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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-09 · 41 (9.10.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
41 (9.10.1895)
Date
1895-10-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41 Seile 755 Dr. Vloch's Wochruschrift neuerlichen Beweis der Opferwilligkeit, des patriotischen Gemeinsinnes und der fortschrittlichen Gesinnung der Bewohner der Stadt Kreutz lieferte. Fulda. An die gegen den Antisemitismus gerichteten Kundgebungen des Münchner und Przibramer Katholikentages reiht sichwürdig der Verlauf der jüngst abgehaltenen Bischofsconferenz in Fulda an. Wie katholische Zeitungen berichten, haben die in Fulda versammelten Bischöfe auch die antisemitische Bewegung erörtert und dieselbe als eine absolut unchristliche gekennzeichnet. Die bestehenden Schäden auf socialem Gebiete seien einzig durch solche Maßnahmen zu beseitigen, die sich im Rahmen der christlichen Religion bewegten, niemals aber durch Ausbrüche des Racen- und Religionshasses. Die Curatgeistlichkeit sollte in diesem Sinne auf die Gläubigen einwirken. — Solche Mahnungen von hochkirchlicher Seite sollten denn doch in den Kreisen des niederen Clerus gehört und beachtet werden. Leider aber ist — wenigstens bei uns in Oesterreich — das Gegentheil der Fall. Man nehme nur gewisse, von katholischen Geistlichen redigirte Blätter zur Hand, und man wird finden, daß in diesen der von den Bischöfen mit Recht verurtheilte Antisemitismus die liebevollste und aufmerksamste Pflege findet. NewDork, 20. September. (Uncle Sam antisemitisch?) Die amerikanischen Blätter jeder politischen Färbung ergehen sich in Ausdrücken der tiefsten Entrüstung, der energischesten Proteste über Vorgänge auf Fort Hamilton, Geschehnisse, die das Herz eines jeden Ehrenmannes mit Empörung erfüllen müssen. Max Ford heißt der Unglückliche, ' essen Religion seinen Kameraden ein Dorn im Auge war. Eines Tages, als er in die Kaserne zurückkehrte, fand er, daß der Adler von seinem Helme und die Streifen von seinem Waffenrocke gestohlen waren. Als er nun seine Kameraden zur Verantwortung zog, überfielen dieselben ihn, schlugen ihn blutig und johlten und schrieen ihm zu, ein „Sheeney" hätte nicht in der Armee zu dienen, sollte gehängt werden. Alldies geschah in Gegenwart der Unterofficiere. Die starke Seite der Affaire folgt jedoch erst. Der Sergeant Ford's warf diesen, als er den Fall rapportirte, einfach zur Thüre hinaus; Lieutenant Honeycutt, der Commandirende der Battery, fragte ihn, ob er Zeugen hätte, und als er dies verneinte, bedauerte der wackere Mann, nichts für ihn thun zu können. Erster Sergeant Reardon ertheilte ihm den rührenden Rath, zu desertiren, da die übrigen ihn sonst tödten würden. Ford antwortete: „No, Sir! Ich bin für fünf Jahre eingeschworen, und will meinen ehrlichen Abschied abwarten. Ich will mein Bürgerrecht nicht verlieren." Hierauf rapportirte Ford bei Col. Loomis L. Langdon. Der Oberst behandelte ihn sehr freundlich und zog die Oificiere des Fort zur Verantwortung. Am anderen Tage bemerkte Lieutenant Honeycutt zu Ford: „Sie haben fick beim Obersten beschwert. Sie sind Jude und ich werde Ihre Entlassung veranlassen." Während dessen wurden die Feindseligkeiten seitens der Kameraden fortgesetzt. Mannschaft und Osficiere wetteiferten, Ford das Leben so unerträglich zu macken, als nur möglich. Er wurde gequält und gestoßen, und von seinem Sergeanten wegen angeblicher Dienstverletzung mit der Faust geschlagen. Am 22. Juli machte Lieutenant Honeycutt eine Application für die Entlassung Ford's ohne Ehren, und das Unerhörte geschah. Ford wurde unter Rückhaltung von 48 Dllars rückständiger Löhnung entlassen. Vermischtes. Wien. (Auszeichnung.) Se. Majestät der Kaiser hat den Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten Handelskammerrath Leopold P o l l a k in Budweis den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Wien. Infolge Ablebens des langjährigen Obmannes des Kranken- und Unterstützungs-Vereines „Montefiore" in Wien, des Herrn Isidor L. Weiß, wurden am 7. d. M. der bisherige Obmann-Stellvertreter, Herr Nathan Königsberger, Armenrath des ll. Bezirkes, zum Obmann und Herr Philipp Weiner, Armenrath des ll. Bezirkes, zum Obmann-Stellvertreter einhellig gewählt. E. B. Wien. (Todesfall.) 'Am 9. d. M. wurde em alter Veteran des Judenthums, Herr Moses Fliegelmann, zu Grabe getragen. Geboren 1807 in Brody, in Galizien, erreichte er das patriarchalische Alter von 88 Jahren; er entstammt einer hochachtbaren Familie, die in Galizien^und der Bukowina sich des besten Rufes erfreute. Mitte der Sechziger-Jahre überfiedelte r nach Wien und lebte hier, proa.il negotiis, ganz seiner Familie. Seine Hauptbeschäftigung galt nun seinem Lieblinsstudium, den Talmud, in welchem er es zu einem großen Grade der Vollkommenheit brachte. Er galt auch demzufolge in talmudischen Kreisen gewiffermaß n als Autorität. Eine große Befriedigung wurde dem Verewigten zutheil, indem er das seltene Glück genoß, seine Kinder, denen er eine sorgfältige Erziehung zuwendete, wohl versorgt und in angesehenen Stellungen zu wissen. Sein Sohn HerrDr. Adolf Fliegelmann ist Milrtär-Arzt in Pension, eine seiner Töchter ist an den in weitesten Kreisen bekannten Großindustriellen Herrn David Schwarz mann (D. Schwarzmann & Co. in Wien) verheiratet. Das Leichenbegängniß des Verblichenen gestaltete sich durch die zahlreiche Beteiligung zu einer überaus ehrenden Ovation für den Todten und die trauernde Familie. Die Grabrede Dr. G ü d e m a n n's hob die Ehrenhaftigkeit und den biedern Charakter des Verewigten hervor, während HerrLector Friedmann in seinem Nekrologe die talmudische Befähigung, Gottesfurcht, Bescheidenheit, Mildthätigkeit. Nächsten- und Menschenliebe in alle Anwesende rührender Weife schilderte. In dem Dahingeschiedenen betrauern die Hinterbliebenen einen vielgeliebten hochverehrten Patriarchen, das Judenthum einen treuen, gottergebenen Glaubensgenoffen. Wir schließen uns dieser berechtigten Trauer in aufrichtiger Weife und aus vollem Herzen an. Möge dem thenren Dahingeschiedenen die Erde leicht sein! Wien-Mariahif. Einer alten ehrwürdigen Sitte folgend, veranlaßte der Präsident des Mariahilfer Tempel-Vereines Herr Architekt Max F l e i s ch e r die Aufstellung einer Laubhütte im Hofe des Tempels VI. Schmalzhofgasse 3 und erfreute sich dieselbe an den Sukkoth-Festtagen eines ungemein zahlreichen Zuspruches von Tempelbesuchern. Angesehene Frauen von Vereinsmitgliedern batten es sich nicht nehmen lassen, zum „Kidusch", das vom Vereinsprediiger, Gemeinderabbiner Herrn Dr. Ta glicht gesprochen wurde, die nöthigen „Barches" beizustellen, so daß jeder Besucher auch feine „Broche" machen konnte. Die Bestrebungen des verdienstvollen Herrn Vereinspräsidenten um Wiederbelebung unserer schönen, althergebrachten Einrichtungen sind nicht genug zu rühmen; saßen doch so mancher Knabe und Mädchen in der Sukkoth, die in ihrem Leben eine solche nicht gesehen und wohl kaum Gelegenheit gehabt hätten, eine solche zu sehen. Am zweiten Laubhüttenfesttage, an welchem in unserer Monarchie das Namensfest unseres erhabenen Kaisers festlich begangen wurde, hielt im genannten Tempel Se. Ehrwürden Herr Dr. T a g l i ch t während des Kaisergebetes eine erhebende Ansprache, am Schluffe wurde die Bolkshymme gesungen, in welche alle Anwesenden begeistert einstimmten. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Nocalia" in Wien, Währing, dessen Tendenz die Bekleidung armer israelitischer Schulkinder ist, veranstaltet am 12. f>. M. „beim wilden Mann" in Währing einen Prodnctionsabend unter Mitwirknug hervorragender Knnstkräfte, verbunden mit Juxbazar und Tanchränzchen, Musik der 1. Wiener Elite-Capelle Hunyaczek. Anfang 8 Uhr. Entree: friihergelöste Karten 50 kr., an der Cassa 80 kr. Programm srei. Spenden zum Jux-Bazar werden im Casä Frenzl, XVIII., Staudgasse Nr. 60, und bei allen Clubmi gliedern dankend entgegengenommen. Borverkaufskarten sind zu haben: im Clublocale Wieser's Etablissement, „zum alten Auge Gottes", XVIII., Gentzgasse 54, im Cask Frenzl, Staudgasse 60, bei Jg. Kntz, Karl Beckgasse 6, in der Groß-Trank und im Festlocale. Prag, im October 1895. Die Prager Mauern sind längst gefallen, und in den außerhalb dieser einstigen Mauern seither entstandenen reichbevölkerten Städten (die zusammen eine nahezu ebenso große Einwohnerzahl aufweifen, wie Prag selbst), bestehen längst große, angesehene israelitische Cultusgemeinden. Es wäre ungerechtfertigt gegen diese Gemeinden, wie gegen ihre ehrwürdigen Herren Rabbiner, wenn wir sie ignoriren würden, da die Letzteren wenn sie auch keine der vier verschiedenen Titel-Kategorien der Prager Rabbiner und Synagogenprediger führen. Es sei daber constcitsit, daß auck extra, muros die Festpredigten des Herrn Rabbiner Tr. Back in Smich ow, des Herrn Rabbiner Star? in We i n b e r g e und

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