Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 40 (2.10.1895)
- Date
- 1895-10-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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BasbEä»' ÄesäS*gE:.-Svise£SHjEü«a;!-v *3nw^5s*»asBaw&.-i' «W^-- -»>. ^mew^ws*--*, Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 725 zu Gebote, das zu veröffentlichen ich mir im Interesse unseres Liäusek f knsebem unterlassen will. Es geht aber durchaus nicht an, sich ans das hohe Roß zu selben und von „der Bequemlichkeit der Jungen" von „Renegaten", vom „Abfall", vom „Abschütteln eines lästigen Gewandes" zu sprechen, wo erschreckende Thatsachen sprechen, wo es sich darum handelt, ein wirklich bereits nur zu fühlbares Uebel möglichst abzugrenzen. Daß dies möglich ist, daß der wahre, von der Liebe seines Berufes durchdrungene Lehre.- die schönsten Erfolge zu erzielen vermag, sei durch ein beredtes Beispiel erhärtet. < Im verflossenen Schuljahre waren am Communal-Real-Gymnasium im 2. Bez. 335 Schüler. Nicht ein Einziger erhielt eine nicht genügende Note. Und doch ist es allgemein bekannt, daß gerade an dieser Schule in der Religionslehre, wie im Hebräischen Ausgezeichnetes geleistet wird. Es ist auch kein Fall vorgekommen, daß der betreffende Religions-Professor dieser Schule es nöthig gehabt hätte, die Religionsnote eines seiner Schüler herabzudrücken. Die Schüler hängen eben an ihrem Religionslehrer mit rührender Liebe ob seiner Nachsicht und Geduld, sie verehren ihn ob seiner Gerechtigkeit und Tüchtigkeit. Sollte das, was an dieser Schule, und ich wäre in der Lage noch andere ebenso bewährte Lehrer anzusühren, sollt.', frage ich, dies nicht an allen Schulen möglich sein? Gewiß! Man sorge eben dafür, daß tüchtige, pädagogisch geschulte Männer den Religionsunterricht erthrilen. Hoffentlich wird uns das Seminar in kurzer Zeit recht tüchtige Lehrer zur Verfügung stellen können. Den Eltern unserer Schuljugend mochte ich aber zum Schlüsse die Frage vorlegen: Wozu gleich zum radicalsten Mittel der Apostasie greifen, wenn eurem Kinde wirklich oder vermeintlich ein Unrecht geschieht? Warum gleich zum Abfall vom Judenthum greifen? Havt ihr die unwiderlegliche UeberzkUgung. daß eurem Kinde Unrecht geschehen, seid ihr von der ungerechten Beurtheilung oder von den maßlosen Anforderungen seitens des Religionslehrers überzeugt, dann gehet hin und bringet an maßgebender Stelle eure Beschwerden vor. Auch der Mittelschnllehrer ist für sein Thun und Lassen verantwortlich, auch er muß seine Handlungsweise seinen Vorgesetzten gegenüber verantworten, und seid überzeugt, euer Recht und das Recht eurer Kinder wird gewahrt werden! Ich glaube auf diesem Wege wird bald wieder Friede und Zufriedenheit zu erlangen sein. Leopold Schulhof, städt. Lehrer und isr. Religivnslehrer. Centobvld's politische Seifenblasen. (Schreibebrief des deutschnationalen Studenten.) XXXII. Wien, im Herbstmond 1895. O theurer geliebter Cu «.pan Pumpo! In einer ganz miserablen, elendigen Stimmung bin ich Dir,Freund meiner rassenreinen Seele die ganzen letzten Tage her gewesen. Die Harunge im Salze waren mein ständig Leibgericht, ohne sie lebte ich jetzt nicht mehr. Der Katzenjammer in Groß-Folio, der konnte ja wohl nicht ausbleiben nach den großen Ereignissen, mit Naturnotwendigkeit mußte er eintreten. Mein Schädel schmerzt mich zum rasend werden, in meinem Hirn wird gefeilt, gesägt, gehämmert und geraspelt und meine Schläfen siechen mich wie zehntausend Mücken. Bor meinen Augen da flimmert alles nur so herum. Nicht weniger°als drei holdselige Milas sehe ich an der Sitzcasse zwischen sechs bis sieben chinasilbernen Aufwärtern und ihre liebreizenden Umrisse verschwimmen höchst unklar in einander und nur fünf Kellner der Zahl, statt des einen Johannes, an dem ich mehr als ganz genug habe, tanzen vor meinen umflorten Augen auf und nieder mit höhnischem Grinsen und Nicken. Ich bin Dir in einem geradezu entsetzlichen, schauderösen Zustand. Daß die Welt ein nichtswürdiges, ganz und gar verjudetes Jammerthal ist und das Leben nicht des Lebens werth, längst mußt' ich's und längst sagt' ich's, aber daß sie es in diesem Maße ist, das ist mir erst in meinen gegenwärtigen bektagenswerthen Zustand vollkommen deutlich worden. Gesoffen habe ich Dir die Wahlzeit hindurch, sag' ich Dir Pumpo — gesoffen .... Ich wußte gar nicht vorher, daß es überhaupt so viel Cognac auf der Welt gibt, als ich hinter meine rassenreine Binde geleert. Alle Biere habe ich durchgekostet, aber gleich in ausgiebigen Proben. Und Würste und Gollasch habe ich vertilgt! Äkan muß doch was für die arischen Wirthe thun. Nicht wahr? Nun so habe ich mich denn für den kleinen Mann geopfert. Das ist doch germanischer Edelsinn. Sollens mir's nachmachen die kleindenkenden, nur auf ihren Bortheil bedachten Semiten, wenn sie können. Bande das! Wähler habe ich Dir zur Urne geschleppt, das war schon eine Passion. „Und fährst Du nicht willig, so brauch ich Gewalt." Die meisten stiegen aber ohne viel Zureden in den Wahlfiaker und stimmten mit Begeisterung iür die von Lueger ausgestellten Barriörestöcke. Wie Du weißt, hat Lueger mit Recht einmal Barriörestöcke als Candidaten empfohlen. So ein Barriörestock hat noch nie seine politische Gesinnung gewechselt, denn weißt, wenn man wechselt, kriegt man immer was heraus, der bleibt standhaft; das ist der echte Coüservative. Der rührt sich gewiß nicht vom Fleck. — Am allerleichtesten brachte ich die kleinen Leute auf unsere Seite herüber, welche von Juden leben, Juden zu Kunden haben. Das ist doch natürlich und sehr begreiflich. Die haben eben Gelegenheit, die durchaus verwerflichen Raffeneigenthümlichkeiten aus erster Hand kennen zu lernen. Sprich mir nicht von Erkenntlichkeit. Das gibt's bei uns nicht. Prächtig ist's gegangen. Dte Judenfrefferpartei zieht als gewaltige, ernst zu nehmende Majorität in das Rathhaus ein. Sie sind alle vollständig einig im Wesentlichen, nur über die Art der Zubereitung gehen die Meinungen noch ein wenig auseinandtr. Doch wird man sich auch hierüber verständigen. Ob geröstet oder halb englisch abgebraten, das kommt doch erst in zlveiter Linie. Gestern iuterwiewte ich den Doctor Lueger und will Dir jetzt die äußerst merkwürdige Unterhaltung auszugsweise mittheilen. Mit herzlichem „Grüß Wotan" trat ich in die elegant und wohnlich eingerichteten Studierzimmer des großen Volkstribunen. Eine Unzahl großer Spiegel — das fiel mir auf. Schminktopfund Tiegelchen aller Art —der Mann ist eben mit allen Salben geschmiert —standen auf kleinen Tischchen umher. Vertrocknete Kränze mit vergilbten Schleifen hingen an den Wänden. Er überhörte mein Eintreten, so sehr war der Künstler in seiner neuen Rolle vertieft; er posirte vor einem großen Spiegel, vor den er einen Betstuhl gerückt hatte, mit colossalem Stimmaufwand und weitausgreifenden Gesten. Er studirte eben den schwierigen Uebergang vom brüllenden Besehl'habergeschrei in den zerknirschten Betbruderton. Die schmetternde, goldene Luchsenfansare und die nasale Maria-Enzersdorser Wallfahrtsweise zu verbinden, ist selbst großer Darstellungsgabe kein Kleines oder Leichtes. Er hielt eine flammende Ansprache an die Parteigenossen, deren Gedankengang man in dem inhaltsreichen Wörtchen „Kusch" zusammenfaffen kann und im nächsten Moment — hast du's nicht gesehen — kniete er schon wieder als armer Sünder zerknirscht und gebrochen vor dem Spiegel: „Heiliger Erich bitt' für mich? Ich räusperte mich und nun sah er erst erstaunt, daß ich da war. „Sind Sie Judenknecht, mein Herr? Kommen Sie von einer ungarischen Judenzeitung zu mir?" fragte er und spielte nach seiner Gewohnheit mit dem Zwicker. Ich kann Sie vollkommen beruhigen, Herr Doctor. Ich bin in jeder Beziehung rassen- und zimmerrein." Noch immer sah er mich zweifelnd an: „Wenn Sie nur nicht der Wahlversammlungs-Berichterstatter des S z e p s sind!" Ich beruhigte ihn auch darüber und fügte hinzu daß ich gekommen, um ihn zu seinen Erfolgen zu beglückwünschen und über seine Zukunftspläne zu befragen. „Gerne theile ich meine Ideen einem Gesinnungsgenossen mit — wenn Sie auch deutsch-national sind — das thut nichts, wir sind doch einer des andern werth, nicht wahr? — Fragen Sieungenirt, ich werde bereitwillig antworten."— „Gedenken Herr Doctor den Stadtrath aufzulöfen? — „Aufzulösen? Ja und nein. Er muß einerseits zu bestehen aufhören und andererseits erweitert werden."— Ich machte ein erstauntes Gesicht. „Verstehen Sie mich recht, wir Alle müssen Stadträthe t werden, ohne Ausnahme. Wie könnte ich es übers Herz bringen, * einen Genossen derart zu kränken und hintanzusetzen, daß ich ihn nicht zum Stadtrath machte?" „Ich begreife. Und die jüdischen Beamten?" frug ich weiter. „Sehen Sie, das ist ein schwieriger Fall. Ich habe versprochen, die jüdischen Beamten aus den Aemtern hinauszuwerfen, und bin gesonnen, mein Wort zu halten. Da aber leider keine drinnen sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als jüdische Beamten in hinreichender Anzahl zu ernennen. Ein anderes Mittel gibt es nicht zur Ausführung unserer Pläne. Auch werde ich jüdische Lehrer an christlichen Schulen anstellen lassen. Da-s muß sein. Sonst geht mir der Stoff zum Reden aus und geredet muß werden, das ist die Hauptsache. Selbstverständlich werde ich die Partei von allen unzuverlässigen Elementen gründlich säubern, daß heißt von solchen, die mir