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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-02 · 40 (2.10.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
40 (2.10.1895)
Date
1895-10-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 732 Dr. Bloch's Wochenschrift- Nr. 40 sein. Biele unter uns werden sich, was ich vollkommen billige, gesellschaftlich zurückziehen. Wir werden auf i'-ffentlichen Unterhaltungen Nichterscheinen, werden Concerte, Rennen, den Prater meiden. Es wird sich keine jüdische Dame finden, die als Lady Patroneß auf einem Balle erscheint. Wenn die Bewegung andauert, so ist es gewiß, daß manche wohlhabende Juden auswandern werden. ir blicken mit düsterer Sorge ip die Zukunft. Wien. (Antisemitische Excesse.) Aus Weidlingau schreibt man uns: Sonntag Abends theilien dem hiesigen Sicherheitswachmanne Franz Horak einige Passanten mit, daß auf dem Promenadewege beim Wicnflusse zwei Radfahrer die Spaziergänger belästigten und beschimpften und statt auf der Straße, auf dem sehr schmalen Promenadewege sich mit ihren Rädern tummelten. Der Wachmann begab sich dahin und ersuchte die beiden Radfahrer in höflichem Tone, den Promenadeweg zu verlosten und sich auf die Straße zu begeben. Erbost sprangen die Radfahrer von ihren Rädern und beschimpften den Wachmann, sowie die Spaziergänger, wobei sie fortwährend die Worte „Judenbuben", „Judenknechte" gebrauchten. — Der Wachmann forderte sie nun auf, ihm zum Bürgermeisteramte zur Ausweisleistung zu folgen, was sie jedoch verweigerten. Der eine Radfahrer war so excessiv, das er sein Rad mit beiden Händen faßte und es nach dem Wachmanne schleuderte, ohne ihn jedoch zu treffen. Das Rad ging dabei in Trümmer. Als aber die Radfahrer bemerkten, daß von allen Seiten d^e Bevölkerung herbeieilte, machten sie sich aus dem Staube. Der Wachmann eilte zum Bahnhofe und traf dortselbst die beiden Radfahrer, welche mit dem Zuge nach Wien fahren wollten. Mit Hilfe zweier Gendarmen gelang es. die Excedenten in die Stationskanzlei zu bringen. Abermals schimpften sie die Beamten und das Bahnpersonal „Judenbuben" und „Judenknechte" und beschwerten sich, daß sie in einer solchen „Schmutzhütte" dieser „Judenbagage" ihr Nationale abgeben sollten. Als ihnen von den Gendarmen gedroht wurde, daß sie, falls sie sich nicht legitimiren, verhaftet und dem Bezirksgerichte Purkersdorf eingeliefert werden, standen sie endlich Rede und Antwort. Derjenige, welcher fein Rad nach dem Wachmanne geschleudert hatte, ist ein Schuhmachermeister und der Andere ein Bäckermeister aus Wien. Gegen beide wurde die Anzeige beim Bezirksgerichte Purkersdorf erstattet. Dieser Vorfall hatte unter dem Publicum auf dem Bahnhofe großes Aufsehen hervorgerufen. Prag. 29. September 1895. Wie überall, so hat auch hier der unvorhergesehene Rücktritt des Abgeordneten Doctor Bloch das peinlichste Aufsehen erregt, weil man darin eine Ermüdung dieses wackeren Kämpen gegen unsere giftigsten Feinde zu sehen glaubte. Ihre letzte Nummer brachte nun Aufklärung. unerhörte Aufklärung. Hoffen und beten wir, daß die > Wähler von Kolomea. die für das gesammte Judenthum eine Ehrenpflicht zu erfüllen haben, nicht durch drastische Mittel von ihrer Mission, den ersten parlamentarischen Vertreter und Bertheidiger unseres Glaubens zu wählen, abgehalten werden. Unmöglich ist nichts! Heutzutage haben moralische Gründe ihre Triftigkeit ganz und gar verloren. Wie im Traum von einem Alp gedrückt lesen wir die Berichte aus der Reichshauptstadt. Es ist nur natürlich, daß alle unsere Prediger in den gestrigen Jom-Kippur-Betrachtunqen auf die Wiener Zustände zu sprechen kamen und ihre Auseinandersetzungen begeisterte Aufnahme fanden — des Oberrabbiners Dr. Ehrenfels, des Oberrabbinerstellvertreters Dr. Tauber, des Feldpredigers Dr. Kisch, des Tempelpredigers Dr. K a m i n k a. Dr. Kisch war es, der nach der Neilapredigt das Gebet mit den Worten schloß, daß er, wie einst der Hohepriester noch besonders für die Bewohner Sarons, die auf durchwühltem Boden wohnten, so heute ausdrücklich für die Glaubensgenoffen der Reichshauptstadt bete. Budapest, 29. September 1895. Würdig und entsprechend der Größe und dem Ansehen der Pester israelitischen Religionsgemeinde, vollzog sich am 24. d. M. in ihrer Mitte das fünfundzwanzigjährige Amtsjubiläum ihres Rabbiners und Predigers Dr. Moriz K a y s e r l i n g. Die seltene feierliche Ehrung dieses geistlichen Oberhauptes war ein schönes Pendant jener Jubiläumsfeier, mit der die Führer des hauptstädtischen jüdischen Lebens das viertelhundertjährige Wirken ihres Rabbiners und ungarischen Predigers, Dr. Samuel K o h n ehrten. Es wäre wohl hier am Platze, die Verdienste des gefeierten Mannes zu würdigen, die er sich während seiner fünfundzwanzigjährigen Amtsthätigkeit und als jüdischer Historiograph erworben. Seine plastisch und feincharakterisirend geschriebenen Monographien über Moses Mendelssohn, seine die spanisch-jüdische Geschichte bereichernden und beleuchtenden Arbeiten sind Gemeingut des jüdischen Lesepublicums geworden. Bekannt i>t auch, daß Dr. K a y s e r l i n g vor zwei Jahren! im Auftrag der amerikanischen Judenschaft in Spanien Forschungen anstellte, welchen Antheil die Juden an der Entdeckung Amerikas hatten, und daß er das Ergebniß seiner erfolgreichen diesb°züglichen Studien in einem Werke niederlegte, das unter dem Titel: „Der Antheil der Juden an der Entdeckung Amerikas" erschien und sofort in's Englische und Französische übersetzt wurde. Die Zahl der gelehrten Gesellschaften in beiden Welthälften, die Dr. K a y s e r l i n g zu ihrem Mitgliede zählen, ist sehr groß. Gehört nun Dr. K a y s e r l i n g als jüdischer Gelehrter und Geschichtsforscher dem ganzen Judenthum und der ganzen gebildeten Welt an, so wirkt er auf die Angehörigen feiner Gemeinde unmittelbar als gewaltiger Kanzelredner. Der Eindruck seiner deutschen Predigten auf ein Publicum, das nahezu ganz magyarisirt ist und Alles, was beim Gottesdienst sonst nicht hebräisch oder ungarisch klingt, perphorrescirt, ist phänomenal. Wochenlang stehen oft seine Zuhörer unter dem Eindruck der Worte, die er ihnen von der Kanzel herunter an's Herz legt. Daß das deutsche Wort auf der Kanzel des Cultustempels der Pester israelitischen Religionsgemeinde noch heute zu solcher Geltung und Wirkung kommt, ist zunächst das Verdienst des Dr. Kayserling. Ohne seine auch in seinen Predigten so fesselnd zum Ausdruck gelangende individuelle Rednergabe würde von der Kanzel das Wort Gottes nur mehr ausschließlich in ungarischer Sprache den Tempelbesnchern verkündet werden. Bei allem Patriotismus jedoch wünschen wir, daß dieser letzte Mohikaner deutscher Kanzelredner im Tempel der Dohäuyutcza uns und der Wissenschaft noch lange erhalten bleibe! M. Ueber den Verlauf der Jubiläumsfeier nachfolgender Bericht: „Um 11 Uhr Vormittags sprachen in der Wohnung des Jubilars der Vorstand und der Ausschuß der israelitischen Gemeinde vor. In deren Namen richtete Präsident Sigmund K o h n e r an Rabbiner K a y s e r l i n g eine schwungvolle Ansprache. In überaus warmen Worten würdigte der Redner die Verdienste des Gefeierten, der mit herzlichen Worten dankte. Dann sprachen folgende Deputationen vor : der Vorstand der „Chewra-Kadischah", geführt vom Präsidenten Karl R e u ß, das Präsidium und der Ausschuß des Frauenvereins unter Führung der Vicepräsidentin Frau Marie H e r z l, der Verein „Chinoch Neorim" geführt von dem Präsidenten Jakob M e s s i u g e r, der Beamtenkörper der israelitischen Religionsgemeinde und der „Chewra-Kadischah" unter Führung des Predigers Dr. K o h n. Die Sprecher dieser Vereine und Körperschaften begrüßten K a y s e r l i n g mit Ansprachen und überreichten ihm prachtvoll ausgestattete Adressen. Um 3 Uhr Nachmittags erschien abermals eine ganze Reihe von Deputationen. Auch diese brachten Adressen und hielten Ansprachen. Außerdem laugten von auswärts zahlreiche Begrüßungs-Depeschen ein. Die israelitische Religionsgemeiude gründete aus Anlaß des Jubiläums eine, den Namen des Dr. K a y s e rl i n g tragende Stiftung in der Höhe von 4000 fl., deren Zinsen als Prämien für Vorzugsschüler der neu zu erbauenden israelitischen Bürgerschule zur Auszahlung gelangen sollen. Ferner gründete der Frauenverein auf den Namen des Dr. Kayserling und seiner Gattin eine Stiftung von 3000 fl. zum Zwecke der Erhaltung eines Waisenmädchens, mit dem Bemerken, daß die Nominirung des Schützlings dem Jubilar und seiner Gattin zustehe. Außerdem wurden dem Jubilar seitens der Gemeinde und von Privaten zahlreiche Festgaben überreicht. Boryslaw, den 30. September. Vorige Woche erschien hier in Begleitung des Herrn N. Landes aus Lemberg der Rechtsconsulent desCuratoriums der Barou Hirsch-Stiftung, Herr Dr. Wechsberg, welcher im Aufträge des Curatoriums die galizischen Stiftungsschulen inspicirte. Der Delegat des Curatoriums gewann schon beim ersten Anblick der überfüllten Claffen die Ueberzeugung. daß das von der Stiftung vor zwei Jahren hier aufgeführte Schulgebäude, trotzdem die Schulräume groß sind, die Massen der Aufnahme begehrenden Kinder lange nicht

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