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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-18 · 42 (18.10.1895) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 770 Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift. trügerischer Weise für einen Fabrikanten ausgibt und unter schwindelhaften Anpreisungen mit seinen „aus einer Sensenschmiede" bezogenen Schundwaaren zu übertrieben hohen Preisen das Bauernvolk betrügt. Die Denuncianten bitten die Polizei, sich das Geschäftsgebahren Adolf Münzep's näher anzusehen, sich dessen Handelsbücher und Correspondenzen vorlegen zu lassen, und sie werde gewiß zu der Ueberzeugung gelangen, daß mit Rücksicht auf solche Geschäftspraktiken nicht mit Unrecht eine Gesetzesvorla ge zur Bekämpfung des „unlauteren Wettbewerbes" im Reich s ta g e eintj e* bracht wurde. Weiler heißt es in der Eingabe, Adolf Münzer sei ein g a l izisch er In d e, heiße Abraham und habe sich nur f ä l s ch l i ch e r W e i s e den Namen Adolf angeeignet, um so leichter seinen Prospekten — obwohl selbst Jude — eine n antisemitischen A nstr i ch (! H) zu geben; er unterhalte ferner in Köln einige Bazare, verschaffe sich seine Maaren mit Hilfe einiger anrüchiger Auskunftsbureaux auf Credit, habe selbst kein Vermögen, stamme von bettelarmen Eltern und es wären ihm gegenüber die verschärften Gesetze gegen die Einwanderung ausländischer Juden nur zu sehr angebracht. Dies der wesentliche Inhalt der acht Seiten langen Eingabe an die Kölner Polizei — dies die Münze, in welcher Münzer & Comp, ihren Dank dafür abstatten, daß Adolf Münzer seine Hand zu einem Vergleiche bot, durch welche David Münzer aus der Haft befreit wurde. Nun erst zeigt es sich, daß Herr Dr. Schornstein diesen Menschen richtig beurtheilt hatte, als er ihn ^w eg en Wied er h olung saefahr" hinter Schloß und Riegel setzen ließ. Die deutsche Sprache hat kaum ein geeignetes Wort, durch welches eine solche Nichtswürdigkeit vom allgemein geschäftlichen, wie vom specifisch jüdischen Standpunkte gebührend gekennzeichnet werden könnte. Geschäftlich wiederholt David Münzer alle jene Verleumdungen, von welchen er selbst in seiner Abbitte erklärt hatte, daß er für keine derselben einen Nachweis zu liefern vermochte. Als Jude aber übertrumpft er noch den frevelhaften Mißbrauch mit jenen antisemitischen Strömungen, auf welche er schon früher in seinen schamlosen Pamphleten und Circularen speculirthatte. DavidLLaznrMünzer, die ihre galizische Heimat und ihre Glaubensgenossenschaft geradezu schänden, die in sich alle schlechten Eigenschaften des Aus Wurfs der galizischen Juden vereinigen, ohne eine' einzige der guten Eigenschaften unserer Glaubensgenossen zu besitzen, machen ihrem Verwandten seinen jüdischen Nomen Abraham zum Vorwurfe! Sie, die in ihren eigenen Circulären den Antisemitismus ihren geschäftlichen Zwecken dienstbar gemacht, die sich selbst an die Spitze der Judenhetze gestellt haben, um durch dieselbe den Verdacht schwindelhaften Gebahrens von sich abzuwenden, s i e wagen es nun, einen ehrlichen Mann zu beschuldigen, daß er seinen Prospecten einen „an trs emitis chen Anstrich" geben wolle, und rufen die Gesetze gegen die Einwanderung ausländischer Juden gegen denselben an! ' Es ist unsere Sache nicht, dem „Rheinischen Sensenversandthaus" Reclamezu machen und uns ein Urtheil über die Qualität seiner Maaren anzumaßen, obgleich der Berleümdungsproceß, welchen Adolf M ünz er gegen seine Verfolger anzustrengen gedenkt, die gerichtlich erhobene Wahrheit zu Tage fördern wird, daß die erwähnte Firma von einem altrenommirten Fabrikshause Sensen bester Qualität bezieht und nur mit mäßigem Nutzen veräußert. Wohl aber ist esmnsere Aufgäbe, die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen v o m Standpunkte der jüdischen Interessen auf das gottverlassene Treiben jenes Brüderpoares zu lenken, welches mit teuflischer Berechnung den Haß auf die unschuldig e n H ä u p t er T a use n d e r u n s e re r Glaubensgenossen herabzuziehen sucht, um sich so eines unbequemenConcurrenten zu entledigen. Die jüdische Geschichte kennt kaum ein- Beispiel so tiefer sittlicher Entartung, so ungeheuerlicher Perfidie! Ginge es nach dem Willen dieser Biedermänner, dann müßten im Deutschen Reiche die russischen Greuel gegen unsere Glaubensgenossen erneuert werden, damit — die Sensen des Herrn Adolf Münz e r den Sensen der Firma Münzer LComp. Platz machen. Das Judenthum hat keine Handhabe, um sich d i e s e r S ch a n der seines Namens und Räuber feiner1 zu entledigen. Sie aus dem Tempel unserer Glaubensgemeinschaft mit Peitschenhieben hinauszujagen, kann leider nur figürlich gemeint sein. Aber der Verachtung aller unserer Glaubensgenossen können wir solches Treiben überantworten, und es wird dafür gesorgt werden, daß dies nicht blos im Wege eines Zeitungsartikels geschieht. Jenen Paulus Meyer, der seine jüdische Abstammung dazu benutzte, um das Märchen vom Ritualmorde zu ersinnen, hat das Zuchthaus ereilt. David Sc L a z a r Münzer handeln nicht besser als dieser Renegat, hem der Hunger im Nacken saß, und sie mögen zusehen, daß sein Schicksal nicht das ihrige werde! Der Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht an den Mittelschulen in Galizien. Mit dem neuen Schuljahre ist für die Mittelschulen Galiziens ein einheitlicher Lehrplan des israelitischen Religionsunterrichtes vom k. k. Landesschulrath veröffentlicht und zur strengsten Durchführung den Directionen übermittelt worden. Der Plan lag vorher den betreffenden Cultüsvorständen (als gesetzlichen obersten Kirchenbehördeil) zur Genehmigung vor und bis auf 2 haben ihn dieselben als obligat angenommen. Warum die Herren in Rzeszow und Drohobycz klüger waren, als die Cultusvorstände von Lemberg, Krakau, Brody k., davon ein andersmal. Der Gefertigte, der auf Grund seiner langjährigen praktischen Erfahrungen und einschlägigen Veröffentlichungen vom hohen k. k. Landesschnlrath mit dem Entwürfe von einheitlichen Lehrplänen für Volks-, Bürger-, Mittelschulen und Seminarien betraut wurde, ist schon lange vor Genehmigung des Planes für Mittelschulen Gegenstand theils versteckter, theils offener Angriffe seiner galizischen Landsleute geworden. Er hielt es, so lange seine Verhandlungen mit dem hohen Landesschnlrath wegen des Planes dauerten, für tactlos, etwas über diese Verhandlungen zu veröffentlichen. Jetzt, wo dieser Theil seiner Aufgabe gelöst erscheint, ist es vor Allem nöthig, einige Aufklärungen zu gebett/ Diejenigen, welche behaupten, ich Hütte einen solchen Plan nicht auf eigene Faust, sondern im Einverständniß mit erfahrenen Schulmännern verfassen sollen, haben ganz Recht, nur wissen sie nicht, oder verschweigen es absichtlich, daß ich eine solche Enquete, bestehend aus den Religionslehrern an den hiesigen Volksschulen, dem Professor Dr. Herzel aus Brody, dem Religionslehrer an den Mittelschulen in Stanislau und den Delegirten des hiesigen Cultusvorstandes Dr. Schaff und Dr. Czeßer berufen habe und daß der eingereichte Lehrplan mit den Beschlüssen dieser Conferenz völlig übereinstimmt. Ferner habe ich mit dem Rector der jüdischen Lehrerbildungs-Anstalt in Berlin, Dr. Holzmann, schriftliche und mündliche Berathung gepflogen. Der Vorwurf eigenmächtigen Vorgehens erweist sich demnach als völlig haltlos. Nun mögen ja auch nachträgliche Einwendungen gegen den nunmehr genehmigten Lehrplan berechtigt sein, aber wohlwollende Beurtheiler hätten sich, ehe sie mich persönlich angriffen, fragen müssen, ob der von mir e i n g e r e i ch t e Lehrplan auch mit ' dem vom hohen Landesschnlrath g en e h m i g t e n übereinstimmt. Das ist aber keineswegs der Fall. Meinen vielleicht die mit dem Worte leichtfertigen Herren Kritiker, daßich, der ich seit länger als zwanzig Jahre unaufhörlich für den hohen Werth der nachbiblischen Geschichte im jüdischen Religionsunterricht 'eingetreten bin, freiwillig und leichten Herzens aus diesen Zweig für die V. VI. und VII. Classe des Gymnasiums verzichtet und mich nur mit der Ertheilüng des geschichtlichen Unterrichtes in der VItl. Classe begnügt habe? — Man sollte doch schon vor der Welt etwas vorsichtiger in der Beurtheilung desjenigen sein, den eine so hohe Behörde mit Recht oder Unrecht mit ihrem Vertrauen beehrt. Aber die Sache liegt ganz anders: Der hohe Landesschnlrath strich die nachbiblische Geschichte aus dem Pläne für die obengenannten

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