Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 46 (15.11.1895)
- Date
- 1895-11-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 858 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 46 Die Volkszählung brachte eine Thatsache an's Licht, auf die wir stolz sein können, daß nämlich von sämmtlichen 243 225 Juden kein einziger ist, der, dem Kindesalter entwachsen, nicht lesen, schreiben und rechnen kann, während von den 5,163.024 Christen nur 443.661 lesen und schreiben können, so daß thatsächlich 4,719.363 Analphabeten sind. Die Unparteilichkeit mag nun nach diesen Zeilen beurtheilen, auf wessen Seite sich die Civilisation in Rumänien befindet. Wir sind Carp für den ungeheueren Dienst, den er dem rumänischen Judenthum geleistet hat, zu tiefem Danke verpflichtet. Bologna. Herrn Luzatti, dem ehemaligen Minister und ausgezeichneten Nationalökonomen wurde bei dem vor Kurzem in Bologna abgehaltenen Congreß der Volksbanken, der von mehr als 6000 Delegirten besucht war, eine Ovation dargebracht. Er wurde mit Acclamation zum Präsidenten des Congreffes gewählt, und nachdem er seine Rede geschloffen, wurden Rufe laut: „Lang lebe der Apostel der Nationalökonomie!" Die italienischen Bolksbankeu verdanken Herrn L u z a t t o ihren Bestand; seit dem Jahre 1870 ist ihre Zahl von 50 auf 720 gestiegen. Tikonen. (Rußland.) Ein erfreuliches Ereigniß wird uns aus Tikonen (Gouvernement Lomza) gemeldet, das neuerlich einen Beweis davon liefert, wie freundlich Graf Schuwaloff, der Generalgouverneur von Polen, den Juden gesinnt ist. Während der Graf den Herbstmanövern in Tikonen beiwohnte, ließ er die Schüler der jüdischen Schule kommen und sich von ihnen mehrere Lieder Vorsingen. Seiner Excellenz sowohl, als auch dem Gouverneur von Lomza g, fielen die Borträge so gut, daß sie Bonbons unter die Kinder vertheilten; Graf Sch u mal off händigte überdies dem Lehrer eine Summe Goldes ein, damit er die Kinder bewirthe. Unter den Kindern fiel ihm besonders ein Mädchen, namens Golde, durch ihre außerordentliche musikalische Begabung auf, und Graf Schuvaloff verfügte, daß sie nach Warschau gesendet werde, wo sie in dem kaiserlichen Conservatorium auf Kosten des Staates ausgebildet werden wird. Wie«. (Oesterreichis ch-i sraelitische Union.) Dienstag den 19. November 1895 findet eine Plenarversammlung dieses Vereines statt. Tagesordnung : 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Bortrag des Herrn Dr. I. S. Bloch: „Jüdische Proselyten." 3. Anträge und Interpellationen. Der Vorstand. Wie«. (Vermählung.) Herr Leopold Band, Disponent der Kleider-Confectionsfirma Waffermann und Renner in Wien, vermählt sich am 17. d. M. mit Frl. Lina Eltbogen im israelitischen Tempel, T.mpelgasse. Den angesehenen Familien des Brautpaares sind aus dem weiten Bekanntenkreise Glückwünsche zugekowmen. Wie«. (Trauung.) Sonntag den 17. d. M. findet im türk.-seph. Tempel um Val Uhr die Trauung des Fräuleins Jenny Papo mit Salomon D. Papi aus Sarajewo statt. Wien. 9.Nov. Die Verbindung österr.-schlel. Hochschüler„Jvria" eröffnete Samstag den 2. November d. I. ihr 7. Semester - mit einem Commerse in W e i ß' Restaurant, Praterstraße. Der Senior teedv. Emil Fr ied begrüßte d^e überaus zahlreich erschienenen Gäste, darunter die Vertreter der akadem. Verbindung „Kadimah", „Unitas", der Vereine „Gamala", „Libanouia" „Theologia" re., mit Herzlichen Worten, worauf das Bundeslied der „Jvria" angestimmt wurde. Herr Drd. weck. S o f e r hielt die Tendenzrede, in welcher er, das Programm der Jüdisch-Nationalen entwickelnd, mit zündenden Worten die Bedeutung Palästinas für das jüdische Volk hervorhob. Zum Schluffe forderte er alle jüdisch-nationalen Vereine zum strammen Zusammenhalten auf. Die Vertreter der erschienenen Verbindungen und Vereine beglückwünschten die „Jvria" zur Eröffnung ihres 7. Semesters, worauf unter Absingung eines munteren Studentenliedes der officielle Theil des Commerses endigte. Aus Nah' und Fern' waren zahlreiche Telegramme und Beglückwünschungen eingetroffen, u. A. auch vom Ehrenburschen der „Jvria" Dr. L o r y aus Te scheu. Mittwoch den 6. d. M. fanden die Neuwahlen in die Leitung der Verbindung „Jvria" statt. Gewählt wurden als Chargirte Herr Cand. jur. Karl K o h n, Cand. weck. Wilhelm Sternbach, Cand. techn. David Nacher, als Cafsier Cand. techn. Karl König. Graz Samstag, 2. November, hielt der akademische Verein „Humanitas" in Graz seine ordentliche Plenarversammlung für das Wintersemester 1895/96 ab. In derselben fand die Neuwahl des Anschusses statt, und fiel dieselbe auf folgeude Herren: Cand. zur. G ustav Schwarz, Obmann, Cand. techn. Bernhard Baß, Obmann-Stellvertreter, stuck. weck. B 6 l a Schick, Cassier, stuck, weck. S i e g f r i e d F i s ch l und stuck, weck. S ie g m u n d F u ch s, Schriftführer, Drd. Hugo Mühsam, Cassarevisor. Das Plenum beschloß, die Statuten einer Revision zn unterziehen, mit welcher Aufgabe ein zu diesem Behufe eingesetztes Comitße betraut wurde. Auch einigte u:an sich dahin, die im Vorjahre mit so viel Erfolg gegebenen Tanzunterhaltungen auch Heuer zu arrangiren, wodurch der Verein einem in den hiesigen jüdischen Kreisen gehegten Wunsche nachzukommen glaubt. Für den akadem. Verein „Humanitas": Cand. techn. BaßBeruhard, Cand. jur. GnstavSchwarz, dr. Obm.-Stellvertr. dz. Obmann, weck. B 6 l a s ch i ck, dz. Cassier. Siegmund Fuchs, stuck, weck. Siegfried F i f ch l, dz. Schriftführer. dz. Schriftführer. Wien. Löbliche Redaction! Ich ersuche mit Bezugnahme auf § 19?r. G. im Namen meines Clienten Herrn Jakob Münzer um Aufnahme nachstehender Berichtigung der meinen Mandanten betreffenden Stellen des in Nr> 42 Ihres werthen Blattes unter der Aufschrift „Die semitischen Antisemiten David und Lazar Münzer" erschienenen Artikels. Es ist nnwahr. daß Herr Jakob Münzer mehrere Jahre im Lemberger Zuchthause saß, und unwahr, daß eine angebliche Denunciation gegen Herrn Adolf Münzer von Herrn Jakob Münzer geschrieben wurde. Wahr ist es vielmehr, daß Herr Jakob Münzer schon seit dem Feber l. I. aus der Firma Münzer & Co. geschieden ist, derzeit als öffentlicher Gesellschafter der Firma I. Münzer & Co. und Münzer L Weiß fungirt, in gar keiner wie immer gearteten geschäftlichen Relation zur Firma Münzer & C o. steht, daher gar keine Veranlassung hatte und hat, an einer Action gegen Herrn AdolfMünzer theilzunehmen, noch weniger aber eine Denunciation gegen denselben zu schreiben. Hochachtungsvoll Dr. Herzberg -Fränkl Wir werden auf den Inhalt dieser Berichtigung zwick zukommen haben. Wie«. (Jüdische-akademische Lesehalle). Samstag den 9. November fand in den Localitäten der „Jüdischen akademischen Lesehalle" ein Vortrag des Herrn Docenten Dr. S. Feilbogen „zwei Jnangurationsreden (Mengrr und Wagner)" statt. Sowohl die allgemein bekannte und beliebte Persönlichkeit des Referenten als auch das interessante Thema versprach einen sehr zahlreichen Besuch', der auch nicht ausblieb. Unter den Anwesenden bemerkten wir die Herren Prediger D. L ö w y, Ingenieur Lazarus, Dr. Jak. Kohn u. A. Nachdem der Präses den Abend mit einer Begrüßung der Anwesenden eröffnet und den Herrn Docenten für seine Bereitwilligkeit gedankt hatte, gab er der Hoffnung Ausdruck, es werden auch andere Docenten, dem Beispiel des Herrn Dr. Feil bogen folgend, unsere Bestrebungen unterstützen. Der Vortragende begann hierauf in der ihm eigenen lichtvollen Weise seine Ausführungen. Im Anschlüsse an diese entspann sich eine lebhafte Discussion, an der sich die Herren: Dr. Kohn, Winter, Engländer und Sofer betheiligten. Nachdem Herr Dr. Feilbogen noch zu einem kurzen Resums das Wort ergriffen hatte, wurde für den nächsten Samstag 7 Uhr Abends ein Vortrag des Herrn Predigers D. Löwy: „Judäas Fall und Wiederbelebung" angekündigt. Wien. (A k a d e m i s cb er V er ei n „G am a l a".) Sonntag den Iv. d. M hielt der Verein eine ordentliche Plenarversammlung ab, in der der Rechenschaftsbericht des scheidenden Ausschusses entgegengenommen wurde. Aus demselben erfahren wir, daß neben den im letzten Semester zahlreich abgehaltenen Discussions- und Vortragsabenden, der Verein öffentlich auch eine Barkochba- und eine Montesiore-Feier veranstaltet hat. Seine betretene Bahn gedenkt der Verein, der aus ernsten und zielbwußten Mitgliedern besteht, Weiler zu wandeln, um zum Wohle seines Volkes eine echt jüdisch gesinnte, für das Judenthum warm fühlende Intelligenz zu erziehen. In der Plenarversammlung wurde auch ein neuer Ausschuß gewählt und zwar: Heck. E. R o s e nb er g er als Präses; Heck. O. Ch aj es als Schriftführer; Ltuck. weck. Jellarcus, als Cassier. L. L. Protznitz. (Todesfall.) Am 11. d. M. verschied hier Herr Rudolf Stern, Chef der bekannten