Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 41 (9.10.1895)
- Date
- 1895-10-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 754 Dr. Bloch's Wocheuschrist. Nr. 41 D u s ch e n e s von Neuem in ganzem Glanze. Auch auswärts werden unsere Vortragskräfte anerkannt. Herr Rabbiner Doctor Kisch, der die obenerwähnten Vortragsabende eröffnet hat, wird in diesem Winter über Einladung des „Verbandes der jüdischen Literaturvereine für die Rheinprovinz und Westphalen" in den größeren Städten der Rheinlande einen Cyklus von Vorträgen aus der jüdischen Volks- und Literaturgeschichte halten. Bozen, 8. October. (Eine Bahnhofsscene.) Aus Bozen wird uns gemeldet: Theilnehmer des internationalen Gastwirthetages in Meran — eine größere Gesellschaft — welche nach Bozen kamen, waren heute Nachts auf dem hiesigen Bahnhofe den rohesten, antisemitischen Insulten einer Rotte von Leuten aus den unteren Volksschichten ausgesetzt. Man rief den Hoteliers, unter welchen sich kein einziger Jude befand, zu: „ElendeJuden! Nieder mit den Inden! Geht nach Palästina!" Die Scene rief peinliches Aufsehen und die gerechte Verurteilung seitens der gebildeten Bozener Bevölkerung hervor. Krakau. Am 2. d. M. verschied hier nach längerer Krankheit der Professor der Geschichte der Medicin an der Krakauer Universität, Professor Dr. Joseph Oettinger. Im Jahre 1818 aeboren. hat derselbe durch besondere Fähigkeiten, immenses Wissen und rastlose Arbeit die Professur an der Universität erlangt und wurde in Würdigung der hervorragenden Verdienste um die Wissenschaft zum Mitglieds der Akademie der Wissenschaften in Krakau ernannt. Als Primararzt des hiesigen israelitischen Spitals hat er eine segensreiche Thätiqkeit entwickelt. die unvergänglich bleiben wird. Durch eine lange Reihe von Jahren war er Präsident d-s hiesigen Aerztevereines. Gemeinderath der Stadt Krakau, Mitglied des israelitischen Cultusvorssandes und Vorsteher des israelitischen Tempelvereines. Professor O e t t i n a e r war Besitzer des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens. Beim Leichenbegängnisse, an dem Tausende tbeilnabmen, sah man den Delegaten Hofrath Laskowski. den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Grafen Tarnowski, Rector S m o l k a. Prorector B r o w i c z, Herrnhausmitglied Professor Zoll, sämmtlicke Professoren der medicimschen Facnltät. Professor S t e r n b a ch. den Stadtpräses Fried lein mit vielen Gemeinderäthen; der Cnltnsvorstand war in corpore unter Führung des Präsidenten Dr. Horowitz erschienen. UeberAntrag desVice-Präsidenten Hirsch Landau, war das Leichenbeqängniß auf Kossen der israelitischen Cultusaemeinde veranstaltet. — Die hiesige Cultusaemeinde bat eine Deputation, bestehend aus dem Präsidenten Dr. Leon Horowitz. Bice-Prässdenten Hirsch Landau und Herrn Jacob Bober zu den Abschiedsfeierlichkeiten für den Grafen Baden! nach Lemberg entsendet. Raab. Am 30. Sevtember fand die feierliche Enthüllung des prachtvollen Grabdenkmals auf dem hierortigcn israelitischen Friedhofe statt, welches die hiesige Cultusaemeinde im Vereine mit der Chewra-Kadischa dem am 1. Jänner d. I. in Gott selig entschlafenen greisen Rabbiners Dr. Salamon Rauschburg gesetzt hat. Bei diesem weihevollen Acte waren anwesend: die trauernde Familie des Seligen, der Cultusgemeinde-Vorstand und Ausschuß, der Vorstand und die Repräsentanz der Chewra- Kadischa, das Präsidium des israelitischen Frauenvereines, der aesammte Lehrkörper der israelitischen Gemeinde-Schule, die Lehrer an der Talmud-Thora-Schule und zahlreiche Gemeinde- Mitglieder. Nach dem vom Ober-Cantor stimmungsvoll vorgetragenen Lleuuebo-recdono-Gebete ergriff der Schwiegersohn des selig Verstorbenen, unser Rabbiner und Prediger Herr Dr. Julius Fischer, das Wort, um in meisterhafter Rede seinem Vorgänger, der seiner Familie der theure geliebte Vater und seiner Gemeinde der große, hochverehrte Lehrer gewesen, einen begeisterten Nachruf zu halten, dessen Schlußsatz in dem Gelöbniß austönte, daß er sowohl, als die ganze Gemeinde den Spuren ihres Heimgegangenen, unvergeßlichen, weisen Führers folgen und religiössittliches Leben in Gemeinde und Schule pflegen und erhalten werden. Der Obmann des Lehrkörpers widmete ebenfalls pietätvolle Worte dem selig Dabingeschiedeuen und mit dem Kadisch- Gebet der trauernden Söhne schloß die Feier, die einen nachhaltigen Eindruck auf alle anwesenden Gemeinde-Mitglieder machte. Berlin, 8. October. Stöcker setzt in der „Evangelischen Kirchenzeitung" seine Rechtfertigung fort und erzählt unter Anderem, daß er zu Bismarck überhaupt kein Berhältniß gchabt habe. Niemals habe er mit ihm gesprochen, nie an ihn geschrieben oder einen Brief oder Auftrag von ihm erhalten. Die Bekämpfung der Fortschrittspartei durch die Christlich-Socialen hätten sich die leitenden Kreise noch gefallen lassen. Als aber Blei ch röd er angegriffen wurde, sei die Geduld der Regierung erschöpft gewesen. Damals sei zuerst der Zorn Bis marck's gegen ihn (Stöcker) erregt worden. Bl ei chröd er habe ihn sogar beim Kaiser verklagt und amtlich habe er erfahren, daß er darüber wohl sein Amt verlieren könne. Als wäre die Nennung Bleichröder's eine Majestätsbeleidigung, wurde vom Kanzler, wie vom Kultusminister ein Bericht eingefordert. Da habe er. Stöcker, einen Brief an den alten Kaiser geschrieben. Es folgt nun in der ..Evangelischen Kirchenzeitung" dieses anderthalb Spalten füllende Schreiben voller unglaublicher Schmähungen gegen die Juden. Ausdrücke wie „gemein", „schmachvoll", „nichtswürdig", „frech" finden sich fast in jedem Satze. Stöcker sagt um Schluffe des Briefes, er wage zu hoffen, daß der Kaiser seinen Kampf billigen und „allerhöchst seinen Segen nicht versagen werd e". Unter Anderem jammerte auch Stöcker in dem Briefe, daß Bleichröder alljährlich in der Passionszeit einen Ball gebe, wobei fast die qesammten Hof- und Staatschargen erscheinen, und daß im königlichen Schauspielhause die „Gräfin Lea" von Lindau gegeben werde, ein Stück, das in Wien abgelehnt worden sei. weil darin der christliche germanische Adel von einer jüdischen Emporkömmlingin mit Füßen getreten werde. .Stöcker behauptet, dieser Brief habe bewirkt, daß die betreffenden Bälle bei Bleichröder nicht mehr stattfanden und die „Gräfin Lea" von der Bühne verschwand. Kreutz. (T em p e l w eih e.) Ans Kreutz wird uns geschrieben: Am 16. d. M. fand hier die feierliche Einweihung der von den Agramer Architekten und Stadtbanmcistern Hönigsberg u. Deutsch erbauten Synagoge statt. Der festliche Act wurde in feierlicher Weise in Gegenwart des gelammten Gemeinde-Ausschusses, der Vertreter des Magistrates und der Bezirksbehörde, der Deputationen zahlreicher Cultusgemeinden aus Kroatien und Slavonien und unter lebhafter Betbeiligung der aesammten hiesigen Bürgerschaft ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses begannen. Unter Vorantritt der in Parade-Adjustirung ausgeröckten freiwilligen Feuerwehr mit ihrer Musikcapelle bewegte sich der Festzug nach dem alten Betbause, wo eine Abschiedsfeier stattfand, deren Bedeutung durch eine Ansprache des Rabbiners Tauber aus Belovar erläutert wurde. Hierauf begaben sich d«e gelammten Festtheilnebmcr, mit dem Bürgermeister Vukic und dem Vorstände der israelitischen Cultusgemeinde Marko Brever an der Spitze, nach dem neuen Gotteshause, woselbst der Festzug von den Erbauern erwartet wurde. Diese übergaben die Schlüssel mit einigen begleitenden Worten an den Vorsteher, welcher dieselben dem Bürgermeister reichte, mit dem Ersuchen, die Pforten des Tempels zu eröffnen und denselben in den Schutz der Stadt Kreutz zu übernehmen. Herr Bürgermeister Vukic betonte hierauf in einer zündenden Ansprache an die Fessqäste die schöne Eintracht und das Gefühl der Zusammengehörigkeit, welche stets das Princip des Kreutzer Bürgertbuws gewesen, dem confessionelle Unterschiede nicht bekannt seien, sondern welches, von wahrer Vaterlandsliebe durchdrungen, stets nur mit vereinten Kräften am Aufblühen des Landes und am Gedeihen und Wachsen der Stadt Kreutz tbötig ist. Das Hauptthor erschließend, ersuchte nun Bürgermeister Vukic die Seelsorger der Gemeinde, die Weibe des neuen Gotteshauses vorzunehmen. Unter Orgelklänaen und Cboralaefang füllten sich nunmehr alle Räume des Tempels, woselbst nun die Weihe des Hanfes vorgenommen und der Festgottesdienst obgehalten wurde. Eine Festrede vom Prediger Dr. Schwarz beleuchtete in schwungvoller Form und in den beredten Worten unserer Muttersprache Zweck und Bedeutung dieses Festtages. Mit Absinguna der Volkshpmne schloß der Festgottesdienst, welcher das neue Gotteshaus in durchaus würdiger Weise seinem Zwecke zufübrte. Nach erfolgter Tempelweihe vereinigte ein Bankett in den Localitäten der „Narodna Citaonica" die Festtheilnehmer bis in die späten Nachtstunden. Eine Reihe von Trinksprüchen, deren erster Sr. Majestät unserem gnädigen Kaiser und König Franz Josef I., der zweite Sr. Excellenz dem Banus Grafen Khuen-Hedervary galt, beschloß die schöne Feier, welche einen