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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-18 · 42 (18.10.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
42 (18.10.1895)
Date
1895-10-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 768 Dr. Dloch's Wochenschrift. Nr. 43 „blinde" Themis ruft „Alle Mann an Bord", damit es ihr ja nicht an Recruten für ihren Heerbann fehle. Wir muffen die Sorgfalt, die sich in dein Weckruf des neuen Chefs des Justizministeriums für die glatte Durchführung der modernisirten Institution der Civilproceßordnnng zum eclatauteu Ausdrucke gelangt, nicht nur billigen, wir können sogar nicht umhin, dem Justizminister, Grafen G l e i s p a ch, unser vollstes Lob ausznsprecheu. Regieren heißt bekanntlich voraussehen. Graf Gleispach sieht voraus, daß der Richterstand eine Vermehrung erfahren muß, nun kommen die Richter nicht aus dem Backofen, sie wachsen auch nicht aus der Erde, sie müssen vielmehr erst auf der Universität gebildet werden, wozu zumindest ein Lustrum erforderlich ist. Es zeigt daher von hausbackener Weisheit, rechtzeitig Vorsorge zu treffen und den Strom der erwerbsuchenden Studentenschaft in das richtige Bett zu lenken. Nur eines vermissen wir zu unserem lebhaften Bedauern in dem erwähnten Communique. Es ist in demselben mit keinem Worte erwähnt und auch nicht einmal unter der Blume angedeutet, wie sich die Justizverwaltung gegenüber denjenigen Aspiranten des Richterstandes zu verhalten gedenkt, welche, wenn sie auch gesetzlich vollberechtigte Staatsbürger sind, aber dem christlichen Glauben nicht angehören. Es besteht nämlich schon viele Jahre hindurch die verwerfliche, weil ungesetzliche Gepflogenheit, Bewerbern nicht christlicher, respective jüdischer Confession in die richterliche Praxis den Zutritt nicht zu gestatten, es wäre denn, daß sie sich vorher einer „Douche mit Jordanwasser" unterzogen haben einer Procedur, die für Viele ihre Peinliches besitzt. Es ist deshalb die wohl nicht unberechtigte Frage gestattet, wie es der neue Justizminister in dieser Richtung hält, und man wird uns gewiß nicht für unbescheiden halten, wenn wir aus diese Frage ein bündiges „Ja oder Nein" erwarten und verlangen. Mit Rücksicht auf die Syrenenklänge der Justizverwaltung konnte und dürfte sich zweifelsohne eine bedeutende Zahl jüdischer Abiturienten bestimmen lassen, sich dem „Jus" zuzuwenden, in dem Glauben und der Zuversicht, Aufnahme und dauernde Stellung und Avancement im Richterstande zu sinden. Es wäre gewissenslos, alle diese jungen Leute in's Garn zu locken und ihnen dann die Thüre vor der Nase zuzuschlagen. Hat Graf Gleispach nicht die Absicht, mit der bisher eingehaltenen, den Staatsgrundgesetzen Hohn sprechenden Gepflogenheit, welche den Juden die Carriöre im Richterstande verschließt, zu brechen, so möge er es offen und wahr verkünden. Ja oder Nein! Unverantwortlich wäre es in jedem Falle, die jungen Leute, die eben ihre akademische Laufbahn beginnen, irre zu führen und sie in Hoffnungen zu wiegen, deren Verwirklichung sich später als illusorisch Herausstellen und zu einer bitteren Enttäuschung führen müßte, die für die künftige Gestaltung ihrer Existenz verhängnißvvll sein könnte. Wenn irgendwo, ist hier und in diesem Falle volle und reine Wahrheit und Klarheit am Platze, die zu gewinnen höchst an der Zeit ist. Dem derzeitigen Justizministcr wird strenge Rechtlichkeit, Objectivität, Gesetzlichkeit und Humanität nachgerühmt. Wir geben daher der zuversichtlichen Erwartung Raum, daß er in einer Frage, wo es sich um den zukünftigen Berus einer großen Zahl von Stndirenden jüdischen Glaubens handelt, nicht hinter dem Berge halten, sondern offen Farbe bekennen wird. Wir würden es als Vermessenheit betrachten, dem Justizminister Grafen Gleispach zuzumuthen, daß erden Seiner Majestät dem Kaiser beim Antritte seines Amtes geschworenen Eid aus Einhaltung und Beobachtung der Staatsgrundgesetze, welche allen Staatsbmgern ohne Unterschied der Confession gleiche Rechte verbürgen, mit einer reservatio mentalis geleistet hat. Es handelt sich einfach darum, ob Gras Gleispach den Willen besitzt und mächtig genug sein wird, der herrschenden Strömung Widerstand zu leisten und derselben mit Erfolg entgegen zu treten. U. A. w. g. Eduard Be er.! Ein antisemitischer Brief Stöcker's an Kaiser Wilhelm I. Stöcker enthüllt sich weiter in seiner „D. E. Kirch.-Ztg.". Er bespricht in diesem Organ, wie wir dem „Volk" entnehmen, die Stellung des Fürsten Bismarck zu seinen Bestrebungen. Er und Bismarck hätten gar kein Verhältniß zu einander gehabt. Offenbar habe Bismarck die Entstehung eines „evangelischen Centrums" verhindern wollen. Die Bekämpfung der Fortschrittspartei durch die Christlich-Socialen hätten sich die leitenden Kreise gefallen lassen, als man aber das Judenthum in der Person des Herrn v. Bleichröder angegriffen habe, sei die Geduld der Regierung erschöpft gewesen. Bei diesem Anlaß sei auch zum ersten Mal der Zorn des Kanzlers gegen Stöcker erregt worden. Der frühere Hofprediger gibt jetzt die nachstehende Darstellung dieser Affaire: In einer christlich-socialen Volksversammlung am 11. Juni 1880 hatte ich über Lassalle geredet. Anwesende Socialdemokraten machten Lärm; ihr Schreien bezog sich darauf, daß Kirche und Geistlichkeit nichts für die Arbeiternoth gethan hätten, die j üd i s ch e Tendenz war unverkennbar. Da rief ich ihnen zu, sie möchten doch nicht blos von uns, sondern auch von den Juden Hilfe fordern, $. B. von Herrn v. B l e i ch r ö d e r. Jedermann sieht, daß Herr v. Bleichröder, wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, nur als Vertreter des jüdischen Großkapitals genannt war. Nach einiger Zeit hörte ich zu meinem Staunen, daß Herr v. Bleichröder mich beim Kaiser verklagt hatte, und erfuhr amtlich, der Kaiser messe dieser Sache eine so große Bedeutung bei, daß ich darüber wohl mein Amt verlieren könne. Als wäre die Nennung jenes Millionärs eine Ma j e st ä ts b e! e i d i g u n g, wurde vom Kanzler wie vom Cultusminister Bericht eingefordert. Im „Börseucurier" erschien eine Notiz, daß der Kaiser sich mißbilligend über die Angelegenheit zu Herrn v. Bleichröder selbst ausgesprochen habe. Ich schrieb deshalb an Seine Majestät, indem ich die Notiz beilegte, den nachfolgenden Brief: „Durch die Zeitungen geht gegenwärtig die beiliegende Notiz. „Der Börsencurier", das g emei n st e Blatt Berlins, vielleicht ganz Europas (hier ist in der „D. E. K.-Z." die Bemerkung eingeschaltet: „Damals war es wirklich so.), hat dieselbe, offenbar doch nach Mittheilnngen des Herrn v Bleichröder, zuerst veröffentlicht. Das unverkennbare Bestreben dieser indiscreten Publikation geht dahin, Eure Majestät als Gegner der gegen die Anmaßungen des Judenthums gerichteten deutschen Bewegung darzustellen. Dem gegenüber erscheint es mir als Pflicht, den Thatbestand dieses Kampfes, an dem auch ich persönlich betheiligt bin, gegen Mißdeutung zu sichern. Ich würde ans das Schmerzlichste betroffen sein, wenn Eure Majestät diese gegen unerhörte jüdische Angriffe endlich erfolgte Reaction mißbilligten. Hat doch ein so nationalgesinnter und über jeden Verdacht des religiösen Fanatismus erhabener Mann wie Professor v. Trei t ich k e vor einigen Monaten die allgemeine Stimmung seiner Kreise dahin bezeichnet: „Die Juden sind unser Unglück." In der That sind sie, jo weit sie das von mir angegriffene Ju d e n t h u m r ep r äs e n t i r en, das sch wer st e H in d e rn i ß einer sittlich-religiösen Erneuerung des deutschen Volkes. Eure Majestät haben das hochherzige Wort gesprochen: Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben. Aber die Berliner schlechte Presse, in ihren schlimmsten Erzeugnissen von Juden in Besitz genommen und redigirt, macht da, wo sie wirkt, jede ernste Einkehr des Volksgeistes unmöglich. Zwei dieser Judenblätter sind wegen schmachvoller Artikel ans dem Lesezimmer des Reichstages und Landtages ausgestoßen. Die G.neralsynode war die beständige Zielscheibe ihrer frechen Aenßciungen; eine Zeitung sagte, das Herrenhaus müsse nach der Generalsynode desinsicirt werden. Der Börsenc u ri er, welcher die Unterredung Euer Majestät mit Herrn v. Bleichröder brachte, übertrifft alle anderen Zeitungen an grenzenloser Nichtswürdigkeit. Nicht dadurch, daß das Blatt mich per- ' sönlich mit den schlechtesten Verleumdungen verfolgt, bin ich zu meinem Uriheil bestimmt. Aber es ist geradezu unerträglich, wenn das Blatt die r u s s i s ch e n N i h i l i st e n mit den christlichen Märtyrern vergleicht, wenn es bei Gelegenheit der Mastviehausstellung lästert, Gott habe am sechsten Schöpfnngstage die erste solche Ausstellung gehalten und auch den ersten Mastviehadam und die erste Masivieheva geschaffen. Das Organ des Juden Sonnemann in Frankfurt am Main, ein vielgelesenes Blatt Süddeutschlands, leitete vor einiger Zeit die Zunahme der Selbstmorde aus dem Christenthum und dem Militärdienst her. Mit dieser Presse verbündet, beschimpfen Berliner Juden in hohen kommunalen Aemtern die kirchlichen Bestrebungen zur Hebung des religiösen Geist,s. (Hier folgten bekannte Aenßerungen der verstorbenen Juden S tr a ßm a n n und Löwe.) Natürlich mußte ich auch das übrige gefährliche Treiben der Juden in den Kreis der Bekämpfung ziehen. Die vorige Landtagssession hat bei der Besprechung des oberschttsischen Nothstandks die Thalsache constatiri, daß jüdisch er Wucher g an z e K r e i s e unseres Vaterlandes mit einem unzerreißbaren Netze überzieht. Diese Thalsache habe ich geltend gemacht; sie ist um ^bedeutungsvoller, als der Jude, der von Allen zuerst

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