophir also das Land Ophir, woraus das Sophir Sophera und Sophara in der griechischen Umbildung und in der Septuaginta-Uebersetzung entstanden ist. Nach Manch hat der Engländer I. Theodor Bent, der mit den Ueberresten altphönikischer Bauwerke in Europa und Nordafrika sehr vertraut ist und sich viel mit phönikischer Archäologie befaßt hat, die Ruinen von Zimbabye und anderen Punkten des Maschonalandes genau untersuckt und den Nachweis erbracht, daß man es hier ganz zweifellos mit phönikrschen, sobäischen und wohl auch mit altjudäischen Bauwerken zu thun habe. Er hat phönikische Bildersymbole, eingemeißelt auf die Tempelmauern, sowie eine Inschrift entdeckt, er hat die Ueberreste von Goldschmelzöfen und hüttentechnischen Werkzeugen gefunden. Auf Grund dieser Funde muß angenommen werden, daß Sabäer und Phönikier durch eine längere Periode im Maschonalvnd Goldbergbau planmäßig und systematisch betrieben haben, daß bergmännische Colonien dieser Völker dort gesehen sein müssen und daß weitläufige Festungsanlagen diese Ansiedlungen sicherten. Mit einem bischen Phantasie kann man sich leicht ausmalen, wie hier d>e aus Norden gekommenen Seeleute mit ihrer überlegenen Cultur und Bewaffnung sich zu Herren des Landes gemacht und die eingeborene schwarze Bevölkerung zum Frohndienst *) Das goldene Ophir Salomo's. Eine Studie zur phönikischen Weltpolitik. Von Dr. Karl Peters. München und Leipzig 1895. Druck und Verlag von R. Oldenbourg.

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