Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 42 (18.10.1895)
- Date
- 1895-10-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Htf*MwroerTTi-ni-t-|-|T|| h. , „ Nr. 42 Dr Bloch's Wochenschrift. Seite 773 Nicht wie's ein Bürgerlicher thut! Man muß im Gegentheil sagen: Er har gewissermaßen geruht, Es gnädig zu unterschlagen. Und fälschte er einen Wechsel nun dann, Wat's keiner von hundert Kronen, Das könnt' einem außergewöhnlichen Mann Nicht passen und auch nicht lohnen. Er fälschte ein solches Werlhpapier Nicht kleinlich, er fälschte verwegen, Großartig war seine Fälschungsmanier, Umfassend ein ganzes Vermögen. Und wie er durchging! Man kann's nicht genug Bewundern. In erster Classe Saß er, und zwar im Durchgangs zu g? Mit richtig visirtem Passe. Das ist ein Mann! Verehreii still Wird meine Partei seinen Namen. Her mit dem Steckbrief! Aushängen will Ich ihn unter Glas und Rahmen. Das Hamansfest in Limanowa (Galizien). Bon Carl Wilhelm Hanama (Saybusch). Am letzten Faschings-Dienstag war die kleine Bezirksstadt Limanowa, drei Meilen nächst Neu-Sandec, der Schauplatz einer eigenthümlichen Bolksfeier. Das Hamans-, auch Purimfest, sonst nur bei den Juden gebräuchlich (zur Erinnerung an den Tod Haman's, eines Gunstlings des sagenhasten persischen Königs Ahasverus, welch letzteren er zur Ausrottung der Juden bestimmen wollte, selbst aber durch Esther und Mardochai mit dem Tode am Galgen gestraft wurde), fand dort bei der christlichen Bevölkerung Eingang und wird am Faschingsschluß als eine Art Volksbelustigung gefeiert. Am Nachmittage versammeln sich an einem verabredeten Orte 30—50 dem Handwerkerstände angehörende junge Burschen, maskirt, in Atlas-Kaftan und Pelzmütze (Tracht der orthodoxen Inden), welche Kleidungsstücke denselben von dortigen Israeliten recht willig geliehen werden. Ein für diesen Zweck vorbereiteter, aus Stroh verfertigter und in alte Lumpen gekleideter Mann (Haman) wird herausgeholt, auf einen kleinen Handwagen gesetzt, und nun beginnt der Umzug durch die Straßen. An einzelnen Orten bleibt die Gruppe stehen, und es werden uni den Wagen herum Tänze unter Begleitung einiger auf die Bedeutung der Feier bezüglicher Gesangsstücke aufgeführt. Die Darsteller werden dann meist bewirthet oder bekommen kleine Geldgeschenke. Nach dem über eine Stunbe andauernden Umzuge wird schließlich auf dem Ningplahe in der Nähe einer zu diesem Zwecke seit Jahren befindlichen Holzsäule Halt gemacht, durch einen Aeltestcn die Anklageschrift vorgelesen, sodann das Todesurtheil gefällt, und unter Gesang und Jubel der Menge der Haman an der betreffenden Säule (Galgen) gehängt. Sodann wird die Figur abgenommen, wieder auf den Handwagen gelegt, und man fährt mit ihr zu dem vor dem Städtchen befindlichen Flusse, von dessen Brücke die Leiche des Stroh-Haman's in das Wasser geworfen wird. („Zeitschrift für Oesterreichische Volkskunde"). Und nochmals der Ritualmord. Wieder spürt man aus einem Winkel Ungarns den Pesthauch der schwarzen Legion wehen. Die Garant« Kis-Süllüer Kindesleiche alarmirt die dortige Bevölkerung. Wie jedoch „M.-Ujsag" berichtet, unterscheidet sich die Angelegenheit in Nichts von den bisher bekannten. Die Kleine ist verunglückt, die Juden konnten sie gar nicht gesehen haben, unbekannte Hetzer haranguiren das Volk, der Vater trinkt und hat auffallend viel Geld! Doch die Zeiten von Tißa-Eßlar sind hoffentlich in Ungarn für immer vorüber! armen Schuldner auszupfänden, wenn er dessen Handschrift in Händen hat? Gebt ihr den Dürftigen oder fordert ihr nicht vielmehr Steuern von ihnen? Wenn ihr nun als Staat gerade das Gegentheil von dem thut, was das Christenlhum lehrt, wie könnt ihr ein christlicher Staat sein? Die Einzelnen mögen, können und sollen Christen sein, der Staat ist keine christliche, sondern eine weltliche, auf das starre Recht und den Nutzen gerichtete Anstalt. Er ist nur insofern christlich, als dieses mit dem menschlichen zusammentrifft." Gin Wort des sel. Dr. Ad. Jellinek über die Wahl des Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch. Es war vor der letzten Reichsrathswahl. Tie antisemitischen Blätter machten im wohlverstandenen Interesse ihrer Partei die krampfhaftesten Anstrengungen, die Wahl Dr. Bloch's zu Hintertreiben. Dazu fanden sie — wie Inserenten und Abonnenten — auch Adhärenten unter Leuten, die sich Juden nennen. Ja, ein jüdisches Provinzblatt brachte einen Leit- oder Leidartikel, der klar zeigte, wie man die Wichtigkeit, einen Alaun vom Wissen und von der Unerschrockenheit des Dr. Bloch im Reichsrathe zu besitzen, dannr jede Lüge frisch und warm widerlegt werden könne am Thatorte selbst, ehe sie unangefochten in die ganze Welt hinanstelegraphirt wird, noch nicht ganz zu würdigen wußte. In jenen Tagen kam ich zufällig mit dem sel. Geistesheros zusammen, der das Judenthum nicht nur von der Kanzel so warm zu predigen verstand, sondern damals auch allwöchentlich einen Leitartikel in der „Neuzeit" veröffentlichte. Ich fragte ihn, ob es nicht am Platze wäre, über die Reichsrathswahl in Koloniea einen Artikel zu schreiben. Er dachte einen Augenblick nach: dann sagte er kurz: ..Sie werden meine Meinung hierüber diesen Samstag lesen." Samstag öffnete ich mit Spannung das Blatt, fand aber den. versprochenen oder vielmehr erwarteten Artikel nicht. Schon wollte ich das Blatt wieder bei Seite legen, als ich im Briefkasten au meine Adresse folgende kurze, prägnante, aber wirklich erschöpfende Worte las: „Tie Wahl des Tr. B l o ch z u m R e i ch s r a t h s a b g e o r d n e t e n i ft eine s)i v t h w e n d i g k e i t f ii r d a s I u d e n t h n in." Mit diesen wenigen Worten ist wirklich die Bedeutung der Wahl in Kvlomea trefflich gekennzeichnet. Wer dies nicht einsieht, denke sich die Redeil der L u e g e r, S ch n e id er, Bergani w., die ja täglich zahlreicher werden ohne die treffenden Erwiderungen nuferes fv gelehrten, wachsamen, unerschrockenen Dr. B l o ch. Was hätte aus der Blntbeschnldigung durch den schändlichen, russischen Apostaten werden können, wenn nicht Tr. Bloch unter aufreibender Aufopferung seiner Rübe bei Tag und bei Reicht an der Entlarvung des Bubenstückes gearbeitet hätte, so daß der schändliche Attentäter der strafenden Gerechtigkeit anheimgefallen ist. Ja ei n e N o t h w e n d i gk e i t f ü r das I u d e n t h u m i st di e W a h l des Tr. B loch i n K o l o m e a, das bedenke jeder Wähler in diesem Wahlkreise, das bedenke aber auch jeder Jude, wenn man, seinen Ehrgeiz mißbrauchend, mit der Versuchung au ihn herautritt, ihn für einen i lautern?» Wettbewerb um das Kolonreaer Mandat zu gewinnen. Zum Verbrechen, Tr. Bloch uns rauben zu wollen, würde ja nach aller Wahrscheinlichkeit die Lächerlichkeit kommen, dies nicht gekonnt zu haben. Also seid in Kolomea eingedenk des Wortes des sel. Dr. Adolf I e l l i n ek s, Oberrabbiners der Wiener Cultusgemeinde. P r a g. Dr. K i s ch. Die Antisemiten aller Schattirungen werfen mit dem Losungsworte „christlicher Staat" nach berühmtem Muster um sich. Diese hohle Phrase charakterisirt Franz Grillparzer folgendermaßen (sämmtliche Werke. Stuttgart, Bd. 12. S. 60): „Wenn man nur vom christlichen Staate spricht, so möchte ich die Gewalthaber fragen: wenn man euch einen Backenstreich gibt, haltet ihr die andere Wange hin? Liebt ihr eure Feinde oder schlagt ihr sie nicht vielmehr tobt? Setzt ihr euren Bortheil dem eurer Nächsten (der benachbarten Völker) nach? Erlaubt ihr nicht dem reichen Gläubiger, den \ Ter Odefsaer Zar. Unter diesem Titel erzählen oie j Münchner „Neuesten Nachrichten" von dem früheren Generalgouvernenr! von Odessa, P. A. S e l e n y, u. A. folgende ergötzliche Geschichte: j „Eines Tages kommt der Gouverneur in den öffentlichen t Garten, in welchem nach seinem Befehle den Juden der Eingang ver-! boten ist, und bemerkt einen Menschen, der auf einer Bank saß nnd - die „Frechheit hatte, ihn nicht zu begrüßen. „Die Mütze ab!" schrie! ihn Seleny an. — „Wer sind Sie denn?" fragte der Mann. — „Ich? j Seleny." („Seleny" heißt russisch grün.) — „Es ist die höchste Zeit, j daß Sie reif werden," antwortete der Unbekanute. — „Wie unterstehst! Du Dich, solche Frechheiten zu sprechen? Du jüdische Fratze!" schrie - aus vollem Halse Seleny. — „Erstens dürfen Sie zu mir nicht ,2»' sagen, zweitens bin ich keine .Fratze', sondern ein eben solcher ,General'