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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-15 · 46 (15.11.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
46 (15.11.1895)
Date
1895-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46 erlegt habe. Man kann sich den Zusammenhang in diesen Erscheinungen leicht erklären. Inder Bibel heißt es bekanntlich: „Was die Rechte thut, davon soll die Linke nichts wissen." Das „Vaterland" — kein christliches Blatt. Der Verein „Christliche Familie" hat in seiner Borstandsfitzung vom 7. November einstimmig beschlossen, das „Vaterland" im „Wegweiser" nicht mehr unter den christlichen Zeitungen anzuführen. Einwanderung fremdländischer Juden nach Palästina. Unter Hinweis auf die in der „Wiener Zeitung" vom 21. October 1893 erfolgte Verlautbarung wird der „Pol. Corr." von autoritativer Seite mitgetheilt, daß die türkische Regierung das Verbot der Einwanderung fremdländischer Juden nach Palästina noch immer aufrechthält. Solchen Israeliten ist blos ein dreißigtägiger Aufenthalt in Palästina gestattet, um die heiligen Orte Jerusalem, Hebron, Liberias und Safed zu besuchen; doch müssen sie bei der Landung in Jaffa der Hafenpolizei eine Sicherstellung dafür leisten, daß sie nach dreißig Tagen das Land verlassen. Die türkischen Behörden nehmen ausschließlich die Stellung eines tauglichen Bürgen in der Person eines ottomanischen Unterthanen als Garantie an; sind die Eintrittswerber außer Stande einen solchen Bürgen beizubringen, so werden sie zur Landung nicht zugelaffen. Der Cultusminister und die orthodoxen Juden. Während seiner Anwesenheit in Klausenburg empfing Minister Wlassics — wie bereits gemeldet — auch eine Deputation der dortigen orth. isr. Cultusgemeinde. Auf die Ansprache des Oberrabbiners Moses G l a s n e r antwortete der Minister Folgendes: „Es freut mich, daß Sie erschienen sind und ich danke für Ihre Begrüßung. Ich ehre immer die wahre Religiosität und unterstütze sie mit Freude. Auch früher schon war ich bestrebt, Ihre Confession entsprechend zu unterstützen, wovon Sie sich bereits wiederholt überzeugen konnten; ich glaube, es war in Balassa-Gyarmat, als die Reihenfolge des.Empfanges durch Se. Majestät zur Sprache kam. Mit Freude sehe ich Ihre patriotische und culturelle Thätigkeit und ich versichere Sie meiner ferneren Unterstützung. Es ist mein Princip und auch dasjenige der Regierung, daß die Erledigung der rein religiösen Angelegenheiten Sache der Confessionen sei und daß man dieselben nicht beeinstuffen dürfe. Ich enthalte mich auch jeder solchen Handlung, die auch nur den Schein eines Octroys hat. Efreut mich, daß die gesetzliche Regelung Ihrer Confession eben m i r Vorbehalten war, und ich habe meine Aufgabe mit Freude erfüllt. Auf ihre Patriotis he Thätigkeit rechne ich auch fürderhin Empfangen Sie noch einmal meinen Dank für ihr freundliches Erscheinen. Wie die „Allg. jüd. Zeitung" meldet, conversirte dann noch der Minister mit den einzelnen Deputations-Mitgliedern, bei denen er sich über einzelne Gemeindeverhältnisse erkundigte. Zum Musterstatut. In Nr. 45 dieser geschätzten Zeitschrift hat Herr College Stein die bevorstehende Berathung des von der hohen Regierung erlassenen Musterstatuts jum Anlaß genommen, um in überaus beredten Worten den Gemeinden das bedauernsweithe Los ihrer Cultussunctionäre ans Herz zu legen. Leider dürfte dieser' warme Appell an die Gen.eindevorstände wirkungslos Verhallen. Denn es ist eine bekannte Thatsache, so traurig sie an sich sein mag, daß der weit größte Theil der Gemeinden in Böhmen einer dauernden Anstellung ihrer Funktionäre grundsätzlich abhold ist. Der Vorstand des Böhmischen Landeslehrervereins war klug genug, sich mit einem diesbezüglichen Aufrufe nicht an die Cultusgemeinden, sondern an die Collegen, die gesetzlich bei der Berathung des Statuts zugezogen werden müssen, zu wenden. Er wußte erfahrungsgemäß, daß von dem freiwilligen, guten Willen der Vorstände wenig zu erwarten sei. In Jedem, welcher die Schwierigkeit unserer Lage unbefangen ins Auge gefaßt, muß aber das erlassene Musterstatut die Ueberzeugung zum Durchbruche bringen, daß einerseits der Hauptzweck, eine definitive Anstellung, nicht erreicht wurde, und daß andererseits die Unmögtichkeit sich ergeben werde, für unsere berechtigten Wünsche die erforderliche Uebereinstimmung des Vorstandes zu erzielen. Aus all dem Angeführten ergibt sich für uns das Facit, daß wir nurl auf uns selbst angewiesen sind, und ich hege die feste Zuversicht, ^daß nur ein einiges, festes Zusammenhalten die Realisirung unserer berechtigten Wünsche herbeiführen könnte. Vor Allem ist nach dem Gesetze die Existenz einer Cultusgemeinde von der Anstellung der Rabbiners abhängig. Freilich verspürten sie dies bis jetzt ebenso¬ Seite 855 wenig, als sie die Functionäre (ich spreche von den kleinen Gemeinden, die in Böhmen die überwiegende Mehrheit bilden) als Vertreter der Religion achteten. Denn für jede ausgeschriebene Stelle, für welche die Ausübung aller Functionen gefordert wird, meldet sich eine Unzahl von Bewerbern, die, wenn sie auch ihre Lage materiell dadurch nicht verbessern, doch froh sind, nur der immer zunehmenden Mißgunst der Vorstände und deren Gefolge zu entgehen, somit in einer anderen Gemeinde ihr karges Brot zu finden suchen, um nach einer kurzen Zeit wieder den Wanderstab zu ergreifen. So ist der jüdische Lehrer gezwungen, in den Jahren seiner Jugend ein Nomadenleben zu führen, um später in stiller Resignation und in Ertödtung jedes Selbstgefühles unter allen Umständen sich an seinen Posten zu klammern, der kaum ihn und seine oft zahlreiche Familie vor dem Hunger zu schützen vermag, oder den Bettelstab zu ergreifen, denn Postenbewerber über vierzig Jahre sind in den Concnrsen grundsätzlich ausgeschlossen. Soll dieser unwürdige Zustand nun fein Ende finden, so müßten alle Collegen sich aus ihrer Lethargie ausraffen, sich solidarisch erklären und gegenseitig verpflichten, keinen Posten anzunehmen, wo nicht ein den zu leistenden Functionen entsprechender Gehalt und ein mehrjähriger Anstellungsoertrag zugesichert werde. Einem solchen einmüthigen Vorgehen würden die Cultusvorstände nicht widerstehen können, sie würden uns als einen Factor betrachten, mit dem man rechnen müsse, und uns auch mehr Achtung entgegenbringen. Mag der Lehrer wie immer um leine Existenz ringen, seine Selbstachtung darf er im Drange nach Erwerb nicht verlieren. Daher, liebe Collegen, fest entschlossen ans Werk! Es gilt die Sicherstellung Eurer Existenz, das Ansehen unseres tief gesunkenen Standes zu heben. Ein festes Zusammenhalten verscheucht jedes bange Gefühl, das in der Einigkeit liegende Krastbewußtsein verbürgt, wenn es thätig zur Aenßerung gelangt, den gewünschten Erfolg. Falkenau, am 10. Nov. 1895. Moriz Büßgang. Dem Andenken ihres hochverehrten. väterlichen Freundes Herrn David Z. Reich Ritter des kaiserl. und königl. österr. Franz Jofef-Orden gewidmet in Dankbarkeit von Jda Oppenheim, Berlin. „Todesblüte ist das Leben, Lebensblüte ist der Tod." Ein ernster stiller Trauerzug bewegte sich heute durch das fiebernde hastige Treiben der Großstadt. Schweren, bangen Herzens begleiteten Biele einen edlen Mann zu seiner letzten Ruhestätte. Thränenfeuchte Blicke folgten der Bahre, die so Theures barg. Ruhte doch in der ichlichten, schwarzen Hülle ein Mensch, dessen Herz, dessen Geist eine ganze Well in Liebe umfaßt, der sich durch seltene Tugenden ausgezeichnet. Nicht ziemt es mir, einer einfach schlichten Frau, seine Verdienste, sein Wirken und Schaffen zu würdigen, berufenere Kräfte dürfen da nur urtheilen und anerkennen. Doch heute, wo in unserer schönen Heimat Rassenhaß und Zwiespalt Herrschaft erlangen und unsere Glaubensgenossen gedrückt, gedemüthigt und verleumdet werden, da will ich zum Trost und zur Erhebung einen Menschen schildern, der sich auszeichnete durch Eigenschaften, die unser Volk zierten, durch die es seine Feinde zur Achtung zwang und alle Beschuldigungen entkräftete und zum Schweigen brachte. David Reich war treu seinem Gotte, seinem Volke und seinen Nebenmenschen. Nneigennützigkeit und stille Bescheidenheit zeichneten ihn aus. Fern hielt er sich von jeder Zudringlichkeit, kleinlicher Ehrsucht und Eitelkeit. Ihn befriedigte eine gute That, er sah sie gleichsam als eine Erfüllung keiner Menschenpslicht an. Als Kaufmann war er ein eifriger Förderer des Fortschrittes. Allen Schwingungen nnd Schwankungen der Zeit unterworfen, den socialen Wandlungen und veränderten Lebenseinrichtungen ausgesetzt, achtete er auf die Forderungen der Zeit. Die eingetretenen Veränderungen der Gesellschaft berücksichtigte er und riß sich los von alt hergebrachten Anschauungen und Borurtheilen. Sein Urtheil war unbefangen, sein Sinn empfänglich für den Fortschritt in allen Lebensbeziehungen. Täglich lehrte ihn fein Beruf, daß Menschengeist nicht stille steht, daß er erfindet, entdeckt, verbessert und vereinfacht und trieb ihn an, weiter zu schaffen nnd zu wirken. So bildete er in dem großen, weitverzweigten Geschäft die schöpferische, treibende Kraft, die Alle anspornte und mit sich zog, großen Zielen entgegen. Sein Herz, das einfach schlichte, echt jüdische Herz, blieb stetS ein unerschöpflicher Quell der Barmherzigkeit. Ein heiliger Psalter voll weichtönender Familienlieder, ein klarer Himmel, an welchem die Sterne der Kindesliebe in Pracht und Schönheit glänzten. Er ehrte seine Eltern und zeigte sich stets als würdiger Sproß einer edlen Familie. Er bewahrte die Dankbarkeit und Pietät seinen Lehrern, deren Enkel und Urenkel unter seiner Leitung sich Lebensstellungen erwarben, denen er zum Lebensglück verhalt. Gebeugte Herzen richtete er auf, Witwen und Waisen brachte er rechten Trost. Er war der Berather, die Stütze seiner Familie, der liebevolle fürsorgliche Bater seiner Beamten, die sich unter Leitung gliickli'cb fühlten und weder Mühe noch Arbeit scheuten» um ihn zu befriedigen, zu dem sie mit hingebender Liebe und Dankbarkeit aufschauten. Mit welcher Verehrung sah er zu seiner Gattin auf, deren Dr. Bloch's Wochenschrift.

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