Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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- Nr. 34 Dr. Bloch's Wochenschrift. schichte zuzuwenden. Darauf hielt Prediger L o e w y einen Vortrag über die Bedeutung der drei vergangenen Feste. — Der nächste literarische Nachmittag findet diesen Sonntag (27. d. M.) statt und dürfte sich sehr interessant gestalten. Wien. Am vorigen Donnerstag, den 17. d. M., wurde Herr Dr. Herm. G r ü n b a n m, Hof- und Gerichts-Advocat und Rechtsconsulent der „Allgemeinen österr. Bau-Gesellschaft", im Alter von 57 Jahren zu Grabe getragen. Im Trauerhause fungirte Herr Obercantor Singer, begleitet von den Cantoren Schiller und Blatt, sowie vom ganzen Synagogenchor, ebenso auf dem Gottesacker, wo sich Vertreter der obgenannten Gesellschaft, ferner Mitglieder der „Wiener Israelitischen Alliance", in deren Vorstand der Verblichene einige Jahre eifrig seines Amtes waltete, die Herren David R. von Gutmann, Dr. Alfr. Stern, Dr. Katzau und die Mitglieder des Cultusvorstandes Herr D. Stein, Herr Jac. Moor u. m. A. eingefunden hatten. Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann schilderte in kräftigen Zügen die aufsteigende Lebensbahn des Verewigten, wie er durch seine leitenden Principien „Wahrheit und Bescheidenheit" von kleinen Anfängen — er war Hofmeister im Hause v. Hoffmannsthal — zur steilen, sonnigen Höhe sich emporgeschwungen und die Sonne des Glückes ihm später leuchtete bis zu seinem frühen Tode. Denn er fand sein größtes Glück in treuer Pflichterfüllung nach jeder Richtung, daher erkläre sich auch seine allgemeine Beliebtheit, und wenn auch vor der Zeit abberufen, sichern ihm seine verdienstvollen Leistungen und seine guten Werke hienieden ein ehrenvolles Angedenken. Er ruhe in Frieden! Am Grabe widmete noch Herr Alfons Feldmann namens derCollegen dem Verblichenen einige warme Worte der Anerkennung, unv mit einem Trostpsalm schloß die Trauerfeier. Wien, 23. October. (Jüdische Solidarität.) Wir erfahren, daß sämmtliche demissionirten, jüdischen Mitglieder bis auf den Herrn Heinrich Fleisch mann wieder dem Wiener Männergesangvereine beigetreten sind. — Wohl bekomm's! Wien. Samstag, den 5. October, fand im kleinen Betsaale des Leopoldstädter Tempels eine erhebende Festfeier statt. Der Obmann Herr Jacob Theumann und das Vorstandsmitglied Herr Philipp Weiner des allgemeinen Kranken-Ililterstntz'ingsvereines „Nächstenliebe" spendeten dem Vereine ein Sefer-Thora. Dasselbe wurde beim Mincha-Gottesdienste eingeweiht. Die cantorale Function versah Herr Obercantor Goldstein mit dem Tempelchore sehr weihevoll und Herr Rabbiner Or. Schmiedel hielt die Festpredigt, in welcher er die Symbole, mit denen die Thora geschmückt wird, die Krone, das Mäntelchen und die Jath sehr geistreich interpretirte. Für die Kle-Kodesch, welche das Sefer-Thora heute noch entbehrt, spendeten Herr Albert Kohn sl. 10o und noch zwei Vereinsmitglieder je st. 25. Den Schluß der schönen Feier bildete eine "^spräche des Bereinsmitgliedes Ehrlich, der den Spendern den Dank des Vereines abstattete. Czernowitz (Bukowina). Fräulein Jeanette Schiffer, Tochter des Secretärs der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Herrn Meschulem Schiffer, hat sich mit dem hiesigen Baumeister Herrn Josef F ü n k e l verlobt. Ungarisch-Brod. Am Laubhüttenfeste ist hier der fromme Gelehrte Marcus Beck in der Früh im hohen Alter von 80 Jahren gestorben. Der Verstorbene war ein Schüler des berühmten PreßbucgerRabbiners Moses S o fer, war der Gründer der hiesigen orthodoxen Betversammlung und war wegen seiner Frömmigkeit und talmudischen Gelehrsamkeit weltberühmt. Ehre seinem Angedenken! Rzeszotv. In Ihrem geschätzten vorwöchentlichen Blatte ist der Sachverhalt bei den jüngsten Landtagswahlen wohl wahrheitsgetreu, aber mit großer Reserve niedergeschrieben. Diese Angelegenheit dürfte noch manchen Nachklang haben, von dem Ihnen gelegentlich Bericht zukommen wird. Der Schaden macht klug, und somit gehen jetzt unseren Juden die Augen auf. Sie wissen nun, woran sie sind und daß die vermeintliche Freundschaft ihrer Connationalen nur eine Herablassung ja eine Gnade war, nach einem bekannten Worte unserer Alten. Den ersten Nachklang hören wir schon: Herr Jsaac Holzer hat sich durch die Wahlvorfälle veranlaßt gesehen, seine Resignation vom Präsidium der israelitischen Cultusgemeinde der Bezirkshauptmannschaft zuzuschicken. Die Weltgeschichte soll keine Lobrednerin sein, daher kann Herrn Holzer — bei aller Achtung vor seiner zehnjährigen Amtsführung — der Borwurf nicht erspart bleiben, daß er es zwar gut gemeint, wenn er bestrebt war, durch Nachgiebigkeit Seile 801 und Demuth vor der Behörde den Frieden der Stadt zu erhalten, er aber manchen Leuten die Meinung beibrachte, die Juden seien willenlose Schafe, die mau blos anzutreiben brauche, und somit werde» sie sich doch nicht „erfrechen", für einen Juden zu stimmen und wäre er auch ein Professor Rosenblatt. Nichtsdestoweniger sind die Leistungen dieses Mannes während seiner 10jährigen Thätigkeit an der Spitze der Gemeinde hier hinlänglich bekannt und auch von Jedermann, ohne Parteiunterschied, gewürdigt worden. Seine Resignation dürfte daher vom Cultusrathe kaum angenommen werden. Ueberdies ist — wie auffällig das auch von einer Stadt wie Rzeszow klingen mag — absolut keiner da, der sich gleich ihm (er gehört zu den Wenigen, die auch talmudisches Wissen haben) zu dieser Ehrenstelle qualificiren sollte und ihr soviel Zeit und Mühe widmen könnte. In der Stadt herrscht Eine Stimme: Herr Holzer möge sich bewegen lassen, seinen Entschluß zu ändern. J. F. Sambor. Am 8. d. M. fand in unserem Vereine „Bnej Zion" die zweite ordentliche Generalversammlung statt. Fast alle Mitglieder, 115 an der Zahl, sind erschienen, um iheilzunehmen. Sobald dem zurücktretenden Vorstande das Absolutorium ertheilt wurde, wurde zur Wahl geschritten. In den Ausschuß wurden folgende Herren gewählt: Aron Laden als Präses, Jakob Menkes als dessen Stellvertreter, Leon F i n st e r b u s ch als Secretär der Landessprachen, T. S i g e r als Schriftführer für die hebräische Sprache, Jakob Berger als Cassier; ferner die Herren Alter Beer, Leon K rämer, Benjamin Latte, Wolf Freunde l, Nuchim Holzmaun und David Eckert. Der Controlcommisiion gehören die Herren au : Jakob T ür ke l,Leib R ei ch, Azriel G r o A. Krakau. In der am Sonntag stattgesundenen Sitzung der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde theilte der Präsident Dr. Horowitz mit, daß der Abgeordnete Dr. Arnold R a p o p o r t Edler von Po r a d a den Betrag von 6000 fl. für das hiesige israelitische Spital gespendet hat. Uebeer Antrag des Präsidenten wurde einstimmig beschlossen, dem Abgeordneten von Rapoport sowohl für diese Spende, wie anch für das warme Interesse, das er der hiesigen Gemeinde entgegenbringt, den Dank auszudrücken und ihm bei diesem Anlasse ein Adresse namens der israelitischen Cultusgemeinde zu überreichen.— Am 20. d. M. fand im hiesigen Tempel eine Tramrfeicr für den verstorbenen Universitätsprcsessor Dr. Josef Oettinger statt, an der der Cultusvorstand unter Führung des Präsidiums, Dr. Horowitz und Hirsch Landau, m corpore erschienen ist. Die Betheiligung bei dieser Feier von Seiten der hiesigen Bevölkerung war eine überaus starke und die Andacht verlief würdevoll. Pisck, 20. Oktober. Eines der trefflichsten und verdienstvollsten Mitglieder unserer Gemeinde, Herr Solomon Sach?, wurde am 18. d. M. unter zahlreichem Gefolge hervorragender Persönlichkeiten verschiedener Stände und Coufejfionen zu Grabe getragen. Herr Sachs hatte ein edles Herz, war treu seinem Gotte, seinem Glauben, seineredlen Lebensgefährtin, seiner Familie, seinem Berufe, und äußerst gefällig Jedem, der seine Hilfe in Anspruch nahm. Er'entstammte einer sehr achtbaren Familie und zeichnete sich durch Bescheidenheit, Saastmuth und Charakterfestigkeit vortheilhaft aus. Berlin, 16. October. Bei der ''Abgabe des Rektorats an Geheimrath Adolf Wagner erwähnte Professor P f l e i d e r e r in seinem Jahresbericht auch eines Legats des ehemaligen Professors Dr. Daniel Müll er in Höhe von 5').000 Mark, dessen Zinsen zu Stipendien nicht über 600 Mark an dürftige Studirende evangelischen Bekenntnisses, die nicht jüdische Eltern hoben, verwandt werden sollen. Antisemitische Zeitungen empfehlen das zur Nachahmung. Mögen sich jüdische Stifter diesen Vorfall merken. Pankow, 15. October. Ein neues, dem praktischen Judenthum gewidmetes Gebäude ist vor Beginn der kalten Witterung noch unter Dach und Fach gebracht worden und wird, nachdem bereits vor acht Tagen die polizeiliche Bauabnahme durch Herrn Baurath Langen stattgefunden hat, noch vor Ende dieses Jahres von der „Gesellschaft für Verb eitung des Handwerks und Ackerbaues unter den Juden", der das neue L e h r l i n g s h e i m sein Entstehen mittelbar verdankt, eingeweiht werden. Das neue Gebäude wird einstweilen zur Aufnahme von 50 jüdischen Handwerkslehrlingen eingerichtet, bietet jedoch Raum für eine weit größere Zahl. Wenn man bei der Fahrt mit der Linie Rathhaus-Pankow der Pferdebahn an der Haltestelle Mühlenweg aussteigt, sieht man in der Mühlenstraße, unmittelbar hinter dem Viaduct der Berlin-Stettiner Eisenbahn, das dreistöckige mächtige Gebäude, das mit seinem gothischen Giebel au dem stattlichen Vorbau und den schwarzen Schieferdächern mit Thürmchen einen zugleich imponire.'.den und doch anmuthigen Eindruck macht. London, 24. September. Der in den Pairsstand erhobene Abgeordnete von Liverpool, Baron Henry d e W orms,