Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 42 (18.10.1895)
- Date
- 1895-10-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ress««» *. «sassRSfc- •» 3SE3«Bss*«>.»-'»ss**@t Nr. 42 Classen ititb ließ sich hiervon weder durch meine eindringlichen Vorstellungen, noch durch den Reeurs,des hiesigen Cullusvorstandes abbringen. Die Gründe, die mir der Landesschulrath in einer mehrstündigen Conferenz für sein Vorgehen angab, habe ich bekämpft, ich halte sie noch immer für nicht stichhältig, aber sollte darum das große, lang und immer vergeblich angestrebte Werk eines obligaten einheitlichen Lehrplanes scheitern? Der Landesschulrath hatte mir als Material für meine Arbeit einige vierzig Lehrpläne übergeben, die er durch die Directionen von den israelitischen Religionslehrern an höheren Schulen des Landes eingefordert hatte. Nun, wer diese Pläne gesehen und mit einander verglichen hat, der wird wissen, warum auch der mangelhafteste, einheitliche Lehrplan diesem chaotischen Tohuwabohu vorzuziehen ist. Zuletzt braucht aber auch nach dem nunmehr genehmigten Lehrplan ans den geschichtlichen Unterricht nicht ganz und gar verzichtet zu werden. Ich habe von jeher darauf gedrungen, daß in diesen! Unterrichte eine Reihe von Biographien der bedeutendsten Männer aller Zeiten gegeben werde. Nun sind in jenen drei Classen nach dem Plane die Piske-Abot zu lesen und zu erklären, und welcher nur halbwegs erfahrene Lehrer wird nicht bei der Nennung von Namen*wie Rabi Jehuda Hanasi, Simon ben Gamliel, Rabi Akiba, Rabi Meier re. re. fast den größten Theil der älteren nachbiblischen Geschichte daran zu knüpfen wissen? Es kommt also wie bei allen Disciplinen mehr auf den Lehrer als auf den Lehrplan an. Die Freude und die Genugthuung, bei der Fixirung eines einheitlichen Lehrplanes für den israelitischen Religionsunterricht an den Mittelschulen mitgewirkt zu haben, lasse ich mir durch wohlfeiles Kritisiren nicht verkümmern, und auch dem hohen Landesschulrath gebührt, trotz des kaum begreiflichen Widerstandes gegen Ertheilung des nachbiblischen Geschichtsunterrichtes in den 3 oberen Classen, herzlicher und aufrichtiger Dank. Der nächste Schritt wird, wie wir vernehmen, der Einführung einheitlicher Lehrbücher gelten. Dr. Jechezkel Caro _ Rabbiner. Gin letztes Mort ju dem Artikel „Der Religionsunterricht und die Apostasie". Der Umstand, daß Herr Schulhof in feinem in Nr. 40 dieses geschätzten Blattes abgedruckten Artikel meine bescheidene Person in nicht gerade schmeichelhafter Weise in Discussion steht, nöthigt mich, wider meinen Willen in dieser Angelegenheit noch einmal das Wort, rcspective die Feder zu ergreisem Die Gewohnheit ist die zweite Natur, möchte ich sagen — sogar lateinisch, wenn ich nicht die Ironie des Herrn Schulhof fürchtete — und in Consequenz dieser zweiten Natur hat Herr Schulhof einen schulmeisternden Ton mir gegenüber angeschlagen, der speciell in Betracht meines in Nr. 39 veröffentlichten Artikels nicht am Platze zu sein scheint, und aus diesem Grunde muß ich mich dagegen auf das Entschiedenste verwahren. Ich habe in meinem erwähnten Artikel in streng sachlicher Weise — vielleicht nicht in ganz concilianter Form — den Vorwurf zurückzuweisen versucht, als ob der jüdische Religionsunterricht in Wien schuld daran wäre, daß soviele'M i t t e l s ch ü l e r sich confessionslos erklären lassen. Herr eanä. meä. Pollak hat in Ergänzung und Uebereinstimmung mit meiner Anschauung in weltmännischerer Weise seiner Auffassung Ausdruck gegeben. Und da kommt ein Wiener R e l igionslehrer und irouisirt diese aus reinem Interesse für die gute Sache unternommenen Bestrebungen und vindicirt mir aus der Lust gegriffene, an den Haaren herbeigezerrte Fehler, in der Form, im Inhalte und im Stile meines Aufsatzes. Wie ungereimt diese Handlungsweise des Herrn Schulhof ist, mag der verehrte Leser ans dem Nachfolgenden erkennen. Nach einer seiner Genugthuung über das lebhafte Interesse, welches an der Sache in weitere Kreisen genommen wird, Ausdruck gebenden Einleitung kommt Herr Schulhof auf den unglückseligen F. K. zu sprechen, der seine Polemik nicht mit vollem Namen gefertigt hat. — Gleich hier will ich einen Jrrthum constatiren. Mein Aufsatz ist entschieden keine Polemik, sondern nur ein Ausdruck der Empörung über die Frivolität, mit welcher ein triftiger Grnnd für die so traurige Erscheinung des Abfalls seitens junger Leute vom Glauben der Väter gewaltsam herbeigezogen wird. Und wenn ich im Gegensätze hiezu den mir einzig richtigen Grund, nämlich die unjüdische Erziehung, furchtlos an den Tag gebracht habe, wer könnte mich deshalb tadeln?! Seite 771 Ist das eine Polemik? Und was hätte es der Sache genützt, wenn ich meinen vollen Namen darunter gesetzt hätte — hätte der Artikel an Authenticität gewonnen oder verloren? Ich habe gerade, um die Unparteilichkeit zu wahren, den Artikel als Anonymus eingesendet und verzichte gern auf die Bortheile oder Nachtheile, die mir als Verfasser meines Artikels in Nr. 88 durch das Bekanntwerden in dem weiten Leserkreise dieses Blattes winken. Und hier ergreife ich die Gelegenheit, zu constatiren, daß aus diesem meinem Artikel durchaus nicht auf meine Qualifaction als Gelehrter, Philosoph, Phikolog, Hebräer, Pädagog, ja nicht einmal als Religionslehrer, geschweige denn Wiener Religionslehrer — geschlossen werden kann. Herr Schulhof hat sich aus ganz unbestimmten Andeutungen mit lebhafter Einbildungsgabe ein Phantasiegebilde eines Religionslehrers, wie er n ich t s e i n s o l l, construirt und prüft die Schärfe seines „Flederwisches" daran, um auch seine pädagogischen Vorzüge leuchten zu lassen. Denn hat er auch nur im Geringsten versucht, oder ist es ihm ge'ungen, mich zu widerlegen? Hat er plausibel gemacht, daß meine Vorwürfe bezüglich der häuslichen Erziehung auf „Nichts" basiren? Nein! Er hat nur den naiven Idealisten hervorgekehrt, der mit ernster Miene behauptet, man könne Kinder in jährlich höchstens Ivstündigem Religionsunterrichte zu treuen Anhängern des Ludenthums machen, ohne vom Hause aus moralisch oder in religiöser Beziehung irgendwie gestützt zu werden. Vor mir liegen die Lehrpläne des Religionsunterrichtes für sämmtliche Schulkategorien Wiens und Prags. Ein oberflächlicher Vergleich besagt, daß in Wien unverhältnismäßig weniger verlangt wird, als in Prag. 140 Verse aus Genesis in Prima! In Secunda bis Quarta nicht mehr aus den entsprechend höher numerirten Büchern Mosis. Im Obergymnasium ein b'deutend geringerer Lehrstoff als in Prag. Da lass.n sich factisch recht schone Erfolge erzielen, da ist auch, Zeit genug für fesselnde, begeisternde Borträge. Und' warum dennoch diese Unlust zum Lernen des religiösen Lernstoffes? Und warum dennoch die massenhaften Fälle von — ait venia verbo! — Apostasie? Eine Nachlässigkeit seitens der Wiener Religionslehrer, oder allzu große Strenge, oder Gewissenlosigkeit — ist ausgeschlossen, denn da gibt es ein musterhaft ausgebildetes Jnspectionssystem; der Lehrstoff ist gering — das steht ein für allemal fest; folglich muß unbedingt die häusliche Erziehung, und nur diese daran schuld sein. Herr Schulhof ist freilich anderer Meinung. Er hält dafür, daß Religionslehrer, die in meinem Sinne wirken, viel verschulden. Ich habe unser hundertfach schwierigeren Verhältnissen zu unterrichten als Sie, indem ich, obwohl deutsch erzogen und obgleich ich deutsch studirt habe, an czeckischen Schulen wirke, und trotzdem Erfolge, und zwar bessere Erfolge erziele — nicht nur ich, sondern wir Alle in Böhmen, als Sie mit Ihrer großen pädagogischen Bortrrfflichkeit. Beweis dessen, daß, während in Wien jährlich so und so viele Schüler sich als confessionslos erklären, in Prag und an Provinzgymnasien seit 14 Jahren kein einziger derartiger Fall vorgekommen ist; ja, daß ein Schüler, dessen Baterund ältere Geschwister sich protestantisch taufen ließen, unterThränen seinem Religionsprofessor spontan erklärte. seinem angestammten Glauben treu zu bleiben. Und — soweit eine llebersicht möglich ist — kann man kühn behaupten, daß die Mittelschüler in Prag, trotz Strenge, ihre Religionslehrer lieben und achten. Und der Grnnd zu dieser Erscheinung? Sind die Prager Religionslehrer bessere Pädagogen? Der Unterschied dürfte nur ein geringfügiger sein! Aber in Böhmen, speciell auf dem Lande, woher sich die weitaus größere Meb'- zahl der Mittelschüler recrutirt, wird noch das wahre Judenthum gelehrt und was noch vielmehr bedeutet, zu Hause gelehrt, und das Kind erhält sich, vom Hause und vom Lehrer religiös und moralisch gestützt, auch als Mittelschüler aut dem jüdischen Standpunkte. Das ist die Wahrheit über diese Angelegenheit. Was Herr Schulhof über meinen Stil und das „Sich auffshohe Roß setzen" sagt, beantworte ich mit Stillschweigen. Daß ich seiner pädagogischen Zuchtruthe entwachsen bin, mögen die geehrten Leser selbst beurtheilen. F. K. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Nemesis der Grazer Schachthetze. In einem Punkte ist bekanntlich die Hauptstadt der grünen Steiermark der Kaiserstadt an der Donau weit voraus: Graz hat bereits seit zwei Jahren eine antisemitische Gemeinderaths-Majorität, während Wien sich einer so ehrenvollen Thatsache erst seit wenigen Wochen rühmen kann. Demgemäß hat denn auch der Grazer Gemeinderath bereits eine Reihe von Heldenthaten begangen, durch welche die Wiener Stadtvertretung die Mitwelt erst in staunende Bewunderung zu versetzen haben wird. Eine dieser Heldenthaten ist der Beschluß, das rituelle Schächten im Gemeindegebiete zu verbieten. Die Regierung hat freilich den Beschluß nicht ratificirt, aber der gute Wille des Grazer Gemeinderathes, den Juden den Genuß rituell geschächteten Fleisches unmöglich zu machen, steht über allem Zweifel erhaben da. — Aber ach, der Grazer Gemeinderath erlebte in diesen Tagen einen entsetzlichen Schmerz — er selbst mußte das rituelle Schächten im Großen anordnen. Die steiermärkische Dr. Blvch's Wvchrnfchrif;