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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-25 · 43 (25.10.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
43 (25.10.1895)
Date
1895-10-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 43 lifcöäÄSSP Dr. Vlvch's Wochenschrift. Sefer dem Cantor und unter vom Chore gesungenen Psalmen wurde es in die Bundeslade gestellt. Es war ein Act, der den Indifferentesten feierlich stimmte. Solche Momente sind die geeignetsten, die alte Andacht wieder in das jüdische Gotteshaus zu bringen und in die modernen Tempel den echt jüdischen Geist wieder einziehen zu lassen, den die Reformsucht Hinaustrieb. Am selben Feste feierte der Vorsitzende der Tempelverwaltung Herr Jonas B eis er seinen siebzigsten Geburtstag und zugleich das Jubiläum als Tempelverwalter und Spitalsrath. Bei der Vorlesung aus der Thora am Morgengottesdienste wurde er als Dritter aufgerufen, die ganze Tempelverwaltung und der Rabbiner begleiteten ihn auf diesen Gang zur Thora, der Chor stimmte eine Begrüßung an und mit thränenden Augen sprach der Jubilar den Segen über die Thora. Den hebräischen Segen des Obercantors übersetzte dann der Rabbiner ins Deutsche mit Hinzufügung der Verdienste, die der Jubilar sich erworben. Die wohlverdiente Ehrung, die so recht dem Geiste des Judcnthums entsprach, machte auf alle Anwesenden einen liefen Eindruck. Um 12 Uhr fanden sich die gesammte Tempelverwaltung, der Spitalsrath, der Cultusvorstand und andere Körperschaften in der Wohnung des Jubilars ein. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Nathan Mayer, hielt eine sehr gelungene Ansprache und übergab eine kunstvoll ausgestattete Adreffe, deren hebräischen Text Herr S. Rosenzweig und deren deutschen Text Herr Dr. Diamant vorlasen. Hierauf illustrirte Herr Rabbiner Dr. Caro in einer längeren Rede die Verdienste des Gefeierten auf dem Gebiete der fortschrittlichen Entwicklung des Gottesdienstes und seine Hingebung an den Werken der Nächstenliebe. besonders bei der Bespeisung armer Schulkinder, der Soldaten am Pessach rc. rc. Namens des Spitalsrathes gratulirte der Vorsitzende Herr Director Lazarus und namens des Vorstandes der Präses Herr Samuel Edler von Horowitz. Zahlreiche Gratulanten füllten den ganzen Tag über das Haus, in welchem der einzige Sohn des Jubilars, Herr Apothekenbesitzer Jacob Beiser, Mitglied des Gemeinderathes und des Cultusrathes, umgeben von den Damen der Familie, den Gästen die Ehren erwies. Möge es dem hochverdienten Ehrenmanne Jonas Beiser vergönnt sein, noch lange Jahre in gleicher Weise wie bisher für Lehre, Gottesdienst und Wohlthätigkeit zu wirken. Przemysl, 14. Oktober. Es ist allbekannt, daß wir Inden in Galizien in xuuetn Volksunterricht noch sehr weit zurück sind. Viel Ersprießliches auf diesem Gebiet verdanken wir der Munifirenz des Baron Hirsch, viel leistet auch die Allianz; jedoch gibt es noch gewaltige Lücken auszusüllen. Eine iolche macht sich hier in Przemysl fühlbar, wo die jüdische Gemeinde für den jüdischen Elementarunterricht überhaupt sehr wenig zu leisten vermag und selbst ihre geringe Leistungsfähigkeit für Schulzwecke nicht erschöpft. Hier dominirt noch das Chedershstem. Nicht weniger als 567 Kinder sind in 20 solcher Cbadori'm vertbeilt, von welch letzteren 14 in den ärmlichen Privatwobnnngen der Melamdim-Dirrctoren sich befinden. Wer nun, wie der Gefertigte, Gelegenheit hat, diese Räume in Augenschein zu nehmen, der wundert sich nicht über die traurigen Gesundheitsverhöltnisse der Kinder der Armen. In derselben Stube, in welcher der ..Melamed" mit seiner Familie, die meist zahlreich ist, wohnt, ißt und schlaft, wird der Unterricht ertheilt. Ist ein Mitglied der Familie krank, so liegt es in einem Bette im selben Gelaß, ohne daß der Chederbesuch eine Störung erleidet. Man kann unmöglich in eine solche Stube gelangen, ohne förmlich durch Schmutz zu waten, lind das Zimmer selbst! Weder Luftzufuhr, noch Licht, noch auch Raum genug für so viel Insassen. Arme Kinder! da sitzt ihr vornübergebeugt und fiugelt Ullisouo all' den Galimathins, de» euch der Belfer (Hilfslehrer) 'vorsagt. Daher auch all' der Aberglaube, daher der Cultus der Wunderrabbis, daher der verderbliche Fatalismus. — In die „christliche" Schule wollen die gläubigen Eltern sie nicht schicken; sie passen auch nicht dorthin, da sie dort wegen ihrer Sprache, ihrer Tracht und Sitten verhöhnt werden. Da hilft nur ein Mittel: das Cheder muß reformirt werden! Diese Idee hat nun hier Herr Victor Mermekstein zur Thal gemacht; er errichtete eine Schule Nomens „Tikwas Israel", welche den hygienischen nnd pädagogischen Anforderungen nachzukommen trachtet — und das Resultat ist ein glänzendes! Seine 40 Zöglinge gewöhnen sich an Reinlichkeit und Ordnung, sie lernen hebräisch und wie lernen sie es. Wer den ^zwei halbjährigen Prüfungen altgewohnt hat, konnte kaum die Thränen der Rührung unterdrücken. Der Mann duldet Anfeindungen, scheut keine Kosten, keine Anstrengung; er liebt seine Schüler, sein Jndenthum und opfert sich auf. Agram. (D er Besuch im israelitischen Cultu s- Tempel.) Punkt halb zehn Uhr traf Se. Majestät beim Tempel ein. Im Gefolge befanden sich Se. Excellenz der Seite 799 Banns, Flügeladjutant FML. Paar, mehrere hohe Officiere, Sectionschef Dr. Krsnjavi und Bürgermeister M o»i n s k y. Bor dem Portale des Tempels, wo weißgekleidete Mädchen Spalier bildeten, wurde Se. Majestät vom Gesammt-Borstande und den zahlreich erschienenen Festgästen mit stürmischen Zivi orufenempfangen. Hierauf begrüßte Vorsteher Iosef Siebenschein Se. Majestät mit folgender Ansprache: „Ew. k. u. k. apost. Majestät! Allergnädigster König! Ich schätze mich überglücklich, daß mir als Prä deuten der Agramer israelitischen Gemeinde die Ehre zutheil ward, an der Schwelle dieses Gotteshauses Ew. Majestät begrüßen zu können. Die durch mich vertretene Gemeinde dankt Ew. Majestät aus dem Grunde des Herzens für diese königliche Gnade, welche ein neuerlicher Beweis ist, das; an der väterlichen Gewogenheit Ew. Majestät alle Unterthanen unseres geliebten Königs ohne Unterschied der Confeffion in gleichem Maße theilnehmen. Willkommen in diesem Gotteshause! Zivio unser König Franz Josef I.!" Se. Majestät schritt in den Tempel, begleitet von der Suite und dem Vorstände. Beim Hauptportale erwartete Oberrabbiner Dr. Jacobi mit der Gesetzes-Rolle in der Hand S.. Majestät, sprach den Segen und geleitete den König zum Altar, der mit einem prachtvollen Baldachin geschmückt war. Beim Einzüge intonirte der Chor „Halleluja", während Obercantor Josef Rendi aus dem Altar die Solostellen des Königspsalm mit seiner klangvollen und äußerst sympathischen Stimme in weihevollster Weise zu Gehör brachte. Hierauf hielt Oberrabbiner Dr. Jacobi folgende Ansprache an Se. Majestät: „Ew. k. u. k. apostolische Majestät!Allergnädigster König und Herr! Mit dem Segen Gottes im Herzen und auf den Lippen, begrüße ich in tiefster Ehrfurcht Ew. Majestät im Hause Gottes! Der Allwissende, der alle Empfindungen der Menschen kennt, weiß, daß wir Israeliten eins uns fühlen mit den übrigen Söhnen des kroatischen Volkes; eins in der unerschütterlichen Treue und Hingebung zu Ew. Majestät und dem allerhöchsten königlichen Hause; eins in der unveränderlichen Dankbarkeit für die zahllosen Gnadenbeweise, mit welchen Ew. Majestät alle Unterthanen ohne Unterschied desStandes und der Religion beglückt; eins in d r unermeßlichen Freude, daß Ew. Majestät die Hauptstadt Kroatien-Slavoniens mit dem allerhöchsten Besuche ausgezeichnet haben. Unaussprechlich ist aber unser Jubel in dieser Weihestunde, da Ew. Majestät allergnädigst gewürdigt, diesen Tempel durch vie allerhöchste Anwesenheit zu verherrlichcn. So lange diese Mauern werden bestehen, so lange sich hier Israeliten werden versammeln, wird dieser Tempel uns und unseren Nachkommen doppelt geweiht sein durch die Weihe, welche ihm die allerhöchste Gnade jetzt verleibt, wird er auch in unseren Nachkommen die heiligen Empfindungen lebendig erhalten, welche wir in unserem Herzen wahren: die heiligen Empfindungen der unerschütterlichen Unterthanentreue und unwandelbaren Dankbarkeit gegen den allerhöchsten Thron! Geruhen Ew. Majestät zu gestatten, daß ich dieses feierliche Gelöbniß in meinem und im Namen aller Israeliten unseres tbeuren Vaterlandes in aller Ehrfurcht Ew. Majestät zu Füßen lege, mit dem Gebete zum Ewigen, dem Vater aller Menschen, daß er Ew. Majestät, unseren allergnädigsten König und Herrn, noch viele nnd viele Jahre erhalte, zum Segen aller Völker, zum Segen aller Unterthanen Ew. Majestät. Gott segne und beschütze Ew. Majestät! Gottes Huld und Gnade geleite auch fürder Ew. Majestät auf der Rubmesbahn. Gott blicke freundlich ans Ew. Majestät und sei Ew. Majestät zu Hilfe, zu erhalten den Alle beglückenden Frieden! Amen, Amen." Abermals intonirte Chor und O'gel die Volkshymne, worauf Se. Majestät, gegen den heiligen Schrank sich verneigend, den Tempel unter brausenden Zidiorufen verließ. Zu Oberrabbiner Dr. Jacobi, der Se. Majestät bis zur Equipage das Geleite gab. äußerte sich allerhöchstselbe in sehr anszeichnender Weise über den schönen Tempel und den herrlichen Gesang. Auch die Repräsentanz der Cultusgemeinde bat durch den Beschluß, zur Erinnerung an diesen allerhöchsten Besuch eine Gedenktafelim Tempel anzubringen, von ihrer bewährtenLoyalität den schönsten Beweis geliefert. Berlin. (Im Verein für j ü d i s ch e G e s ch i ch t e und Literatur) wurde unlängst im Frledrich-Werder'schen

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