Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 40 (2.10.1895)
- Date
- 1895-10-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 736 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 40 Ruhm ihres Meisters weithin verkündeten. So leuchtete N. E l e a s a r — nach einem seiner bedeutenden Werke Schemen N o k e a ch genannt — unter den Rabbinern seiner Zeit als Stern erster Größe hervor und noch heute lebt sein Name ruhmumstrahlt bei der Nachwelt sort. Von dem Leben und Sterben, von dem Schassen und Ringen dieses gefeierten Mannes entwirft uns der Verfasser ein anschauliches, klares und lebensfrisches Bild. In meisterhafter Weise werden aber auch jene bedeutenden Männer, die zu dem näheren Kreise des R. Eleasar gehörten, in ihrer ganzen Größe und Bedeutung geschildert. So lernen wir im Verlaufe der Darstellung den berühmten mährischen Landrabbiner R. Mordechai B e re t, R. David Deutsch, R. Benjamin Wolf und den frühvollendeten genialen Gelehrten R. A r y n (beide Letzteren Söhne des Schemen Rokeach) kennen. Aber das Buch ist weit mehr als eine Lebensbeschreibung. Im Anschluß an die Werke, an die wissenschaftliche Thätigkeit des Schemen Rokeach charakterisirt der Verfasser Inhalt nnd LehiMethode des rabbiuischen Schriftthums und verschafft dem Leser einen tiefen Einblick in das Wesen und in den Gedankengang dieser Literatur. Diese Auseinandersetzungen und Explicationen sind geradezu meisterhaft und können einen hohen wissenschaftlichen Werth beanspruchen. Man lese zum Beispiel die geistvolle und scharsfinnige Abhandlung über die hagadische Literatur und über die drei verschiedenen Gartungen derselben. S. 65. Dieses Werk gehört unstreitig zu den hervorragendsten jüdisch-literarischen Erscheinungen unserer Zeit. Es ist ein Muster gründlicher Forschung und krystallklarei Darstellung. Zu dem Reichthum des Inhalts gesellt sich die Gediegenheit der Form und die Schärfe der Gedanken. Die Schrift sei daher allen Kennern der jüdischen Literatur bestens empfohlen. Aber auch Diejenigen, die mit der jüdischen Wissenschaft wenigcr vertraut sind, werden in dem herrlichen Buche Belehrung und Anregung im reichen Maße finden und mit inniger Befriedigung es aus der Hand legen. Ausstattung und Druck find als vorzüglich zu bezeichnen; der Preis ist mäßig. Schlichte Worte zum „8eker Hajeschar“, oder Allgemeine Vorrede zur biblische« Geschichte, von Leopold Buxbaum (eva. Rabbiner, Religionslehrer in Wien Il/3., Leopoldgasse 26.) Herr Buxbaum ist den geehrten Lesern dieser Wochenschrift bereits dur^ seine Tikun-Lel-Schjmurim-Hagada als ein tüchtiger Pädagog bekannt. Diesmal beabsichtiget er, eine biblische Geschichte zu veröffentlichen, nicht nach der gewöhnlichen Schablone, sondern ein „Novum", nach Art der Bibel, in kurzen Absätzen mit leicht faßlichen Erklärungen der berühmtesten Commentatoren und eigener Ansichten. Eine biblische Geschichte also für die Jugend wie für das Alter, für den Laien, wie auch für den Gelehrten. Diesem Werke sendet der Verfasser als Vorbote die obbenannte Broschüre, die nebst einigen Proben pädagogische Winke für Lehrer und Ellern enthält, die allgemeine Beachtung verdienen. Da dieses Heft nur 15 kr. kostet, so wird es hoffentlich zahlreiche Abnehmer finden, was wünschenswerth ist, damit der Verfasser in die Lage kommt, baldigst sein Werk in Druck legen zu können und zu veröffentlichen. W. Dr. I. in P. Willkommen. Wien, Anonymus. Sie leisten sich den unendlich abgeschmackten Scherz, uns ein mit „Rothschild" gezeichnetes Schreiben znzusenden. Fällt Ihnen denn nichts Gescheidteres ein! Unser innigstes Beileid. Wien, VI. „Ein Jude". Wir machen, Ihrem Ersuchen entsprechend, gern ans den antisemitischen Photographen Johann Hahn aufmerksam, dessen Kundschaft zu zwei Dritteln aus Juden besteht. Als antisemitischer Candidat war er jedoch so vorsichtig, bei seinem Namen den Zusatz „Photograph" ans den Listen zu unterlassen. Troppau Otto L. Die Trvppauer „Deutsche Wehr" schrieb am 31. August über die Wiener Gemeinderathswahlen: „Gesinnungslumpen und käufliche Individuen gibt es in jeder Partei und gerade die in Wien tonangebende christlich-sociale Partei hat bedauerlicherweise gegen solche korrupte Elemente nicht rechtzeitig und entschieden genug Stellung genommen. Duldet doch die christlich-sociale Partei sogar einen B e r g n n i in ihren Reihen!" Wie«, „Zacharias" Ihre Anfrage können wir au dieser Stelle so ohneweiters nicht beantworten. Vielleicht entnehmen Sie, was Sie über den gegenwärtigen Stand der Sache zu wissen wünschen aus Schönerer's Unverfälschter „Briefkastenzcitung" Nr. 18. „Warum bringt denn das sensationslüsterne Pauschalien-Volksblatt nicht auch einmal einen Anssatz, der so beginnt: „Landtags- Abgeordneter Vergani in strafger'ichtliche r Untersuchung wegen Amtsv eruntr e uu n g! Eine Nachricht, die nicht verfehlen wird, insbesondere in den christlich-socialen Bezirken das größte Aufsehen zu erregen, hat nun ihre Bestätigung gesunden: Der derzeitige antiliberale Landtags-Abgeordnete Vergani bcsindet sich gegenwärtig wegen dringenden Verdachtes, das Verbrechen der Amtsverunteuung durch Entwendung von Arm envermögen uno Gemeindegeld begangen zu haben, in st r afger ichtliehe r Un tersu ch ung beim Krem ser Kreisgerichte!???—" Wien, W. R. Wir findenes mit Ihnen scandalös und empörend, wenn jüdische Firmen in antisemitischen Schmutzblättern inserircn. Es zeigt dies von wenig Vernunft und noch weniger Ehrgefühl. — Die abscheuliche Aeußerung aus der Currentgasse können und wollen wir nicht colportiren. Der Mann ist viel zu unbedeutend. Die jüdischen Gäste werden ja ohnedies nunmehr das Local meiden. Berlin, N. N. Wir danken für die freundliche Zusendung des unfreiwilligen Witzblattes antisemitischer Couleur, der „Deutsche General-Anzeiger" benamset. Es bringt in ziemlich confnser Weise die Alliance israelite mit dem — Aufstand in Makedonien in Verbindung. Zu dumm! — Aus demselben Wische: „Der jüdische Breilegrad geht durch die niedere Portemonnaie- und Sinnengegend, die deutschen Breilegrade liegen zwischen den idealen Religionen des Herzens und des Geistes; aus den höchsten Kräften des Gemüths und der Vernunft ist die gewaltige Christencultur der Deutschen hervorgegangen." — Man merkt's! Briefkasten. Sambor. Js. Mayer Lau. Dem Wunsche der Herren Samborer Wähler kann wegen Raummangels nicht entsprochen werden. Die Adresse hat nicht weniger als 1400 Unterschriften. Pohrlitz. R. Wir erinnern Sie an dos schöne Wort Dr. Güdemann's: „Die Juden haben nicht die Religion erhalten, sondern die Religion hat die Juden erhalten." Berlin. „Semitophile". Die angezogene Stelle in „Des alten Freidank Bescheidenheit" ist recht geistreich. Ein mittclalterlicher Antisemit klagt darüber, daß die schlimmen Juden und die braven Christen immer das gleiche — Wetter haben. Kascha« Treuer Abonnent. Es freut uns, Sie mit unseren Anschauungen so vollständig einverstanden zu wissen. Unsere Glaubensgenoffen werden sich vorläufig vom öffentlichen Leben vollständig zurückziehen, allen Provocationen der Gegner aus dem Wege gehen und sich auf die Defensive beschränken. Zustimmende Zuschriften im Sinne der Ihrigen haben wir in großer Zahl erhallen. Agram. Pr. Wir constatiren, daß in der letzten Nummer irrthümlich die Kosten der Wasserleitung angegeben wurden. Durch das Borgehen des Gemeinderathes P r i st e r wurden nicht 20.000, sondern 200.000 Gulden erspart. Ihre Anregung wird von den leitenden Personen bereits berathen. Sie werden zufrieden sein mit uns. Wien. „Rüthling". Die Schmähpost dichtet wieder einmal heftig. Um aber dem ominösen § 302 aus dem Wege zu gehen, singt sie „Wien istbefreitvomTürkenj o ch", nennt die Türken Räuber und macht Ihnen auch noch andere Complirnente. Es wäre ganz in der Ordnung, wenn der Botschafter der hohen Pforte am Kaiserhofe beim Ministerium des Auswärtigen Reclamationen erheben würde. Wien. VI. „Ein Aufmerksamer". Sie machen uns auf die Annonce Gregorig's im „Deutschen Volksblatt" aufmerksam; die „antisemitische Wäschehandlung" ist gut. Arische Nachtleibeln, racenre»ne Unterhosen und christlich-sociale Fußsocken — Herz was begehrst du noch mehr? Ein hebräischer Lehrer mit guten Zeugnissen versehen, sucht Unterrichtsstunden. Auskunft aus Gefälligkeit hei Herrn Cantor Schiller, Wien, Seitenstettengasse Nr. 4. r^Ainmpnanio für sehr feines, israel. Haus wird gewUUVv?l IlafllC sucht. Auskunft: Wien, XIX. Bezirk, Barawitzkagasse Nr. 6, II. Stock, Thür 7. Abel Rappaporfsche Stiftung für Studierende. Der Vorstand der hiesigen israel. Cultusgemeinde bringt hiernit zur Kenntnis, dass zwei Stiftplätze der obigen Stiftung im Betrage von je 8. W. fl. 500 jährlich an Studierende jüdischer Confession aus Galat z auf die Dauer der Studienzeit zu verleihen sind. Competenzfähig sind Studierende an einem Obergymnasium, einer Oberrealschule, an der technischen Hochschule, an der k. k. Universität oder an der Handelsakademie in Wien. In Ermanglung von aus Galatz geborenen Studierenden werden die obigen Stiftplätze an Studierende der k. k. Universität verliehen, welche ihre Bedürftigkeit, sittliche Unbescholtenheit und wissenschaftliche Verwendung naehweisen können. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Die Gesuche sind im Einreichungsprotokolle der israel. Cultusgemeinde I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, von 9—12 Uhr DV bis 31. October 1895 zu überreichen, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden unentgeltlich zn beheben sind. Wien, am 1. October 1895. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde.