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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-11-01 · 44 (1.11.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
44 (1.11.1895)
Date
1895-11-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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‘Tiorrr-rrafc Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 815 Uh. 44 Soweit das amtliche Connmmicat. Durch dasselbe ist uns die Möglichkeit gegeben, die ganze für unser Land so hochwichtige Angelegenheit öffentlich besprechen zu können. Vorerst aber sei noch bemerkt, daß der Landesausschuß von dem Plane, eine solche Lehranstalt gründen zu wollen, die Vorstände der größeren Cultusgemeinden in Galizien benachrichtigt und sie ausgesordert hat, anzugeben, wieviel sie im gegebenen Falle zu den Kosten beitragen würden. Der Vorstand der Lemberger Cultusgemeinde, dem der Rabbiner Dr. Caro seinen Organisations-Entwurf mit allen Beilagen zur Genehmigung vorlegte, beschloß einstimmig, die Genehmigung zu ertheilen und dem Landesausschuß einen jährlichen Beitrag von 500 fl., sowie einen einmaligen von 300 fl. anzubieten. Auch die Krakauer Cultusgemeinde soll, wie wir vernehmen, jährlich 300 fl. und zur ersten Einrichtung 200 fl. beizntragen beschlossen haben. Von den Beschlüssen anderer Cultusgemeinden über einen zu gewährenden Beitrag ist bisher nichts bekannt, doch ist nicht zu zweifeln, daß auch sie. wenn sie nur erst den ernsten Willen der Regierung sehen, die Anstalt ins Leben zu rufen, mit Beiträgen nicht zurückbleiben werden. Die Armen-Anstait der ist. Cultusgemeinde in Wien im Jahre 1884. Der Bericht constatirt mit Bedauern, daß das Bild der Resultate der Thätigkeit der Anstalt im abgelaufenen Jahre kein erfreuliches ist. Die Armuth unter unseren Glaubensgenossen in Wien nimmt in erschreckender Weise zu: rinestheils durch den fortgesetzten Zuzug von Fremden, noch mehr aber durch die infolge von Hindernissen aller Art sich immer schwieriger gestaltenden Erwerbsverhältnisse, der Verein aber stehe dem wachsenden Elend mit den unzulänglichsten Mitteln gegenüber. Schon bei Reorganisirung der Anstalt im Jahre 1855 (gegründet wurde sie 1824) sei die Idee zum Ausdruck gelangt, daß der Kampf gegen die Verarmung schon bei der Kindererziehung beginnen müsse und der Vorstand unterstützte demzufolge Säuglings- und Kinderbewahranstalten, wodurch die dahin empfohlenen Kleinen Aufnahme fanden. Im Zusammenwirken mit dem Theresien-Kreuzerverein betheilte er größere Kinder mit Winterkleidern stellte Schülern und Studirenden Bücher, Zeichenrequisiten und andere Lehrmittel bei, bezahlte Schul- und Collegiengelder und erlegte sogar in besonders berücksichtigenswerthen Fällen Rigorosentaxen an der Universitätscassa. Zu jener Zeit wurde auch die Speiseanstalt gegründet, durch deren segensreiches Wirken es so vielen Hunderten von Studenten ermöglicht wurde, ihre Studien fortzusetzen und zu vollenden. Das Hauptaugenmerk jedoch war auf die Erhaltung nothleidender Familien gerichtet. Wankende Existenzen wurden durch ausreichende Mittel gestützt, Darlehen gewährt, kleinen Geschäftsleuten das Capital zur Führung ihres Handels gegeben und Kranke in Curorte geschickt oder ihnen hier Bäder, Mineralwässer und Heilmittel unentgeltlich angewiesen. Endlich wurde noch ein ganz besonderer Zweig der Mildthätigkeit ausgebildet und gepflegt, indem Greise oder andere hilflose Personen durch die Zuweisung fixer Jahresbezüge bis an ihr Lebensende vor Nahrungssorgen geschützt wurden. Diese Wohlthat war damals umso größer, als noch kein eigentliches israelitisches Versorgungshaus bestand; aber selbst heute noch erscheint eine derartige Ergänzung des Greisenasyls als eine geradezu zwingende Nothwendigkeit, denn auch in dem neuen großartigen Versorgungshause macht sich ein empfindlicher Raummangel geltend, lleberdies ist es bekannt, daß durch die zu beobachtenden Normen und Rücksichten —- z. B. unheilbare Krankheit der Petenten re. — immer eine nicht geringe Anzahl Personen von der Ausnahme ausgeschlossen bleibt, so daß oft gerade in den rührendsten Füllen, wo sich die Schwäche des Alters mit schmerzhaften Leiden paart, die Unglücklichen nicht berücksichtigt werden können. Diese weitverzweigte humanitäre Wirksamkeit der Anstalt mußte nun infolge der im Laufe späterer Jahre sich immer geringer gestaltenden Einnahmen einschneidend restringirt werden. Denn während Wien mit Umgebung im Jahre 1857 14.000 bis 15.000 israelitische Einwohner zählte, nach der Volkszählung im Jahre 1891 aber deren 132.000 besitzt, sei die „f a st u n g l a u b l i ch erscheinendeThatsach e" z u r e g i st r i r e n, daß d i e M i t g l i e d s b e i t r ä g e seit d em E n d e d e r F ü n f z i g e r-J a h r e u m f a ft den dritten T h e i l ihrer damaligen Höhe herabgesunken s i n d. Der Vorstand, an dessen Spitze der für alle humanitären Institutionen unermüdlich wirkende Herr David Ritter von Gutmann steht, bemüht sich in jedem einzelnen Falle, durch eingehende, gewissenhaft erhobene Recherchen seiner sehr erfahrenen Beamten es zu vermeiden, unwürdigem Bettel Vorschub zu leisten: aber selbst in den eclatantesten Füllen unverschuldeter Armuth ist er nicht im Stande, mehr als kaum die Roth eines Tages zu lindern, was am klarsten aus dem Umstande erhellt, daß im verflossenen Jahre an 1680 Parteien nicht mehr als fl. 10.165 vertheilt werden konnten. Also sechs Gulden im Durchschnitt! Am Schluffe des Berichtes wird der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß, angesichts der auf dem Gebiete der Armenpflege der Anstalt erwachsenden großen Aufgaben, die edlen Herzen unserer begüterten Glaubensgenossen es ihr ermöglichen werden, wie ehedem wieder in erweitertem und ausgiebigem Maße den herantretenden Anforderungen gerecht zu werden. Möge diese Erwartung nicht getäuscht werden Vom Jahrmarkt drs Lebens. Momentaufnahmen. Diesmal begibt er sich mit seinem Apparate in die Vorstadt, dorthin, wo die Westbahn- und Kaiserstraße sich kreuzen. Da kommt ein zartes Mägdulein dahergeradelt. Man weiß ja, das sittsame Spinnrad wurde von dem fescheren Zweirad abgelöst. Und die Frauen haben nicht mehr blos im Hause die Hosen an. Der mit dem Apparat stellt gerade seine schärfste Blende ein. um das Lichtbild des Fräuleins hoch zu Rad in der geeigneten Secunde aufzusangen und festzuhalten. Da kam — wie Ibsen sagt —das große Unerwartete. Die Radfahrerin stieß unvorsichtiger Weife mit einem Lastwagen zusammen — stürzte! — und erlitt hiebei Contusionen an der rechten Körperhälste. . . Die Nächstenliebe fängt bei sich selbst an und das goldene Wienerherz ist eine chimärisch.fantastische Ausgeburt der Fantasie irgend eines Vorstadt-Poeten und existirt in der Wirklichkeit edknso wenig, wie die berühmte rothe Brieftasche des seligen „Fürscht". Diesmal war die Besitzerin des goldenen Wienerherzkus eine schlichte, edle Frau aus dem Volke, eine Hausmeisterin. Das Fräulein, blutend, kothbedeckt, bleich vor Scham und Aufregung, schleppt sich in ein Hausthor, wo sie halb ohnmächtig niederfinkt: allein das brave Weib aus dem Volke, der arischen Lehre von Sittlichkeit und Nächstenliebe eingedenk, verschloß ihr das Thor angeblich deshalb, weil sie eine Frauensperson in Hosen nicht in das Haus hineinlas fe. Zum Glück huldigten die Hausbesorgersleute von Nr. 25 in der Westbahnstaße allgemein menschlicheren Grundsätzen ohne specielle, auf die Kleidung bezughabende Einschränkungen. Alle diese Einschränkungen sind, bei Lichte besehen, eigentlich antisemitischer Natur. Die allgemein giltigen Sittengesetze durch Ausnatzmsverordnungen zu bereichern, das ist doch antisemitische Technik. — aber mit der verunglückten Radfahrerin sind wir deswegen noch nicht fertig. Sie muß ja nach Hause transportirt werden. Man holt einen Einspänner. der will aber merkwürdiger Weise im Voraus bezahlt sein. Auch fürchtet er, vom Gefühle der Nächstenliebe und des Mitleids überwältigt, daß sein Wagen beschmutzt werden könne. Daher begibt er sich wieder ruhig aus seinem Standplatz zurück. I Nun wird die Freiwillige Rettungsgesellichast avisirt. Ein paar

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