Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 44 (1.11.1895)
- Date
- 1895-11-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 44 Sr Vloch's Wochenschrift. Seite 807 ist au vielen Orten der Ruf: „N i e d e r mit den G i a uren!" gehört worden." Minister: „Ganz recht! Sie erinnern mich in sehr dankenswerther Weise daran, daß da ein Unterschied gemacht werden muß. Denn während bei Ihnen die Juden, ebenso wie bei uns, treue und opferwillige Staatsbürger sind, läßt sich unsere christliche Bevölkerung durch auswärtige Ginflüsse vielfach zu offenem und geheimem Widerstande gegen die Staatsgewalt aufhetzen. Die Wnth des Bolkes differenzirt im gegebenen Falle nicht zwischen braven und schlechten Unterthanen. Durch fanatische Priester aufgestachelt, verallgemeinert es leicht und über' trägt die schlechten Eigenschaften einzelner Christen auf die Gesammtheit der christlichen Bewohner. Auch bei Ihrer antisemitischen Bewegung sollen schon ähnliche Erscheinungen zutage getreten sein". Botscha.fter (unruhig hin- und herrückend): „Mein Gott! Immer und immer wieder diese Juden! Man kann Loch Christen und Juden nicht in einen Topf werfen!". Minister (malitiös lächelnd): „Die Superiorität der Ecsteren mag bei Ihnen anerkannt sein; Sie werden aber zugeben, daß in den Augen eines Mohammedaners ein Ungläubiger so viel werth ist, wie ein Anderer, und wenn er schon einen Unterschied macht, so zieht er eben das nationale Moment in Rechnung. Nach dieser Richtung aber sprechen die Umstände, wie ich mir schon zu bemerken erlaubte, entschieden zu Gunsten der Juden, die nirgends Conspiratoren und Staatsfeinde sind. Gestatten mir Excellenz, Ihre Aufmerksamkeit aus gewisse Vorgänge in dem benachbarten Rumänien zu lenken. Dort wurde in der Dobrudscha eine von russischen Emissären und Mönchen geschürte, weitverzweigte Verschwörung entdeckt, obgleich die christlichen Slaven der Dobrudscha vollberechtigte rumänische Staatsbürger sind, während bei der Eröffnung der neuen Donaubrücke die in Rumänien grausam verfolgten und rechtlosen Juden dem Könige begeisterte Ovationen bereiteten". Botschafter: „Was soll damit bewiesen sein?" Minister: „Daß das christlich-slavische Element dort, wo es nicht herrscht, eine constante Gefahr für die bestehende Ordnung bedeutet und immer wieder, durch herrschsüchtige Priester und politische Agitatoren aufgehetzt, Anlaß zu Conflicten mit der einheimischen Bevölkerung bietet. Hier tritt uns einmal die von einem antisemitischen Philosophen erfundene Theorie vom „Wirths- und Gastvolk" in einer für d>e Christen nicht sonderlich empfehlenden Umkehrung entgegen. Dieselben Erfahrungen haben wir mit unseren Armeniern gemacht. Nichtsdestoweniger kann ich nur neuerdings betonen, daß die kaiserlich ottomanische Regierung die vorgefallenen Excesse auf das Lebhafteste bedauert und dem verletzten Gesetze durch strenge Bestrafung der Schuldigen Achtung verschaffen wird. Die europäischen Mächte werden sich in diesem Punkte über uns nicht zu beklagen haben, und es wäre nur zu wünschen, daß jede Regierung ihre Pflichten so genau kennen nnd erfüllen würde, wie jene Sr. Majestät des. Sultans. Wir können uns diesem Wunsche des türkischen Staatsmannes nur anschließen, fürchten aber, daß wir noch lange aus seine Verwirklichung werden warten müssen. Die Inden im statistischen Iahrbuche der Stadt Wien. Bon Dr. Arnold Ascher. (Schlutz). Wien ersehen wir nachstehende Ziffern. Im Jahre 1893 waren I. 808 _ 1 in Wien 99 männliche und 74 weibliche Lehrer mosaischer II. 1.098 5 7 Religion; von ihnen wirkten in'den Bezirken: III. 1 424 1 I. 5 mänul. 3 weibl. XI. — mänul. 2 weibl. IV. 610 — — II. 50 .. 37 XII. 1 V. 1.656 — — III. 3 „ 6 „ XIII. - 1 ,, VI. 1.093 — ■ — IV. — XIV. 6 1 ,, VII. 1.171 — — V. 3 n 3 „ XV. 3 1 VIII. 1.001 1 1 VI. — 5 „ XVI. 8 7 IX. 1.223 — 1 VII. — 2 „ XVII. 5 1 X. 650 — — VIII. 1 11 1 „ XVIII. 5 XI. 208 — — IX. 1 XIX. 1 2 XII. 768 1 1 X- 7 ”, 4 ,, XIII. 497 — — Bon diesen war 1 Bürgerschuldirector, 3 Oberlehrer, 21 männliche und 0 weibliche Bürgerschullehrer, 59 männliche und 25 weibliche Volksschullehrer, 8 männliche und 14 weibliche definitrve Unterlehrer, 3 männliche und 18 provisorische Unter- und Aushilfslehrer mit Lehrbefähigungszeugniß und 4 männliche und 8 weibliche ohne dieses Zeugniß. Religionsunterricht ertheilten 18 Lehrer und 1 Lehrerin im IX. Bezirke. Neben den öffentlichen Schülern besuchten 306 männliche und 281 weibliche Schüler Privatvolksschulen, ferner waren im allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstitut 51 männliche und 31 weibliche Zöglinge unter der Leitung von 10 männlichen und 1 weiblichen Lehrkraft und im israelitischen Blindeninstitut im XIX. Bezirke 27 männliche und 14 weibliche Zöglinge unter 9 männlichen und 2 weiblichen Lehrern. In der Abtheilung „Gesundheitswesen" ftnden wir die Ziffern über das segensvolle Wirken des Spitals der Wiener Cuttusgemeinde: Dasselbe verfügt über 100 Betteu; vom Jahre 1892 verblieben 41 männliche und 36 weibliche; ausgenommen wurden im Laufe des Jahres 1893 474 männliche, 323 weibliche Personen; von diesen wurden geheilt entlassen 235 männliche, 181 weibliche, gebessert 169 männliche, 88 weibliche, ungeheilt 8 männliche, 5 weibliche, gestorben sind 66 männliche, 46 weibliche. Die Durchschnittszahl der Verpflegstage für einen Kranken betrug 30'40, es war dies bis auf ein Privatspital die höchste Zahl unter allen 38 Wiener Heilanstalten. Zum Schluffe seien noch einige Ziffern über die Armenbetheilung angeführt, wobei allerdings zu bemerken ist, daß genaue Angaben über alle an jüdische Bittsteller verabfolgten Unterstützungen nicht ersichtlich sind. Unter den im Jahre 1893 bei den Armeninstituten betheilten 48.665 Personen waren 70 männliche und 69 weibliche Bittsteller, und zwar waren in den Bezirken: I. von 551 Betheilten 1 männl. und 3 II. ,, 2 954 18 25 III. 2.190 2 ,, 2 IV. ,, 804 1 ,, ,, — V. ,, 2.772 3 ,, 2 VI. ,, 781 2 „ ,, 1 VII. ,, 1.604 1 ,, 2 VIII. ,, 1.698 2 2 IX. ,, 2.558 — — X. 1.140 — 1 XI. ,, 150 — ,, ,, — Xll. ,, 2.466 1 ,, ,, 1 Xlll. ,, 1.288 — — XIV. 1.224 — ,, ,, — XV. 779 — 3 XVI. 5.766 4 ” — XVII. ,, 8.092 4 ,, 3 XVIII. ,, 2.264 2 ,, ,, 1 XIX. 944 — ,, ,, — >33 Im Armendepartement des Magistrates (für außerhalb des Wiener Armenbezirkes wohnhafte Arme) wurden betheilt 8460 Personen, darunter 52 Juden (29 männliche, 23 weibliche). Vom Bürgerspitalsond 1120 'Personen, darunter 2 Juden, von Legaten und Spenden 1719 Personen, darunter 66 Juden (37 männliche, 29 weibliche). Dauernd (mit Pfründen) aus Mitteln der öffentlichen Armenpflege wurden im Jahre 1893 betheilt 18.289 Personen, davon waren 10 männliche und 13 weibliche jüdische Bittsteller, und zwar waren in den Bezirken: männliche, weibliche Gffammtzahl der BetheiUen ä H RB