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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-08 · 45 (8.11.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
45 (8.11.1895)
Date
1895-11-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 842 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 45 liturgisch-gesanglichen Theil besorgte der Studentenchor^Zum Schlüsse erlheilte Herr Dr. Frankl den Soldaten den Segen. Tulln. Bei der am 2. d. M. stattgefundenen ordentlichen Generalversammlung des hiesigen Cultusvereines wurden in den Borstand gewählt die Herren: Hermann Schiller, Borsteher, Josef Ko h n, Castier, und Ignatz D u k s, Beirath. Czernowitz. Gelegentlich seiner Inspektionsreise besuchte Oberlanvesgrichts-Präsident Tchorzineki das hiesige Strafgericht und wohnte einem Gottesdienste in dem daselbst befindlichen Tempel bei, was allgemein einen guten Eindruck gemacht hat. Mährisch-Ostrau. (Todesfall.) Adolf Krieger, einer unserer besten Mitbürger, wurde uns entrissen. Er war ein Wohlthäter m des Wortes schöner Bedeutung; cr machte es sich zur Lebensaufgabe, schwankende Existenzen zu unterstützen, neue zu' gründen, Bedrückten zu helfen. Nach Tausenden zählen die Summen, die er zu diesen Unterstützungen verwendete. Und das alles, ohne sich zu brüsten, in seiner schlichten Weise. Dähiu ist er für. immer, kaum 44 Jahre alt, seinen Lieben entrisse«. — Eine tiefgebeugte: Witwe mit IL Kindern, wovvn das älteste 18, das jüngste l1/, Jahre alt tflv beklagt den Tod dieser edle« Seele. Wirlirzla. Am 30. v. M. verließ unsere Stadt der allgemein beliebte und hochgeachtete Statthaltereirath und Bezirkshauptmann Leon von Kurykorski, um sich nach seinem neuen Berufungsorte Biala zu begeben. Die ganze Stadt, ohne Unterschied der Kaste und Confessio«, bedauert recht lebhaft das Scheiden dieses edlen Herrn, umsomehr aber die Bürger mosaischen Bekenntnisses. Durch 12 Jahre seines Amtirens hier sind wir voll der schleichenden Pest Antisemitismus nicht heimgesucht worden. Unser Cultusvorstand hat diesem hohen Herrn durch eine Deputation, an deren Spitze unser Cultuspräsident Herr A. Seidenfrau stand, rin Album mit Dankadrcsie überreicht. Bei diesem Anlässe ergriff Herr A. Scidenfrau das Wort und dankte in polnischer Sprache für seine gütige Fürsorge und humanes Handeln und schloß seine Rede mit dem Segen des Psalmisten „Gesegnet seist du bei deinem Auszuge, grsegnet seist du bei deinem Einzüge", worauf der Gifeierte gerührt und mit den herzlichsten Wünschen, es möge uns stets wohl ergehen, seinen Dank ausdrückte und auf's Freundlichste sich verabschiedete. Holleschau. Anläßlich des Namensfestes Sr. Majestät unseres Kaisers fand an unserer deutschen Volksschule mit-r der bewährten Leitung unseres Oberlehrers, Herrn Sigmund Honig, eine erhebende Schulfeier statt. Das an trefflichen Declamationen und Liedern reichhaltige Programm wurde von den Kindern mit innigem Verständnisse vorgetragen. Allgemeine Anerkennung fand auch die gelungene patriotische Rede des Oberlehrers, welcher, von schwerer Krankheit kaum genesen, seine Thätigkeit zum Segen unserer Schule vor Kurzem wieder ausgenommen hatte. Tiefergreifend wirkte daher die Ansprache des Herrn k. k. Bezirkshauptmannes an den Oberlehrer. „Das heute besonders gelungene Fest hat mich sehr gefreut! Ich danke Gott, daß Sie uns und der Schule wiedergegeben sind und wünsche Ihnen vom Herzen eine dauernde, vollkommene Gesundheit!" Diese mit Wärme und Innigkeit gesprochenen Worte übten eine ergreifende Wirkung aus auf die überaus zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder; besonders tief aber empfand sie unser ehrenwerther, durch seine Unbestechlichkeit allgemein bekannter Bürgermeister, Herr Josef Knöpfelm ach er, welcher, als Freund und Gönner des Oberlehrers, für denselben stets warm rintiitt und ihm wohlwollend und fördernd zur Seite steht. Goltsch-Jenikau. Am 3. November d. I. ist eines der ältesten und achtbarsten Mitglieder unserer Gemeinde unter ungemein reger Theilnahme hier zu Grabe geleitet worden. Die Verstorbene, Frau Julie Kohn, war über 50 Jahre Vorsteherin des Frauenvereines, Mitglied vieler einheimischer und auswärtiger Wohlthätigkeitsvereine, wahrhaft fromm, mildherzig und gediegenen Charakters. Ihre Schwiegersöhne und Enkel erfreuen fich als Groß-Kaufleute in Wien strenger Reellität. Der Rabbiner Herr Dr. Thieberger widmete der fast 90jährigen Greisin einen Nachruf. E. B. Biala. (Die Jubiläumsfeier des Rabbiners Dr. Glaser), welcher auf eine 25jährige erfolgreiche seelsorgerliche Thätigkeit in den Schwestergemeinden Biala und Leipnik zurückblicken kann, gestaltete sich zu einem erhebenden Feste, an welchem die ganze Judenschaft der genannten Städte und die der Umgebung warmen, innigen Antheil nahm, an dem sich aber auch Nichtjuden zahlreich betheiligten. Die Ovationen, welche dem gefeierten Jubilar dargebracht wurden, sind ebenso für Dr. Glaser als auch für die Gemeinden, d«nen er als Seelsorger vorsteht, ehrend und wird der Act hoffentlich bei denjenigen Cullusvorständen Schule machen, welche in der Negirung der Verdienste ihrer Rabbiner eine Befriedigung zu finden suchen. Csakaturn, 4. Nov. Anläßlich des Jnslebenlretens des Receptionsgesktzes wurde Samstag den 2. d. M. im hiesigen Tempel ein solenner Gottesdienst abgehalten. Nachdem der Cantor Herr Moritz Balogh mit Chorbegleitung den 61. Psalm und einige patriotische Lieder abgesungen hatte, bestieg Herr Rabbi I. Schwarz die Kanzel und setzte in einer formvollendeten Rede zuvörderst die hohe Bedeutung der Reception auseinander, sagte dann dem gütigen constitutionellen Monarchen, den Mitgliedern der vorigen und der jetzigen hohen Regierung und den freisinnigen Landesvertretern Dank für diese werthvolle Gabe und schloß mit der Mahnung zu feurigem Patriotismus, die Interessen des Vaterlandes mit Eifer fördern zu helfen, aber auch die Religion der Väter hoch und heilig zu halten. Der Cultusvorstand widmete aus diesem Anlässe 2000 fl. zu Tempelzwecken. Feuilleton. Eine Tragödie m» der Gaffe. (Fortsetzung und Schluß.) Jetzt verdoppelte der Großvater seine Liebe zu mir. Er war den ganzen Tag um mich, und wenn er dienstlich zu thnn hatte, küßte er mich früher ab, versprach mir etwas mitznbringen und schloß mich ein, daß ja kein Fremder zu mir komme. So vergingen mehrere Wochen nach dem Tode meiner Mutter. Da nahten die Herbstfeiertage; in der denselben vorangehenden Woche wird schon in den ersten Stunden nach Mitternacht zum Gebete geweckt. Mein Großvater hatte gewiß die Vorsicht gebraucht, beim Weggehen die Thür hinter sich zu verschließen, doch sie mußte erbrochen worden sein. Plötzlich fühlte ich, wie ich aus dem Bette gehoben, in Tücher gewickelt und aus dem Hause getragen wurde. Ich konnte nicht schreien, denn es wurde mir ein Knebel in den Mund gesteckt. So ging's mit mir hinter der Gaffe über Gärten und Felder. Lange hörte ich noch den Chor der Betenden aus der Synagoge, endlich verhallte auch dieser und mit ihm erstarb meine Hoffnung auf Rettung. Nach etwa einer Stunde dieser Wanderung in den Armen des Räubers wurde ich von diesem einem Manne in einer Kutsche übergeben, die auf der Landstraße stand und in Nacht und Nebel dann mit mir davonjagte. Während, des Fahrens wickelte der Mann mich von den Tüchern los, zog mir andere Wäsche und neue schöne Kleider an, die im Wagen bereit lagen, und redete mir in den schmeichelndsten Worten zu, ruhig zu sein, und seinen Anordnungen zu folgen, dann werde mir das Schönste und Beste gegeben werden. Ich, obwohl noch nicht sechs Jahre alt, fühlte doch schon den ganzen Ernst meiner Lage, die Hoffnungslosigkeit derselben, und ergab mich resignirt seinem Willen. Wir fuhren so drei Tage lang, Tag und Nacht, die Pferde wurden oft gewechselt, aber nirgends länger verweilt, als das Aus- und Anspannen dauerte. Mein Begleiter führte feine Liqueure, Backwerk und Fleisch wit sich und zwang mich öfters davon zu nehmen. In der dritten Nacht fuhren wir durch einen dichten Wald und hielten vor einem großen Hause, das mitten in demselben stand. Man -erwartete uns und ich wurde mit aller Freundlichkeit empfangen. Meine Umgebung war jetzt der Herr, der mich hierhergebracht, eine ältliche Frau und ein schwarzgekleideter Mann, den man immer „Hcchwürden" anredete. Dieser wurde mein Lehrer und wich keinen Augenblick von meiner Seite. Ich mußte christliche Religion lernen und nach wenigen Wochen vollzog er an mir die Taufe, aber ich blieb im Herzen Jude. Ich betete, wie noch heute, jeden Moraen und Abend für mich ein jüdisches Gebet und an jedem Sabbath, den ich mir immer ausrechnete, überkam wich eine weihevolle Stimmung. Ich zeichnete im Bette mit dem Zeigefinger in der Luft nach dem Gedächtnisse die jüdischen Buchstaben und setzte so die auswendig gekannten Gebetstücke zusammen, daß sie mir stets ^vorschwebten, als hätte ich sie vor mir aufgeschlagen. Sechs Jahre lebte ich in diesem Gefängnisse, unter diesen Seelenmartern, glücklich nur, wenn ich schlafen gehen durfte, denn da wußte ich, daß ich von meiner Mutter, von meinem Großvater, von meinen jüdischen Gebräuchen träumen werde. Zwölf Jahre alt, wurde ich wieder in einer stockfinstern Nacht von

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