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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-25 · 43 (25.10.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
43 (25.10.1895)
Date
1895-10-25
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 796 Dr. Bloür's Wochen schrifl. Nr. 43 Hammelheerde zu vertheilen. Leider ist nun der schöne politische Traum zerstört!" Antisemitische Ehrenmänner. Breslau, 14. October. Der antisemitische Wucherer Sedlatzeck, der sich nach der Schweiz geflüchtet hat, ist dem Anträge der Breslauer Staatsanwaltschaft entsprechend auf Beschluß des Bundesgerichtes in Zürich verhaftet, von dort nach Breslau transportirt und in das Untersuchungs-Gefängniß eingeliefert worden. Gegenwärtig finden die Vernehmungen der bewucherten Schüler statt. Es sind der Staatsanwaltschaft bisher nicht weniger als 400 solcher Wucherfälle bekannt geworden. Jauer, 10. October. Der Hauptagitator der hiesigen Antisemiten, Schneidermeister Bäu sch, ist als Spitzbube entlarvt worden. Er hatte bei Einkäufen, die er mit Vorliebe bei einem Führer der Freisinnigen machte, Verschiedenes heimlich mitgehen heißen, was die von der Polizei vorgenommene Hausdurchsuchung zu Tage förderte. Hannover, t3. October. Wieder ist eine Säule des Hannoverschen Antisemitismus jählings gestürzt; der schon mehrfach wegen Beleidigung vorbestrafte Thierarzi Wilhelm Meyenberg aus Gronau ist von der Strafkammer in Hildeshkim wegen Verleitung zum Me ineide zu 1*/, Jahr eit Znchth aus veru rth e ilt worden. Im September vorigen Jahres hatte M. einen Termin vor dem Schöffengericht in Elze wegen Beleidigung des früheren Bürgermeisters in Gronau, des jetzigen Senators Dr. Wiegmann in Hildesheim. Vier Wochen vorher war er zu dem Schmiedemeister Bode in Gronau gekommen und hatte diesem gesagt, wenn er als Zeuge vernommen werde, könne er ja sagen, er wisse von der Sache nichts mehr. M. war, wie gesagt. Führer der Antisemiten in Gronau und hetzte namentlich bei seinen Fahrten über Land in der schmählichsten Weise gegen die Juden. Großes Aufsehen erregt es, daß gegen Meyenberg, der notorisch sehr begütert ist, bei dem also in Anbetracht der hohen Strafe der Gedanke an einen Fluchtversuch sehr nabe liegt, ein Haftbefehl nicht erlassen ist. Ein antisemitischer Flüchtling. Der Kaufmann Leopold S y g m u n d ist auch ein Opfer de? Politik. Anstatt sich seinem Geschäfte zu widmen, besuchte er namentlich in letzter Zeit sehr häufig Versammlungen und war im Bezirke Hernals ein thätiger Agitator für die antisemitische Partei. Seine Familie wußte allerdings nicht das Geringste davon, daß ihr Oberhaupt mehr der Ausfall der Wahlen, als der Verkauf von Sohlen und Schuhnägeln interessire. Jetzt sind die Armen einer ungewissen Zukunft preisgegeben und sehen, wenn ihnen die Menschlichkeit der hoffentlich liberaleren Gläubiger nicht hilft, einem unverdienten Elende entgegen. Bon Syamund selbst hat man bisher nicht die geringste Spur. H Heinrich Heiners Schwester. Frau Charlotte Embden, die Schwester Heinrich Hein e's, feierte am 18. d. M. in Hamburg ihren 96. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. t. Verhaftung des Antisemitensührers Schweinhagen. Der antisemitische Maul- und Federheld Ludwig August Friedrich Schweinhagen, der am 17. März durch das Landgericht in Berlin wegen Beleidigung des Staats- und Finanzministers Herrn Miguel zu einjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt wurde, hat sich dem Strasantritte durch die Flucht entzogen. Gestern Vormittags ist S ch w e in h a g en, der steckbrieflich verfolgt wurde, in Wien, Josefstadt, Breitenfeldergaffe Nr. 22 in Haft genommen und dem Landesgerichte eingeliefert worden. Wieder Einer. Der Briefmarkenhändler Otto Jacobs aus Goslar wurde in der Oker zu Braunschweig als Leiche anfgefunden. Jacobs, einer der eifrigsten Vorkämpfer des Antisemitismus in Goslar und ständiger Mitarbeiter des hannoverschen Antisemitenblattes, hatte sich verschiedener größerer Unterschlagungen schuldig gemacht und aus Furcht vor dem Gefängniß den Tod in die Wellen gesucht. Baron Hirsch. In den Blättern war wiederholt die Nachricht enthalten, daß Baron Hirsch sich im Naaber Comitat anzusiedeln und in der Stadt Raab ständigen Wohnsitz zu nehmen beabsichtige. „Györi Közlöny" erklärt nun alle diese Nachrichten, sowie die an dieselben geknüpften Conjectnren für grundlos, ebenso wie die Blättermeldnng unrichtig ist, Baron Hirsch habe in der Sziget-Köz ein Jagdterrain von 40.000 bis 45.000 Joch gepachtet und zu den im Jänner zu veranstaltenden Jagden europäische Fürstlichkeiten geladen. Das in Rede stehende Terrain umfaßt insgesammt 48.000 Joch, wovon überhaupt blos 800 Joch gepachtet'werden können, aber auch diese hat der Baron nicht gepachtet. Correspondenzen. Wien. (Baron Hirsch-Stiftung.) DerOberinspcctor der Nordbahn i. P. Herr Felix Reifer, welcher schon wiederholt dem Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung in selbstloser Weiser dankenswerthe Dienste geleistet, ist abermals dem Präsidium dieser Stiftung opferfreudig entgegengekommen, indem er sich bereit erklärte, die westgalizischen Schulen und Institutionen der Stiftung zu visitiren, während der Schulreferent Herr Landes die ostgalizischen inspicirt, da dieser in so kurzer Zeit, als es erforderlich, die bedeutend angewachsene Anzahl der Schulen und sonstigen Institutionen der Stiftung nicht zu absolviren vermag — Herr Reifer hat bereits seine Inspektorsreise angetreten. Wien. Geehrter Herr Redacte ur! In einer der letzten Nummern Ihrer Wochenschrift baben Sie auf die Nothwendigkeithingewiesen, einenFond zu schaffen,umdenjenigen Glaubensgenossen, welche durch die hier herrschenden Verhältnisse in Noth gerathen könnten, rasch Hilfe zu bieten. Ihre Voraussicht ist leider bald Thalsache geworden, denn schon haben erwerblose jüdische Damenschneider, weil sie nicht einmal mehr bei jüdischen Confectiorären Arbeit finden können, eine Versammlung abgehalten, um über die Mittel zur Abhilfe ihrer Noth zu berathen. Aber ihr Appell an die reichen Juden hat noch immer kein Echo gefunden! Es handelt sich ja um keinen Blnmencoiso, für den einzelne Juden Hunderte von Gulden opfern würden, wenn sie auch von den Veranstaltern desselben vor- und nachher angesp ... werden. Das harte Wort mußte heraus und nun da es heraus ist, komme ich zu dem eigentlichen Zwecke dieses Briefes: Ich will den Anfang machen zur Beschaffung eines Fondes für hilfsbedürftige Juden und sende zu diesem Zwecke fl. 2 (zwei Gulden), mit dem Versprechen, diesem Zwecke weitere Beiträge zu widmen, so oft ich durch Einschränkung sonst gewohnter Ausgaben etwas erspart haben werde. Vielleicht werden Andere meinem Beispiele folgen, irsbesondere wäre es an den Frauen auf Unterlassung leicht zu vermeldender Ausgaben hinzuwirken. Beispielsweise: Es nahen die Empfangsabende die sogenannten „Jonrsfixes", da könnte die Anschaffung manches Leckerbissens erspart werden, ohne daß der Gastfreundschaft und dem geselligen Beisammensein Abbruch gethan wird. Es wird ganz gewiß ein schöner Nachtisch sein, wenn die Hausfrau ihren Gästen zum Beschlüsse die Banknoten zeigt, welche durch ein klein wenig Genügsamkeit zu Gunsten nothleidender Juden erspart wurden; es wird eine schöne edle That sein, an der die Gäste ebenso wie die Hausfrau ihren Aniheil haben. Ein alter, leider nicht bemittelter Jude. Wien, 15. October 1895. Wien. (AkademischeBerbindung,,Kadima h", Mittwoch den 16. d. M. fand die diesjährige ordentliche Plenarversammlung statt, in der der abtretende Präses, Drctor Armin Meyer, den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr erstattete. Wir werden Gelegenheit haben, in einem separaten Artikel über die ganz besonders ersprießliche Thätigkeit der Verbindung sprechen zu können. Vorläufig sei nur erwähnt, daß sie drei „alte Herren" in's Philisterium gesendet und 14 Füchse recipirt hat, die der Hoffnung Ausdruck zu geben gestatten, daß die „Kadimah" ihre Führerrolle an der Spitze der jüdischen Studentenschaft auch fürderhin behaupten wird. Dem scheidenden Präsidium, wie dem ganzen Ausschüsse wurde das vollste Vertrauen votirt, und wurden in der darauf stattfindenden Wahl die Herrn Drd. Leonhart Gerbel als Präses, Dr. Richard Wolf als Bicepräses und meä. Samuel Wassermann als Schriftführer zur Geschäftsführung designirt. Der nunmehrige Präses, Drd. Gerbe l, betonte in seiner Programmrede, daß die „Kadimah", ihrer Vergangenheit getreu, die jüdischnationale Idee, auch künftighin trotz der mannigfachsten Anfeindungen, die in letzter Linie nicht nur Nichtjuden als Urheber hätten, Hochhalten und nach Kräften propagiren werde. Er theilt ferner mit, daß die Absicht, die ganze jüdische Studentenschaft wehrfähig zu machen, vorläufig wegen — Geldmangels nicht realisirt werden könnr«

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