Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 45 (8.11.1895)
- Date
- 1895-11-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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- Hebron 1× ep/1047559
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Seite 836 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 45 ist seit dem grauesten Alterthum die beste Bürgschaft dafür, daß Blutvergießen aus ungeweihter Hand . beim jüdischen Volke gänzlich ausgeschloffen ist. Zum crassen Unterschiede hievon haben die arischen Völker bis auf die neue Zeit sogar direkte Blutrecepte, die im Aberglauben des Volkes noch tief wurzeln. Was Wunder, daß sie beim vielgehaßten Juden das Gleiche vermuthen: Wie. der Schelm denkt — so ist er selbst. Der vielbekannte französische Schriftsteller Paul Bourget erzählt in feinen Reifebeschreibungen aus Italien (Sensatious d’Italie, Paris. Alphonse Lemerre, Verleger, 1891, Seite 277): Herr Joseph Gigli erzählte mir. daß er auf seinen Besitzungen Ausgrabungen vornahm, in der Nähe des berühmten Brunnens, deffen Plinius erwähnt, dessen Wasierstand sich stets gleich bleibt, den man niemals weder steigen, noch fallen sah. Als ich diese Ausgrabungen besichtigte, kamen mehrere Bauern an mich heran, nahmen mich abseits, um mir mitzutheilen, daß in demselben Grundstücke ein zweiter, mit diesem communicirender Brunnen wäre, in welchem ein Schatz verborgen ist. Sie wußten es sicherlich von ihren Vätern. Um den Schatz zu heben, müßte ich jedoch ein fünjähriges Kind in den Brunnen hinabwerfen oder müßte eine schwangere Frau während der ganzen Zeit der Ausgrabungen eine Schlange auf ihrem nackten Busen tragen. Im Augenblicke, wo man des Schatzes habhaft wird, verschwände die Schlange durch den Zauber. Im Maierhofe zu San Domenico, welcher dem Marquis Ayala-Balva gehört, soll ein Schatz von einem Dämon gehütet sein. Um ihn zu heben, müßte man einen Graben mit so viel Menschenblut füllen, um ein Kalb darin zu ertränken." Wer würde glauben, fügt Bourget hinzu, daß dies liebliche Land, welches vom friedlichen Park des Schlosses Oria dominirt ist, als Rahmen für so grauenhafte Riten dienen könnte. J. L. Einwanderung von Juden in Syrien und Palästina. Die „Pol. Corr." veröffentlicht folgendes Communiqe: „Unter Hinweis auf die in der „Wiener Zeitung" vom 21. October 1893 erfolgte Verlautbarung wird uns von autoritativer Seite mitgetheilt, daß die türkische Regierung das Verbot der Einwanderung fremdländischer Juden nach Palästina noch immer aufrecht hält. Solchen Israeliten ist blos ein dreißigtägiger Aufenthalt in Palästina gestattet, um die heiligen Orte Jerusalem, Hebron. Liberias und Safed zu besuchen; doch müffen sie bei der Landung in Jaffa der Hafenpolizei Sicherstellung leisten, daß sie nach 30 Tagen das Land verlaffen. Die von den türkischen Verwaltungs-Behörden allein angenommene Sicherstellung ist die Stellung eines tauglichen Bürgen in der Person eines ottomanischen Unterthanen; sind die Eintrittswerber außer Stande, einen solchen beizubringen, so werden sie zur Landung nicht zugelaffen." — Die citirte Verlautbarung in der „Wiener Zeitung" lautete: „Wiederholt sind in letzter Zeit israelitische Reisende in Unkenntnitz der Verfügungen der ottomanischen Behörden bezüglich der Beschränkung der jüdischen Einwanderung in Syrien und Palästina in größerer Zahl dortselbst eingetroffen und haben sich hiedurch den größten Verlegenheiten und Schwierigkeiten ausgesetzt. Es wird daher speciell darauf aufmerksam gemacht, daß das Verbot der Masseneinwanderung fremder Juden nach den genannten Ländern besteht und daß uur einzelne zur Einwanderung, owie zum Grundbesitzerwerbe in den gedachten türkischen Provinzen zugelaffen werden. Desgleichen sind Massenreisen fremder jüdischer Staatsangehöriger ebendort nicht gestattet, und wird denselben im günstigsten Falle nur eine Aufenthaltsdauer von Einem Monat zugestanden." Ein Mistbrauch. Aus Norddeutschland geht der Redaction folgende Klage zu: Es gehört zu den üblen Gepflogenheiten der österreichischen Juden, für Synagogenbauten Lotterien zu veranstalten und den Absatz dieser Lose dann noch im Ausland zu betreiben. Vor wenigen Tagen erhielt ich derartige Lose für den Bau der Synagoge in Wiener-Neustadt, eine Zusendung, die um so eigenthümlicher berührte, als in dem begleitenden Rundschreiben sehr schön von dem die Rede war, was „durch eigene Kraft" geschaffen werden müsse. — Selbstredend faffe ich die Pflichten der Juden nicht so eng auf, daß sie nur innerhalb der Landesgrenzen ihre Opferwilligkeit beweisen sollen. Juden haben indessen nach außerhalb ihre Fürsorge nur so weit zu erstrecken, als entweder unsere Glaubensgenossen in dem betreffenden Lande nicht fähig sind, die erforderlichen Aufwendungen zu machen und es sich um nothwendige Ausgaben von allgemeinerem Interesse handelt. Um beides handelt es sich bei solchen Synagogenbauten nicht. Die Wiener Gemeinde ist durchaus nicht ärmer als die Berliner — vielleicht das Gegentheil. Mit demselben Rechte wie Wien und Wiener-Neustadt hier sammeln, könnten wir mit Losen für Berliner oder Potsdamer Synagogen in Wien schnorren gehen. Beiläufig bemerke ich, daß bei uns das Spielen in fremden Lotterien verboten ist, daß also die Herren vom Synagogenbaucomite die Leute hier in die Gefahr einer Bestrafung bringen. Es mag ja sein, daß ohne diese etwas lästige Art der Propaganda das Geld nicht zusammen käme, dann soll man den Synagogenbau eben sein lassen — die Synagoge besteht nicht in den Mauersteinen, sondern in den Herzen. Sind die Herzen nicht vorhanden, so hilft es nichts, sich die Bausteine von auswärts zusammen zu schnorren. Glauben Sie mir, der seine ganze Muße der jüdischen Sache widmet, daß mich und alle guten Juden alle Wahlerfolge und Fortschritte der Antisemiten nicht so deprimirt haben und deprimiren wie der häufig hervorgetretene Mangel an Opferwilligkeit der Wiener — und in gewissem Maße österreichischen Judenschaft. Gibt es gemeinsam zu wirken, soll das Herz uns zu Opfern veranlassen — denken Sie beispielsweise an die russischen Juden — so gilt bei den westlichen Juden das „goldene Wiener Herz" als quantitd nßgligeable. Die Juden haben ganz Recht gehabt, der liberalen Partei ihr Sündenregister vorzuhalten, sie sollten sich aber auch prüfen, ob sie selbst ihre Schuldigkeit gethan haben. Richtig ist ja, daß gerade von den reicheren Juden viele nicht gern geben. Das ist aber erst recht ein Grund, sich an diese zu wenden. Ein Sprichwort nennt es eine Mizwah, einem Chaser ein Haar auszureißen. Und sicherlich thäten die Sammler besser, hier ihr Glück zu versuchen, als sich an Leute zu wenden, die ohnehin geben, so weit es in ihren Kräften steht. Mit diesen Betrachtungen werde ich allerdings kein Glück haben, denn von den Leuten abgesehen, die am Synagogenbau verdienen wollen, wird es immer Leute geben, die gern Parnoffim werden wollen. Derartige Leute mit entwickeltem Sammeltalent sind häufig wirklich höchst geeignete Parnoffim — nur schlechte Juden, da sie über die Interessen und den Gesichtskreis ihrer Gemeinde nicht hinaussehen. Es müßte in der jüdischen Gemeinschaft die Möglichkeit geben. Jemand nach Analogie des Episcopats zum parness in xartidu8 infidelium zu ernennen, der würde uns viel Geld ersparen. Und ich versichere Sie, den paar, die gern geben, thäte das sehr gut. .X. Jrrthümliche Statistik. Wien. Mit Bezugnahme auf die in Nummer 44 vom I. November d. I. veröffentlichte Statistik bemerken wir Folgendes: In derselben war die Zahl der israelitischen Lehrer in Wien angegeben. Darunter figuriren auch die Lehrer am israelitischen Taubstummeninstitut und am israelitischen Blindeninstitut. Herr Dr. A. Ascher hat einfach wie jeder vernünftige Mensch angenommen, daß an israelitischen Wohlthätigkeitsanstalten nur israelitische Lehrkräfte beschäftigt werden. Da kennt aber der Herr Doclor seine Glaubensgenossen schlecht. Wie viele von den zehn männlichen Lehrkräften des Taubstummeninstitutes Christen sind, ist uns leider unbekannt, doch wissen wir bestimmt, daß die weibliche Lehrkraft (Kindergärtnerin) eine Christin ist, obzwar wir in Wien seit Jahren eine israelitische Anstalt zur Heranbildung von Kindergärtnerinnen haben. Ebenso können wir die Angaben bezüglich des israelitischen Blindeninstitutes berichtigen. Unter den elf männlichen Lehrkräften dieses Institutes sind nicht weniger als sechs Christen, darunter drei christliche Musiklehrer, und zwar einer für Clavier, einer für Biolin und einer für Zither; und ein christlicher Turnlehrer, der gleichzeitig Communallehrer, Hauptmann a. D. und Besitzer einer Jagd ist. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir annehmen, daß dieser unverantwortliche Unfug an israelitischen Wohlthätigkeitsanstalten, christliche Lehrer anzustellen, auch sonst unzutreffen ist. Wir hoffen von der Leitung, daß sie im „Interesse des Judenthums" ihre Stimme zu Gunsten der stellenlosen israelitischen Lehrer erheben wird, die mit Freuden an diesen Instituten wirken würden, und daß sie den Vorständen an diesen Anstalten nahelegen wird» ihren schlecht angebrachten „Liberalismus" und ihre außerordentliche „ch r i st l i ch e N ä ch st e n l i e b e" in anderer Weise zu bethätigen. Ein israelitischer stellenloser Lehrer.