Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 43 (25.10.1895)
- Date
- 1895-10-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Bloches Wochenschrift Seite 795 5. Salomon Ross aus Guoyeu, 6. Löier Cohn aus Güstrow, 7. Selig Ro'enstein aus Grabow, 8. Abraham Lorenz aus Malchin, 9. Moses Ahrensdorfs aus Malchin, IO- Josef Bonko aus Malchin, 11. Wohlgemuth aus Malchin, 12. Marcus M.yer aus Malchin, 13. Liepman Marcus aus Malchin, 14. Heinr. Freudenthal ans Neukalen, 15 L S. Levin aus Penzlin, 16. Jocob Salomon uns Penzlin, 17. Jacob Saul aus Rehna, 18. Hirsch Müller aus Ribnitz, 19. Bernhard aus Ribnitz, 20. und 21. Gebr. Baruch und Scheuer Pincus aus Schwerin, 22. Michel Meyer aus Schwerin, 23. Israel Herz Israel aus Schwerin, 24. Heyman Lwy aus Tepiir, 25. Levy Salomon aus Tepin, 26. Alexander Löser ans Tepi», 2i. Mortje Levy aus Waren 28. Salomon Herzfeld aus Warin. ,,Jüdische Soldaten." Beuthen, 1. September. Der „Oberschl. Gr.-Ztg." wird geschrieben: „Auch unser Oberschlesien hat auf den Schlachtfeldern 1870/71 manchen braven Sohn fallen sehen, der den Heldentod für das Vaterland erlitt. Von all diesen zahlreichen Fällen möchte ich heute einen besonderen herausgreifen, der unsere Stadt Beuthen angeht. Unter den Kriegern, die bei Le Bourget die blutigen Ausfallgefechte mitgemacht haben, ragt Siegfried Karfunkelstein, geboren zu Beuthen im Jahre 1848, hervor. Karfunkelstein trat. 18 Jahre alt. als Freiwilliger im Jahre 1866 bei der 10. Compagnie des Garde-Elisabeth Regiments, damals zu Breslau, ein und machte schon den Feldzug gegen Oesterreich mit. Im Jahre 1870, zu demselben Regiment und derselben Compagnie einberufen, zeichnete er sich bei einer freiwilligen Patrouille in dem Maße aus, daß er am 28. October mit dem Eisernen Kreuz zweiter Classe decorirt wurde. Am 30. October 1870 bei einem Ausfall waren schon mehrere Fahnenträger des Bataillons gefallen, und war es Karfunkelstein, der die Fahne aufhob und alserster auf dieBarrikade stürmte, jedoch ereilte ihn dort das tödtliche Blei. Aus den Händen des sterbenden Kriegers empfing General B ud ritz ky die Fahne und feuerte die Soldaten wieder an. indem er mit der Fahne voranschritt. Der Hanptmann der 10. Compagnie sandte an die damals noch lebenden Eltern in Beuthen einen Brief nebst einem Packet, in welchem sich das Eferne Kreuz, das noch mit Blutstropfen bedeckt, und verschiedene Gegenstände, die Karsunkelstein bei sich getragen hatte, als: Portemonnaie mit Inhalt, Cigarrenspitz: u. s. w., befanden. In dem Briefe theilte der Hauptmann mit, daß Karfunkelstein als ein Held vor Le Boarget gefallen sei und die Compagnie trauere schwer, ihn verloren zu haben. Als Andenken an die Sache sandte er (der Hauptmann) das Eiserne Kreuz an die Eltern; dasselbe wurde der hiesigen Synagoge zur Aufbewahrung überreicht." HDie Millionen Schönerer's. Der Zütungskrieg Schönerer contra Ehrenbürger von Mahldorf wird immer lustiger. Der verflossene Ritter rechnet dem Sollenzer Urgermanen seine Ehren-und anderen Schulden vor und hat damit viel zu thun. Dieser wiederum ergeht sich in einem langen, schlecht abgeschriebenen Artikel über die Herkunft der Schöuerer'schen Millionen. Das „Deutsche Volksblatt" vom 21. d. M. schreibt sehr liebenswürdig: „Am 30. October 1881 starb Mathias von Schönerer. Die Besitzung in Reichenau vermachte Mathias seiner Gattin und seinen vier Töchtern als Prälegat. Die Hälfte dieser Besitzung, ohne die Villa, wurde von den Schwestern an'Rothschilo um 101.000 fl. verkauft. — Dis übrige, über zwei Millionen Gulden betragende Vermögen sollte unter alle sechs Erben gleichmäßig getheilt werden. Bei der Jnventuraufnahme stellte sich heraus, daß die im November 1881 fälligen Coupons und verloste, noch nicht zahlbare Obligationen im Betrage von circa 46.000 fl. fehlten. Georg Schönerer erklärte, daß die 46.000 fl. in seinem Besitze seien, daß ihm sein Vater diesem Betrag übergab, damit er hieraus die Kranken- und Leichenkosten zahle, dem Deutschen Schulderem 1000 fl. spende und das Uebrige als Geschenk behalte.Da bei diesem Schenkungsacte keine Zeugen waren und der Sohn bereits im Testamente außerordentlich — mit mehr als einer halben Million — bevorzugt war, so klagten die Miterben auf Herausgabe der 46.000 fl., haben aber den Proc.'ß verloren. Der Familienfriede war durch diese zeugenlos gebliebene Schenkung gründlich gestört, ebenso fühlten sich die Geschwister durch die durch Georg Schönerer verfügte allsogleiche Versiegelung der im Sterbezimmer des Vaters befindlichen Casse, wahrend die Leiche noch nicht kalt war, tief verletzt. Die Mutter Schönerer's zog kurz nach dem Tode ihres Gatten aus dem Stammhanse in der Krugerstraße 6. und im Mai 1883 zog Georg aus dem Fa nilienhause aus, und hierfür zogen zwei Kupplerinnen nebst fünf Prostituirten ein. Da die Einwendungen der Schwestern gegen diese Vermiethung nicht beachtet wurden, mußte sie mit ihren erwachsenen Töchtern noch im Mai über Hals und Kopf aus dem väterlichen Hause flüchten. Als im Frühjahre 1884 die Witwe Schönerer's starb und infolge dessen ihr Wohnrecht im ersten Stock erlosch, wurde dieser Theil des Schöuerer'schen Stammhauses gleichfalls an Damen mit „Gesundheitsbücheln" vermiethet." Hammerstein sKissen. TreuereAbonnenten der „Kreuzzeitung" werden sich noch mit Vergnügen erinnern, daß im Lenz des vergangenen Jahres eine warme Danksagung des Freiherrn au „unbekannte deutsche Frauen" erschien. Der Freiherr hatte aus Stettin von den unbekannten deutschen Frauen „als Züchen ihrer dankbaren Verehrung" eine kunstvoll ausgeführte Handarbeit gewidmet erhalten. Kein unbefangener Leser der „Kreuzzeitung" konnte sich darüber wundern, daß dem herrlichen Kämpfer für Sitte und Ordnung dieses rührende Zeichen der Anerkennung zu Theil ward. Ter unerschrockene Mann, der sein Volk namentlich gegen die orientalischen Schädlmge so standhaft vertheidigte, verdiente wahrlich eine zarte Aufmerksamkeit. Man wußte damals noch nicht, daß der Freiherr auch für Geld Sinn hatte. Was konnten ihm also unbekannte deutsche Frauen Anderes widmen, als eine Handarbeit? Es war ein sinniger Gedanke. Man sah ordentlich die verehrungsvollen Frauen, wie sie für den edlen Führer Kreuzstich auf Kreuzstich thaten, bis das Kissen fertig war. Denn es war ein Kissen — ein wattirtes. Aber warum nannten sich die begeisterten Spenderinnen nicht? Der Freiherr zerbrach sich darüber, wie er mit gewohnter Offenheit gestand, den Kopf. Es gelang ihm nicht, seine B'rehrerinnen ausfindig zu machen. Da „sah er sich gezwungen, ihnen öffentlich seinen Dank abzustatten, da er keine Spur von diesen Damen zu entdecken vermochte. . . ." Man sah ordentlich die Thräne der Rührung im Auge des sonst so rauhen Mannes. „Diese Damen!" Die Mehrzahl war überflüssig. In Wirklichkeit war es nur eine einzige „dieser" Damen gewesen, nämlich die fceiherrlich Hammerstein'sche Geliebte Flora Gaß. Hammerstein selbst war es gewesen, der am 20. April Flora nach Stettin gesendet hatte mit einem von ihr gestickten Kissm. Dieses Kissen schickte sie ihm am nächsten Tage nach Berlin, und Hämmerst'in empfing dasPacket vielleicht im Beisein von Freunden. Der Liebling unbekannter deutscher Frauen öffuetees überrascht und bewegt, und er las ihnen mit zitternder Stimme die Widmung vor. Die Widmung hatte er selbst verfaßt. Am vierten Tage danach ließ er jene Danksagung erscheinen. Dieses wattirte Kissen ist nur eine hübsche Kleinigkeit, und doch, wie lebensvoll macht es das Bild des Freiherrn! Die conservative Partei und seine Gläubiger haben viel an ihm verloren. Was erfahren wir Alles aus dem Papierstückchen, das jetzt in der „Hammerstein-Mappe" liegt und den Entwurf jener Widmung von Hämmerst, in's eigener Hand aufweist. Wie sonnig war der Humor dieses Mannes, als er auf den Z'ttel schrieb; „Dem muthigen Vorkämpfer und kühnen Bannerträger der coaservativen Partei als ein kleines Züchen dankbarer Verehrung von deutschen Frauen. . . ." Flora sah ihm dabei über die Schulter; Flora, mit der er so vertraut umgehen mußte, wenn er alle schlechten Eigenschaften der bekämpften Race kennen lernen wollte. Und nachdem sie die Widmung entworfen hatten, beriethen sie über den Gegenstand. Es sollte etwas Gemüthvolles und zugleich für Sitte und Ordnung Symbolisches sein. Da schmunzelte Hammerstein — oder war es Flora, die lächelte: „Wie wär's mi* einem Kissen?" Hammerftein als Reichskanzler. Zu der Aeußerung des Organs des Antisemitenhäuptlings Liebermann v. Connenberg, daß die Vergehen Ha mm er st ei n's „e inen Zug ins Großartige" hätten, macht der „Vorwärts" folgende Bemerkung: „L i e b e r m a n n gehörte, wie zum besseren B rstäudniß bemerkt sei, zu den eifügsten Creaturen Hammer st ei n's. Beide arbeiteten einander politisch immer in die Hände. Stöcker und L e u ß zählten ebenfalls zu dieser Coterie. H a m m e r st e i n galt in diesen K r e i s e n e r n st h a s t als d e s i g n i r t e r Reichskanzler; welche Stellung Stöcker einnehmen sollte, ist leider nicht ganz klar geworden, aber jedenfalls eine hervorragende. Liebermann pflegte bereits eifrig allerlei Stellen für dies Ministerium in sps an seine urdeutsche christlich-deutsch-sociale