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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-02 · 40 (2.10.1895) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
40 (2.10.1895)
Date
1895-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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"L «Wör*^«v». «v22LLLSS«3se^: ^r, Nr. 40 mens Dimitrije, aufzusuchen und denselben der Staatsanwaltschaft einzuliesern. Außerdem hat die israelitische Gemeinde gegen den Herausgeber der Zeitung „Potpora" die Berleumdungsklage beim Kragujevatzer Gerichte eingereicht. Das Gericht hat merkwürdiger Weise die Klage mit der Motivirung abgewiesen, daß dies keine Verleumdung involvire. Dagegen hat die jüdische Gemeinde den Recurs an den Cassationshof ergriffen. Mittlerweile hat sich der betreffende Redacteur, in der Boraussehung. daß der Recurs beim Caffationshofe von Erfolg begleitet sein wird, an die jüdische Gemeinde mit der Bitte um Zurückziehung der Klage gewendet, wogegen er in seiner Zeitung erklären wird, daß er von einem Anzeiger irregeführt wurde, da derselbe beim Polizeiverhöre nicht anerkennen wollte, daß er diese Nachricht dem Redacteur erzählt hat und daß er von der Ehrenhaftigkeit der Juden überzeugt ist. dieselben um Verzeihung für den zugefügten Unbill bittet. Mit Rücksicht darauf, daß die jüdische Gemeinde nicht ganz bestimmt wissen konnte, ob sie beim Cassationshofe reussiren werden, erachtete dieselbe es als zweckmäßiger, auf den Antrag des Zeitungsherausgebers einzugehen und die Klage zurückzuziehen, jedoch nur nach Erledigung des Recurses seitens des Caffationshofes. da man die Meinung des Cassationshofes aus verschiedenen Gründen bei einem derartigen Falle kennen lernen wollte. Der Cassationshof hat wirklich dem Recurse stattgegeben, die israelitische Gemeinde hat jedoch ihrem Versprechen gemäß die Klage zurückgezogen, was nach dem serbischen Gesetze zulässig ist, nachdem der Redacteur der „Potpora" die bezeichnete Erklärung veröffentlicht hat. Von die er Widerrufung der Nachricht seitens der „Potpora" und von ihrer ganzen Erklärung haben die serbischen Zeitungen keine Notiz genommen; ja sogar fuhren sie weiter, hie und da den Juden diesen Fall vorzuwerfen. Die israelitische Gemeinde war jedoch nicht ruhig, sondern hat alle ihre Kräfte eingesetzt, um den verschwundenen Knaben zu finden. Und glücklicher Weise war dies auch von Erfolg begleitet und der Knabe ist gerade an den Abend vor unserem Neujahrsfeste in einem serbischen Dorfe bei einem Bauern ganz gesund gefunden worden. Die israelitische Gemeinde hat davon die Staatsanwaltschaft verständigt und dieselbe ersucht, auf Grund des früheren Steckbriefes den Knaben von seinem Aufenthaltsorte hieher nach Belgrad zu requiriren, was auch gethan wurde, und der Knabe ist wohlbehalten am zweiten Tage unseres Neujahrsfestes hier angelangt. Derselbe wurde von der Staatsanwalischaft verhört und er erklärte, daß er vom Hause seines Onkels weg ist. weil er sich mit seiner Tante nicht vertragen konnte und daß er bis jetzt bei einem Bauern in Ripanj — Belgrader Kreis — und dann in Belossawatz — Kragujevatzer Kreis — gedient hat. Nunmehr hat die Staatsanwaltschaft die Untersuchung eingestellt und wird auch in der Amtszeitung den früheren Steckbrief widerrufen, da der Knabe wohlbehalten aufgefunden wurde, was für die Juden die größte Satisfaction sein wird. Ahlwardtüber Hammerstein. B er l i n 28. September Gestern Abends sprach Ahlwardt über den Fall Hammerstein. Durch seine noblen Passionen, sagte Ablwardt, brachte Hammerstein es fertig, bei einem Jahreseinkommen von 40.000 Mark 700.000 Mark Schulden und verschiedene uneheliche Kinder zu hinterlassen. Er hat ein Leben geführt, wie es sich mit seinem Stande nicht vertrug. Leichtsinnige Leute, wie er e-s war, hat es aber immer gegeben und wird es immer geben. Es knüpft sich jedoch noch etwas an die Affaire Hamm erstein; die conservative Partei hat seinLebennicht seitJahren, sondern seit Jahrzehnten gekannt. DiejetzigeplötzlichemoralischeEntrüstung sei nur ein w o h lbe re ch n e te r p o li ti s ch er Coup. Hammerstein wurde aus Parteigründen der Re g i eru n g g e o p fert. Diese Genußsucht Hammerste in's sei der ganzen c o ns er v a tiv en Partei und dem Adel eigen, sowie den oberen Schichten im Allgemeinen. Dadurch habe sich der Adel in die Hände der Juden gegeben und deshalb konnten die Antisemiten ein Bündniß mit den Conservativen eingehen. Der Antisemitismus der Conservativen wolle pur an Stelle der Juden die Söhne des Seite 739 Adels setzen. Hammerstein wäre noch einer der besseren Conservativen. Bezüglich Stöcker sagte Ah l Wardt, es sei falsch, die Religion zu bekämpfen, weil so viele heuchlerische Pfaffen sie zu unlauteren Zwecken ausbeuteten. Fürst Bismarck habe die Judenmacht großgezogen. Schließlich kündigte A h l wa rd t an, daß er rat Reichstag einen Antrag auf Confiscation der großen Vermögen der Juden einbringen werde. Wie die Antisemiten im Allgemeinen und Ahlwardt im Besonderen Wahlen zu „machen" verstehen, darüber wird dem „Niederschles. Anzeiger" nachträglich noch folgende amüsante Historie mitgetheilt. Es war in dem Wahlkreise Kolberg. Köslin, wo Ahlwardt seinerzeit für seinen Genossen Paasch die Agitation betrieben hat. Mit einem mächtigen Knüttel bewaffnet, geht Ahlwardt über Land, gefolgt von seinem getreuen Schröder, der eine geheimnißvolle Mappe unter dem Arme trägt. Auf dem Felde ist ein Landmann mit Pflügen beschäftigt. Ahlwardt tritt an ihn heran. „Wieviel Morgen haben Sie, mein lieber Freund?" fragte er den fleißigen Landbauer. „Zehn Margen", versetzte dieser. „Wie, nur zehn Morgen?" erwidert Ahlwardt und zieht die Brauen" in die Höhe, „das ist doch viel zu wenig. Sie müssen mehr haben. Wie heißen Sie denn?" Der Bauer zuckt die Achseln und nennt seinen Namen. Ahlwardt wendet sich zu seinem Adjutanten und sagt mit gewichtiger, feierlicher Miene: „Schröder, notiren Sie, der Mann muß noch zehn Morgen haben". Schröder notirt. „Wieviel Kühe haben Sie?" fährt Ahlwardt dann zu fragen fort. „Eine Kuh", versetzte der Mann. „Wie, nur eine Kuh? Das ist unerhört! Schröder, notiren Sie, der Mann muß noch zwei Kühe haben". Schröder notirt abermals. Der Bauer sieht erstaunt drein und fragt, wie denn der freigiebige Wundermann ihm so reichliche Bescheerung verschaffen wolle. Nun kommt Ahlwardt zur Sache: ..Sehen Sie, mein Lieber", sagt er, ich bin der Ahlwardt, und wenn Sie jetzt bei 'der Wahl meinen Freund Paasch wählen, dann werden wir es durchsetzen, daß alle Juden aus dem Lande gejagt werden und ihr Geld confiscirt wird. Dann sind wir re^ch genug, um allen kleinen Leuten aufhelsen zu können, und daß Sie zu Ihrem Rechte kommen, dafür werde ich schon sorgen. Aber Sie müssen Paasch wählen". Sprach's mit warnend erhobenem Finger und ging gravitätisch von dannen, gefolgt von seinem treuen Schröder. Carl Lueger und Georg Schönerer. Das „Wiener Tagblatt" vom 25. September 1895 enthält einen Artikel, gezeichnet Moritz Szep s, in welchem der Verfasser folgende Episode erzählt: Schönerer 5and sich veranlaßt, gegen den Schreiber dieser Zeilen ' .. Orogproceß einzuleiten. Ich sah mich nach einem tüchtigen Bertheidiger um und hatte bereits — leider meine Wahl getroffen, als eines Tages ein Freund und Vertrauensmann des Herrn Doctor Lueger bei mir mit dem Vorschläge erschien, meine Bertheidigung Herrn Doctor Lueger anzuvertrauen. Wohlgemerkt, es handelte sich für Herrn Doctor Lueger dabei keineswegs um ein advocatisches Geschäft, um das Honorar, das er für seine Mühewaltung zu erwarten berechtigt gewesen wäre. Der Vertrauensmann des H;rrn Doctor Lueger erklärte von Vorneherein, daß derselbe auf jedes Honorar verzichte, da es ihm blos darauf ankomme, einmal recht eingehend vor den Geschwornen und der großen Oeffentlichkeit r>as Charakterbild des hohlen Agitators S ch ö n e re r zu zeichnen, die Bedenklichkeit der von Schönerer entfesselten Bewegung darzuthun und ihm durch die Verhandlung vor den Geschwornen das Handwerk zu legen, den Schönerer mit einem Morte unschädlich zu machen. Leider hatte ich aber, wie bereits erwähnt, einen anderen Bertheidiger schon bestellt und konnte nicht mehr zurück. Um aber Herrn Dr. Lueger für sein freundliches Anerbieten gebührenderweise persönlich meinen Dank auszusprcchen, begab ich mich Tags darauf in seine Kanzlei. Herr Doctor Lueger entwickelte mir gegenüber ganz dieselben Gründe, die ihn veranlaßt halten, mir seine Bertheidigung in dem Schönerer- Processe anzubieten, wie sie mir sein Vertrauensmann mitgetheilt hatte. Ich bedauerte damals aufrichtig, daß es mir nicht mehr möglich war, Herrn Dr. Lueger die Gelegenheit zu geben, sich vor dem Schwurgerichte mit Herrn v. Schönerer und dessen Vertreter, dem Herrn Dr. Pattai, zu messen. Dr Bloch's Wochenschrift.

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