Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 40 (2.10.1895)
- Date
- 1895-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 40 Seite 727 L «^^^i%3aEaMKaef;s,?!t« Dr. Bloch's Wochenschrift. Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um ihn auf den rechten Weg zu bringen. 7. Seien wir — soweit als möglich — sparsam. Denn ein materiell unabhängiger Mensch fühlt sich frei, was eine Quelle innerer Befriedigung bildet, während ein ohne Berechnung in den Tag hineinlebender Mensch einem Sclaven gleicht, der anderen auf Gnade und Ungnade überliefert ist. S t a n i s l a u, im September 1895. Der Ausschuß. Einfluß der jüdischen Speisrgesetze auf dir Erhaltung derLrbrnsenergie. Herr Willy Heß in Berlin publicirt in der „Jüdischen Presse" nachstehenden Artikel: „Auf Grund dieser Wissenschaft und ihrer Aufzeichnungen in Volkszählungen, Sterbetafeln rc. ist feftgrstellt, daß unsere Stammesgemeinschaft gewisse biotische Eigenschaften besitzt, welche sie vor den anderen Völkern voraus hat. Als solche sind nach allgemeinem Urtheil zu betrachten: mäßige Geburtenzahl und sehr geringe Sterbeziffer, somit großer Geburtenüberschuß und längere Lebensdauer und in Folge dessen eine starke Vermehrung der Juden überhaupt, die größte Znnahme der Seelenzahl, welche unter den europäischen Völkern sestgestellt wurde. Da es in Rußland keine Statistik von unbedingter Zuverlässigkeit gibt, so ist man immer auf Schätzungen angewiesen; wenn indessen ein Mann von dem Rufe Böck h's, des Directors des Kgl. Preuß. Statistischen Amtes, diese Schätzungen vornimmt, so wird man ihnen doch Vertrauen schenken können. Derselbe berechnete nun die Zahl bir Juden Europas im Jahre 1860 auf 4,060.000 Seelen, dagegen 30 Jahre später auf 5,970.000 Seelen, so daß sich eine Zunahme von 47 Percent ergibt. Und dieses günstige Resultat liegt vor, trotzdem gerade in den betreffenden drei Jahrzehnten eine enorme Zahl von Juden Europa verlassen hat, um nach Amerika und den anderen Welttheilen zu gehen, und das Judenthum durch Uebertritte zu christlichen Confessionen Verluste aufzuweisen hat. Alle anderen europäischen Völker stehen in diesen biotischen Eigenschaften hinter den Juden zurück, obwohl alle an Seelenzuhl recht erheblich zugenommen haben. Die folgende Tabelle gibt die Uebersicht hierüber. Es betrug die Zunahme der Seelenzahl: bei Juden 47 Percent, bei Slaven 41 Percent, bei Engländern 31 Percent, bei Deutschen 28 Percent, bei Romanen 15 Percent. Begreiflicherweise hat der Racen-Hygieniker den Wunsch, daß eine Verschmelzung der Juden mit den Völkern, zwischen denen sie wohnen, letzteren die biotisckien Vorzüge zuführen soll, welche unser Stamm besitzt. Neuerdings spricht wieder Dr. P l ö tz in seinem Buche „Die Tüchtigkeit unserer Racen und der Schutz der Schwachen" diesen Wunsch aus und wendet sich auf Grund dieser Ausführungen gegen die Antisemiten und die ihrem Religionsgesetze treuen Juden, welche von ihren verschiedenen Standpunkten aus eine Verschmelzung verhindern. Demjenigen, der statistische Thatsachen zu würdigen versteht, muß sich die Frage nach dem Grunde jener biotischen Vorzüge aufdrängen. Der in die Augen fallende und meist angeführte liegt in der Racentheorie. Die Juden sind eben eine langlebige Race von größerer Zähigkeit als die Arier, so wird behauptet und, wie wir hinzufügen wollen, fast allgemein geglaubt. In neuester Zeit ist nun aber eine Reihe von Thatsachen bekannt geworden, welche geeignet erscheinen, diesen Glauben an die biotischen Raceneigenthümlichkeiten der Inden stark zu erschüttern. Wir wollen einige derselben mittheilen, um dem Leser die eigene Prüfung zu ermöglichen: 1. Bor einiger Zeit hielt Dr. Alfred Damm auf Grund eingehender Studien eine Reihe von Vorträgen über die Decadenz der europäischen Völker. Befragt, ob denn nicht die Erscheinung des jüdischen Volkes seinen Theorien widerspreche, erklärte er, seine Beobachtungen hätten ihn zu dem Schluffe geführt, daß die reformirten, respective assimilirten Juden allerdings dem allgemeinen Niedergange unterlägen, dies anderen, conservativen, dagegen eine Ausnahme von dieserDecadenz bilden! 2. Im vorigen Jahre fand in Budapest ein demographischer Congreß statt, bei dem holländische Gelehrte auf ein seltsames Phänomen, das sie in Amsterdam beobachtet, hinwiesen. Während nämlich hier im Allgemeinen die Reichen weniger durch Krankheiten und Sterbefälle litten, als die Armen, war bei der jüdischen Bevölkerung das gerade Gegentheil der Fall. Die wohlhabenden Juden, welche sich von den altjüdischen Gesetzen und Bräuchen vollständig emancipirt hatten, zeigten dieselbe Sterbeziffer und ebensoviel Krankheitsfälle, als die wohlhabende christliche Bevölkerung; ihre armen Glaubensgenossen dagegen, welche, in schlechten Wohnungen bei geringem Nahrung und harter Arbeit hausend, in gesundheitlicher Beziehung hätten schlechter stehen sollen, als die besser situirten, welche aber der großen Mehrzahl nach ihr Religionsgesetz befolgen, erfreuen sich eines besseren Gesundheitszustandes und einer wesentlich kleineren Sterbeziffer, als irgend einTheilder christlichen oder derjüdischenwohlhabendenBevölkerung Amsterdams! 3. Eine ähnliche Erscheinung, nur von größerem Umfange und deshalb principiellerer Bedeutung, theilt der oben erwähnte Dr. P l ö tz mit. In Nordamerika leben bekanntlich die eingewanderten russischen Glaubensgenoffen unter sehr ungünstigen sanitären Bedingungen, aber zumeist als gewissenhaft fromme Juden. Trotz der schlechten Wohnungen, trotz der großen Armuth, trotzdem sie fast alle in einigen Großstädten zusammengedrängt wohnen, haben sie eine Geburtenziffer von 539 auf 100 Ehen und. was das Wesentlichste ist, eine Sterbeziffer von nur 7 per Tausend, während die landesübliche auf das Doppelte steigt. Wenn Sie aber, so behauptet Dr. P l ö tz auf Grund vieljähriger Beobachtung, eine Generation in Amerika gelebt, die alten Sitten abgelegt haben, nicht mehr rituell leben rc., dagegen verhältnißmäßig emporgekommen sind, wohlhabender, zum Theil reich geworden, für Arzt und Badereisen Ausgaben machen können rc., sich den christlichen Amerikanern in allen Dingen zu assimiliren suchen, dann ist das Resultat ein Rückgang der Geburtenziffer auf 356 Kinder bei 100 Ehen und ein enormes Steigen der Sterbeziffer, welche mit 14 per T a u s e n d die landesübliche fast erreicht! Dabei darf man nicht außer Acht lassen, daß im Allgemeinen mit dem steigenden Wohlstände die Sterbeziffer fällt, die Juden in Amerika also ebenso, wie die in Amsterdam, das gerade Gegentheil des bei den Christen Beobachteten aufzuweisen! 4. Die genauesten und ebenfalls höchst merkwürdigen Zahlen weist die p r e u ß i s ch e S t a t i st i k auf und die folgenden Tabellen verdienen daher ganz besondere Aufmerksamkeit. *) Es wurden Kinder Es starben Kinder unters 5 Jahren jüdischer Eltern geboren Inden Preußen überhaupt 1878 1t627 2815 371271 1879 11673 2530 344148 1880 11284 2696 372908 1881 10974 2434 351578 1882 10822 2679 377839 1883 10478 2522 371291 1884 10447 2540 389542 1885 10300 2341 384295 1886 9538 2372 409773 1887 9557 2064 360710 1888 9377 1965 344854 1889 9227 1960 364117 1890 9099 1955 376488 1891 9194 1727 351269 1892 8763 4803 372322 1893 8736 1862 392364 Wir constatiren ein starkes Sinken der Geburtenziffer, womit ein Füllen der Sterbeziffer bei Kindern unter 15 Jahren natürlich verbunden ist. Für die Erwachsenen aber, auf welche *) Bei der Berechnung der Geburten sind nach dem amtlichen! Verfahren die ans Mischehen hervorgeganaenen K'nder zur Hälfte j den Juden zugeschrieben.