Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 41 (9.10.1895)
- Date
- 1895-10-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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: 'j-''WBB^saa^SBmssssaaBassEaiBsiBbisa^tKit jk *RBifaCsaasKaEi»^ataKM!S. r Nr. 41 macht was durch mit de Kinder" entrang sich ihrer Brust ein tiefer Seufzer. So stehen die Sachen jetzt, geehrter Herr! — „Bleiben Sie doch. Herr Ruffer, bat ich, da er uns verlassen wollte, so bleiben Sie doch, weichen Sie Ihrer Verteidigung nicht aus, sein Sie ein Mann, Herr Ruffer." Ruffer setzte sich wieder; er trocknete sich die Thränen und murmelte unverständliche Worte vor sich hin, dann aber kam der Schmerz, den er bis dahin zurückzuhalten versucht hatte, ganz zum Ausbruch. Er schlug sich vor die Brust und schrie verzweifelnd: „Mein Kind, mein Kind." Entsetzt sprang ich auf, mein Gott, Herr Ruffer, so fassen Sie sich doch — erschöpft sank Ruffer auf den Stuhl zurück. Schnell rieb ich seine Schläfe mit Cognac ein, endlich schlug er wieder die Augen auf. „Es ist nichts — geehrter Herr — ich danke Ihnen." „Nebbich") sagte Seifensteiner ganz leise — „sein Sohn hat ä Selbstmordversuch gemacht, 's ist aber glücklicherweise verhindert worden". Ruffer, der Seifensteiner's Worte doch gehört haben mußte, schrie im furchtbarsten verzweifelnden Tone, sich dabei Bart und Kopfhaar raufend: „Da bin ich gelaufen, was mich haben meine alten Beine tragen können zur Sarah Gobeles und Hab' sie gebeten, sie soll nicht so hartherzig sein, mein Sohn nimmt sich sonst das Leben und da hat mer die Frau Sarah Gobeles die Thür vor der Nase zugeschlagen und hat geschrieen, und hat geschrieen — nein — nein — hauchte er plötzlich tief — nein, es soll keiner erfahren, was se gesagt hat — ich war ä gebrochener Mann! — Wie ich bin wieder nach Haus gekommen, Hab' ich zusammengenommen mein ganz bischen Kraft, bin gegangen zu meinem Sohne und Hab' ihm gesagt: „Bernhard — was ich Hab' thun können für Dich, Hab' ich gethan Verzweifle nicht und mache die Eltern nicht unglücklich. Bist Du Dir sicher, daß Dich Bertha liebt, dann nimm hoch den Kopf und — vertraue auf Gott und ihre Liebe". Da ist mir mein Bernhard um den Hals gefallen und hat mich gekiißt und hat mir gesagt: „Vater, Du hast Deinen Sohn gerettet". Gebrochen, gebeugt vor Schmerz sah Ruffer jetzt in's Leere. „Frau Gobeles", unterbrach ich die unheimliche Stille, „haben Sie dem Herrn Ruffer gar nichts zu sagen?" — Sie weinte. Man sah ihr an, sie kämpfte mit einem Entschluß, aber nur ein Moment dauerte der Kampf, dann sprang sie, wie von aller Qual befreit, auf: „Ruffer — Ruffer — Gott soll mich davor bewahren, Unglück über die Kinder, Unglück über uns zu bringen. Geben Se mer die Hand, geben Se mer ä Kuß — nächsten Schabbes* 2 3) feiern wir zwei Verlobungen". Wie nach einem schweren Gewitter doppelt freudig der erste Sonnenstrahl wieder begrüßt wird, so brach auch jetzt mit einem Schlage die helle Freude hervor. Umarmung — Gratuliren —Freudenthränen! — und Sie, geehrter Herr, müssen zu die Verlobungen kommen, denn wie haben Se gesagt, was sennen Se? — das versöhnende Element? — Massel toff3) sagten die Andern, er ist es gewesen. Mit der Zusicherung Zeuge der Doppelfeier zu sein, empfahl ich mich froh bewegt, und im Begriffe, die alte Kleiderbörse zu verlassen, rief mir noch Aron nach: „Wenn Sie wieder mal was haben, geehrter Herr, in „alte Kleider" — ich z^hle die höchsten Preise — in baar!" Literatur. Glaubens- und Rechtsgleichheit. Rationelle Studie über die Religion der Vergangenheit, Gegenwart nnd Zukunft. Budapest 1895. Eine recht interessante Arbeit in zwei prächtig ausgestatteten Bänden liegt vor. Sie enthält eine reiche Fülle überaus beachtenswerthen Materiales und die Verarbeitung desselben zeigt eine gewandte, leichte Hand. Der Stoff ist ein an und für sich ernster, in dieser Behandlung zum Nachdenken anregender, zum Nachdenken zwingender. Der anonyme Verfasser muß ein Mann von hervorragenden theologischen Kenntnissen sein, aber nicht blos Gottesgelehrter allein — auch sein profanes, namentlich philosophisches Wissen ist ein Achtung gebietendes. — Gelehrte verstehen nur sehr selten lesbar und anregend zu schreiben. Die Leichtigkeit des Styls, die Grazie der Mache und die Feinheit der letzten Ausführung ist ihren Arbeiten nur allzuhäufig abhanden gekommen und erschwert unnöthigerweise das Verständniß. Der Autor des zu besprechenden Buches zählt nicht zu der großen Gruppe der Plump- und Schwer-Schreibenden. Man folgt seiner Darstellung, auch wo sie schwierige Materien behandelt, mit lebhaftem Interesse und ohne Ermüdung. Daß er den seelenerlösenden Humor auch hin und wieder zu Worte kommen läßt, dafür werden ihm seine hoffentlich zahlreichen ') leider. 2) Sonnabend (Feiertag). 3) Viel Glück. Seite 757 Leser besonderen Dank wissen. Ein Blick ans das Jnhaltsoerzeichniß gibt Kunde von der ungemeinen Reichhaltigkeit des iiitereffanlen Stoffes, und der großen Belesenheit des Autors — aber ein Blick in das Buch selbst von dem Hobe" sittliche» Ernste, mit dem die einschlägigen Fragen erörtert erscheinen, und andererseits von der eigenartig hervorragenden Veranlagung des Verfassers. Sein Buch möchten wir hiermit eindringlich empfohlen haben. Beth Jizchak. Responsen über halachische Fragen aus dem Gebiete des Jozahdeah von Hilchoth Ribith bis Hilchoth Abeloth. Von Rabbi Isaak Jehudah S ch m e l k e s, Rabbiner in Lemberg. — Przemysl, Druck von Zupnik, Knvller und Hammerschnedi. 1895. lieber den Werth dieser neuen Erscheinung in der halachischen Literatur braucht man nicht viel Worte zu verlieren-, es genügt zur Beurtheilung derselben, de» Namen des Verfassers aus dem'Titelblatte zu sehen, um zu wissen, daß es ein Geistec-Prodnct von seltener Gediegenheit sein müsse, denn Rabbi Jizchak Schmelkes ist der größte Talmudgelehrte unserer Zeit, der reiche Erbe des Geistes und Wissens seiner grrßen Ahnen, deren Namen in der rabbinischcn Literatur unvergänglich glänzen, lind er wird auch dafür respectirt. Sämmtliche Rabbinen Galiziens, Rußlands, Hollands und allerübrigen Welt, wo überhaupt noch die Halacha gewahrt wird, wenden sich in hälachischen Fragen an ihn. als den Vertreter der heutigen Talmudgelehrsamkeit, als den Mittelpunkt des rabbinischen Judenthnms, wie jede Zeitepoche ihn hatte, von den Männern der großen Synode bis zur Gegenwart. Und diese bisherige Continuität ist eine Bürgschaft des Fortbestandes des Rabbinismus auch für die Zukunft trotz' aller Angriffe auf denselben von äußeren nnd inneren Feind n. Ist es nicht ein Wunder, daß dieses Schriftthum noch heute, wo den Zutun alle Gebiete des Wissens offen stehen, der Talmud nicht mehr wie im Mittelalter der einzige Lehr- und Lernstoff zu sein braucht, um den jüdischen Geist wach zu halten, heute noch Blüthen treibt, wie das vorliegende Werk, das den Responsen der glänzendsten Namen des Achronim nicht nachsteht. Und wenn ein solches Werk aufgelegt wird, muß es ja Käufer finden und kann folglich das Talmudstudium nicht ausgestorben sein, oder es war tobt und ist wieder auserstanden. Allerdings gehören, um cs wieder in seinem alten Glanze herzustellen, Männer dazu wie Rabbi Jizchak Schmelkes, der Verfasser des in Rede stehenden Werkes, die den Geist, der diesem Werke innewohnt, zu offenbaren im Stande sind und einen autoritativen Namen haben, wie der Rabbiner von Lemberg, der Enkel einer Ahnenreihe von Gaonim. Kritisch: Beiträge zur Metaphysik Lotze's. Von Dr. Phil. S. Mandl. Bern, K. I. Wyß. 1895. 8'. Die vorliegende Arbeit hat sich die Bearbeitung der Hanptlehren Lotze's zur Aufgabe gesetzt, ein Umstand, der umso anerkennenswerther ist, als gerade L.'s Lehren in der Geschichte der Philosophie eine knappe Behandlung erfahren haben. Die Schrift selbst zerfällt in zwei größere Abschnitte, von denen der erste die Darstellung der Lotze'schen Theorie des Unbedingten im Besonderen, der zweite die Besprechung des Lotze'schen Systems im Allgemeinen bezweckt. Was der Verfasser in diesen beiden Theilen anszufühten versprochen, dessen hat er sich mit vielem Fleiße zu unserer Befriedigung erledigt. In dem ersten Theile, als dem befondercti, suclt der Verfasser vorerst — nach den Gesichtspunkten der verschiedenen „Consequenzcn" — darzuthun, daß Lotze die Dinge weder selbstständig, noch zusammenhanglos sein läßt, daß das Wirken der Dinge weder durch earwa noch durch occa8io, noch durch prästadilirte Harmonie erklärt werden könne, sondern daß das Sein der Dinge einzig und allein in dem unmittelbaren Wechsel, in dem „Beziehungstehen" bestehe; er zeigt ferner, wie Lotze jene Dinge, um eben den Vorgang dieses Wirkens der Dinge aufeinander zu erklären, als Modi, Zustände, Theile eines allumfassenden Wesens, einer unendlichen, unbedingten Substanz betrachtet; schließlich werden von dem Verfasser, um dem Beweise eines schöpferischen, unbedingten Grundes näher zu kommen, drei Momente: Stoff, Betrachtungsform und das betrachtende Individuum selbst, in Erwägung gezogen. Daß zu diesem ontologischen beziehungsweise kosmologischen Postulat einer allumfassenden Substanz noch das ethische eines höchsten Gutes hinzukommen muß, um den Begriff d>r Gottheit als den der unendlichen Persönlichkeit zu erhalten, damit befaßt sich der Schluß des ersten Theiles. — Der zweite Theil der vorliegenden Abhandlung enthält eine Besprechung des Lotze'schen Systems überhaupt, und muß es als besonderer Vorzug dieses Theiles angesehen werden, daß der Verfasser bereits die neuesten Erscheinungen der gediegensten Lotze-Benrtheiler: Falckenberg und Hössding, niit in Betracht zieht. Der Schluß bietet uns ein beachtenswerthes Schema der Lotze'schen Seinslehre, veranschaulicht durch philosophische Gleichungen. — Wenn wir also kurz resumiren, so anerkennen wir in dirser Schrift einen ganz schätzenswerthen „Beitrag" zur Lotze-Literatni. 'Jeder Freund der neuesten Philosophie wird daher dem Verfasser Dank wissen. P r o ß n r tz. Dr. Josef Hofs. Acheaffaf Volkskalender mit Illustrationen für das Jahr 5656, dritter Jahrgang, Warschau, Druck von Gebrüder Schu l b erg. Der rührige Verlag „Acheaffaf", dem der jüdische Büchermarkt so viele Neuheiten auf belletristischem Gebiete verdankt, hat mit der Herausgabe dieses Volkskalenders die zwar schon vielbesprochene, aber Dr. Blochs Wochenschrift