Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 42 (18.10.1895)
- Date
- 1895-10-18
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seile 778 Dr. Blvch's Wotsteilschrist. „urbrave", judenfeindlichste „Nowoje Wremja“ einen solchen Beweis von „edler Selbst v e r l e u g nu n g" geliefert. Dieses Blatt ist nämlich nicht gut zu reden aus die gegenwärtig so sehr bemitleideten Armenier, und in einerzornigen Philippica gegen dieses ihm verhaßte Volk entschlüpfen dem Antisemitenblatt folgende „unverzeihliche" Sätze: „Die armenische Masse ist sehr roh und sehr unwissend. Wäre sie so arm, wie unsere j ü d i s ch e M a s s e, so könnte man sich darüber nicht wundern, aber die Armenier sind kein armes, sondern ein sehr reiches Volk". (So spricht die ..Nowoje Wremja“, die stets die Armuth der jüdischen Bevölkerung im „Ansiedelungsrayon" hartnäckig leugnete!) Ferner: „Auch der jüdische Wucherei- Hat entschiedene Vorzüge vor dem armenischen Wucherer: der Jude wagt wenigstens, ja das Risico übt auf ihn einen besonder» Reiz aus, während der Armenier ruhig und sicher .»arbeitet", bei ihm heißt es: „Bitte das Pfand, dann bekommen Sie das Geld, — einen andern „Credit" kennt der armenische Darleiher nicht". Und so stellt die .. Nowoje Wremja-1 auch in andern Punkten die Juden den Armeniern gegenüber, wobei sie sich als regelrechte Vertheidigerin der russischen Juden entpuppt — um natürlich in der nächsten Nummer die alte Rolle wieder aufzunehmen. Uebrigens scheint es, daß für unsere Hetzpresse jetzt „traurige Zeiten" gekommen sind. Sie leidet nämlich ganz entsetzlich an Stoffmangel. Und so dürfen wir uns nicht wundern, wenn dieselbe „Nowoje Wremja“ in ihrer neuesten Nummer aus Verzweiflung sich an die alte Legende vom Kahal klammert. Der Kahal — d. h., die jüdische Gemeindeverwaltung — ist bei uns längst aufgehoben und die Verwaltung der jüdischen Gemeinden liegt ausschließlich in den Händen der Municipalitäten, in welche kein Jude gewählt werden darf. Das störte aber unsere Judophoben nicht in: Geringsten, den längst entschlafenen Kahal von Zeit zu Zeit anzurempeln und ihren stumpfsinnigen Lesern einzureden, daß dieser sürchterliche Kahal,der trotz aller kaiserlichen Aufhebungsdecrete noch immer im Geheimen existire, eine Art weitverzweigtes Vehmgericht sei, der natürlich mit der berüchtigten „Alliance israelite“*) in directer Verbindung stehe und dessen gefährliche Thätigkeit darin bestehe, geheime Vorschriften an die Juden zu erlassen, wie man Christenkinder zu schlichten habe, wie man den Juden unliebsame Herrscher und Staatsmänner beseitigen soll, und überhaupt wie die Juden am leichtesten die Weltherrschaft an sich reißen sollen. So zn lesen in der „Nowoje Wremja“ vom 7. October, als Commentar zu dem jüngst aufgetauchten Gerücht von der nahe bevorstehenden Abschaffung der »jüdischen Fleischsteuer (sogenannte Korobka-Steuer). Die Fleischsteuer ist nämlich eine alte Schöpfung der russischen Regierung, und als solche ist sie selbstverständlich irrationell und inhuman — denn diese Steuer trifft nur die armen Juden. Abgesehen davon, werden die ungeheuren Einnahmen dieser vom Fiscus verwalteten Steuer, die laut dem Gesetze ausschließlich zu jüdischen Zwecken verausgabt werden sollen, zu allem Möglichen, nur nicht zu jüdischen Zwecken verwendet (was ich in früheren Artikeln in der „Oesterreichischen Wochenschrift" mehrmals durch Facta bewies). Und so ist's ganz natürlich, daß gerade die Juden die eifrigsten Bekämpfer dieser ungerechten und irrationellen Steuer waren und sind, mrd gerade die jüdische Presse in Rußland fleht seit Jahr mrd Tag die Regierung an, diese Steuer doch endlich abzuschaffen, und anstatt derselben eine Cultussteuer *) Vor einiger Zeit brachten mehrere russische Zeitungen folgende verblüffende Nachricht: Die Errichtung einer hebräischen Universität in Jerusalem steht nahe bevor; in der Redaction der Zeitung „Alliance israelite universelle“, sind bedeutende Spenden zu diesem Zweck eingelaufen u. s. w. Also viele Preßorgane in Rußland. wißen nicht einmal, daß die „Alliance israelite“ keine Zeitung ist — aber das stört ja nicht, losfchimpfen kann man ja immerhin daraus. SU. 42 einzuführen, wie sie im Auslande und auch in Warschau besteht. Die „Nowoje Wremja“ aber ignorirt vollständig alle diese Thatsachen, die doch auch ihren stumpfsinnigsten Lesern bekannt sein müssen, und in dem genannten Artikel sucht sie ihren Lesern weiß zu machen, daß die Regierung die Fleischsteuer nur deswegen abschaffen will, um dem jüdischen Kahal seine Hauptstütze zu nehmen! Mit der eisernsten Stirn von der Welt betheuert dieses wahrheitsliebende Blatt, daß die kolossalen Einnahmen der Korobkasteuer direct in die Hände des Kahalls fließen, der sie natürlich zu seinen anti-christlichen und anti-culturellen Zwecken verwendet und der überhaupt durch diese bedeutenden Hilfsmittel zu einer gewaltigen Macht geworden ist, die nicht nur Christen, sondern auch renitente Juden unbarmherzig tyrannisirt!! Mit andern Worten: Die Krone, in deren Händen die Verwaltung der Korobkagelder liegt, und die dieses jüdische Geld eher zu Kirchenbauten, als zu jüdischen Zwecken hergibt, wird von der Nowoje Wremja" als Complice des — nicht existirenden Kahalls hingestellt — ja, anders läßt sich der Galimathias des genannten Artikels (der in dem Weltblatt als — Leitartikel gedruckt wird!) nicht deuten. Uebrigens sei hier gleich mitgetheilt, daß der „Woschod" (Organ der russischen Juden) die eventuelle Abschaffung der Fleischsteuer in dem Leitartikel seiner neuesten Nummer mit Hellem Jubel begrüßt. Ist das nicht unverschämt? — Und dazu ist noch derWoschod-Artikel einen Tag vor dem,,Nowoje Wremja“-Artikel erschienen! Mit knirschenden Zähnen registriren die antisemitischen Blätter die (wirklich wahre) Nachricht, daß aus Verfügen des Unterrichtsministers 28 Juden mehr als der Procentsatz ausmacht, in die Odessaer Universität ausgenommen wurden. (Laut Procentsatz konnten nur 11 Juden ausgenommen werden; thatsächlich wurden aber 39 immatriculirt). Uebrigens sind in diesem Jahre auch in den anderen russischen Universitäten viele jüdische Studenten ü b e r die Norm ausgenommen worden. Auch die Odessaer Commerzschule erhielt vom Minister die Erlaubniß, 20 Juden über die Norm aufzunehmen. In Nischny-Nowgorod findet nächstens eine „allrussische" Ausstellung statt. Um auch jüdische Exponenten anznziehen, hat die Regierung denselben den Aufenthalt in dieser außerhalb des jüdischen Domicilrayons liegenden Stadt für die ganze Ausstellungsperiode gestattet. Diese Vergünstigung genießen aber nur die jüdischen Exponenten allein und darf sie nicht auf ihre Bevollmächtigten, Commis w. übertragen werden. In Folge des außerordentlichen Anwachsens der jüdischen Bevölkerung in Warschau (hauptsächlich durch die Ausweisungen aus Moskau) wird in nächster Zeit eine neue große Synagoge dort errichtet werden. Die Geldmittel sind schon gesammelt und das Grundstück ist schon gewählt, jetzt wartet man nur auf die obrigkeitliche Bestätigung. Ein Correspondent des „Woschod" aus Lodz erzählt, daß die Direction der dortigen jüdischen privaten Töchterschulen, mit besonderer Vorliebe n i ch t-jüdische Lehrerinnen in ihren „Instituten" anstelle», nicht etwa weil die jüdischen Lehrerinnen den christlichen in irgend welcher Hinsicht nachstehen, sondern weil christliche' Lehrerinnen eine vorzügliche Reclame für eine jüdische Schule sind, und das Renommee derselben dadurch in den Augen der jüdischen Eltern sehr viel gewinnt. ... Es ist eine alte Geschichte, eine traurige aber wahre. Ego. E. B. Wien« (Oberst Ritter von Eiß) Commandant des 14. Landwehr-Jnfanterie-Regimentes in Brünn, ist nach wehr als vierzigjähriger Dienstzeit, während welcher er durch mehrere Orden ausgezeichnet und geadelt wurde, um Pensionicuug eingeschritten. Oberst v. Eiß functionirtelängere