Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 798 Dr. Blortz's Wochenschrift. Nr. 43 jagte er, hören auf, christlich zu sein. (Bewegung und Widerspruch links.) Cultusminister Wlassics erklärte, wenn dies wahr wäre, daun gäbe es heute in Europa keinen einzigen ch r i st l i ch en Staat; denn es gibt in Europa keinen einzigen civilisirten Staat, in dem die Parität der israelitischen Religion, speciell was den Uebertritt betreffe, nicht inarticulirt sei. Speciell auch in demselben Lande, in dem wir den Grafen Zichy öfters im Interesse der C h r ist en heit wirken sahen, in welchem er oft weilte, auch dort ist diese Bestimmung bereits Gesetz. Der Gesetzentwurf über die Reception ist bereits sanctionirt; man könne doch einer recipirten Religion nicht weniger Rechte einräumen, als sie als recipirte Religion besitzt. Zum Muhamedanismus solle man ja übertreten können, nur. zum Judenthum nicht. In diesem Lichte kehrt der Streichungsantrag seine directe Spitze gegen das Judenthum. Die Regierung halte entschieden an diesem Paragraphen fest, damit die Parität der israelitischen Religion ausdrücklich in der Vorlage enthalten und jeder Zweifel ausgeschloffen sei. In der hierauf folgenden namentlichen Abstimmung wurde der Paragraph 22 (Parität) mit 120 gegen 113 Stimmen daher mit sieben Stimmen Majorität angenommen. Graf Ferdinand Zichy beantragte nun die Ausnahme eines neuen Paragraphen, welcher die Bestimmung enthalten solle, daß Jemand, der von der christlichen Religion zur israelitischen Übertritt, seine unmündigen Kinder nicht in die neue Religion übernehmen kann. Cultusminister Wlassics erklärte, man könne, nachdem die israelitische Religion eine recipirte Religion sei, keine besondere Bestimmung für dieselbe treffen. Der Antrag des Grasen Zichy wurde durch Erheben von den Sitzen abgelehnt. Zum Schluffe der Sitzung ertönten lebhafte Eljen* r ufe links. Ministerpräsident Baron Ban ffy, sowie die übrigen Mitglieder des Cabinets wurden beglückwünscht. Drohovyez, 21. October. Nach den für den hiesigen Gemeinderath vollzogenen Ergänzungswahlen, welcher nunmehr aus 21 christlichen und 15 jüdischen Mitgliedern zusammengesetzt ist, hat sich derselbe am 15. d. M. zur Vornahme der nothwendig gewordenen Ergänzungswahlen des Gemeindevorstandes vollzählig versammelt. Gleich bei Eröffnung der Sitzung brachte der Vorsitzende Bürgermeister Herr Ochrymovicz das Resignationsgesuch des bisherigen Bice-Bürgermeisters Herrn Hirsch Goldhammer zur Verlesung. der wegen dauernder Krankheit, verbunden mit einem seit Jahresfrist ihn an's Zimmer fesselnden Fußübel, sich genöthigt sah, das. seit nahezu 3 Decennien innegehabte und neuerlich wieder einstimmig erhaltene Gemeinderathsmandat dankend niederzulegen. Der Vorsitzende fand gleich den richtigen Ton für die des Gemeinderathes sowohl, als auch des zahlreich erschienenen Auditoriums sich bei Verkündigung der gedachten Resignation bemächtigten Stimmung, welcher er in folgender, von Wärme und Innigkeit durchdrungener Ansprache Ausdruck gab: MeineHerren! Bon innigen Gefühlen des wehmüthigen Abschiedes und des lebhaften Bedauerns bewegt, bin ich dessen gewiß, daß Ihr Alle dieselben mit mir theilt ob des Rücktrittes unseres bewährten Freundes, wackeren Mitarbeiters, des langjährigen Bice-Bürg rmeisters Herrn Hirsch Goldhammer aus unserem Kreise, welcher bald 3 Jahrzehnte ununterbrochen den regsten Antbeil am öffentlichen Leben und allen hiesigen autonomen Institutionen nahm, sei es als Mitglied der Stadtrepräsentanz, des Bezirksausschusses oder als Präsident der Direction unserer städtischen Sparcaffe, in deren Dienst er seine eminenten Fähigkeiten und reichen Erfahrungen zum allgemeinen Wohle stellte und überall durch tactvolles und gewinnendes Auftreten sich die Sympathien Aller zu verschaffen verstand, wofür ihm als schöner Lohn die wohlverdiente Anerkennung und Dankbarkeit seiner Mitbürger in vollem Maße zu Theil ward. Wer von Euch und insbesondere von den älteren Herren Gemeinderäthen weiß sich nicht der alten heillosen Conflictsperiode in unserer Stadt zu erinnern, wo bei jeder Wahl 3 nach Confessionen streng gesonderte Parteien mit den das ganze öffentliche Leben vergiftenden Waffen der Leidenschaftlichkeit in den Kampf zu ziehen pflegten, wer sich noch dieser beklagenswerthen Zeiten traurigen Angedenkens erinnert, wird sicher sich dankend des Herrn Hirsch Goldhammer erinnern, der, vom Geiste des Friedens beseelt, die verschiedenen gegenseitig sich bekämpfenden Parteien einander zu nähern und dann durch das feste Band der Eintracht dermaßen zu vereinigen wußte, daß wir heute, dank diesem zielbewußten Friedenswerke des Herrn Goldhammer, alle unsere städtischen Angelegenheiten in gemeinsamer friedlicher Arbeit ruhig zu erledigen in der erfreulichen Lage sind. Nicht nur seinen israelitischen Glaubensgenossen war Herr Goldhammer ein stets erfolgreicher bewährter Führer im Geiste des bürgerlichen und nationalen Friedens, auch seinen christlichen Mitbürgern gegenüber war er nicht minder ein jederzeit zuvorkommender, bereitwilliger Heffer durch Rath und That. Und so war seine gedeihliche, gemeinnützige Thätigkeit auf das Gesammtwohl gerichtet, welche stets von günstigem Resultat begleitet war. Diese Euch allen wohlbekannten Leistungen und Verdienste unseres langjährigen Vice- Bürgermeisters veranlassen mich daher, Euch namens des Gesammtvorstandes nachstehende Dringlichkeits-Anträge zur Annahme zu empfehlen: 1. Der geehrte Gemeinderath wolle beschließen, dem bisherigen Vice-Bürgermeister Herrn Goldhammer für dessen bald 30jährige, ebenso opfervolle, als ersprießliche Thätigkeit zum Besten unserer Stadt durch Erheben von den Sitzen Dank und Anerkennung zu votiren. 2. Das Andenken dieses wohlverdienten Mannes protokollarisch zum ewigen Gedächtnisse ehrend zu verzeichnen, schließlich 3. eine aus der Mitte des Gemeinderathes zu wählende Deputation an Herrn Goldhammer zu entsenden, um ihm die Gefühle der Dankbarkeit und Anerkennung der Stadtrepräsentanz darzubringen. Sämmtliche Anträge wurden vom Stadtrathe und Landta.jsabgeordneten Herrn Wisniewski und Herrn Dr. Fruchtman wärmstens unterstützt, einstimmig en bloc unter allgemeinem Beifall und ungetheilter Zustimmung zum Beschlüsse erhoben. Mit ebensolcher Einhelligkeit wurde hierauf Herr Dr. Jacob Fruchtman an Stelle des Herrn Goldhammer zum Bice-Bürgermeister gewählt. Samstag den 19. d. Mts., 12 Uhr Mittags, ist unter Führung des Bürgermeisters und Reichsrathsabgeordneten Herrn Ochrymovicz, die Gemeinderaths-Deputation, in welcher sich der Canonicus Hauczakowski, Gemeinderath und Landtagsabgeordneter Herr Wisniewski und der neugewählte Bice-Bürgermeister Herr Dr. Jacob Fruchtman befanden, in der Wohnung des Herrn Goldhammer erschienen. Nach einer herzlichen Abschiedsansprache des Herrn Bürgermeisters nahm Canonicus Hauczakowski das Wort, um — wie er sich ausdrückte — namens seiner christlichen Glaubensgenossen dem verdienten, coucilianten Manne den wärmsten Dank und seine herzlichsten Segenswünsche darzubringen. Hierauf folgte der Empfang der Beamtenschaft des Magistrates, der Stadt- und Sparcassa, welche in corpore beim scheidenden Bice-Bürgermeister sich eingefunden. Nachmittags besuchte der Reichsrathsabgeordnete unserer Stadt, Herr Prof. Dr. Gustav Roszkowski aus Lemberg, den Herrn Goldhammer, denselben begrüßend und beglückwünschend. Schorr. Lemberg. Am Hoschaneh-Rabbah-Tage fand in unserem Tempel eine erhebende Feier statt, die der weitesten Publicität gewürdigt zu werden verdient, weil sie die erfreuliche Thatsache bestätigt, daß der Sinn für Thora und Abodah bei unseren Reichen und Gebildeten noch nicht ausgestorben, oder wenn er es war, wieder zu neuem Leben erwacht ist, wie ja das Judenthum immer angesichts der Bedrängniß von Außen sein Selbst erfaßte. Herr Moritz D i a m a n d hat unserem Tempel eine kostbare SpendeZigemacht: ein Sefer-Thora von hier noch nie gesehener Größe und dazu eine kunstvoll gearbeitete silberne Kle-Kodesch-Krone, Ziz und Jad in Proportioneller Größe zum Sefer. Der edle Spender brachte dieses Votivgeschenk am Hoschaneh-Rabbah in den Tempel. Es gingen ihm der Prediger, der Cantor, der Vorstand und sämmtliche anwesende Gemeindemitglieder entgegen, wobei eine feierliche Ansprache gehalten wurde. Dann übergab der Spender das geschmückte