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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-09 · 41 (9.10.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
41 (9.10.1895)
Date
1895-10-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 41 Seite 751 Dr Bloch's Wortzenfttzrifl. sich, wie ich fürchte, häufiz wiederholen dürften, bei den Bahndirectionen anzuregen, daß, analog den Damen- und Nichtrauchercoupss, jedem Znge auch einige Coupßs speciell für „Juden, Judenlibecale und Judenknechte" eingeschaltet werden, damit die P. T. Herren Antisemiten durch Vermischung mit Nichtariern, resp.'ccio: mit ,,Judenknechten" nicht in ihren ..heiligsten Gefüqlen'' gekränkt werden. Mit ausgezeichneter Hochachtung Graf L. Baron Hirsch und Graf Anton Apponyi. Den bekannten Sportsman Anton Apponyi, der bis vor Kurzem mit seinen Pferden so glänzende Triumphe feierte, hat in letzterer Zeit das Glück verlassen, so daß der Graf genöthigt war, seine große Besitzung zu verkaufen und er demnächst aus der Liste der Magnatenhausmitglieder gestrichen werden wird, da er durch die Entäußerung seines Grundbesitzes keinen Census mehr zahlen wird. Graf Apponyi brauchte dringend 809.000 Gulden, zu welchem Behufe er seinen Besitz verkaufen wollte. Da ihm dies jedoch nicht gelang, wendete er sich an Baron Hirsch, und dieser kaufte denn auch den Besitz ans Freundschaft für den Grafen und zahlte dafür eine Million, so daß dem Grafen nach Regelung seiner Angelegenheiten noch 200.000 Gulden verblieben. Baron Hirsch, welcher den Besitz nicht behalten wollte, parcellirte denselben und verkaufte die Parcellen an Bauern. Ja dieser Weise erlöste er für denselben 1,600 000 Gulden. Ec behielt jedoch den Ueberschuß nicht, sondern übergab denselben, 600.000 Gulden, dem Grafen Apponyi. so daß dieser nun abermals nahezu eine Million besitzt und demnach in der Lage ist, einen neuen Besitz zu erwerben und den Census von 3000 Gulden wieder zu bezahlen. Arische Sittlichkeit. Die agrarisch-antisemitische Berliner „Deutsch; Tageszeitung" schreibt: „Als vor 25 Jahren die gefangenen Turkos durch Berlin transportirt wurden, gab's ja auch schon solche „Damen", welche die schwarzen Kerls in jeder Weise bevorzugten und ihnen nicht genug Wohlthaten erweisen konnten, während diejenigen, die diese gefangen genommen und hierher transportirt hatten, unbeachtet im Hintergrund; blieben. Und wenn in irgend einem hiesigen Etablissement schwarze, braune oder gelbe Menschen ihre Kriegstänze aufführen oder sonstige Allotria treiben, so können sie sicher sein, daß sie mit zärtlichen Briefen und zarten Anträgen geradezu bestürmt werden. Dafür sind wir auch ein Culturvolk, und ,,'Cnltur" soll man ja dem „Wilden" beibringen." Die S chlußbemeckung ist besonders interessant, denn bisherschwärmten ja die agrarisch-antisemitischen Patrone in Deutschland für eine ..kraftvolle christliche Colonialpolitik". Baron Hirsch-Stiftung. In der am 1. d. M. nach den Ferien stattgehabten ersten Sitzung des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung berichtete der Präsident, Herr David Ritter von Gutmann, u. A von der im Laufe des Monats September nach Bewältigung mannigfacher Schwierigkeiten erfolgten Eröffnung von zehn neuen Stfftungsschulen. Es wurden hie;u Die folgenden O.tschaften ausgewählt, an welchen die Frequenz seitens der jüdischen Schüler eine verschwindend kleine ii't, und zwar: Dukla, Pomorzany, Obertyn, Ottynia, Gliniany, Go'ogory, Zalosze, Savagoca (Bukowina) und Jaroslau, (Umwandlung der von der Cnltusgemeinde erhaltenen Talmud- Thora in eine regelrechte Volksschule). Die Einschreibungen sehr befriedigendes Resultat, und zwar: m Zaleszczyki . . . 300 Knaben „ Gliniany .... 148 „ ., Sadagora. . . . 135 „ Zalosze .... 113 „ „ Jaroslau.... 104 „ „ Pomorzany . . . 90 „ „ Ottynia .... 80 „ „ Obertyn .... 66 „ „ Dnkla. - 32 „ erfreulichen Zuwachs der Frequenz im neuen Schuljahre erfahren und mußten die Schullocale erweitert und Parallelklassen eröffnet werden. In mehreren Orten sah sich das Curatorium veranlaßt, eigene Schulhäuser zu bauen, beziehungsweise anzukaufen, da die Localmiethe in solchen Orten unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet. Ferner wurde in dieser Setzung mit Rückficht darauf, daß eine größere Anzahl von neuen Lehrern acquirirt werden mußte und daß im abgelaufenen Schuljahre auch eine neuerlich: Gehaltsregulirung zu Gunsten der Lohcer vorgeuommen werden mußte, der Beschluß gefaßt, den Pensionsfond entsprechend zu ergänzen und wurde das Präsidium mit der Durchführung der nöthigen Vorarbeiten betraut. Eine Erklärung des Bischofs Holdhazy. Die in Raab erscheinende „Transdanubische Zeitung" brachte am letzten Sonntag einen Schmähartikel gegen Baron Hirsch, worin derselbe wegen seiner Absicht, in Raab ein Palais zu erbauen, mit Jnvectiven schwersten Kalibers überschüttet wird. Kürzlich veröffentlichte nun der Raaber Bischof H o l d h a z y, der gewesene Erzieher im Hause des Erzherzogs Joseph, im eigenen und im Namen des Raaber Domcapitels m einem liberalen Blatte die Erklärung, daß er diesen tactlosen Angriff der Form und dem Inhalte nach znrückweisen müsse und jede Solidarität des Domcapitels mit diesem antisemitischen Blatte ablehne. Gleichzeitig bestreitet Bischof Holdhazy dem Blatte die Berechtigung, die Raaber Diöcesandruckerei als Herausgeberin zu nennen. Zur Netivlogie des Antijudenthums.*) Das Antijudenthum, Antisemitismus genannt, ist unbezweifelbar ein krankhafter Zustand. Bei jeder Krankheit handelt es sich vor Allem um die Ursachen oder Entstehungsgründe, die aus den Thatsachen zu erschließen sind. Das gilt nun auch von der Krankheit des Antijudaismus, die in hohem Grade ansteckend ist. Die Heilung hängt, wie bei jeder Krankheit, zunächst von der Beseitigung der Ursachen ab. Es ist nun eine merkwürdige Erscheinung, daß selbst sonst gute und liebevolle Menschen von Antisemitismus sich umstricken lassen, was ich namentlich in meinem Stande unzähligemale zu erfahren Gelegenheit hatte. Woher das ‘? Von der Tradition, die seit Jahrhunderten den jugendlichen Gemüthern eingeimpst worden ist. Schon in das Kindesherz wird das Gift des Abscheues und des Hasses eingetrüufelt. Der Jude wird den Kleinen als der Wauwan bezeichnet, als der leibhaftige Gottseibeiuns, der nur aus das Verderben der Mitmenschen ausgeht. Da werden schauerliche Geschichten erzählt von Blutabzapsung und Kindermord. Da führt Großmütterchen ihr Enkelkind mich dem Jndenstein oberhalb Hall (Unterinnthal) und weist auf die grimmigen Gesichter der jüdischen Schlächter, so daß den Kleinen ein Grauen überkommt und er das Schreckbild nicht mehr losbringt. Da'wird aus die Stationsjuden gewiesen, wie sie ihre Gesichter fratzenhaft verzerren, bis endlich Zweifel au der Menschheit des Israeliten austauchen. Zu alldem kommt noch ein sehr wichtiges Moment. Am Charsreitag wird ein Misfale gebetet für die peiüäi Judaei, damit der Herr ihre perüäia judaica gnädig wende. Was wird nun der Priester, insbesondere der fromme, bei diesen Worten denken? Er muß und wird dabei denken, daß die Kircbe selbst in ihrer Liturgie die Juden als perüde gens verabscheut und so wird gerade der fromme Mann nolens volens Antisemit. An jedem Freitag der Woche wird in den Kirchen das Freitaggebet verrichtet. Es beginnt mit den Worten: „Es sind Finsternisse geworden, als die Inden den Herrn Jesus gekreuzigt hatten." So betet Jung und Alt in der festen Meinung, daß die bösen Juden den Heiland ans Kreuz geschlagen. Nun ist es allerdings richtig, daß die Inden jener Zeit den Tod des Herrn gefordert: aber die Fällung des Todesurtheiles, die Hinaussührung zur Richstätte und die Kreuzigung war Sache der Römer, die ausschließlich das jn8 gladii besaßen. Das steht fest, gleichviel ob der Brief des Pontius Pilatus an Kaiser Tiberius echt ist oder nicht. Aber daran denken die Beter nicht, auch nicht daran, daß die Kreuzigung Christi schon vor mehr als 1800 Jahren geschehen ist, daß man sohin billigerweise die heutigen Inden nicht für die That ihrer Vorfahren verantwortlich machen kann. *) Dem soeben erschienenen „W jener Kalender für Stadt und Land für das Jahr 1896", heransgegeben von A. G. v. S ll r t n e r, entnommen.

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