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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-25 · 43 (25.10.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
43 (25.10.1895)
Date
1895-10-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seile 800 Dr. BLoch's Wochrnfchrifi. Sir. 43 Gymnasium der Wintercyclus mit einem Vortrag des Herrn Dr. A. Berliner über den Einfluß der hebräischen Buchdrucker auf Cultur und Cultus der Juden vor einem zahlreichen Publicum eröffnet. Der Vortragende gründete seine Darlegungen auf ein umfassendes Quellenstudium und ein bedeutendes Wissen. Er hat die Werke der hervorragenden Rabbinen aller Zeiten und Länder auf's Genaueste durchforscht und mit echtem Gelehrtenfleiß alles das zusammengetragen, was zum Thema gehörte. Zuerst erörterte er die Zeit vor der Eifindung des Buchdruckes, er sprach von den Vorschriften über die Abschreibung der heiligen Bücher und über das Ausleihen. Es fielen aus diesen Vorschriften höchst interessante Streiflichter auf die alte Cultur der Juden. Die eigenthümliche Art z. B.. sich beim Gebet zu bewegen, führte der Redner darauf zurück, daß vor der Zeit des Buchdruckes Gebetbücher nur in sehr beschränkter Zahl in der Gemeinde vorhanden waren. Daher mußten mehrere Beter in ein vor ihnen aufgeschlagenes Buch blicken, und so erklärt sich das öftere Auf- und Niederbewegen der Gläubigen. Daß die Idee der Buchdruckerkunst bereits im jüdischen Volke herrschte, geht daraus hervor.' daß ein gelehrter Abschreiber die vier Zeichen des Namens Gottes ausgeschnitzt und zusammengeheftet hatte und den heiligen Namen in einem Zuge zu Papier beziehungsweise Pergament bringen konnte. Die Erfindung der Buchdruckerkunst hat in erster Linie mitgewirkt, die heiligen Schriften möglichst weit zu verbreiten und fast jeder Familie ein Gebetbuch zu gestatten. Danach ist eine ganze Anzahl von Vorschriften über das Verleihen der Bücher außer Kraft gesetzt worden. Endlich ist ein wesentlicher Unterschied in der Eintheilung der Bibel durch die Buchdruckerkunst herbeigeführt worden. Die alten Handschriften kennen keine Zweitheilung der Bücher Könige, Chronika rc., ebenso wenig eine Capiteleintheilung; das alles ist erst durch den Buchdruck gekommen, und es ist nicht unmöglich, daß manche Stellen sich ganz anders würden erklären lassen, wenn der alte Zusammenhang wieder hergestellt würde. Der Vortrag wurde mit lautem Beifall ausgenommen. Vermischtes. Wien (Trauung.) Sonntag den 27. d. M. 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, I. Seitenstettengaffe, die Trauung des Herrn Josef Herzberg, Architekt und Stadtbaumeister, Sohn des Herrn Abraham Herzberg, mit Fräulein Honora Lessing statt. Ebendort findet am selben Tage die Trauung des Herrn David Wiener mit Fräulein Gisela Bell, derTochter des im Frühjahre verstorbenen Kleider-Jndustriellen S. Bell seligen Andenkens, statt. Das Brautpaar entstammt sehr achtbaren Familien, die sich allseitigcr Sympathien erfreuen, welche in Glückwünschen aus allen Kreisen der Bevölkerung zum Ausdrucke gelangen, denen auch wir uns anschließen. Wien. Herr Wilhelm Lindenbaum, Großgrundbesitzer und Industrieller aus Drohobycz, hat sich am 17. d. M. in Lemberg mit Fräulein Antoinette Ornstein, Tochter des Herrn Banquiers D. Ornstein in Bacau, verlobt. Wien. (Todesfall.) Sonntag den 13. October d. I. starb zuKarlsbad in seinem 43. Lebensjahre HerrM. Aschkenasy, Chef des gleichnamigen Bankhauses in Wien. Mit ihm schied ein treuer Sohn, ein zärtlicher Gatte und Vater, ein hingebender Freund seiner ganzen, weitverzweigten Familie, ein warmfühlender Menschenfreund, mit einem Worte ein echt jüdisches Herz aus diesem Leben. Unter zahlreicher Betheiligung wurde der Leichnam des Verewigten Mittwoch den 16. d. M. in Wien auf dem Centralfriedhof bestattet. Rabbiner Dr. Güdemann sprach einem warm empfundenen Nachruf, und es war-m ausschließlich Verwandte wie Freunde, die den Sarg von der Halle bis zum Grabe trugen. Der Verstorbene war ein Neffe des Cultuspräsidenten v. H o r ö w i tz in Lemberg und durch seine Gattin, eine geborene M e y er h o ffer aus I a ssy, ein Schwager des bekannten rumänischen Sprachforschers Dr. H. Tiktin. Friede seiner Asche und Ehre seinem Andenken. Wien. Im IX. Bezirk Müllnergasse 21 gebt es jetzt garlärmend und geräuschvoll zu. Dort ist die Kanzlei des Wohlthätigkeils- Bercines „Frauenhort", und eine fröhliche Kinderschaar, Knaben und Mädchen, bewegt sich da drinnen, denn sie sind hierher bestellt worden, damit an ihnen das Maß genommen werde für Schuhe, Wäsche und Kleider. Der rührige Verein „Frauenhort" rüstet sich bereits zu seiner Kinderbekleidung, die schon zu Beginn des November stattfinden wird. Denn der Frauenhort wartet nicht bis Chanuka oder Weihnachten, bis die grimmige Dezemberkälte die Kleinen durchschanert. Sollen die zarten Kinder, die so uothdürftig bekleidet zur Schule gehen, noch so lange warten und sich unterdessen ans Mangel an dem schützenden Winterkleide vielleicht den Keim zu schwirer Krankheit oder gar den Tod holen? Der Verein „Frauenhort" veranstaltet auch keine öffentliche B e s ch e e r n n g. Ohne Sang und Klang, ohne Lichterglanz und schöne Reden erhalten die Kinder ihre Bescheerung direct in's Haus zugestellt. Denn der „Frauenhort" geht von der Erwägung aus, daß die öffentliche Bescheerung das Ehrgefühl in den Kindern erstickt und die armen Eltern demüthigl! Und darum ist auch der Andrang zur Kinderbekleidung des „Frauenhort" so enorm. Die armen Eltern sind glücklich darüber, daß sie und ihre Kinder nicht öffentlich zur «schau ausgestellt werden; denn doppelt empsinden sie ihr Elend, wenn es, von Hellem Lichterglanz bestrahlt, an die Oefsentlichkeit gezerrt wird. Doch woher die Mittel nehmen, alle diese armen Kinder zu bekleiden? Der Ausschuß des „Frauenhort" steht vor einer Riesenaufgabe, denn aus der großen Anzahl der Gesuche sind schon 140 recherchirt und auch angenommen worden. Aber es sind noch viele bedauernswerthe Kinder da, sollen die aus Mangel an Geld, zurückgewiesen werden? Ein kleiner putziger Junge von sieben Jahren ist allein in die Kanzlei gekommen und trägt mit seinem schwachen Stimmchen die Bitte vor, man möge ihm doch auch ein neues Gewand geben. „Ja. mein lieber Junge", sagt ihm milde die Präsidentin, „das geht wohl nicht an, wir haben ja kein Geld mehr. Wir bekleiden ja schon Deine zwei Brüder. Aber wenn Du willst, so sage einem Deiner Brüder, daß er auf seine Bekleidung verzichte, denn die haben schon oft von uns neue Kleider bekommen, und dann werden wir Dich dafür bekleiden". — „O nein", sagte das herzige Kind, voll selbstloser Liebzu seinen Geschwistern, „ich will meinen Brüdern nicht das neue Gewand wegnehmen, sie freuen sich schon so sehr darauf, ich will keines mehr verlangen". Diese rührende Antwort entwaffnete die Präsidentin. „Du bist ein guter Junge", sagte sie, „Du wirst ein schönes neues Gewand bekommen, und Deine Brüder auch. Gute Menschen werden schon dazu verhelfen!" -- Mit einem lauten „Küß' die Hand" entfernte sich der Kleine glückstrahlend. Einem blaßen, schmächtigen Jungen ist eben das Maß genommen worden, er bittet um die Erlaubnis, fortgehen zu dürfen, er müsse ins Geschäft zurück. — „Ja, besuchst Du denn nicht die Schule? fragt das Ausschußmitglied. — „Nein", antwortet der Knabe, „ich bin jetzt schon 14 Jahre alt". —. „Ja, dann können wir Dich nicht mehr bekleiden", wird ihm zur Antwort. Dem armen Jungen stürzen die Thränen aus den Augen. So hat er sich denn umsonst auf das neue Winterkleid gefreut? Es wird kurzer Rath gehalten. — „Weine nicht, mein Junge", sagt die Präsidentin, „Du sollst Deine Sachen bekommen, gute Menschen werden schon dazu verhelfen!" — Und da steht schon wieder ein anderer Junge. Am Schluffe des letzten Schuljahres war er 14 Jahre alt geworden und es wird ihm bedeutet, daß man ihn nicht bekleiden könne. Wie bitterlich weint der Arme! Unter einem Thränenstrome erzählt er, daß er weder Vater noch Mutter habe, daß er bei einer verheirateten Schwester wohne, die selbst sehr arm sei, daß er Arbeit suche und keine finden!önne. Dem Ausschuß ist das Alles bekannt, aber was thun, wenn die Mittel nicht reichen? „Weine nicht, mein Junge", sagt die Präsidentin, „Du sollst Dein Gewand dennoch haben, gute Menschen werden dazu verhelfen!" Und so häufen sich die Bittsteller, die nicht abgewiesen werden können. So viele bedauernswerthe, mit Kind-rn reichgesegnete Mütter haben sich eingefunden mit der Bitte, man möge doch auch das zweite oder das dritte Kind bekleiden. Alle sind Schützlinge des Vereines. Ihre Noth, ihre Würdigkeit ist dem Vereine bekannt, und so wird auch noch ein zweites und ein drittes Kind zur Bekleidung angenommen, denn die Noth ist groß und — gute Menschen werden helfen! Zur Kinderbekleidung des „Frauenhort" haben beigesteuert: Bankhaus S. M. v. Rothschild 25 fl.. Herr Jacques Strauß 10 fl., Frau Charlotte Stiaßny 10 fl., Herr Simon Deutsch 5 fl., Frau Regine Bettelheim 25 fl., Herr Max Reichmann 25 fl., Herr Arnold Fröhlich 25 fl., Herr Donat Zifferer 25 fl., Herr Julius Kopstein 26 fl., Frau Jeanette Schefftel 5 fl., Frau Emilie Qnittner 5 fl., Frau Anna Steiner aus Brünn 5 fl., Frau Therese Kafka 10 fl., Herr Wilhelm Pappenhcim 10 fl., Frau Llicie Schweinburg 10 fl., Herr Josef Heller 5 fl., Herr I. Stern 5 fl., Frau Sofie Deutsch 10 fl., Herr Max Hiller 25 fl., Frau Bertha Löwit 5 fl. . Wien. Der Literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hielt am 13. d.M. wieder einen literarischen Nachmittag ab, mit diesem zugleich den Wintersemester eröffnend. In Vertretung der Präsidentin geschah dies von Seiten des Frl. Jda Werner, die eine kurze Ansprache hielt und die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste in derselben a »regte, ihr Hauptinteresse der jüdischen Literatur und Ge-

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