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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-10-02 · 40 (2.10.1895) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
40 (2.10.1895)
Date
1895-10-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 728 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 40 ~-.pr es hauptsächlich ankommt, stellt sich die Tabelle wie folgt: Es starben Juden Preußen überhaupt 1878 3425 314777 1879 3537 322088 1880 3599 319701 1881 3750 330561 1882 3696 322242 1883 3857 339878 1884 3687 328507 1885 3822 332564 1886 3819 332960 1887 3837 325460 1888 3773 320585 1889 3880 318602 1890 4038 340655 1891 3988 338148 1892 4124 342332 1893 4402 354113 Man sieht sofort ein starkes Steigen der Sterbeziffer überhaupt, aber-während diese Steigerung bei den Juden 29°/0 beträgt, bildet sie bei den Christen nur 12%. Dabei ist noch besonders zu berücksichtigen, daß sich die Juden in Preußen in diesem Zeitraum nur um 8268 Seelen ----- 2 %, die Christen dagegen um 2,676.170 ---- 10% vermehrt haben. Hiedurch wird der für die Juden ungünstige Unterschied noch erhöht. Betrug die Sterbeziffer bei den Juden im Jahre 1878: 9 4 per Tausend, im Jahre 1893, dagegen 11'8 per Tausend, so war sie bei den Christen 1878: 11 5 per Tausend, 1893 dagegen 11 8 per Tausend. Wir beobachten also folgende Erscheinung: Innerhalb eines Zeitraumes von 16 Jahren, in dem, wie für jeden mit den Berhältniffen Vertrauten feststeht, der Abfall vom altüberlieferten Judenthum und die Assimilation Riesenfortschritte gemacht haben, ist die Geburtenziffer um 25 Percent gefallen, die Sterbeziffer um 29 Percent gestiegen! Man kann den Zeitraum bereits berechnen, innerhalb dessen sich bei einer Fortdauer dieser Entwickelung der Geburten-Ueberschuß in ein Manko, d i e natürliche Zunahme der deutschen Judenineine Abnahme verwandeln muß. Diese Erscheinung ist der in Amerika zu Tage tretenden vollkommen analog; schon jetzt haben die deutschen Juden ihrebiotischenBorzüge gänzlich eingebüßt! Diese Thatsache, welche statistisch unangreifbar fest steht, bedarf der Erklärung. Es muß zugegeben werden, daß mancherlei Ursachen Zusammenwirken können, unter denen die Auswanderung in jüngerem Alter obenansteht; aber alle diese Gründe können die Erscheinung nur zu einem kleinen Bruchtheile erklären, und wir werden eine wirkliche, vollkommen zutreffende Erklärung eben nur finden, wenn wir sie mit den anderen drei von uns mitgetheilten Thatsachen zusammennehmen. Geschieht dies aber, so ergibt sich der Satz: Diejenigen Juden, welche an ihren religiösen Vorschriften festhalten, erfreuen sich in der That großer biotischer Vorzüge; sie leiden weniger durch Krankheiten, Todesfälle sind bei ihnen seltenerund ihre Lebensdauer ist eine längere, als dies bei den andern Völkern, zwischen denen sie leben, der Fall ist. Diese Vorzüge verdanken sie aber nicht oder nur zum kleinsten Theile der Race; sie verdanken dieselben vielmehr nur den altüberlieferten Gesetzen, und mit dem Augenblicke, wo sie dieselben aufgeben, um den Andersgläubigen sich zu affimiliren, gehensieinkürzester Zeit ihrer biotischen Vorzüge verlustig: die Todesfälle steigen, die Lebensdauer sinkt! Diese Wirkung ist so groß, daß selbst der arme, unter den ungünstigsten Bedingungen lebende Jude, wenn er nur die Lehren der Väter befolgt, gesünder ist und länger lebt, als der reiche Jude, der für seine Gesundheit alle möglichen Opfer bringen kann und bringt. ... Die Lehren, welche diese warnenden Zeichen predigen, ergeben sich für jeden Denkenden von selbst. Mit erschütternder Buchstäblichkeit bestätigen sie die Mahnung, in welche der diessabathliche Thora-Abschnitt (Deuteron. 30, 20) ausklingt: „Zu lieben den Ewigen, Deinen Gott, seiner Stimme zu gehorchen und Ihm anzuhangen, denn Er ist Dein Leben und DeinerTageVerlängerung!" Ja, bis zur heutigen Stunde bewahrheitet sich, was der sterbende Moses den Altvordern eingeschärft (Deuteron. 32, 41—42): „Richtet Euer Herz auf alle die Worte, durch die ich heute Zeugniß ablege gegen Euch, daß Ihr sie auftraget Euren Kindern, zu beobachten und auszuüben alle die Worte dieser Lehren. Denn es ist bei Euch kein leeres Wort, sondern es istEuerLeben, und hierdurch werdetJhr langeleb en auf der Erde" rc! viseite moniti! Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Statthalterei über das „Schächten". Die niederösterreichische Statthalterei hat sich über Einschreiten des Thierschutzvereins veranlaßt gesehen, zu der Frage des „Schächtens" von Klauenthieren Stellung zu nehmen. Der genannte Verein hatte an diese Behörde eine Eingabe gerichtet, dahingehend, daß dieselbe das „Schächten" von Stechvieh verbieten und an dessen Stelle vor dem Halsschnitte den Betäubungsschlaz anordnen solle. Motivirt war diese Eingabe damit worden, daß die erstere Todesart dem Tbiere Qualen verursache und grausam sei. In Erledigung dieser Eingabe ist nunmehr dem Thierschutzvereine folgendes, vom Magistratsdirector Krenn gefertigtes Schriftstück zugegangen: Ueber die an die hochwohllöbliche Statthalterei gerichtete Eingabe, Zahl 665, hat die niederösterreichische Statthalterei mittelst Erlasses anher eröffnet, daß sie mit Rücksicht auf den Erlaß des hohen k. k. Ministeriums des Innern vom 19. März 1895, Z. 6470, mit welchem ausgesprochen erscheint, daß gegen die allgemein übliche Methode des Schächtens des Kleinviehes keine berechtigten Bedenken obwalten, insoferne dieselbe nach den Regeln des Fleischhauergewerbes geübt wird, sich nicht veranlaßt findet, hinsichtlich der Schlachtung von Kälbern, Schafen, Lämmern und Schweinen für das Kronland Niederösterreich eine besondere, vor Allem die vorangehende vollständige Betäubung des betreffenden Thieres verfügende Verordnung zu erlassen. Zur Blutlüge. (Belgrad.) Am 2. October vorigen Jahres hat ein Blatt in Kragujevatz, Namens „Potpora", in Form einer Beilage zum Blatte, ohne Unterschrift und mit großen Lettern gedruckt, ein Telegramm folgenden Inhaltes gebracht : „Nach Schluß des Blattes erhalten wir aus Belgrad die telegraphische Mittheilung, daß der Aufseher des jüdischen Friedhofes in Belgrad, leider ein Serbe, seinen Neffen den Juden verkauft hat und diese denselben geschlachtet und sein Blut zur Ausübung ihrer religiösen Ceremonien verwendet haben. Der Vater des unglücklichen Kindes ist nach Belgrad gekommen, um die Strafanzeige gegen diese Menschenfresser zu machen." Dieses Telegramm haben am folgenden Tage alle Belgrader Zeitungen, manche mit Commentar und manche ohne Commentar, reproducirt. Der erste Schritt, welchen die hiesige israelitische Gemeinde gethan hat, um dieses Blatt Lüge zu strafen, war die Anschaffung eines Amtszeugniffes seitens des Telegraphenamtes, daß ein Telegramm des in Rede stehenden Inhaltes weder von Belgrad aus noch von irgend einer Telegraphenstatioü nach Kragujevatz expedirt war und daß ein solches Telegramm überhaupt nicht besteht. Dieses Zeugniß wurde der israelitischen Gemeinde vom Telegraphenamte sehr rasch und bereitwilligst ausgefolgt. Die israelitische Gemeinde hat sofort dieses amtliche Zeugniß in einigen Hunderten Exemplaren drucken lassen und an alle jüdischen Gemeinden in Serbien eingeschickt, wo dieselben gleichzeitig mit den Zeitungen, welche das Telegramm der „Potpora" enthielten, verbreitet wurden. Durch dieses Zeugniß konnte jedoch nur bewiesen werden, daß ein solches Telegramm nicht existirt und daß ras Blatt „Potpora" gelogen hat, als es dies als telegraphische Nachricht brachte. Die Behauptung selbst konnte dadurch nicht entkräftet werden und die Zeitungen haben nicht aufgehört, verschiedene Hetzartikeln gegen die Juden zu bringen. Die israelitische Gemeinde hat den Fall der Staatsanwaltschaft zur Kenntniß gebracht und dieselbe ersucht, einzuschreiten. Auch der Vater des verschwundenen Kindes, welches übrigens 14 Jahre alt war, hat die Anzeige gegen den Aufseher des Friedhofes gemacht. Der Staatsanwalt hat die Untersuchung eingeleitet, den Aufseher und einige Nachbarn verhört, und dann in der Amtszeitung veröffentlicht, daß alle Polizeibehörden angewiesen werden, den verschwundenen Knaben, Na-

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