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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-02 · 40 (2.10.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
40 (2.10.1895)
Date
1895-10-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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«-SKL2«? '4SSSSSS. ■•Z'xiEBXSBBBSStbSdi?'*. «fssr.dr-i:*s &Z1 ÄES-LdLSrÄ«»- rESfiSr riHrrrmmnr "i , Nr. 40 wie mein Bernhard, wir haben doch in einem Monat Hochzeit gehabt, und dann kommt — „der Siegmund ist 23 Jahr, der Josef 21, die Bertha 19 Jahr" ergänzte schnell Sarah, die dem Gedächtniß des Ruffer zu Hilfe kommen wollte, „und dann, fuhr Rnffer fort, geht es so wie die Orgelpfeifen herunter bis zum Jüngsten, zum Adolfleben, wie alt ist Adolf?" — „8 Jahr ist er," antwortete Sarah ganz begeistert, „aber ä gebenschtes7) Jüngelchen, er taxirtIhnen heute schon äRock auf 50 Pfennige." — Ruffer erzählte weiter: „Wie wir da vor sechs Monaten ungefähr, zu Pessach-) war es, aus Schulz kommen, seh ich, wie mein Bernhard mit Sarah's Bertch:n und ihr Benjamin mit meinem Röschen ä so hin und her promeniren und sich dabei unterhalten, als wenn sie sich gar Stücker7) zu sagen hätten. Nu müssen Se meine Frau kennen, die hat ä Blick, unberufen! — „Weißte was Ruffer, sagte sie, die Maasse°) mit de Gobeles'sche Kinder kommt mer nit ganz geheier vor; — Hab' schon neilich ä so etwas gemerkt; das geht nischt ä so weiter, verstehste Ruffer? NarrischkeitenO) bei die nischt herauskommt. Noch heute redste mit der Gobelessen und sagst ihr daß du das und das bemerkt Haft und fragst se. was der Stuss') bedeiten soll! Ae sonst red'ich mit ihr! — Verstehstemich?" Sie müssen nämlich wissen, geehrter Herr, meine Frau —" „ei weh!" drehte sich Jeiteles abwinkend um — „wie so ,ei weh', Herr Jeiteles?" frag Ruffer — „Was brauch ich Ihnen zu erzählen? reden Sie weiter," gab Jeiteles als Aufklärung zur Antwort. „Meine Frau nämlich ist ä bischen nervös, ä bischen heftig, die Leit haben nischt gern mit ihr zu thun, sie bekonmt mitunter ihre Zustände und da ist se ungenießbar, aber sonst ä sehr gute, bekowete8) Frau!" „Gott soll hüten," wagte Seifensteiner leise zu bemerken, während Frau Gobeles sich eines zustimmenden Lächelns nicht erwehren konnte. „Um nu jenem Unglück aus dem Weg zu gehen, habe ich gesagt: „Rosalie lass' mir nur machen, thu' mer ä Gefallen und kümmere Dich um gar nichts." — Was meinen Se habe ich gethan? — geehrter Herr? Was meinen Se? Ich bin zu Gobeles gegangen und wollte mitFrau Sarah ein ernstes Wort reden!" — „Und Herr Gobeles?" unterbrach ich Herrn Ruffer. — „Mein Mann kann nebbich") nicht ä so mit der Sprache mit. er hat vor ä paar Jahr ä kleinen Schlaganfall gehabt und ist auf die rechte Seite gelähmt. Wenn Se erlauben, Herr Ruffer. werde ich weiter erzählen!" — „Bitte sehr Frau Sarah, ihr Wort in Ehren." — „Auf einmal." fuhr Sarah fort, „seit zwei Jahren hat sich Ruffer bei uns nischt sehen lassen, seine liebe Frau wollt' es wahrscheinlich nit haben" — „wer sagt das?" entgegnete Ruffer schnell — „lassen Se mer doch reden, habe ich Sie den unlerbrochen?" — „reden Sie dann," — „aus einmal kommt Herr Wolf Ruffer herein im guten Rock, so elegant, daß man hält gemeint, er kommt zum Minister. — Ruffer, sag' ich, was ist da los, ä so feierlich, was verschafft mer das Vergnügen?" — „Ich wollte gern mit Ihnen ä Wort unter vier Augen sprechen." — Ruffer bestätigte stillschweigend nickend Sarah's Erzählung. — „Mit mir? — unter vier Augen? Herr Ruffer, ich bin ä verheiratete Frau, sag' ich, was heißt unter vier Augen? — aber, wenn Sie meinen, es muß sein, schön kommen Se da hinein in die t^rüne Stube, nebenbei gesagt unser gutes Zimmer, geehrter Herr, nehmen Se Platz und legen Se los!" — „Frau Sarah, fing Ruffer an, mit einer großen Verlegenheit auf dem Gesicht, Frau Sarah, wir kennen uns doch schon lange!" — „Was soll das heißen, Herr Ruffer, ich werd' gar nischt klug aus Ihnen, da steckt doch etwas dahinter, reden Se deitsch mit mir". „Eine sehr wichtige Angelegenheit führt mich zu Ihnen, Frau Sarah". — So reden Se doch schon, was machen Se for Umschweife? — auf de Folter packt er mich, sagte ich". — Um kurz zu sein, Frau Sarah, unsere Kinder — haben etwas." — Unsere Kinder? frug ich natürlich erstaunt, unsere Kinder?" „Unsere Kinder, wiederholte Ruffer nochmals und das sagte er in einem ä so geschwollenen Tone, daß ich gar nicht gewußt Hab', was ich aus dem Ton machen soll! — Was haben denn unsere Kinder, Herr Ruffer?" — „Ae Liebschaft" — brachte er endlich, wie von einem Banne befreit, hervor, ä Liebschaft! „Mein Bernhard mit ihrer Bertha und Ihr Benjamin mit meinem Röschen." — Eher hätt' ich gemeint, die Welt geht voneinander, ehe ich auch nur Seite 73 5 daran gedacht hätte! — Wie ich mich ä bischen erholt hatte, frag ich natürlich: „Wie so, wie so wissen Sie das?" und da erzählte mir Ruffer die ganze Maasse,7) wie er mit seiner Frau aus Schul-) gekommen ist und die Kinder hat gesehen promeniren und zusammen tuscheln. „Was ist also da zu machen?" frug mich Ruffer. — „Was zu machen ist?" sehr einfach, sagte ich —: „Benjamin komm ä mal rein" — Sie müssen wissen, mein Sohn ist Referendar und was for ä Referendar! Neulich war er geladen bei dem Herrn Landgerichtspräsidenten zum Ball und ist mit fünf großen Orden nach Hause gekommen, er hat die meisten Orden gehabt von alle junge Leute, die den Cotillon mitgetanzt haben!" — „Nu, ist denn mein Bernhard weniger? — fiel ihr Ruffer in's Wort — königlich preußischer approbirter Zahnarzt mit ä eigene Klinik, Unbemittelte gratis" — „Benjamin, sage ich, mein Sohn, was geht vor zwischen dir und Rose Ruffer und Ruffer's Bernhard mit unseren Bertchen? — Wie ich seh mein Sohn, der Referendar, will mer so etwas answeichen, er will nischt so recht heraus mit der Sprache. Hab ich ihn auf den Kopf zugesagt die ganze Geschichte. Da ist er feuerroth geworden, ist mer um den Hals gefallen, hat mer angefangen zu schluchzen, daß mer ist ganz anders geworden. Wie er sich hat beruhigt und ich ihn Hab ganz sanft gefragt: Benjamin, mei Sohn, sag mer, was de hast, da hat er gesagt — da hat er gesagt — ich dacht nicht anders, als „mir Paffirt etwas," da hat er gesagt: — „Sehaben sich heimlich verlobt." — Was sagen Se dazu geehrter Herr, was sagen Se dazu, dabei stieß sie mich unwillkürlich leise von sich. Wie ich bin wieder zu Luft gekommen, Hab' ich gerufen: Benjamin, Bennolkben, was haste gethan? — und Bertha? — ohne mer ein Wort zu sagen? — Herr Ruffer, habe ich g'fazt ganz außer mir, Herr Rnffer, gehen Se nach Hause, ich muß erst zu mir selber kommen, dann reden wir w:iter. Ruffer hat gefühlt, was auf meinen Schultern lastet und ist gegangen — stillschweigend. Ich Hab gar nit gewußt, wo ich soll zuerst anfangen aufzuwikeln das Knäul von Wirrwarr, was in meinen Kopf herumgegangen ist, eine Friu aber, die neun Kinder hat und ä kranken Mann derzu, darf nicht den Kopf verlieren! — Erst Hab' ich ä Glas Wasser getrunken, dann Hab ich mich hingesetzt still, ganz still und Hab' mer meinen Sohn, den Referendar, ä so angesehen." „Mutter," fing Benjamin an, „wenn Du mich ruhig anhören wolltest, will ich Dir ja Alles ganz genau erzählen, aber deine äußere Ruhe, zu der Du dich zwingst, ist zu einer Auseinandersetzung nicht geeignet." — „Bin ich denn aufgeregt? — bin ich denn aufgeregt? — ich bin ä so ruhig, wie ä klein Kind, — dabei hat es in mir gekocht, wie in 'nem Backofen. Mein Sohn, der Referendar, traute aber meiner Ruhe nicht, sondern er sagte: „Liebe Mutter, Du zitterst ja am ganzen Körper — Herr Ruffer hätte schonungsvoller Vorgehen sollen, er brauchte nicht mit der Thür in's Haus zu fallen, zumal er weiß, daß Du sehr leicht erregt wirst. Du versprichst mir also, mich ruhig anzuhören? — gut denn, so will ich Dir jetzt ein offenes Geständniß oblegen. — fSdiiuB folgt.) Literatur. Rabbi Cleasar, genannt Schemen Rokeach. Eine Lebensbeschreibung, zugleich eine Einführung in den Gedankeugang und in die Lehrmethode des rabbinischen Schristthnms. Bon Dr. L. Münz. Rabbiner in Kempen. Mit einem Bildniß. Trier. Verlag von Sigmund Mayer. 1895. Herr Dr. L. Münz ist als hervorragender, geistreicher Kanzelredner längst bekannt. Seine „Religiösen Zeitfragen", wie auch seine „Drei Reden politischer Tendenz" zeichnen sich durch ihren tiefen und reichen Gedankeninhalt vortheilhaft ans und wurden von den tüchtigsten Fachkennern (R o s i n und K a y s e r l i n g) als geradezu mnstergiltige Leistungen der Rhetorik bezeichnet. In der vorliegenden Schrift tritt uns der Verfasser als ein bedeutender Forscher und Geschichtsgelehrter entgegen. R. E l e a s a r, der Geistesheld der Erzählung, war der Sprössling einer alten, hochangesehenen Rabbiuersamilie und zählte zu seinen Ahnen Männer, die einen unsterblichen Namen im Judenthnm erlangt Huben. Er selber besaß ein ungeheures Wissen un' entraltete auf den verschiedenen Gebieten der rabbinischen Literatur eine überaus reiche literarische Thätigkeit. Mehr als ein halbes Jahr wirkte er als religiöses Oberhaupt und aus seinem berühmten Lehrhause gingen viele Tausende Thorajünger hervor, die den Dr. Bloch's Wochenschrift. ') gesegnet. -) Ostern. 3) Gotteshaus. ') Vieles Wichtiges. 5) Geschichte. n) Narrheiten. 7) Unsinn. 8) anständige. <J) leid-r. ') Geschichte. -') Gotteshaus.

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