Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 40 (2.10.1895)
- Date
- 1895-10-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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■FSrJT?9He!M£29«flHSMt-;3aiar& Nr. 40 Br. Vloch's zu fassen vermag und daß auch die im vorigen Jahre vom Curatorium hinzugemietheten zwei Schulzimmer lange nicht ausreichen. Herr Dr. W e ch s b e r g versprach sonach, daß noch weitere Ubicationen hinzugemiethet werden sollen, damit nicht, wie dieses leider bisher geschehen mußte, Hunderte von um Aufnahme flehender armer Kinder wegen Raummangel abgewiesen werden müßten. — Die Bevölkerung hat hier die Wohlthat der Volksschule bald würdigen gelernt. — Wer sich auf acht Jahre zurückerinnert, der wird wissen, daß es damals der Israelitischen Allianz nicht leicht wurde, hier eine Schule zu errichten; das Experiment mußte vorerst in dem benachbarten Dorfe Wolanka versucht werden. Und heute, nach acht Jahren, gibt es kein jüdisches Kind in ganz Boryslaw-Wolanka, das nicht nach der Schule lechzt, gibt es unter den 10.000 Juden nicht Einen, der nicht nach der Schule verlangte! Herr Dr. Wechsberg wurde auch angegangen, bei Herrn Baron Hirsch Fürsprache einzulegen, daß Ortschaften wie Boryslaw, welche von Juden, und zwar von den allerärmsten, so massenhaft bewohnt sind, von dem Wohlthätigkeits- Bureau mehr als dies bisher geschah, wo man kaum die Existenz desselben fühlte, bedacht werden. Zlabings. Ein wunderbarer Zufall, oder sagen wir lieber gleich ein Fingerzeig Gottes war es, der vor einigen Wochen in der Gemeinde Zlabings waltete. Dort wird, wie schon bekannt, ein neuer Tempel gebaut; das Geld dazu kam theils von wohlthätigen Spenden, theils von einer Privatstiftung. Es bildete sich ein Comite, welches sich einen besonders günstigen Platz kaufte. Als man mit der Demolirung der darauf stehenden Häuser fertig war uud den Grund zu graben anfing, fand man eine Blechrolle, die auf allen Seiten gut vernietet war. Nach Aufmachen derselben fand man eine Pergamentrolle, bedeckt mit hebräischen Buchstaben. Das Comitö überschickte diese Rolle durch einen Boten nach Schaff« dem Herrn Rabbiner, der diese Schrift übersetzte, und da zeigte sich, daß es eine Urkunde war, des Inhaltes, daß auf der Stelle, wo die Rolle gefunden wurde, vor 430 Jahren ein Tempel gebaut wurde. Sämmtliche Unterschriften des damaligen Rabbiners, Gemeinde-Vorstehers und der Räthe waren jedoch alle nur mit Vornamen angegeben : „Sohn des rc.", sowie Vaters und Großvaters Name. Das bekräftigt wieder auf's Neue die trostreiche Verheißung : „Ich werde Dich strafen und verbannen, in Feindesland zerstreuen, jedoch ganz verlassen werde ich Dich nicht." . Meine Mutter, welche in der ehemaligen Judengemeinde Welking, Vr Stunde von Zlabings entfernt, geboren war, erzählte mir, daß die Alten dort noch von einer Austreibung der Juden aus Zlabings erzählten. In Welking ist noch heute ein schön gebauter Tempel, jedoch verödet, da die Juden sich in Zlabings ansässig machten und die Tempelgeräthe mit hinüber nahmen. Kann es da nicht möglich sein, daß die damaligen Juden bei der Vertreibung besonders wertyvolle Tempelgeräthe mitgenommen, in Welking aufbewahrt; daß die jetzt neuerdings auf dieselbe Stelle, woher sie kamen, gesetzt werden? Und soll uns das nicht stärken und kräftigen in dem Glauben an den einstigen Wiederaufbau des Tempels in Zion. Denn wie bekannt, sollen ja im Batican auch Tempelgeräthe des 1. Tempels von Jerusalem aufbewahrt werden. Harren die vielleicht auch ihrer einstigen Wiederkehr nach Jerusalem! E>. Brod a/S, 26. September. (Feierliche Grundst e i n l e g u n g.) Am 24. d. M. um 9 Uhr Bormittags wurde feierlich der Grundstein des neu zu erbauenden israelitischen Tempels gelegt. Der festlich mit kroatischen Naticnalfahnen, Wappen, Reisig und Guirlanden geschmückte Bauplatz bot mit den zahlreichen Festgästen einen imposanten Anblick. Der Feier wohnten bei: Bürgermeister v. Horvath an der Spitze des Gemeinderathes, zahlreiche Officiere der hiesigen Garnison, die freiwillige Feuerwehr mit Senator Radinic als deren Commandanten an der Spitze, der kroatische Gesangverein „Davor" mit Präsident Advocat Dr. Brlic und Großgrundbesitzer Marac, der Verein vom „Rothen Kreuze" mit seiner Präsidentin Frau Generalswitwe v. Rokasuvic, der kroatische Casinoverein mit Oberst Holujevic i. R., der israelitische Frauen- Wochenschrift. Seite 733 wohlthätigkeitsverein mit der Präsidentin Witwe Eichhorn, der kroatische Frauenwohlthätigkeitsverein mit Präsidentin D'Elia. die- Richter Heim, Becic und Somogyi. Postvorstand Senko, Steuereinnehmer Pavic, Schuldircctor Obtrkic rc. Auch der katholische Pfarrer Leskovac, Kaplan Kirchmayer, der griechischorientalische Pfarrer Kajganovie und Franciskaner-Provincial Rodic beehrten die Feier durch ihre Anwesenheit. Ferner waren erschienen: Die Djakovska Cultusgemeinde durch 2 Ausschußmitglieder, so wie Herr Architekt Deutsch, Mitchrs der Firma Königsberg u. Deutsch ans Agram, als Erbauer des Tempels. Die Grundsteinlegung selbst nahm folgenden Verlauf: Herr Rabbiner S. Stern beleuchtete in einer schwung- und inhaltsvollen kroatischen Rede die Bedeutung des Tages. Es war dies die e r st e k r o a t i s ch e R e d e, die man in Brod von der Kanzel herab vernahm, und entledigte sich Herr Stern dieser Aufgabe auf's Beste. Man würde glauben, er habe die Rede nur einstudiert, ohne deren Inhalt zu verstehen, nein, er lernte schon über ein Jahr gründlich die kroatische Sprache, die er auch vollkommen beherrscht. Nach vollendeter Rede gratulirte ihm Alles, die ersten Gratulationen empfing er aber von der anwesenden katholischen Geistlichkeit. Sodann wurde zur Verlesung der ebenfalls in kroatischer Sprache verfaßten Urkunde geschritten und dann zur eigentlichen Grundsteinlegung. Bürgermeister v. Horvath that >ie ersten üblichen 3 Hammerschläge, rach ihm kam der Gründer der Broder israelitischen Gemeinde Herr Jakob Bauer, hierauf der jetzige verdienstvolle Gemeindepräses und Bicebürgermeister Jakob Kohn. Diese drei Herren unterfertigten auch die Urkunde. Nach Absingung der Hymne dankte Präses Kohn den Anwesenden für ihre Theilnahme an dem Feste, worauf die schöne Feier beendet war. Bei dieser Gelegenheit zeigte es sich deutlich, welch' schöne Harmonie in der Bevölkerung der Stadt Brod herrscht und wie ohne Unterschied der Confession Bürger neben Bürger in Freud und Leid friedlich nebeneinander leben. Das Verdienst, daß der Bau des Gotteshauses zu Stande kam, gebührt in erster Reihe dem Herrn Gemeindepräses Kohn und dessen unermüdlichem Eifer, in zweiter Reihe Herrn Rabbi Saul Stern, der in flammenden Worten den Bau eines solchen immerwährend befürworteten. Beider Herren wurde in der Urkunde in obigem Sinne auch Erwähnung gethan. Am selben Tage Nachmittags fand bei Herrn Kohn ein Bankett statt, zu welchem alle Corporationen so wie viele Gemeindemitalieder geladen waren. M. E. Wien. (Kinderfest.) Anläßlich des Namensfestes Sr. Majestät oes Kaisers veranstaltetder Verein „Ferienheim" Freitag den 4. October im Ballsaale Ronacher I., Schelling gaffe, ein Kinderfest für die 330 Knaben und Mädchen, welche während der zwei Ferialmonate in den Coloniestationen Petrau, Schattmannsdorf und Theresienfeld untergebracht waren. Die Kinder werden sich in Declamation und Gesang produciren und die Knaben Proben ihrer militärischen Abrichtung vorsühren. Nach den Productionen erhalten die Kinder eine Festjause. Anfang 4 Uhr, Eintritt frei, Gäste willkommen. Die Direction des Etablissements Ronacher hat den Saal in Ansehung des patriotisch - Humanitären Zweckes unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Wien. Vorige Woche verlobte sich in Baden bei Wien Fräulein Anna Lieber mann, Tochter des Herrn Osias Liebermann und Frau Rosa Abranowicz aus Drohobycz, mit Herrn Julius Oller, Bahningenieur in Linz. Baden, 29. September. Ohne dem fortschrittlich eingerichteten, mit Chor und Orgelklang verschönerten Gottesdienst irgendwie entgegentretea zu wollen, sei es mir gegönnt, mich hier über den Gottesdienst, dem ich an den vergangenen hohen Feiertagen im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde Baden beiwohnte, nach Herzenswunsch zu äußern. Erfreut sich die Cultusgemeinde Baden im Allgemeinen wegen ihrer trefflichen Einrichtungen, ihrer humanitären Bestrebungen eines ungetheilten ausgezeichneten Rufes, so verdient sie wegen des Gottesdienstes. wie er dortselbst geleitet und gehandhabt wird, das vollste Lob. Der gottesdienstliche Bortrag, wie er vom Cantor Jacob Schäfer durchgeführt wird, ist wahrhaft erbauend