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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-18 · 42 (18.10.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Vlvch's Wochenschrift Regierung, so jählings dem hochverehrten und beliebten Professor den Rücken zuzuwenden? Chi lo sa! Genug an der Sache, daß am Tage der Wahlschlacht selbst die Regierungsorgane einen bis dahin in Rzeszow ungeahnten Druck zu Gunsten der sogenannten „christlichen" Candidatur entwickelten. Man suchte durch allerhand erlaubte und unerlaubte Kniffe und Drohungen die jüdischen Wähler einzu schüchtern. Aber unsere Glaubensgenossen — zu ihrer Ehre sei es gesagt! — hielten tapfer Stand: an ihrem Muth und an ihrer Begeisterung, mit denen sie zur Wahlurne schritten, prallten Drohungen und Kniffe wie au einer sturmerprobten Mauer kläglich ab. Die gesummten Juden Rzeszow's stimmten in geschloffener Phalanx wie ein Mann solidarisch für Professor R o s e n b l a t t, weil Jedermann einsah, daß es unsere bürgerliche Ehre und Stellung gegen brutale Vorurtheile zu schützen galt, und diesem Umstande ist es zu verdanken, daß die Juden unserer Stadt trotz des winzigen numerischen Nebergewichts der Gegner einen moralischen Sieg davongetragen haben. Bukarest. (Jüdische Ackerbauer.) Der ungarisch israelitische Handwerks- und Ackerbauverein hat an seine Mitglieder ein Circular versendet, in welchem er mit Rücksicht auf die erfolgte ReceptionderjüdischenConfession auf die Nothwendigkeit der vollständigen Assimilation der Juden hinweist, welche durch Eröffnung neuer productiver Bethätigung auf dem Gebiete des Ackerbaues erreicht werden könnte. In dieser Angelegenheit fand jüngst unter dem Borsitz des Abgeordneten Dr. Armin Neumann eine Berathuug statt, in welcher die angedeutete neue Richtung für die Bethätigung der Israeliten mit Zustimmung ausgenommen wurde. Grundbesitzer Moriz L v v y spendete zur Realisirung der erwähnten Absicht tausend Gulden. Demnächst wird in derselben Angelegenheit eine zweite eingehendere Berathung stattfinden. Berlin. Das Urtheil, das der conservative und orthodoxe „Reichsbote" über Herrn v. Hammerstein, wenn auch nur bedingungsweise abgibt, ist in der gönn äußerst scharf. Es ist in dieser Zeit manch' kräftig Wörtlein über den früheren Chefredakteur der „Kreuzzeitung" gesagt worden, aber energischer ist kaum Jemand gegen ihn vorgegangen, als der conservativ-orthodoxe „Reichsbote", der in Anknüpfung an die auch von uns wiedergegebene Mittheilung über die Briefsammlung des jetzt steckbrieflich verfolgten Freiherrn schreibt: „Wenn diese Nachricht wirklich richtig ist, so läge der V e rtr auen sbruch auf Seite des Herrn v. Hammersteiii, der die an ihn gerichteten Bri-fe sammelte und nunmehr an einen socialdemokratischen Schrift st eller verkaufte. Das wäre dann allerdings ein so ruchloser V e r t r a u e n s b r u ck, daß wir ihn selbst bei einem Verbrecher wie Herrn v. Harnmcrstein zunächst nicht glauben möchten. Allein, daß der Mann alle vertrau! chen Privatbriefe sammelte, läßt a u f n i ch t s G u t e s s ch l i e ß e n. das entsprach seiner bekannten Methode des „sz-estnogelns". So Hat er nickt blos seine Gegner, sondern e r st r e ch t a u ch s e i n e F r e u n d e „festgenagelt" und welches Unheil können nun die Socialdemokraten mit diesen Briefen anrichten! Bestätigt sich auch die obige Nachricht noch, so gibt es kein Urtheil, welches hart genug wäre, um es über einen Mann, der zu solchen Schändlichkeiten fähig wäre, zu fällen!" Während der „Reichsbote" dergestalt gegen Herrn von Hammerstein vorgeht, sucht ihn die „S t a a t s b ü r g e r z t g." wie folgt zu entlasten: Wie wir aus guter Quelle hören, ist es allerdings Thatsache, daß sich in den Händen der Gegner eine Ileine Zahl von Briefen befindet, die seinerzeit dem Herrn v. Hammerstein g est o h l e n wurden, und zwar von einer sogenannten Gouve rnante, mit der er ebenso wie mit einer anderen Dame j ü dis che r A bstamm ung u nlautere Beziehungen unterhalten hat. Diese Gouvernantewurde von den politischen Gegnern v. Hammerstein's bestochen, stahl ihm die Briese und verkaufte sie an ihre Auftraggeber um eine erhebliche Summe. Wie die „Leip;. N. Nachr." wissen wollen, reiste Hammerstein selbst der Diebin in die Alpen nach und suchte nni jeden Preis wieder in den Besitz der Documente zu gelangen. Es w ar j li spät und hiermitwar auch sein Schicksal besiegelt. Erst jetzt schritt er zu den bekannten Wechselfälschungen, durch die er sich die Mittel zu einer weiteren ehrlosen Existenz verschafft?. „Erst jetzt" —ist geradezu classisch. Also ist die „jüdische" Gouvernante, mit der Hammerstein nach der „Staatsbürgerztg." ..unlautere Bestehungen" unterhalten, Schuld daran, daß er Wechsel gefälscht hat! Der gläubige Leser des Antisemiten¬ Seite 777 organs aber sieht wieder den Ersahrungssatz bestätigt, daß alles Unglück von den Juden kommt. Paris. Die Herren von Rothschild haben der Regier ung 100.000 Frcs. für die verwundeten und dienstunfähigen Soldaten in Madagascar übergeben. London. In einflußreichen jüdischen Kreisen trägt man sich mit dem Gedanken, die Lage der rumänischen Juden vor jene Conferenz zu bringen, welche im Zusammenhänge mit der armenischen einberufen werden soll. Nach Artikel 45 des Berliner Vertrages wurde die Unabhängigkeit Rumänin s ausdrücklich unter der Bedingung anerkannt, daß die rumänische Regierung den in Rumänien lebenden Juden volle runänische Bürgerrechte gewähren sollte. Diese Bedingung wurde bekanntlich von der rumänischen Regierung dadurch umgangen, daß der Oberste Gerichtshof in Bukarest das Urtheil fällte, die Juden seien Fremde und daher allen jenen Gesetzen unterworfen, welche Ausländer von dem Rechte ausschließen, Grund und Boden in Rumänien zu erwerben. Wie wir hören, wird im Berichte Sir John Walsham's an das Auswärtige Amt in London behauptet, duß die Nachrichten über die Judenverfolgungen in Rumänien sehr viele Uebertreibungen enthalten. Aber diese Behauptungen werden bestrilten, und die ganze Angelegenheit wird im englischen Parlamente zur Sprache kommen, unv eine neue Untersuchung der ganzen Angelegenheit wird eingeleitet werden.. Wie immer aber sich das Ergebniß der Untersuchung gestalten möge, so werden doch jetzt schon energische Schritte gethan, um den jüdischen Interessen in Rumänien für den Fall einer Revision des Berliner Vertrages die gleiche Ausmelksamkeit der Mächte zuzuwenden, welche der armenischen und wacedonisch, u Finge gezollt wird, und da die rumänischen Wallachen einen sehr beträchtlichen Theil der Bevölkerung von Maeedonien bilden, so wird es nicht an - dem nöthigen diplomatischen Nachdruck fehlen, um die Bukarester Regierung nachgiebig zn stimmen. Odessa. Am 15./27. d. M. begeht das hiesige Bankhaus O. Chayes die Feier seines fünsundzwanzigjährign, Bestehens. Der Chef der Firma, Herr Ofias Chayes, stellte sich gleich bei Beginn die sckwierige Ausgabe, dem Geschäfte in Fonds, welches hier sehr wenig entwickelt war, größere Ausdehnung zu geben. Das Vertrauen, das ihm hierbei entgegengebracht wurde, wuchs im dem Maße, als seine streng solide Art und Weise, die Geschäfte zu leiten, an den Tag trat und schrittweite, ohne jemals der Versuchung zur Speculation anheimzufallen, verstand es Herr C b a y es. von seinem langjährigen Mitarbeiter Herrn T. Schwartz thatkräftig unterstützt, seinem Hanse Ansehen und Bedeutung zu verschaffen und zu den ersten Bankinstituten Europas in engere Beziehung zu treten. Aber auch in anderer Richtung hat sich Herr Chayes hervorgethan, und seine Verdienste um die Stadtverwaltung, der er seit zwei Decennien als Gemeinderath angehört haben ihm die Sympathien aller seiner Mitbürger ohne Unterschied der Confession erworben und ebenso bewährte er sich in seiner Eigenschaft als Börsenvorstand und Handelskammerrath. Von besonders durchgreifender Wirkung waren seine steten Bemühungen. Noth und Elend zu lindern. Die jüdische Gemeinde verdankt ihm Vieles aus dem Gebiete der Wohlthätigkeitspflege und sie brachte es am treffendsten zum Ausdruck, als sie ihm einstimmig dazu erkor, sich in ihrem Namen den kaiserlichen Majestäten vorzustellen, um die Glückwünsche zu deren Thronbesteigung darzubringen. Ueberblickt man nun die ersprießliche Wirksamkeit des Herrn Chayes im Verläufe eines Vierteljahrhunderts, so darf man wohl sagen, daß ihm die hervorragende Stellung, die er einnimmt, mit Fug und Recht gebührt. Moritz Perlmutter. Ans Rußland. Die „leitenden" antisemitischen Organe in Rußland unterscheiden sich von ihren ausländischen Hetzcollegen dadurch, daß sie manchmal aus ihrer Rolle fallen und anstatt zu bellen plötzlich zu „lecken" anfangen. Der „Grashdanin" z. B. hat gar oft den Spieß, an dem er die Juden so weidlich briet, unversehens gegen die Judophoben und ergo gegen sich selbst umgedreht: aber auch seine nicht minder ehrenwerthen Genossen pflegen, bei besonderen Gelegenheiten, diese unberechenbare Manipulation mit mehr oder weniger Geschicklichkeit anszuführen. In jüngster Zeit hat die

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