Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 46 (15.11.1895)
- Date
- 1895-11-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 856 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 46 hohe Geistesgabcn und Talente erbewunderte. Sein ganzes Herz hing an seinem einzigen Sohne, dem er leider allzufrüh entrissen wurde. Sein heißester Wunsch, diesen zum Erbe seiner Schöpfungen, seiner Pläne und Entwürfe zu machen, mit ihm gemeinsam zu wirken, blieb unerfüllt. Ein reiches, gesegnetes Leben hat schnell und jäh geendet. Wenn auch Todesfrost die äuß.-re Hülle erstarrt, so lebt doch sein Geist und seine Thaten fort in unserem Herzen. Sie richten uns aus in der jetzt trüben Zeit des Kampfes, sie geben uns ein Beispiel, wie Jeder in seinem Kreise leben und handeln soll. Wenn Israel viele solcher Männer aus seinem Schoße emporwachsen si ht, dann wird es den geistigen Sieg davontragen über all' die Widerwärtigkeiten, die es dulden muß, dann wird es sich die Achtung Derer erringen, die jetzt nur Hohn und Spott für dasselbe heben. Möge das Wirken und Schaffen des theuren Verblichenen, das ich mit schwacher Kraft zu schildern versucht, Allen ein Sporn zu edlem Thun und Handeln werden. So wird sein Andenken geehrt und er wird fortlebeu im Geiste aller guten und tüchtigen Männer. Dir, Du treuer, väterlicher Freund rufe ich zum Abschied zu- „Ob auch die Blüthen alle, die Liebe und Verehrung heut' auf Deinen Hügel gelegt, der rauhe Herbstwind' entblättert, sie blühen auf in unseren Herzen, denn Dankbarkeit und innige Wertschätzung für Dich werden sie nie welken lassen." Jo8l Müller gestorben. Am 6. November starb in Berlin Or. phil. Joßl Müller, Docent an der hiesigen Lehranstalt für jüdische Wissenschaften. Müller, einer der hervorragendsten rabbinischen Gelehrten der Gegenwart, hat sich durch Ausgaben von talmudischen Schriften, Commentaren dazu und Untersuchungen darüber um die rabbinische Wissenschaft bedeutsam verdient gemocht. Er verband gründliche Gelehrsamkeit mit streng philologischer Schulung und kritischem Sinne. Bon seinen selbstständig erschienenen Schriften sind zu nennen: ^Llaseebet soferim“, der talmudische Tractatder Schreiber, herausgegeben und commentirt (1878), „Lepouses par äs eelöbres radius francais du XI. et XII. siede“ (Wien 1881), „Responsen der Lehrer des Ostens und Westens, nach Handschriften herausgegeben" (1888). „Einleitung in die Responsen der babylonischen Geonim" (1891), „Halakot pesuchot mit baggaonim4 (1893). Neben seinem Lehramte versah Müller noch die Stelle eines Predigers beim Betsaale des Baruch Auerbach'schen Waisenhauses. Von seinen Fest- und Gedenkreden, die er dort hielt, erschien 1893 eine Auslese im Druck. Mortara's Mutter. Hochbetagt und fast erblindet ist in Florenz Frau Mortara gestorben, jene Israelitin, deren Sohn P'.us IX. 1857 gewaltsam in ein Kloster bringen und als Christ erziehen ließ. Sie starb als fromme Jüdin und wurde unter großer Theilnahme zu Grabe getragen. Ihr Sohn, der jetzt zu Molsheim im Elsaß als Missionär wirkt, hat dem Begräbniste seiner Mutter angewohnt. Seine Brüder, die alle noch dem Judenthume angehören, haben ihre Mutter zü Grabe getragen und haben dann auch das Kadischgebet für dieselbe verrichtet. Wir erhalten folgendes originelle Schreiben, das wir nach Styl und Orthographie unverkürzt reproduciren. An Wien den 26 Oktober 1895 Eeure @ fj r mürben HerRabinar und Doktor Bloch. Jberzeigt das Sie ein guder Mensch sind bin ich so freu Ihnen meine Vertretung in Wohlthaten auszuiben in Gnaden zu überlassen, das Sie hofentlich als Abkömmling des Stammes WURZ sehr gerne übernemen werden. Es wäre den guten Pater H i k l angenem wenn Sie bei Ihren Stammes Brüder WURZ die doch echte MNttt sind für diesen so notwendigen Ferein eine Kolekte machen mechten, fileicht würden Sie Herr Doktor den Gabor Steiner überreden kennen er soll in Venedig in Wien ein Fest aranschiren, ein Fest zu Ehren der einrükenden Sommerpartheien und zum Wohlthätigen Zweck für den so nothwendigen Gesellenverein des Pater Hikl in Holeschau, da kennte sich der ganze Stamm WURZ besser auszeichnen, als beim Fliederfest und Blumenkorso, weil da jeder Abkemling des Stammes WURZ zu erkennen waren, und jeder einzelne tagsdarauf in Ihren Zeitungen mit großen Letern stehen mechte, denken sie sich Herr Doktor das Geseres und Gesaures gewider und Geschrei wenn es wird heißen bei diesen so schönen Fest für den so nothwendigen Kathol. Gesell. Verein in Holeschau unter Protektion des P. H i ckl haben sich die aus dem Stamme WURZ sehr schön benommen denn jung und alt, Männlein Weiblein stremte herbei, um sein Schärflein beizntragen. und erst die Ueberzahlungen von denen ans dem Stamme WURZ, daß gebe einen Klang, und der Verein könnte sein Haus bauen, und viele unserer Luegers und Schneiders heranziehen, auch kennte mann bei den Leuten die zur Börse gehen und aus dem Stamme WURZ hervorgegaugen sind, eine Golegte wie anfangs erwähnt veranstalten, da es zum jüdischen Feiertage iblich ist, das die Leute aus dem Stamme WURZ gerne fromme Gaben geben, natürlich nur solche Gaben, wo der Geber aus dem Stamme WURZ in der Zeitung genannt wird. Wenn die Zeit nicht schon vorgeschriten währe möchte ich wieder ein Fliederfest und Blumeukorso vorschlagen aber da ist es nichts, bleiben wir beim Gabor Steiner und Börse, eventuell kennten dir Männer aus dem Stamme WURZ, wenn sie Feuertage in ihre Tempeln gehen, anstat für diesen und jenen, für den so nothwendigen Kathol. Gesell. Verein des P. H i k l die Spenden geben, das gebe wieder einen Klang in Holeschau, wenn es heißen möcht der jüdische realitäten Besitzer und Milioner Herr und Frau haben zur gründnng unseres Kath. Ges. Vereins 10009 fl gespendet, ja die haben Herz zu geben, hat ju der alte.für die Wiener Wärmestuben wo nur Kathol. arme Schnapsbrüder Hieneinkommen 120000 fl gespendet so der Vater, Got lasse ihm schön brennen, hätte ich gleich gesagt, so die Kinder, und erst der segreter der gibt ja auch gerne wenn er in die Zeitung kommt das ist ein nobler Mann der hat fiel geleistet beim Flieder und Blumenkorsofest, nutzt nix er ist doch einer aus dem Stamme WURZ. Und so lieber Dktr. Bloch schicke ich Ihnen den Aufruf des P. H i ck l und den Erlagschein zur weiteren Veranlassung, und wenn sie wollen zur Verwendung, laut Angabe, da ich keiic Jüd bin, also nicht aus dem Stamme WURZ stamme so schicke ich nichts, und gebe für Holeschau, Kometau, Odra», Jnng- Bnnzlau, Tlumatschau, Stefanau und die ganze Wachau keinen Plutzerkcrn her. diese Wohlthaten überlasse ich meinen Jüdischen Mitbürger die aus dem Stamms WURZ Ich wünsche Ihnen einen guten Erfolg, damit in Holeschau zur Ehre Gates, und zur Vermehrung der G r e g o r i k s und Schneiders et Tuti qanti, recht bald das so nothwendige unter Protektion des P H i k l stehende Gesellenhaus neu gebaut werden kann, die Männer aus dem Stamme WURZ werden Ihrer Bitte um milde Gaben gewiß gerecht werden und mit folen Händen geben dafür kommen ihre Namen im Holeschauer Wochenblat und in Ihrer Wochenschrift, und der Herr Sarkandcr wird für alle beim heiligen Josef sürsprechen, und dem Got beten, das er trotz Schneider und Leger, die aus dem Stamme WURZ recht lange auf die Welt erhalten sol, wenigstens so lange, bis die neuen Jcdlitzkas und Schneiders aus dem Holeschaner Gesellenhaus zahlreich zur Ihrer gründlichen ausrotung herangewachsen sind, damit die daun morden und vertreiben kennen alle Jidelech was kamen und geboren sind aus dem Stamme WURZ, da Holeschau nicht weit von ung Hradisch wo die Jidelech von 2 bilder des Weibes angeklagt waren, das die Jidelech haben wolen eine Katholische erbsame Frau nmbringen weil sie von ihr sogerue das Blut zu die Ostern haben trinken wolen, was ist leider bei Gericht als nicht wahr bewiesen worden, und Roschnan auch nicht gar so weit ist, wo man die Jidelech schon gerne auch .vertreiben möcht weil die Jidlech aus dem Stame WURZ, dort auch sich als echte aus dem Stame WURZ geberden, so kann das ein schöner Raion werden, wo mau sich dankbar zeigen wird für die milden Gaben was haben gegeben zum Wohlthätigen Zweck für die Gcselen zu bauen ein Haus ihres Vereines, und werden zusammen gehen mit vereinten Kräften und werden alle hinausfeiern aus dem Stamme WURZ zum Danke das sie das Geld haben gegeben damit der so nothwendige Verein auskommen soll. In dem ich Ihnen Her Doktor den ganzen Verein nochmals aufs Herz lege und sie bitte im interesse des heiligen Zweckes, sich dafür bei Ihren Stammesbrüder aus dem Wurzenstamme sich einzusetzen, damit viel Geld geschickt wird, und den Segen Gotes für den Kathol. Geselen Verein in Holeschau erbite zeichne ich hochachtungsvol den leid ist daß er nicht auch so sbledit sein kann wie die Jidelech aus dem Stamme WURZ Ihr Sie werdschezender Anton D o st a l Bürger im Wiener IXten Bezirk Badgasse 8. N. B. sprechen Sie auch mit Herrn W. Z. und mit 5 Herrn Jag. E. die werden Ihnen bei der Börse zu einer Golegte bei den Jidelech an die Hand gehen, auch Herr L wird Ihnen seine Mitwirkling nicht vorenthalten.