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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-09 · 41 (9.10.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
41 (9.10.1895)
Date
1895-10-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 752 Dr Bloch's Wochrnschrrfl. Nr. 41 Ich erblicke darin eine Hauptursache der Krankheit, der feindseligen Stimmung und bin überzeugt, daß deren Beseitigung die erste und ' wesentlichste Bedingung der Handlung ist. Darum verharre ich unerschütterlich auf meiner wiederholt ausgesprochenen Behauptung, daß nur durch Intervention der kirchlichen Autorität die Hauptquelle des Antisemitismus verstopft werden kaün; denn die Krankheit kann nur auf dem Wege, auf dem sie gekommen, gehoben werden. Würde der Papst offen und entschieden die Sache als Krankheit bezeichnen, so würden alle Bessergesinnten, namentlich die Geistlichen, sich aufraffen und ihrem Oberhaupte äußerlich und innerlich zustimmen. Dann wären die Kreuz- und Querzüge eines Rampolla ganz überflüssig, zumal religiöse Fragen — und eine solche ist der Antisemitismus trotz Protest der Fritsch und Consorten — nicht nach dem Schema weltlicher Politik zu behandeln sind. Aber auch der Staat hat zur Beseitigung dieser schmachvollen Beule das Seine beizutragen. Wir verlangen von chm nichts weiter, als daß er fest und consequent auf dem Boden der Staatsgrundgesetze stehe und unseren jüdischen Mitbürgern das gewähre, was die Staatsgrundgesetze ihnen einräumen. Genug des Lavirens und Kokettirens mit den Parteien. Suum caique! Dr. S ch o e p f. Correspond en^en. Wie«. Die Gegner Dr. B l o ch 's verbreiten im Wahl" bezirke Kolomea-Buczacz-Snyatin das Gerückt, daß Dr. Bloch seine neuerliche Tandidatur für das dortige Reichsrathsmandat zurückgezogen habe. Wir erwidern mit aller Bestimmtheit, daß dieses Gerücht eine tendenziöse Unwahrheit ist, deren Zweck man leicht errathen kann. Die abermalige Candidatur Dr. Bloch's ist eben gewiffenHerren Candidaten unbequem. Man hat an eine hervorragende Persönlichkeit des galizischen Judenthums die Aufforderung gerichtet, sich um das erledigte Mandat zu bewerben. Diese Persönlichkeit erklärte jedoch, daß unter den Umständen, welche Dr. Bloch zum Rücktritte veranlaßten, kein anständiger Jude gegen den bisherigen Vertreter des Städtewahlbezirkes Kolomea-Buczacz-Snyatin auftreten und Dr. Bloch das Mandat streitig machen könne. — Das erwähnte Gerücht scheint demnach nicht von anständigen Juden auszugehen. Wie«. (Eine Nachlese zu den Gemeinderathswahlen.) Aus Floridsdorf wird uns berichtet: Hier ist eine Kleidermacherin, Namens Nemetz, ansässig, deren Kundschaft zum größten Theile eine jüdische ist. Nichtsdestoweniger hat sich besagte Frau Nemetz nicht entblödet. ander antisemitischen Wahlagitation sich persönlich zu betheiligen. Sie fuhr am Wahltage nach Hietzing, wo ihr Bruder Cooperator ist, und agitirte dort von Haus zu Haus für den Sieg der antisemitischen Candidaten. Die Frauen unserer Glaubensgenoffen in Floridsdorf werden hoffentlich aus dieser Gesinnung und Thätigkeit der Frau Nemetz die geeigneten Consequenzen ziehen. Wien, 7. October. (Graf Badeni über den Antisemitismus.) Aus Lemberg wird uns telegraphirt: Beim Empfange der israelitischen Cultusgemeinden-Borst ände vonLemberg. Krakau und Tarnow, welche von dem Präsidenten des Lemberger Cultusrathes v. Horowitz und dem Reichsraths-Abgeordneten Dr. Byk geführt wurden, sagte der Minister-Präsident: „Ich danke Ihnen, meine Herren, bestens für Ihre Wünsche. Sie werden mir gewiß das Zeugniß nicht versagen, daß ich während meiner Amtswirksamkeit stets bestrebt war, Ihre berechtigten und mit dem Wohle des Landes übereinstimmenden Interessen zu fördern. Ich muß indeß zugeben, daß Sie durch Ihr Verhalten redlich dazu beigetragen haben, damit in unserem Lande jene Bewegung nicht er st ehe, welche in anderen Ländern unseres Staates dieBürger verschiedenerConfessionen untereinander entzweit, während ich es für meine Aufgabe halte, dieselben im gemeinschaftlichen Wirken zum Wohle des Landes zu vereinigen. Ich bin überzeugt, daß mein Nachfolger sich dies ebenfalls zu seiner Aufgabe machen wird." Wien. (Ferienheim.) Letzten Freitag fand im kleinen Ronachersaale das Abschiedsfest statt, welches der Verein für israelitische Feriencolonien alljährlich für seine kleinen Pfleglinge veranstaltet, — diesmal unter ganz besonders zahlreicher und hervorragender Betheiligung der Wohlthäter des Vereines. Es hatten sich eingefunden der Präsident der Wiener Cultusgemeinde Herr Gustav Simon, Herr Oberrabbiner Güdemann und Gemalin, Herr Rabbiner G e l b h a u s und Gemalin, Herr S. Heit, Herr Baurath Stiaßny und noch zahlreiche andere Repräsentanten der besten jüdischen Kreise. Daß die Präsidentin Frau Dr. Grünfeld in bekannt liebenswürdiger Weise die Honneurs machte, daß die federgewandte Schriftführerin des Vereines Frau Antonie Graf, die manchem guten Journalisten mit Leichtigkeit 5 Points vorgeben kann, nicht fehlte und daß das Fräulein Schneider, der Schutzengel von Theresienfeld, beim Abschied mit dabei war — dies alles versteht sich ebenso ganz von selbst, wie daß die Kleinen — Männlein und Weiblein — vortrefflich aussahen und sich in stramkner Wohlgenährtheit vorstellten. Die Declamationen, Gesangsvorträge und militärischen Exercitien der Kleinen wurden mit ungenirter Verve vorgeführt und mit lebhaftem, oft stürmischem Beifalle belohnt. Aber auch bei der nachfolgenden solennen Jause entwickelte die hoffnungsvolle Jugend einen so erfreulichen Appetit, daß jeder Kinderfreund seine Helle Freude daran haben mußte. Blechgefäße von ungeheuerlichen Formen, mit heißer brodelnder Chocolade gefüllt, wurden herein- und gleich geleert hinausgetragen und die Guglhupfe, gegen die ein erbitterter Vernichtungskrieg geführt wurde, haben wir nicht gezählt. Die Kinder waren von erstaunlicher Artigkeit und Wohlanfländigkeit, gesittet und klug blickten sie sich an. So gut war es ihnen schon lange nicht ergangen. Die musterhafte Ordnung und Disciplin wurde in keinem Falle gestört. Wenn die Kleinsten der Knirpse, etwa der Girardi in Duodez oder der Lewinsky in der Westentasche, in einen der Chocolade-Häfen gefallen wären —, sie wären rettungslos verloren gewesen. Auf Wiedersehen im nächsten Jahre, lieber Verein „Ferienheim"! Wir freuen uns schon heute darauf, von neuen Erfolgen auf schönem, menschenfreundlichem Gebiete alsdann berichten zu können'. f. Wien. Die jüdische akademische Verbindung „Unitas" hat ihr drittes Semester eröffnet und in der Aula folgenden Aufruf angeschlagen: „Jüdische Commilitonen!" Unsere Verbindung tritt in ein neues Semester ihres Bestandes. Laut § 2 ihrer Statuten bezweckt sie die Hebung des jüdisch-nationalen Bewußtseins und die Pflege der nationalen Geschichte und Literatur. Demgemäß fordert die Verbindung von ihren Mitgliedern freies und stolzes Einbekennen ihrer Abstammung, mannhaftes Eintreten für die bedrohten Interessen des jüdischen Volkes — allezeit und allerorten — ohne nach dem Glaubenseifer des Einzelnen zu fragen. Sie bietet den Ihrigen reiche Gelegenheit zu geistiger Vervollkommnung und soweit sie es mögen, zu.fröhlichem studentischen Leben: Das eine in allwöchentlich stattfindenden Rede-, Lese- und Discussionsabenden, das andere in geselligen Zusammenkünften. Jüdische Commilitonen! Wer von Euch sich ein Herz bewahrt hat, rein vom Pessimismus unserer Tage, frei von gestalt- und körperlosen Zukunftsträumen, der schließe sich uns an, der stelle Herz und Geist in den Dienst des bedrängten jüdischen Volkes! Das Verbindungslocal befindet sich IX., Mosergaffe 6, Parterre, woselbst täglich in der Zeit von 6V-—8 Uhr Abends Zusammenkünfte der Mitglieder stattfinden. Gäste sind stets willkommen! Der erste officielle Vortragsabend findet Samstag den 12. d. M., 6'/, Uhr Abends, statt(IX., Mosergasse 6), bei demselben wird stuck, teadn, S. Rosen bäum über die Tendenzen der Verbindung sprechen. Wien am 1. October 1895. Geehrter Herr Redacte u r! Ich ersuche Sie, folgende Widerrufung in Ihrem Blatte erscheinen zu lassen. In Ihrer Nummer vom 27. September war ein falsches Gerücht zu lesen, welches von böswilligen Burschen ausgesprengt war und durch böse Menschen weiter verbreitet wurde. I. Es ist unwahr, daß ich am Wahltag von einem Fiaker abgeholt wurde. II. Es ist unwahr, daß ich eine weiße Nelke im Knopfloch trug. III. Es ist ferner unwahr, daß ich für die Antisemiten am Wahltage Propaganda gemacht habe.

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