Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 46 (15.11.1895)
- Date
- 1895-11-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021108--05077-3029295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Holešov 1× ep/1047950
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Seite 860 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 46 in ihren Bergwerken gezwungen haben. Damit ist auch, wie Peters hätte beifügen können, das Näthsel gelöst, wie die goldarmen Könige von Palästina sich solche Goldschätze erwerben konnten. Die phöniklschen Städtestaaten waren aus Soldtruppeil bei Gründung ihrer Eroberungs-Colonien angewiesen. David und Salomo konnten ihre im Waffenhandwerk so trefflich geschulten „Knechte" dem König von Tyrus bei seinen Expeditionen ins Maschonaland zur Verfügung stellen und sich hiefür, da sie das Beste zu Gewinnung und Behauptung der Goldländer leisteten, auch den Lowenantheil an der Ausbeute bedingen. Daß die Leute aus Palästina den königlichen Kaufherren aus Tyrus und Sidon für gute Entlohnung militärische Dienste geleistet, ist bekannt. Sie stellten die Schutzmarrnschast für die Karawanen, welche zwischen dem persischen Golf und Phönikien den Waarenverkehr mit Indien besorgten; da lag auch der Gedanke nahe, Ophirfahrten auf gemeinsame Rechnung und Gefahr zu unternehmen. Peters beschäftigt sich in seiner streng sachlich gehaltenen und gründlich gelehrten Schrift sehr viel mit vhilologisch-ethymologischen Problemen, um das Wort Ophir zu erklären, und kommt zu dem Schlüsse, daß die Wurzel phir-pher d:n Süden bedeute, sa ophir das Land des Südens. Aus sa ophir, Sophir und Svphere und Sophara sei das lateinische Afer entstanden, womit die Römer zunächst die Karthager bezeichneten, und daraus leite sich dann die terra Afrika ab, weiche von dem heutigen Tunis und Tripolis allmälig auf den ganzen Welttheil übertragen worden sei, genau so, wie aus der römischen Provinz Asia, dem heutigen Anatolien, d.>r ganze anhängende Welttheil seine Benennung erhallen hat. z. k. 1. Literatur. Jaroslav Vrchlieky und Friedrich Adler. Der Prager Dichter Dr. Friedrich Adler, der sich seit längeren Jahren in der literarischen Welt eines großen Ansehens erfreut, verösientli'chte soeben in der Reclam'schen Universalbibliothek eine deutsche Uebersetzung der Gedichte des ihm befreundeten czechischen Dichters Jaroslav Lrchlicky. (Gedichte von Jaroslav Vrchlicky. Ausgewählt und übersetzt von von Friedrich Adler. Leipzig.) Es ist hier nicht der passende Ort, diese formvollendete und in jeder Hinsicht gelungene Uebersetzung, die nicht nu^ die metrische Form des Originals — das wäre wohl nicht das Wichtigste — sondern auch dessen Geist und Individualität in einer selten vorkommenden Vollendung wiedergibt einer Besprechung zu unterziehen. Friedrich Adler hat sich bereits durch seine Uebertragungen aus dem Spanischen, Italienischen, Französischen und Englischen einen geachteten Namen als Uebersetzer erworben, abgesehen davon, was er als Dichter, der durch eigene Kraft sich seine Bahn gebrochen, schon geleistet hat. Heute wollen wir den Inhalt einiger Gedichte der erwähnten Sammlung in's Auge fassen, und zwar jener Gedichte, die auf das Judenthum, dessen Geschichte und Sage Bezug haben. Bekannt ist, daß Vrchlicky mit Vorliebe derlei Stoffe poetisch bearbeitete und somit eine Fundgrube hatte, die von anderen — selbst jüdischen — Poeten ignorirt und' hochmüthig verschmäht wurde. In diesem Blatte wurden einigemal Ueb^rsetzungen von Gedichten gebracht, in welchen Vrchlicky von seiner vorurtheilslosen Gesinnungsart glänzende Proben gibt. Eines der interessantesten Gedichte der soeben veröffentlichten Sammlung ist das Poem „Moses Schalten". Moses schreitet vom Sinai mit den Gesetztaseln in der Hand, das Volk neigt sich vor ihm und preist ihn als den gottgesandten Mann, der mit Engeln das Brod brach. Ein anderer Theil Israels sah, „von drüben, wo die schwarze Wolke stand" hinter des Propheten Schritt einen Riesenschatten, der einen schweren Felsblock trug. „Der Satan, seht, folgt Moses nad),. der wich von Gottes Wegen; den Block wird er aus unfern Nacken legen, daß er uns weh! zermalme nnd erdrücke!" So oft im Volke Aukruhr gohr «ist es durch die geschehen, die Satan schreiten von dem Berg gesehen." Ein anderes, nicht minder geniales Gedicht „Das Neujahrs gebet" behandelt die Legende von der Entstehung des Gebets „Unesane tokef“, die den meisten Lesern dieses Blattes bekannt ist. Das PoLm „Koheleth" birgt einen riefen Sinn und sollte große Beachtung finden. Bemerkenswerth ist, daß — als ich vor drriundzwanzig Jahren Friedrich Adler kennen lernte — der damalige Gymnasiast mir als seine ersten poetischen Versuche eine Paraphrase der Klagelieder des Propheten Jeremias vorwies. Diese umfangreiche Dichtung machte mich sofort aus das ungewöhnliche Talent Adler's aufmerksam, und ich wurde nicht müde, ihn von dieser Zeit an zu weiterem poetischen Schaffen anzuspornen. Holleschau, 27. October 1896 Max Minder. gefunden, einen „Oesterreichisch-Ungarischen Verein" zu gründen, der den Zweck hat, die Mitglieder eng aneinander zu schließen, eine Heimstätte zu gründen, wo sich ein „Jeder" nach der Tages Last und Mühen geistig erholen soll und kann und nicht gezwungen ist, andere dem unverfälschten jüdischen Sinne entgegenströmende, die Bildung beeinträchtigende Localitäten zu besuchen. Zu unserer Freude zählt der Verin bereits 30 active Mitglieder» darunter Zwei nicht jüdischer Confession, die voll und ganz dem Zweck des Vereins conform mit uns einig gehen. Die „Oesterreichische Wochenschrift" ist uns nun gnasi zum Bedürfniß gewordenrc." Ihrem Ansuchen kann jedoch seitens der Administration leider nicht entsprochen werden. Wien. H. Für den kranken Mann in Humpoletz mit den 5 Kindern 1 fl. erhalten und 1 fl. für die Abgebrannten in Abbs an der Donau. Dank im Namen der Armen. Wien. Herrn Kr. Sehr verbunden für die freundlichst zur Verfügung gestellten interessanten Daten: In Schönerer's U. D. W. Nr. 21 vom 1. Nebelmonat 1895 finden die auf Seite 264 unter „Deutschvolkliche Gedenktage im November" (Germanisch-Laubriß.) — 5. November 1894 Hans Sachs wird zu Nürnberg geboren. (Der Mann ist ein Jahr alt und hat in Nürnberg chon seit Jahren sein Monument.) Ferner 7. November 1870 Fritz Reuter wird geboren. London. Mr. Philipp Greenspan. Ihre Reclamationen werden gewiß nach Thunlichkeit berücksichtigt werden. „Standard" verwendet. Humpoletz. M. W. Daß Sie von all' den genannten Herrschaften gar keine Antwort erhalten sollten, erscheintuns schwer glaublich. Gedulden Sie sich — viellkicht rührt sich doch noch etwas. S. A. Ujhey S. I. Für Gutes und Originelles hat die Redaction Verwendung. Wien. „Ein neuer Abonnent". Sie fragen uns, ob 1. Emilio Castelar wirklich Jude und 2. ob die „N. Fr. Pr." das Organ der Alliance Jsraslite ist? Weder das Eine noch das Andere. Das sind die kleinen, aber dafür geschmacklosen Scherze des. Herrn Vergani. („Deutsches Volksblatt" vorn 7. d.) Wo er das abgeschrieben hat, wissen wir Ihnen nicht zu sagen. Laibach. „Aufmerksamer Leser". „Als die Schläge zu dicht wurden, nahmen die anderen Minister in einer Regung des Mitleids einen Theil der Prügel auf sich. Das hat nichts genützt, ihnen aber geschadet." Sie haben ganz Recht. So schreibt kein anständiges Blatt, sondern nur die — „Reichspost" (10. November) Bezüglich ihrer Anfrage diene Ihnen, daß weder der Advocat Peter Libor Gerl, noch der Notar Hahnemann Juden sind. Krakau. W. S. Sehr geistreich, würde aber von Vielen mißverstanden werden. Gruß. Wien. „Chrysander." Sie senden uns Näthsel, Charaden und Rösselsprünge. Wir Danken. Spielecke etabliren wir nicht. Dagegen revanchiren wir uns mit einer Scherzfrage: „Wir stehen also vor einer neuen „That" des humanitätsduseligen Aufklärichts, mit dem der Liberalismus insbesondere in den letzten Jahren unter dem Eindrücke halbverdauter socialistischer Ideen am Leibe der Gesellschaft herumdoctert, ohne natürlich bei seiner politischen Impotenz und seiner ■ unheilbaren Unkenntnis; wirklicher Volksbedürfnisse selbst beim besten Willen etwas Anderes hervorzubringen, als Zerrbilder, Mißgeburten und Homunkelu." Was meint wohl die „Ostdeutsche" vom 12. damit? Antwort: Die populären Vorträge der Wiener Universitätsprofessoren und Docenten. Bildungsfreundliche Herren das. Nicht einmal mit Dr. Kassowrtz ist das Blatt zufrieden. „Wie unsterblich hat sich Dr. K a s s o w i tz mit seinem echt jüdischen Austreten gegen den allbekannten und allverehrten H v frathProfessor Freiherrn von Wiederhofer gelegentlich der Diphtherie-Heilserums-Debatte geschadet! Und der Mann hat doch weiter nichts-gethan, als, wie noch erinnerlich sein dürste, die antisemitischen Anschauungen durch seinen wissenschaftliche Autorität gestützt. Die Herren haben ein sehr schlechtes Gedächtniß. Wien. Otto Fr. Zu gütig. „Allwissend sind wir nicht, doch — Einiges ist uns bewußt." .Die Luegerbüste hat der Lehrer an der Modellirschnle des österr. Museums Josef Bier tu er modellirt. Coneurs. Briefkasten. London. E. „OestcrreichischUngarischer Verein" 72/E Old Montague Street. Ihrem Wunsche gern entsprechend machen wir hierdurch unsere nach London reisenden Leser auf Ihren Verein aufmerksam. Sie schreiben: „Mit dem Artikel Ihrer, werthen Zeitung sympathisirend, haben sich hier verschiedene österreichisch-ungarische, junge Leute zusammen¬ An dem mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen israel. Blinden-Insitute in Wien, Hohe Warte, gelangt die Stelle eines Lehrers gegen einen Jahresgehalt von 600 fl. nebst freier Station znr Besetzung. Gehörig belegte Gesuche sind bis 25. November d. J. zu richten an die Direction des Israel. Biinden-Institutes in Wien Hohe Warte. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien^ VIII., Lerchenselderstr. 46.