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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-18 · 42 (18.10.1895) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 42 Seite 769 Dr. Blorh's Wochrnsthrifi. die ehrliche Arbeit ausbeut.'t, zugleich die Unzufriedenheit der Arbeiter erregt. Der Jude Lassalle ist der Begründer der Socialdemokratie, wie denn die Juden in der socialistischen und nihilistischen Umsturzbewegung überhaupt eine große Rolle spielen. (Folgte wiederum die Aeußerung eines bekannten jüdischen Politikers.)" So der Anfang des Briefes, aus dem hervorgeht, daß Stöcker seine allgemein gehaltenen Angriffe gegen das Judenthum mit derselben Unver—frorenheit vortrug, mochte er zu einer Volksversammlung oder zum Kaiser sprechen. Vorsichtigerweise sind in dem jetzigen Abdruck des Briefes die „bekannten Aeußerungen" der „verstorbenen Juden Strohmann und Löwe" sowie des nicht genannten „bekannten jüdischen Politikers", der vielleicht nicht einmal Jude war, einfach weggefallen. Nach dieser Pauschalverleumdung der Juden und der Presse schreibt Stöcker an den Kaiser weiter, „man" habe dem Volke vorgespiegelt, Kirche und Pastoren hätten für das Wohl der arbeitenden Claffen nichts gethan. Zur „Widerlegung dieser Unwahrheit" habe er „in de r Harm lose st en W e i s e" (!!) darauf hingewiesen, daß Bleichröder mehr Geld habe als alle evangelischen Geistlichen zusammen. Im Uebrigen habe er stets „nicht die Juden" angegriffen, sondern „nur dies frivole, gottlose, wucherische, betrügerische Judenthum". In Berlin sei die Losung: der jüdische oder der christliche Geist. Herr v. Bleichröder sei allerdings eine Stütze des jüdischen Uebergewichts. Er erlaube sich alljährlich, in der Passionszeit einen Ball zu geben, zu dem leider fast die gesammten Hof- und Staatschargen gingen. Auf „das Volk" mache das Zeinen schmerzlichen Eindruck, ebenso wie die Aufführung der „Gräfin Lea" im königlichen Hoftheater. Wenn der Kaiser diesen „Geisterkampf" mißbillige, so erfahre er, Stöcker, mit dem tiefsten Schmerze, daß er Kirche und Christe-'thum, Kaiser und Reich gegen ihre Feinde nicht offen vertheidigen dürfe. Er bittet zum Schluß um den allerhöchsten Segen zu „seinem" Kampfe. Triumphirend verkündet Stöcker, die Folge seines Briefes sei gewesen, daß die Aergerniß erregenden Bälle nicht mehr stattfauden und „Gräfin Lea" aus dem Schanspielhause verschwand. Wenn Stöcker glaubt, mit der Veröffentlichung dieses Briefes sich von dem Vorwurf zu reinigen, daß er Hintertreppenpolitik getrieben habe, so irrt er sich. Er hetzte, wie es ihm gerade am leichtesten war, bald offen, bald aus dem Hinterhalt, und als ihm die Bordertreppe nicht mehr zur Verfügung stand, wie beim alten Kaiser im Jahre 1880, da kam er über die Hintertreppe. Im Uebrigen braucht Herr Stöcker auf ..seinen" Kampf nicht sehr stolz zu sein. Was uns im Anschluß daran bescheert wurde, ist nichts sehr Schönes, und man braucht nur an das Treiben eines Ahlwardt und eines Hammerstein zu erinnern, wenn man kurz bezeichnen will, welche Früchte aus der Stöcker'schen Saat aufgegangen sind. Die semitischen Antisemiten David und Lazar Münzer! Unsere Leser kennen aus wiederholten naturgetreuen Aufnahmen der „Oesterreichischen Wochenschrift" die Porträts der „Antisemiten honoris causa" — David und Lazar Münzer, der Chefs der Wiener Sensen-Firma Münzer & Comp. Sie haben die Steckbriefe des Berliner Vereines zur Abwehr des Antisemitismus gelesen, in welchen mitgetheilt wurde, daß diese galizischen Juden den Antisemitismus in niedrigem Co ncurrenzkampfezuverwerthen suchen und gegen einen in Köln wohnhaften, ehrenwerthen Landsmann und Glaubensgenossen, der überdies noch ein Verwandter von ihnen ist, den Chef der Firma „Rheinisches Sensenversandthaus A. Würtenberg & Comp., Herrn Adolf Münzer, Hunderttansende von antisemitischen Pamphleten verbreiten, welche mit den Worten: „Hütet Euch vor jüdischem Betrug!" beginnen, von „Tarnopoler Talmudjuden" und „Galizischen Lumpen" sprechen und sich an die — Pfarrer und Lehrer wenden. Sie haben davon Kenntniß genommen, daß das edle Brüderpaar — ein dritter Bruder, Jakob, saß wegen Betruges mehrere Jahre im Lemberger Zuchthause — diese Pamphlete in der an tisemitischen Buchhandlung H'enzel in Köln zur Schau stellen ließ, wofür der erwähnte Buchhändler gerichtlich verurtheilt wurde. Sie wissen ferner, daß David und Lazar Münzer den Termin der gegen sie vordem Wiener Schwurgerichte anberaumteu Verhandlung wegen Ehrenbeleidigung mehrere Male hinauszuziehen wußten und inzwischen fortfuhren, neue antisemitische Schmähschriften mit der Ueberschrist „Unlauterer Wettbewerb!" gegen das „Rheinische Sensenversandthaus" zu verbreiten. Und schließlich ist bekannt, daß David Münzer im Mai d. I. über Einschreiten des Wiener Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Sigmund Schornstein in landesgerichtliche Berwahrungshaft genommen und die gegen diese Inhaftnahme gerichtete Beschwerde vom Oberlandesgerichte zweimal mit Rücksicht auf die Wiederholungsgefahr, auf die Berabredungsgefahr und auf die begründete Besorgniß, daß sich Münzer neuerdings der Hauptverhandkung entziehen könnte, verworfen wurde. Das sind die markanten, physiognomischen Züge in den, wie man sieht, nicht gerade anmuthenden und schmeichelhaften Porträts der Sensenbrüder David und Lazar Münzer, welche seinerzeit von Herrn Alexander Schorr in Drohobycz noch durch einige höchst bedenkliche biographische Details vervvllständigt wurden. David Münzer hatte seine Enthaftung nur dem großmüthigen Entgegenkommen des von ihm in so schmählicher Weise Angegriffenen zu danken, der trotz aller erlittenen Unbill wahrhaft edelsinnig die Hand zu einem Vergleiche bot, welcher am 4. Juni d. I. im Bureau des präsumtiven Vorsitzenden der Schwurgerichtsverhandlung, L.-G.-R. S t e i n er, indessen Anwesenheit sowie im Beisein des klägerischen Vertreters Dr. Schornstein und des Bertheidigers Dr. Zolles zu Stande kam. Der verhaftete David Münzer verpflichtete sich zu einer weitgehenden öffentlichen Abbitte, zur Zahlung einer Geldbuße von 600 fl., welche wohlthätigen Zwecken zugefiihrt wurden und zum Ersätze aller G e r i ch t s k o st e n, die nahezu 1000 fl. erreichten. In der öffentlichen Erklärung, welche David Münzer vor Gericht Unterzeichnete, bekannte er, daß die Inhaber der Firma Münzer & Comp., David und Lazar M ü n z e r, während des seit einem Jahre anhängigen Protestes s ü r keine ihrer gegen das „Rheinische Sensenversandthaus" in Köln und insbesonders gegen dessen Inhaber Adolf Münzer verbreiteten Beschuldigungen irgend einen Nachweis zu liefern vermochten. Wörtlich heißt es dann weiter in dieser Erklärung: „Die Firma Münzer & Comp, leistet angesichts der vollständigen Grundlosigkeit ihrer Beleidigungen hiemit den Beleidigten öffentlich Abbitte, unter Anerkennung dafür, daß die Beleidigten zufolge dieser Abbitte, und nachdem die Firma Münzer & Comp, für wohlthätige Zwecke einen Betrag von fl. 600, sowie die klägerischen Kosten erlegt hat, von jeder strafrechtlichen Verfolgung abstehen. Oeffentlich verspricht die Airma Münzer & Comp., dasi sie sich in Hinkunft jedes ähnlichen oder wie immer gearteten Angriffes gegen das Rheinische Senfenverfandthaus A. Würtenberg & Comp oder gegen Adolf Münzer enthalten werde. Man sieht, der Firma Münzer & Comp., resprcüve deren Inhabern Davids Lazar Münzer, ist das Gefühl der Dankbarkeit nicht fremd. Sie anerkennen ausdrücklich, daß sie nur durch die Großmuth der von ihnen in so unfläthiger Weise Besudelten einer gerichtlichen Berurtheilung entgangen sind. Sie haben dafür auch in greifbarer Weise ihren Denk durch die — sofortige Wiederholung ihrer nichtswürdigen und verleumderischen Umtriebe gegen das „Rheinische Sensenversandthaus", respective gegen Adolf Münzer abgestattet. Am 19. September erhielt Herr Adolf Münzer eine Vorladung zur Kölner Criminalpolizei, wo er sich gegen eine Denunciation der Firma Münzer & Comp, zu verantworten hatte. Dieselbe, anscheinend geschrieben von dem wegen Betruges mit Zuchthaus abgestraften Jakob Münzer, jedoch gefertigt mit „Münzer & Comp.", ist am 3. September, also genau zwei Monate nach jener Erklärung, in welcher sich die Sensenbrüder vor den Wiener Gerichtssunctionären feierlich verpflichtet halten, sich in Hinkunft jedes wie immer gearteten Angriffes gegen das „Rheinische Sensenversandthaus" oder gegen Adolf Münzer zu enthalten, überreicht worden. Die Denunciation erhebt gegen Adolf Mü nz er die ungeheuerlichsten Beschuldigungen, sie schildert ihn als einen Mann, der in seinem Sensengeschäfte sich hinter einer täuschenden Firma b e-

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