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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-15 · 46 (15.11.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
46 (15.11.1895)
Date
1895-11-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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rrüPJfcas " Nr. 46 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 857 Wien den 28/10 1895 Lieber Herr D r. Beischließend übermache ich Ihnen auch gleichzeitig die nur zugestellte Karte des Herrn Dr Neumayer, das soll ich Ihm geben meine Stimnie das soll er werden Gemeinderath, nu Hab ich ihm gegeben nix meine Stimme, und ist er doch geworden Gemeinderath, aber abgeordneter in landtag wo ich Hab wieder seine Karten bekommen ist er nix geworden, ich schike Ihnen die Karten thun Sie sich diese in ein ramerle einfassen lassen und hengen sie Ihm auf in ihner Kanzleistuben. Bei den Gelegenheit will ich Sie bitten die güte zu haben nach dem ich gehört Hab, das im 9 Bezirk 3600 Kinder in die Schul gehen was haben keine Schuch und Winterkleider worunter senn 18 Kinder von Juden dabei, in Iren Wochenblatt eine propogande zu machen, das sollen die Jidelech aus dem Stamme WNRZ nur recht viel Geld hergeben, damit die 3582 Kristenkinder nur ja recht schöne Schuch und Kleider bekommen sollen, denn die 18 Jidelechkinder werden ja doch nix kriegen, die sollen nur nakl gehen und krank werden, der dank bei die Kristenkinder wird schon nix ausbleiben dafür werden Sie schon die Jidelech gLlt durchprigeln und werden fleißiger den Jidelech hep hep nachschreien da könte sich die Frau S. und Ihr Mann, der W Z. VI S und der Her got las Ihm ewig brennen seine 2 Söhne, was sind noch nicht getauft, auszeichneu.-- Ich geb nir ein Kreutzer zu so was, weil ich bin nix aus dem Stamme WURZno leben Se mer schon wie se wolen Anton D o s 1 a l S. P. 9 Bez. Badgasse 8 Haben Sie mir nichts in übel. Correspondenzen. Lemberg, im November. Eine der schönsten Tugenden ist die Dankbarkeit: Gott fei Dank, daß sie im Judenthum noch reichlich geübt wird. Davon gab der heutige Tag ein glänzendes und erhebendes Beispiel. Am 5. d. M. feierte Franz Smolka, der unermüdliche Kämpfer der Freiheit, Wahrheit und Gleichberechtigung aller Staatsbürger, seinen 85. Geburtstag, zugleich auch das 50jährige Jubiläunr seiner Berurtheilung zum Tode. Die Bürgerschaft Lembergs feierte diesen ^Tag als einen nationalen Festtag und ehrte den Jubilar durch "erhebende Ovationen. Aber auch die jüdische Gemeinde blieb nicht zurück und veranstaltete zu Ehren des alten und bewährten Vorkämpfers der Gleichberechtigung einen Festgottesdienst im Tempel, zu welchem der Jubilar versprochen hatte, zu erscheinen. Um 11 Uyr Vormittags hatte ein distinguirtes Publicum, Herren und Damen, das Gotteshaus gefüllt. Einige Minuten später erschien der illustre Gast, begleitet von dem Vice-Bürgermeister Michalski. Sie hatten ihren Weg direct vom Hochamt in der Kathedrale zum Tempel genommen. In der Vorhalle erwarteten der Vorstand und die Tempelverwaltung den Jubilar und der stellvertretende Präses Herr Reichsraths-Abgeordneter Dr. Byk begrüßte ihn namens der Gemeinde in einer schwungvollen Anrede. Smolka dankte gerührt und wurde dann zu den reich mit Lorbeerkränzen geschmückten Ehrenplatz geführt. Nach einem erhebenden Choral sang Herr Obercantor Halstern mit prachtvoller Stimme und innigem Ausdruck einen hebräischen Mischeberach und hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Caro das Wort zu folgender Anrede in polnischer Sprache: „Geehrter Bürger! Gottes Segen über Dich! Wir segnen Dich im Hause Gottes. Wir begrüßen Dich als den Träger dreier Kronen. Du trägst zuerst die herrliche Krone des Alters, o trage sie freudig und stolz noch hundert Jahre in Kraft und Gesundheit. Dich ziert sodann die Krone der Weisheit, mit der Du Dein Volk hast geführet zum Ruhme, mit der Du aber auch Israels Söhne hast geschützt und vertheidigt in edler Gerechtigkeit. Die dritte, wie Himmelsglanz leuchtende Krone aber ist die Bürgerkrone Deiner ungebrochenen Vaterlandsliebe. Sie leuchtet uns strahlend voran, den aber, der unser Aller Beispiel war und Muster, bewahren wir ewig in unseren dankbaren Herzen und wo die polnischen Söhne Jakobs beten, dort wird Dein Name, Franz Smolka, gesegnet und mit Ehrerbietung genannt sein. Gottes Segen über Dich mit den Worten unseres Priesters: „Jeworechecho" rc. Bei dem Priestersegen beugte der ehrwürdige Greis tief sein Haupt und in seinen milden Augen erglänzten Thränen der Rührung. Unter den Klängen eines von der Waisenhauscapelle executirten polnischen Nationalliedes, verließ Smolka das Gotteshaus. Der jüdische Handwerkerverein, der mit der Fahne im Tempel Aufstellung genommen hatte, bildete Spalier und empfing freudig den ehrenden Dank des Jubilars. Prag. Wir lesen in der „Arbeiter-Zeitung": In den Kreisen des deutschen Casinos herrscht eine arge Verstimmung darüber, daß dem gestrigen Commers der deutsch-nationalen Studenten eine Reihe von Universitätsprofessoren beiwohnte, die bisher als Stützen des Liberalismus galten. Es wurden sehr scharfe Reden gegen Badeni und für Lueger gehalten, auch ein wenig gegen den Großacpitalismus losgezogen. Am Commers waren tausend Personen anwesend, doppelt so viel als am liberalen tagsvorher. Berlin. 5. November. Der Verein Berliner Volksschullehrerinnen hat in seiner letzten Sitzung folgende Erklärung beschloffen: „Der Verein Berliner Volksschullehrerinnen bedauert die Schädigung, welche die j ü d i s ch e n L e h r e r i n n e n in Folge der Stellungnahme der Regierung in ihrer Berufsthntigkeit erleiden solle», indem die Regierung die Anstellung von j irdisch en Volksschullehrerinnen immer mehr zu beschränken oder ganz aufzuheben sucht und die jüdischen Hospitantinnen nicht mehr zur Vertretung ch r i st l i ch e r Lehrkräfte heranzuziehen gestattet. Der Verein Berliner Volksschullehrerinnen spricht die Hoffnung aus, daß die städtischen Behörden nicht ermüden werden, für die Wiedererlangung der Gleichberecht i g tl u g ihrer jüdischen Lehrerinnen einzutreten. Er hofft von den Gerechtigkeitssinn der königlichen Behörden, daß sie den Vorstellungen ein geneigtes Ohr leihen und willige Folge geben werden." Diese Erklärung ist ein erfreuliches Zeichen des treuen collegialen Sinnes, der von jeher den schönsten Ruhmestiter des deutschen Lehrerstandes gebildet hat. Sie ist um so anerkennenswerther in einer Zeit, wie die unserige, da Charaktermuth gegenüber den Vorgesetzten Behörden nicht eben zu den Alltäglichkeiten gehört und der Geist des Streberthums so oft Regungen des Pflichtgefühls zu ersticken droht. Bukarest. (Die Juden in Rumänien.) Unter den zahlreichen Verleumdungen, die unsere Feinde die letzten 30 Jahre hindurch in der Absicht über uns verbreitet haben, uns bei dem rumänischen Volke verhaßt zu machen, war es eine der ernstesten, daß die große Anzahl der Juden Rumänien überfluthe. Es ist in gewissenlosen Zeitungen constatirt worden, daß unserer Fünfhunderttausend, Siebenhunderttausend, ja selbst eine Million seien. Da diese falschen Berichte von Deputaten und Senatoren im Parlamente und bei öffentlichen Versammlungen wiederholt werden, werden sie allgemein geglaubt und haben uns großen Schaden gethan, weil immer hinzugefügt wird, daß wir eine nationale Gefahr sind. Das ist sicherlich nicht der Fall, denn wir sind intelligent, thätig und ausdauernd, während die große Masse unserer christlichen , Landsleute faul und unfähig sind. Viele hundert Male schon baten die Juden Staatsmänner aller politischen Parteien, eine Volkszählung vorzunehmen und die genauen Zahlen zu veröffentlichen, um diese Verleumdung osficiell zu entkräften und die Rumänen zu beruhigen. Sie versprachen wohl immer es zu thun, das Versprechen wurde aber nie gehalten, bis endlich Carp, der einzige rumänische Staatsmann, der den Muth hatte, die jüdische Sache im Parlament zu vertheidigen, während er Handelsminister war. eine Zählung der gesammten rumänischen Bevölkerung nach Nationalitäten und Religionen anordnete. Die Zahlen sind im „Moniteur Osficiell" nun veröffentlicht worden: Die ganze rumänische Bevölkerung beträgt 2,738.043 männlichen und 2,667.206 weiblichen Geschlechts, zusammen 5,406.249. Bon diesen sind 118.685 Juden männlichen und 124, 540 weiblichen Geschlechts, zusammen 243.225, von denen 85 Percent im Lande geboren wurden und nicht als Fremde betrachtet werden können. Wenn man von den 118.685 Juden männlichen Geschlechts die bei den Juden sehr zahlreichen Kinder und die Alten in Abzug bringt, so gehe ich gewiß nicht fehl, wenn ich behaupte, daß in ganz Rumänien nicht mehr als ungefähr 60.000 taugliche Juden leben. Was wird also aus den unwahren Berichten so vieler rumänischer Politiker und feindseliger Zeitungen? Wir haben die Befriedigung, den Händen unserer Todfeinde eine mächtige Waffe entzogen zu sehen. Unglücklicherweise kommen sie immer mit neuen Verleumdungen, zum Beispiel, daß wir Wucherer und Landesfeinde sind.

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